Suomalainen Päiväkirja

Live aus Turku

Vorbereitungen

10 Kommentare

Übermorgen ist globaler Klimastreik, und hurra, endlich ist auch – zumindest diesen Freitag – Turku dabei!

Für unsere Kinder, die nicht nur regelmässige logo!-Gucker sind, sondern auch von klein auf bei der einen oder anderen Demo dabei waren, war die Sache natürlich sofort klar.

Sie fingen auch gleich an, ein Transparent zu entwerfen. Ich stellte ein altes Tischtuch und einen alten Besenstiel zur Verfügung, das Fräulein Maus schnitt und säumte, der grosse Herr Maus wird den Besenstiel noch in passende Teile sägen, und alle drei malten in überraschend friedlicher Eintracht.

Den Schulbesuch zu verweigern – zumal mit ausdrücklichem Einverständis der Eltern – hat hierzulande allerdings eher wenig von Anarchie: es gibt ja sowieso keine Schulpflicht.

Ich schrieb heute drei Wilma-Nachrichten, und die Antworten waren so milde wie dem Charakter der jeweiligen Lehrkraft entsprechend:

Lehrerin des kleinen Herrn Maus: „Danke für die Info.“
Lehrerin des grossen Herrn Maus: „Danke für die Info. Ich gebe dem grossen Herrn Maus dann am Donnerstag Aufgaben für Freitag.“
Lehrer des Fräulein Maus: „Danke für die Info. Für eine gute Sache lohnt es sich zu streiken!“

10 Kommentare zu “Vorbereitungen

  1. Man hat den Eindruck, daß man Finnland hinsichtlich dieses Themas irgendwie aufgeschlossener ist. Wie sich hierzulande manche Menschen und Politiker deswegen aufregen und zudem auch noch das Anliegen der Schüler ins lächerliche ziehen, lässt einen dann manchmal schon fassungslos zurück.
    Das Engagement eurer Kinder und diese immense Begeisterung kann ich jedenfalls nur gutheißen!

    In dem Zusammenhang fällt mir gerade auch ein, das Finnland doch auch in diesem Jahr die EU-Ratspräsidentschaft übernimmt und das Thema Klimaschutz zu einem der Hauptanliegen machen will. Hörte ich jedenfalls letztens auf Deutschlandfunk, als Finnland Wochenthema bei „Europa heute“ war.

    • Man kann es nur hoffen…

      Wir wählen ja in vier Wochen eine neue Regierung, und es heisst jetzt schon, dass das „Klimawahlen“ werden werden. Wenn ich mir allerdings so die Erwachsenen um mich rum angucke… :-(

  2. Ja, in Finnland ist man in vielen Dingen aufgeschlossener. Hier baut man z.B. auch weiter klimafreundliche Kernkraftwerke (selbst die finnischen Grünen fordern keinen Ausstieg).

    Deutschland braucht dagegen demnächst jede Menge neue Gaskraftwerke (die kein Unternehmen ohne Preisgarantien oder direkte Subventionen bauen wird) um die wegfallende garantierte Leistung der Kernkraft- und Kohlekraftwerke zu kompensieren.

    • Bei allem Unverständnis für den Bau neuer Kernkfraftwerke habe ich dennoch neulich auch erst wieder gedacht, was das denn für ein Unsinn ist, alle deutschen Kernkfraftwerke holterdipolter abzuschalten und stattdessen erstmal weiter fröhlich Kohle zu verheizen…

  3. Das ist toll! Ich bin Klimawissenschaftler und regelmäßig im Kontakt mit Politikerinnen und Politikern, aber das alles reicht einfach nicht aus, das machen wir seit Jahren, mit gemischten Ergebnissen und insgesamt nicht ausreichend … Dabei sind die Chancen überall mit Händen zu greifen. Es ist sehr beeindruckend, dass es nun die Kinder und Jugendlichen sind, die dem solchen Nachdruck verleihen. Ich habe am 25. Januar die große Fridays4Future-Demonstration in Berlin erlebt – und selten ein so ermutigendes und wichtiges Engagement gesehen, es war sehr bewegend.

  4. Ich verfolge die Freitags Demos nur aus der Ferne via Internet/Nachrichten, daher ist meine Urteilsfähigkeit hier evtl. etwas eingeschränkt, aber:

    Greta lebt im Rahmen Ihrer Möglichkeiten CO2 Sparsamkeit vor (z.B. konsequentes Nicht-Fliegen, Vegetarismus). Wer sich an ihr ein Beispiel nimmt hat meine Hochachtung verdient.

    Ich habe aber starke Zweifel, ob dies für den grossen Teil der Freitags Demonstranten auch gilt. Z.B. das deutsche Gesicht von fridaysforfuture Luisa Neubauer (#langstreckenluisa) wirft „den Alten“ vor, ihre Zukunft zu versauen, dabei hat sie selber in den vergangenen Jahren einen extremen CO2 Fussabdruck durch mehrere Fern-Flugreisen pro Jahr (mehr als die meisten „Alten“ im Leben). Dies wird zum Teil völlig zu recht als Heuchelei bezeichnet (Ich empfehle hierzu Animal Farm zu lesen – all pigs are equal – but some pigs are more equal than others).

    Des weiteren fehlen mir bei den Demos umsetzbare und zumutbare Forderungen. Ein Sofort Ausstieg aus der Kohle in D’land würde z.B. zu Zuständen führen, wie wir sie im Moment in Venezuela sehen. Ich empfehle hierfür (für die Deutsche Stromversorgung) das Agorameter oder Energy-Charts.de über längere Zeiträume zu verfolgen. Für einen weltweiten 24h Vergleich bietet sich electricitymap.org an. Solange BUND/Grüne/Greenpeace Deutungshoheit haben wird der deutsche Weg in Gaskraftwerke (bzw. Wind/Sonne bei Verfügbarkeit) führen – Dekarbonisierung geht anders.

    Ein Forderung verbunden mit einem konsequentem Selbst Bekenntiss zum: nicht fliegen, nicht Auto fahren (lassen), energieeffizient wohnen (als eher kleine Wohnung als Haus im Grünen), sparsamen Konsum (neue Kleidung wenn die alte kaputt ist, nicht wenn was neues beser gefällt) wären hier glaubhafter.

    • Nun ja. Schwarze Schafe gibt es immer und überall. Ganz sicher sind gestern auch Schüler dem Unterricht fern- und einfach zu Hause geblieben.

      Natürlich sollte sich jeder an der eigenen Nase zupfen. Aber die grosse Masse der Menschen macht ja doch, was sie will und was ihr erlaubt und ermöglicht wird. Und genau deshalb braucht man eben auch Regelungen von „oben“, und nichts anderes fordern die Schüler von den Politikern.

      Wir gehen sparsam mit Wasser um, trotz Wasserpauschale – aber der Nachbar, der sommers jedes Wochenende stundenlang seinen gesamten Fuhrpark wässert, würde vielleicht doch erschrecken über seine Wasserrechnung, wenn er denn eine bekäme.

      Warum ist denn Fliegen so billig? Warum werden diese Steuervergünstigungen, die längst nicht mehr zeitgemäss sind, denn nicht endlich abgeschafft?

      Warum gibt es seit Jahrzehnten Bestrebungen, Plastikverpackungen wenigstens aus einem einheitlichen Kunststoff herzustellen, um ein vernünftiges Recycling überhaupt erst möglich zu machen, und warum wird daraus nichts?

      Weil es keine Sau interessiert. Weil sogar die Politiker zu bequem sind, um unbequeme Gesetze zu erlassen. Und genau deswegen gehe auch ich mit den Kindern auf die Strasse.

  5. In Jena sind heute auch schätzungsweise 2000 Schüler, Studenten, Eltern und sonstige engagierte Bürger auf die Straße gegangen. Hier gab es in den letzten Wochen aber leider oft Schwierigkeiten, weil einige Schulleiter und Lehrer dafür kein Verständnis haben…

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