Suomalainen Päiväkirja

Live aus Turku

Die schönen deutschen Autobahnen

39 Kommentare

„Ihr habt ja so schöne Autobahnen!“, höre ich manchmal vor oder nach einem unserer Deutschlandurlaube, wenn ich mit jemandem über Reiserouten rede.

„Da kann man sicher gut so lange Strecken fahren“, sagen die einen.
„Und kein Tempolimit!“, schwärmen die anderen.

Leute, sage ich dann, ihr habt ja überhaupt keine Vorstellung.

Erstens nämlich sind die deutschen Autobahnen voll. Voller Autos, und voller Baustellen, und statt schön schnell voranzukommen, steht man oft einfach im Stau.

Oder es ist superanstrengend, da zu fahren. Wisst ihr eigentlich, wie so eine dreispurige Autobahn funktioniert?!

Ich sag’s euch mal: auf der rechten Spur reihen sich Stossstange an Stossstange die LKWs. Auf der mittleren Spur muss man mindestens 140 km/h fahren, weil man sonst zum Hemmschuh wird und Gegenstand des Unmuts aller Mitautobahnbenutzer. Wenn allerdings ein LKW zwei km/h schneller fährt als ein anderer, muss der natürlich überholen, völlig klar, und weil es ja ein LKW ist, denn auf der deutschen Autobahn gilt grundsätzlich das Recht des Stärkeren, drängelt er sich einfach auf die mittlere Spur und bremst die PKWs dort aus. Für den Fall gibt es noch die linke Spur. Allerdings kann man da nicht einfach blinken und mit seinen 140 km/h drauffahren, um einen 97 km/h fahrenden LKW zu überholen, denn die linke Spur, damit das mal gleich klar ist, die ist für die Leute reserviert, die in Deutschland ihr letztes Refugium haben: die auf der Autobahn mal so richtig die Sau rauslassen wollen.

Wir halten fest: die rechte Spur ist quasi gesperrt. Auf der mittleren Spur braucht man extrem gute Nerven. Und auf der linken Spur lauert – und ich empfinde das tatsächlich so – permanent der Verkehrstod.

„Oh“, sagen die Leute dann und kriegen erschrockene Augen, „das ist doch super gefährlich! Kann man da nicht irgendwelche Regeln aufstellen?“

Tja, liebe Leute, sage ich dann, ein Tempolimit wäre schon mal eine gute Lösung. Klar, hält sich auch nicht jeder dran, aber ich bin mir sicher, es würde deutlich weniger gerast. Und überhaupt wäre das Fahren viel stressfreier.

Es ist nämlich so: einmal habe ich den Herrn Picasso von Stockholm bis Eckernförde gefahren, über 1000 km, ohne Fahrerwechsel, weil der Ähämann Fieber hatte. Es war Sommer, es war hell, ich war ausgeschlafen, und auf den skandinavischen Autobahnen fährt es sich entspannt dahin: wenig Verkehr, Tempolimit auf 120 km/h. Das Ganze war kein Problem. Ab Kopenhagen war der Verkehr deutlich dichter, aber ich rollte einfach mit den anderen dahin oder überholte ab und zu. Dann kam die deutsche Grenze. Die Autobahn wurde weder breiter noch schmaler noch besser noch schlechter, und die Verkehrsdichte änderte sich kein bisschen. Nur das Tempolimit war weg. Und damit die Entspanntheit beim Fahren. Ringsum begann ein Gerase, als hätte man wilde Tiere aus einem Käfig gelassen. Nichts mehr mit entspanntem Dahinrollen. Stattdessen: Lenkrad umklammern, Bremsfuss in Habachtstellung, permanent den Rückspiegel im Auge behalten. Diese letzten 50 km von insgesamt 1100 waren die schlimmsten.

Und warum? Weil man eine kleine Minderheit, die den Motor unterm Hintern für ihr Selbstwertgefühl braucht, nicht in ihrer Freiheit einschränken darf.

Die schönen deutschen Autobahnen bereiten mir Unbehagen. So schlimm, dass ich da nicht mehr fahre, weil ich diese Art des Autofahrens nach 15 Jahren in Finnland völlig verlernt habe. So schlimm, dass ich jedes Mal froh bin, wenn wir da heil wieder runter sind.

Und das ist jetzt nur mein persönliches Empfinden. Die Fakten zum CO2-Ausstoss und die Unfallstatistiken sprechen eine noch viel deutlichere Sprache. Überhaupt ist das unbegrenzte Tempolimit ja kein bisschen mehr zeitgemäss: als pro Kilometer Autobahn nicht mehr als zehn Autos unterwegs waren, da war das sicher prima – aber bei der heutigen Verkehrsdichte?

Die schönen deutschen Autobahnen, liebe finnische Mitbürger, sind nichts, was im Geringsten erstrebenswert wäre. Im Gegenteil.

Und das unbegrenzte Tempolimit gehört endlich weg.

(Da kann man unterschreiben. Ich hab‘ auch schon.)

39 Kommentare zu “Die schönen deutschen Autobahnen

  1. wie recht Du hast ! Ich fahr zwar super selten Autobahn wo mit (habe bis heute keinen Führerschein) aber ich empfinde es als Beifahrerin genauso. Dieses schrottige Tempolimit gehört auf den Schrott. Und SUV nicht in Innenstädte…. Liebe Grüße, Eva

  2. Man hätte es nicht besser und treffender beschreiben können – genau so isses!

  3. Håller 100% med! Absolut treffend zusammengefasst.

  4. Und genau diese Zustände werden in Österreich gerade „geprüft“. Schöne Aussichten sind das :(

  5. Danke für den Hinweis … war gerade unterschreiben

  6. Witzig, dass grundsätzlich die, die eben absichtlich mit 140 km/h einem deutlich schneller Fahrenden auf die Spur hüpfen, am besten noch ohne zu blinken, die sind, die sich aufregen und nach einem Tempolimit schreien. Ihr verursacht die Unfälle! Ihr schaut nicht! Dann bremst doch, wenn die LKWs rausziehen. Ihr müsst ja nicht auf die dritte Spur ausweichen. Nein! Ihr reißt das Recht an euch, ausweichen zu wollen ohne die 140 ändern zu müssen. Was interessiert mich der, der hinter mir kommt. Ich krieg die Motten bei so einem Blödsinn! Auch weiter witzig, dass ausgerechnet diejenige, die keinen Führerschein hat, also überhaupt keine Ahnung vom Autofahren, die ist, die als erste wettert! Ganz großes Kino!

    Ich bin eine Frau Anfang 40. Ich habe Autofahren mit 18 gelernt, im Winter auf Schnee! Bin seitdem jeden Wochentag, im Urlaub auch gern weite Strecken, gefahren, mit gänzlich unterschiedlichen Autos. Ich fahre morgens, mein Mann abends. Ich fahre JEDEN! VERSCHISSENEN! TAG! Und ja, ich fahre gern schnell. Ich passe auf wie ein Luchs und habe bisher noch keinen Unfall gehabt. Wo es geht fahre ich gut und gern 200! Mit Spaß und Freude!

    Und ich habe grundsätzlich die Hausmütterchen vor mir, die ohne zu schauen einfach rausziehen, die Geschwindigkeit der von hinten kommenden nie einzuschätzen gelernt haben und auch nicht begreifen, dass ein Auto mit 175 PS durchaus auch mal schneller im Anzug ist als ihre eigene kleine Knutschkuller mit 60 PS. Mein Gott…beharrt nicht immer auf eure Rechte, sondern denkt auch mal an eure Pflichten als Verkehrsteilnehmer. Schaut in eure Spiegel, die sind nicht nur zum Kontrollieren des Make-Ups da, setzt den Blinker und wartet auch mal. Ja, dann müsst ihr halt bremsen! Muss ich, wenn ihr mir mit 140 in den Weg springt, auch! Und zwar nicht zu knapp!

    Weiter…Beschleunigungsstreifen heißen nicht so, weil’s so schön klingt! Nein…Autobahnauffahrten sind dafür da, dass man da Gas gibt und nicht langsamer wird bis zum Stillstand, weil einen angeblich keiner reinlässt. Es muss euch keiner reinlassen!!! Wenn man, wie es der Name eben schon sagt, beschleunigt, kommt man auch meistens ohne Probleme rein. Aber auch das ist zu viel verlangt. Uuuhhh…da hab ich Angst. Ihr blamiert die Frauen ohne Ende. Kein Wunder, dass sich das Klischee…Frauen können nicht Autofahren… weiterhin hartnäckig hält. Ich schäme mich in dieser Beziehung ungemein für mein Geschlecht…jeden Tag aufs Neue! Und ihr bestätigt mich gerade wieder darin!

    Aber klar…weg mit sämtlichen Rechten, die man hat, hin zu irgendwelchen abstrusen Pflichten, nur weil einige nicht gelernt haben, mit der Technik umzugehen. Einfach mal drüber nachdenken, dass man selbst etwas falsch macht, nö…auf die Idee kommt ihr alle nicht. Immer sind die anderen Schuld, denn die fahren ja viiieeel zu schnell! Aber gut…dann warten wir mal auf das Tempolimit von 120! Dann passiert sowas ja nicht mehr, nicht wahr? Dann ist alles in Butter! Dann kommt jeder entspannt an…ich muss jetzt schon lachen, wenn ich das nur schreibe.

    Und was die Bemerkung: SUV nicht in die Innenstädte soll, hab ich auch nicht verstanden. Angst vor großen Autos? Jau..die sind etwas größer als so’n kleiner Ford Fiesta von 1999. Oder ein Opel Corsa. Oder ein VW Up. Na und? Ach ja…ich vergaß…die produzieren ja Feinstaub. Stimmt…

    Ich muss aufhören, sonst wird das hier ein Roman. Einfach mal das eigene Verhalten und die Unzulänglichkeiten reflektieren! Das hilft im Umgang mit anderen schon ungemein. Und was bei xy (Finnland) funktioniert, muss bei xz (Deutschland) noch lange nicht klappen. Jeder sollte vorausschauend und umsichtig fahren. Dann kann man auch mit 140 oder eben 200 entspannt ankommen.

    In diesem Sinne…fröhliches Weiteraufregen und Herbeibeten von Einschränkungen. Was vor Jahrzehnten hart erfochten wurde (z.B. Frauen dürfen überhaupt Autofahren…grade heute am 8.3., sonst hättet ihr nämlich nix, worüber ihr euch aufregen könnt) mit Füßen treten und nur an die eigene Bequemlichkeit denken, dann kommen wir auf der Welt ganz weit!

    • Haben Sie zu dem Thema außer ungefilterten Emotionen argumentativ etwas beizutragen?

    • Ganz schön starker Tobak. Ich könnte einen ähnlichen Kommentar zum allgemeinen Verhalten Finnischer Autofahrer im hiesigen Verkehr verfassen. Mach ich aber nicht. Denn es gibt einen Unterschied zwischen Sich-mal-aufregen und Nur-an-sich-denken. Dein Text liest sich wie ein Amazon-Kommentar, wo jemand ein Kinderbuch gekauft hat und sich dann beschwert, dass die Buchstaben so groß sind. Denn nicht nur ist dein Kommentar voller Beleidigungen und Stereotype, du hast auch den Sinn des Blogbeitrags nicht verstanden. Es wird keineswegs behauptet, dass die schneller Fahrenden Fehler machen. Im Gegenteil, wenn, dann die langsamer Fahrenden. Und zwar in den geschilderten Fällen nicht gerade freiwillig, weil die „Raser“ allen anderen ihren Willen aufdrängen, eben weil sie so schnell sind und deswegen schlicht keine Möglichkeit haben, ihr Fahrzeug angemessen zu kontrollieren. Ein Auto bei diesen Geschwindigkeiten kontrollieren zu können, ist eine Illusion, die die Autoindustrie verkauft (verständlicherweise, alle wollen Geld verdienen). Es ist vielfach der ständigen und unentspannten Aufmerksamkeit der „Hausmütterchen“ und ähnlicher Versager zu verdanken, wenn ein Unfall vermieden wird. Nein, im Blogbeitrag geht es darum, dass Fahren ohne Tempolimit auf Autobahnen mit deutscher Verkehrsdichte einfach gefährlich ist. Die meisten wissen oder merken das, manche nicht. Und natürlich gibt es auch ein bisschen Kritik daran, dass manche auf der Straße hauptsächlich an sich selbst denken, aber das scheint ja angebracht.

      Auf die Gefahr hin, dass ich dir frisches Futter serviere, nicht weiter ausgeführte Argumente wären die verschwindend geringe Zeitersparnis durch höhere Geschwindigkeiten, die im Sekunden-bis Minutenbereich liegt, und der „Spaß“ am Schnellfahren, der, nun ja, ersetzbar ist.

    • Verstehe nicht recht, was ein Tempolimit mit Frauen zu tun hat…Ein Tempolimit mach total Sinn, sowohl vom Umweltaspekt her als auch von der Unfallstatistik, und das hat mal absolut gar nichts mit dem Geschlecht zu tun.
      Aber so wie die USA ihre Waffenlobby hat, so hat Deutschland seine Autolobby.

    • Ich muss dir da vollkommen zustimmen.
      Die Autobahnen sind auf 3 Spuren eingeteilt und schon der normale Menschenverstand sagt einem, dass wenn ich gemütlich und langsam fahren möchte, dann bewege ich mich auch nicht von der rechten Spur weg, fährt man eben die nächsten 100km hjnter einem LKW her, da sollte es allerdings auch keinen Grund zur Aufregung geben, denn alles andere ist ja schon wieder zu schnell und chaotisch.
      Ich selbst bin relativ viel auf deutschen Autobahnen unterwegs und die Aufhebung des Tempolimits ist immer ein Segen, klar gibt es den ein oder anderen Vollidioten, aber die gibt es in der 30er Zone genauso wie auf der linken Spur einer deutschen oder finnischen oder sonst was Autobahn.

      • Nein, ich möchte nicht 100 km zwischen LKWs eingeklemmt fahren, sondern die drei Spuren gefahrlos benutzen dürfen, wofür sie gedacht sind.

        Das heisst nicht, dass ich ohne zu gucken und ohne Geschwindigkeitsunterschiede zu beachten, einfach auf die nächstlinke Spur ausscheren möchte. Aber ich möchte nicht um mein und das Leben meiner Familie fürchten müssen, weil auf der linken Spur Autos ganz legal mit Geschwindigkeiten fahren dürfen, bei denen weder deren Fahrer sie unter Kontrolle halten können noch andere fahrer die Möglichkeit haben, die Geschwindigkeit dieser Autos korrekt einzuschätzen, weil sie eben plötzlich einfach da sind.

        Angesichts der Folgen, die das unbegrenzte Tempolimit hat, ausgerechnet das Wort „Segen“ zu benutzen, empfinde ich übrigens als extrem zynisch und pietätlos. Welche Art „Segen“ meinst du denn genau?

        • Die Redewendung „es ist ein Segen“ scheint dir nicht bekannt zu sein wie dein Satz vermuten lässt. Ich möchte mich hier auch nicht auf irgendwelchen göttlichen Gefilden bewegen sondern das einfach so stehen lassen.

          Wir alle die befugt sind ein Kraftfahrzeug zu führen haben einmal (hoffentlich) eine Fahrschule besucht in der wie die grundlegenden Regeln des Miteinander im öffentlichen Straßenverkehr gelernt haben.
          Ich nehme keinen rücksichtslosen Raser in Schutz oder sonstiges Fehlverhalten, allerdings sind es nicht sehr oft diese ängstlichen Autofahrer die den Verkehr behindern, die Angst davor haben schneller zu fahren, die in ihrer eigenen kleinen unsicheren Welt (Auto) über Deutschlands Autobahnen und Bundesstraßen schleichen und so allen anderen Verkehrsteilnehmern ihre Fahrt erschweren.
          Ich finde, wer Angst beim Autofahren hat sollte das lieber lassen und auf Bus und Bahn umsteigen, ist sicherer für alle Beteiligten und keiner muss sich über diese Verkehrsbremsen unnötig aufregen.

          • Ein Segen sind Gurtpflicht, Airbags, die moderne Notfallmedizin. Worin der Segen eines unbegrenzten Tempolimits bestehen soll, erschliesst sich mir beim besten Willen nicht.

            Im Übrigen reden wir hier nicht von ängstlichen, den Verkehr behindernden Autofahrern, sondern von einer Massnahme, die nachweislich Gesundheit und Leben aller Verkehrsteilnehmer schützen würde.

  7. Danke für den Text, du bringst es auf den Punkt. Ich empfinde das Fahren auf deutschen Autobahnen auch als extrem stressig und stimm dir zu, ein Tempolimit würde hier Abhilfe schaffen. Der beleidigende Kommentar spricht Bände. Der betreffenden Fahrerin wünsche ich weiterhin allzeit gute Fahrt, in Zukunft jedoch deutlich weniger “verschissene!” Tage.

  8. Danke für Deinen Text – vollste Zustimmung!
    Der Umwelt, der Sicherheit, der Lebensfreude zuliebe.

    (Ein gewisser Minister in Österreich hätte es gerne schneller: unfassbar!)

    GLG E.

  9. Ich kann Dir nur 100% beipflichten. Ich HASSE es, auf deutschen Autobahnen zu fahren. Es ist genauso, wie du es beschreibst und ökologisch ist es ein riesiger Fehler.
    Es wird endlich Zeit für ein Tempolimit. Absolut!! Ich wohne direkt an der Schweizer Grenze und fahre viel lieber auf Schweizer Autobahnen.
    Liebe Grüße
    Andrea

  10. Mein schottischer Kollege macht gerade Führerschein und hat neulich zu mir gesagt: „ihr habt doch in Deutschland diese Autobahn. Bist du da schon Mal gefahren? Ich würde mich das nie trauen, das ist doch komplett verrückt“ Und ich musste ihm zustimmen. Ich kann’s auch nicht leiden. Ich fahre hier viel lieber. Maximal 112 auf der Autobahn, und wenn man sich mal auf die falsche Spur einordnet ist das kein Problem, und hupen ist eh zu unhöflich. Ich verstehe das in Deutschland nicht, Menschen die sonst völlig normal sind werden unglaublich aggressiv, cholerisch und rechthaberisch sobald sie im Auto sitzen. England ist übrigens schon deutlich stressiger als Schottland, trotz gleicher Tempolimits. Wahrscheinlich liegt’s dran, das die Schotten daran gewöhnt sind, das man sich beim Autofahren einigen muss, wegen den single track roads, da kann man auch nicht einfach auf seinem Recht beharren.

  11. Petition unterzeichnet und weiterverbreitet.
    Boah, bei so Leuten wie dem etwas ausufernden Kommentar da oben krieg ich schon wieder Puls. Nein, die linke Spur ist nicht die Raserspur, die linke Spur ist die Überholspur. Und überholen darf ich auch mit meinem Kleinwagen mit 120 oder 130 kmh, wenn weiter rechts was langsameres vor mir her zockelt.

  12. Interessant, wie bei diesem Thema die Gemüter hoch kochen! Dabei ist doch wissenschaftlich längst erwiesen, dass ein Tempolimit sinnvoll und lebensrettend ist, egal in Finnland mit weniger Verkehr oder in Deutschland mit viel Verkehr.
    Claudia, oder wohl eher Claudio, Du passt wunderbar ins Klischee des rücksichtslosen Autofahrers, der durch ein allgemeines Tempolimit seine Rechte als freier Bürger gefährdet sieht. Ich möchte Dir nicht im Straßenverkehr begegnen. Und was soll die diffamierende Bemerkung über angebliche „Hausmütterchen“? Damit disqualifizierst Du Dich zusätzlich.
    Ich fahre kein Auto mehr, weil mich Gehabe von Leuten wie Claudio nervt, aber ich gestehe, als Radfahrerin könnte ich einen ähnlichen Text schreiben, denn auf abseits von Autobahnen gibt es genügend Claudios…
    Danke für den Text und danke für die Kommentare, die sachlich bleiben!

  13. Ich denke jeder hat seine eigene Meinung zu deutschen Autobahnen, Tempolimit und Fahrweise…. Wir genießen immer das entspannte Fahren im Urlaub in Dänemark – kaum fährt man zurück nach Deutschland fängt der Stress wieder an.
    Am Ende kann nur jede/r für sich entscheiden ob er gerne fährt und vor allem wie er fährt.

    Ganz liebe Grüße und vor allem „eine gute und sichere Fahrt“!
    Petra

    • Nein, ich finde nicht, dass jeder für sich entscheiden darf, wie er fahren will. Spätestens da, wo man mit seinem Verhalten Schaden zufügt (Menschen, der Umwelt…), hört die persönliche Freiheit auf. (Woanders als beim Autofahren ist dieser Grundsatz ja auch durchaus akzeptiert.)

      • Ganz genau, so sehe ich das auch! Und überhaupt kann ich deinem Beitrag nur 100% zustimmen.

        Finnen sagen auch gerne „Oh toll, du wohnst in Deutschland, mitten in Zentraleuropa, du kannst ja ständig am Wochenende irgendwohin in eine neue spannende Stadt in den Kurzurlaub fahren!“. Darüber könnte ich auch einen Roman schreiben, warum das nicht so ist und warum man in Südfinnland zum Teil viel bessere Möglichkeiten für Wochenendkurztrips hat…

      • :-) Da musste ich selber schmunzeln…mit „wie er fährt“ meinte ich doch Auto, Rad oder mit den öffentlichen Verkehrsmitteln – doch nicht WIE er Auto fährt! Von Rasern, Dränglern etc. halte ich gar nichts.

        LG Petra*

  14. Es stimmt, hinter Trelleborg bzw. Rødbyhavn fängt der Urlaub an bzw. hört auf. Ich bin unzählige ( 30 – 40) male die Strecke bis Stockholm gefahren – noch bevor die vierspurige Straße bis Kopenhagen, Autobahnen E 20 und E 4 durchgängig ausgebaut bzw noch Baustellen waren, und das Fahren nervtötend war;tuckern in endlosen LKW-Schlangen durch Südschweden, lauern auf die nächste Überholmöglichkeit. Ich lobe den Fortschritt.
    Heuzutage ist es eben gemütlich. Es ist auch nicht wunderlich, da Dänemark flach wie eine Tischplatte und in Schweden mir nur zwei moderate Steigungen in Erinneung sind. Die Autobahn führt in Dänemark durch weite Landschaften, freie Felder (außer um Kopenhagen herum) und in süd-Schweden durch unendliche Wälder fernab jeglicher Siedlung.
    Deutschlands Landschaften und Autobahnen sind nun mal anders. Bis Travemünde bzw. Puttgarden habe ich eine 650 u. 750 km lange Strecke durch dicht gebaute Rhein-Neckar- und Rhein-Main-Regionen und über deutsches Mittelgebirge mit vielen kurven und steilen Steigungen Dauerbaustellen und Tempolimits , heißt den ganzen langen Tag höchstkonzentriert fahren. Wenn es mal drei Spuren gibt, belegen die Sattelschlepper oft die beiden rechten. Grundsätzlich rege ich mich nicht auf über andere Verlehrsteilnehmer- oder versuche es zumindest.
    Hektik bringt nichts. Der allerbeste Rat meines Fahrlehrers vor 50 Jahren in kleinen Stadt Vammala lautet: sich durch nichts aus der Ruhe bringen lassen. So war er auch selbst. Oh ja, ich kannte schon Verkehrsampel. Die nächsten waren in Tampere, wo wir üben konnten. Vor 8 Jahren bin ich schon von Tampere nach Helsinki auf der Autobhan gefahren. Ich lobe den Fortschritt.
    In meiner Umgebung in der Rhein-Neckar-Metropolregion gibt es eh auf den Autobahnen Tempolimit 80, 100, 120 und selten 130, und wir haben viele Autobahnen. Freie Fahrt auf A 5 und 6 gäbe es in der Praxis nur nachts zwischen 2 und 4 Uhr. Ich fahre gern über Autobahnen, lieber als über die Landstrassen und durch die kleien Dörfer, wenn ich grade nicht dort Freunde treffen will. Bei uns in der Pafalz stehen die Dörfer dicht beisammen
    Ich bin für Tempolimit für alle anderen Autobahnstrecken in Deutschland, falls es noch welche ohne Tempolimit gibt. Ist doch nur gerecht so.
    Hat ein Finne jemals gemerkt , dass in den deutschen Häfen ein Schild steht mit dem Hinweis, dass in Deutschland auf Autobahnen Richtgeschwindigkeit 130 gilt? Richtgeschwindigkeit heißt auf Finnisch „suositeltava nopeus“. Es hat sich nicht rumgesprochen.

  15. Ich hab gleich mal mitgezeichnet… :-)
    LG

  16. Deine Erfahrung habe ich (von Norwegen über Dänemark nach Deutschland fahrend) ebenfalls gemacht: Bis Dänemark alles friedlich und entspannt in ähnlicher Geschwindigkeit. Ab der deutschen Grenze ist die Hölle los.

    Ich bin durchaus eine gute und sichere Fahrerin, bin früher recht viel gefahren, inzwischen versuche ich (der Umwelt und der Gesundheit zuliebe), so wenig wie möglich zu fahren, so weit sich das im Alltag machen lässt. Aussagen wie die von „Claudia“ ärgern mich, zum einen, weil pauschal über angeblich schlechte Fahrerinnen hergezogen wird, zum anderen, weil ich niemandem glaube, dass man bei Tempo 200 jederzeit so 100%-ig konzentriert ist, dass man jeder eventuell auftretenden Gefahr sicher ausweichen kann: Egal ob es ein platzender Reifen am eigenen Auto (das ist schon bei Tempo 120 nicht lustig), irgendein Gegenstand oder Tier auf der Fahrbahn oder ein ausscherendes Fahrzeug vor mir ist. Solche Raser gefährden sich und andere und wollen es nicht mal wahr haben.

    „Single track road with passing places“ wie in Schottland muss es vielleicht nicht gleich sein, aber was gegen ein Tempolimit sprechen sollte, hab ich schon vor 30 Jahren, als ich meinen Führerschein machte, nicht verstanden.

  17. Ein wunderbarer Text, vielen Dank! Nun bitte einmal an unseren Bundesverkehrsminister weiterleiten :-)

  18. Ich fahr auch nicht auf der Autobahn, aus den selben Gründen. Während ich das hier gelesen habe, dachte ich die ganze Zeit: „ich habe da eine Petition unterschrieben, die sollte ich in einem Kommentar unterbringen“, bis ich zum letzten Absatz kam, und sah, dass das nicht mehr nötig ist.
    Ich fürchte allerdings, dass das in Deutschland nicht durchzusetzen ist. Dafür ist die Autolobby zu stark, und der durchschnittliche Deutsche zu lange mit „frei Fährt für freie Bürger“ Sprüchen aufgewachsen. Selbst ein Limit auf 200 km/h, oberhalb dessen ja nun wirklich nur die Irren in der libkeb Spur fahren, ist ja nicht machbar. Aus Prinzip eben.

  19. Danke für den Link zur Petition. Habe gerade unterschrieben. Und Deine Schilderung der Verhältnisse auf deutschen Autobahnen ist klasse!

  20. Hurra, das Quorum der 130 km/h-Petition wurde erreicht! Schon mal was :-)

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