Suomalainen Päiväkirja

Live aus Turku

Naturgefiltert

12 Kommentare

Am Wochenende mal den Kindern gezeigt, wo unser Trinkwasser herkommt.

Klein-Lappland ist nämlich nicht nur unser nahegelegenes Lieblingsskigebiet, sondern von dort kommt auch seit sechs Jahren unser Turkuer Trinkwasser.

Das heisst, eigentlich kommt es aus dem Kokemäenjoki, und den hatten wir uns schon auf der Fahrt in die Skiferien angesehen. Also da, wo die Strasse ihn an einer Stromschnelle überquert und der Fluss in der Kälte dampfte und weisse Eisschollen hurtig auf seinem schwarzen Rücken dahindrifteten, denn überall sonst lag er natürlich unter einer dicken Eis- und Schneeschicht verborgen.

Dann aber wird das Flusswasser nach Klein-Lappland gepumpt, wo es in die Sandschichten des Harjus einsickert und zu Grundwasser wird, und nach drei Monaten wird dieses künstliche Grundwasser wieder hochgepumpt und auf die 60 km lange Reise nach Turku geschickt. Weil Klein-Lappland so hoch ist, fliesst es von ganz allein durch die Rohre und kann sogar am Anfang der Reise noch eine kleine Turbine antreiben.

Dieses künstliche Grundwasser ist nicht unumstritten – vor allem, weil dieses zusätzliche Wasser und die Bestandteile des Flusswassers, die im Harju herausgefiltert werden, natürlich das ökologische Gleichgewicht des Harjus verändern – aber ich, in einer Gegend aufgewachsen, in der Trinkwasser grundsätzlich aus Talsperren kommt, finde das Ganze trotzdem höchst spannend.

(Man könnte Wasseruhren einführen hierzulande. Und angemessene Wasserpreise. Dann müsste man nicht immer noch effizientere Wasserquellen erschliessen. Aber ach… das ist schon wieder ein ganz anderes Thema.)

[Den Kindern gezeigt:
1) Wo die Tomaten wachsen
2) Wo die Schnee-LKWs hinfahren]

12 Kommentare zu “Naturgefiltert

  1. Wie, keine Wasseruhren? Nur in Turku, oder ist das in ganz Finnland so?

    • Kommt drauf an. Unsere Vermietergesellschaft z.B. weigert sich standhaft, die (schon fertig eingebauten!) Wasseruhren abzulesen (!), stattdessen zahlen wir eine Wasserpauschale pro Person (!), und das ist durchaus üblich hierzulande. Führt dann eben nur dazu, dass der eine Nachbar stundenlang alles, was nur irgendwie geht, mit dem Hochdruckreiniger bearbeitet, der andere Nachbar gern mal im Sommer mit dem Gartenschlauch Pollen vom Dach und dem Weg vor seinem Haus zu waschen versucht und sowieso keiner auch nur ein bisschen Wasser spart, denn man hat ja schließlich schon teuer dafür bezahlt… :-(

  2. Keien Wasseruhren? Finnland ist eben doch irgendwie „DDR 2.0“ ;-)

  3. Die Erfahrung mit der Wasserverschwendung kenne ich auch. Mein finnischer Partner behauptet hartnäckig, dass es wichtig für die Rohre sei, dass diese immer ordentlich durchgespült werden. Auch beim Hände einseifen etc. wird das Wasser nicht abgestellt – ich bekomme davon Ohrenschmerzen ;)

    • An der Geschichte ist aber tatsächlich was dran!
      Zumindest in Deutschland sind durch das krampfhafte Wasser sparen viele Rohre zugesetzt/beschädigt und müssen dann aufwändig frei gemacht oder ersetzt werden.

      Und apropos DDR2.0… Das habe ich mir auch schon einige Male gedacht. Jetzt habe ich auch endlich einen Namen dafür. :D

    • Also das mit den Rohren erinnert mich ja jetzt sehr an unsere Fernwärme… *prust*

      Lustig war auch, als wir bei der letzten Mieterversammlung so nette Tipps bekamen wie „Das Wasser, das man bis zum Kaltwerden laufen lässt lieber gleich in Flaschen füllen und in den Kühlschrank stellen, dann verschwendet man nicht so viel Wasser um angenehm kaltes Trinkwasser zu haben“ – während der eine Nachbar jedes Wochenende mit dem Schlauch stundenlang seinen Fuhrpark und der andere den Weg vor seinem Haus wässert…

  4. Wir hatten in unserer vorherigen Wohnung Wasseruhren, die auch abgelesen wurden. Erst bezahlten wir die Pauschale, und da wir schwäbisch sparsam mit dem Wasser umgegangen sind, bekamen wir dann nach dem Ablesen und Verrechnen immer schön noch Geld zurück. Und die finnische Nachbarin hat sich immer gewundert warum sie immer noch draufzahlen musste….

    • So ging’s uns mit dem Strom – nachdem wir Stromzähler pro Wohnung bekommen hatten, bekamen wir ein Jahr lang keine Rechnungen, sondern Rückzahlungen. Hörten sich Nachbarn und Isännötsijä auch mit offenem Mund an, als ich das bei der Mieterversammlung erwähnte…

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