Suomalainen Päiväkirja

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Finnisches Wörterbuch: pillimehu

14 Kommentare

Ich sag’s mal gleich: pillimehu gehört neben karkkipäivä zu den mir am meisten verhassten Wörtern.

Pillimehu heisst wortwörtlich übersetzt: Strohhalmsaft. Also solche Trinkpäckchen mit aromatisiertem Zuckerwasser drin. Nun gibt es ja für alles eine Zielgruppe und ich muss dieses Zeug ja nicht kaufen – aber leider kommt man als Eltern in Finnland um pillimehu nicht herum.

Weil das finnische Kind im Alltag nämlich nur Wasser oder fettfreie Milch trinken darf, gilt pillimehu als höchster Genuss zu besonderen Anlässen. Seltsamerweise aber gibt es pillimehu nicht nur auf Festen und Feiern, sondern auch bei Wandertagen, nach dem Kinderturnen und auf Reisen. (Das sind dann übrigens die Anlässe, wo unsere Kinder, die normalerweise zum Essen Saft – also Frucht(!)saft – oder Kakao trinken, eine Wasserflasche dabeihaben.)

Ich bin offensichtlich inzwischen nicht mehr die einzige, die festgestellt hat, dass die strenge Rationierung von Süssem zu extremen Exzessen führt. Wenn die Kinder mal zu einem Fest in der Schule „ein paar Süssigkeiten und ein Getränk“ mitbringen dürfen, dann kommen unsere Kinder mit einer kleinen Tupperdose in Herzform, die wir einst zur Hochzeit geschenkt bekamen, in der sich eine Handvoll Gummibärchen oder ein Keks und ein Kinderriegel befinden. Ihre Klassenkameraden kommen mit 500g-Beuteln voller Süssigkeiten oder ganzen Chipstüten und mit 1,5-Liter-Limoflaschen. (Nein, ich übertreibe ausnahmsweise nicht!) Deswegen gibt es mittlerweile sehr klare Anweisungen von den Lehrern: maximal 100 g Süssigkeiten und ein halber Liter Limo!

Neulich kam der kleine Herr Maus am Tag vor irgendeiner Schulfestlichkeit nach Hause und sagte: „Wir dürfen keine Limo mitbringen diesmal, nur einen pillimehu.“ Da hört bei mir die Kooperation mit der Schule dann allerdings auf: weder gebe ich meinen Kindern Zuckerwasser, noch irgendwas, das aus mehr Verpackungsmüll als Inhalt besteht, irgendwohin mit.

Aber auch der kleine Herr Maus ging am nächsten Tag mit Pillimehu in die Schule:

(Orangensaft in die kleinste Flasche, die wir in unserem Verpackungsfundus finden konnten, gefüllt, gereicht mit einem Strohhalm aus einer Grosspackung, die seit zehn Jahren nicht leerer wird.)

14 Kommentare zu “Finnisches Wörterbuch: pillimehu

  1. …das Capri-Sonne Thema!? Wieviele Zuckerstücke sind da nochmal drin? Bei uns darf zu Schulausflügen auch Süßes mitgebracht werden, aber dann nur für alle. Über die Getränke wurde noch nicht diskutiert; anscheinend hält sich noch jeder an Wasser und Saftschorle :-)
    Wie es bei dem Großen in der weiterführenden Schule ist, weiß ich gar nicht…

    Liebe Grüße aus Bremen von Petra*

    • Was die anderen Eltern ihren Kindern mitgeben, ist mir völlig egal. Aber ich finde es völlig daneben, dass hier ständig propagiert wird: „Nur Wasser oder Milch!“, und dann gibt es auf Ausflügen ganz offiziell ausgerechnet dieses Zuckerwasser für alle. Von der Schule, oder dem Kindergarten, wohlgemerkt!

  2. Pillemehu heißt bei uns Trubit. Bevorzugte Geschmacksrichtung Traube. Auf der Verpackung findet sich extra dick der Hinweis „ohne Frucht“ und wenn man ihn in ein Glas schüttet, sieht man blasrosa gefärbtes Zuckerwasser.
    Schrecklich! Aber die Kinder, leider auch meine, sind ganz wild danach.
    Verstehe wer will. Liebe Grüße Maren

  3. Bei der Tochter hieß es seinerzeit in der Grundschule: nur Wasser in der Schule. Mineralwasser wurde angeschafft, die kästelt standen zur freien Verfügung im Klassenraum. Ein Aufschrei! Ein Kind dürfte üüüberhaupt nur Fencheltee trinken, andere würden verdursten wenn sie nicht ihr trinkpäckchen hätten, also nur Wasser, oh Gott oh Gott. Milch zu verlangen hätte sich keiner getraut. Ende vom Lied: alle wie sie wollen. Unser Kind: Wasser, Süsskram nur in Ausnahmefällen. Hat geklappt. Aber die Trinkpäckchen fand ich bei Ausflügen praktisch: ich habe ein bis zwei tiefgefroren in den Rucksack gepackt, dann war alles gut gekühlt und frisch. Ob sie sie getrunken hat oder ihr Wasser (gab es außerdem) war mir egal.

  4. Bei uns (also bei den Kindergärten, in denen ich gearbeitet habe, wir haben ja noch keine Kinder) ist es entweder Wasser oder Gerstentee. Die frühe Gewöhnung an den Tee ist auch der einzige Grund, warum’s die Japaner beim Trinken nicht schüttelt. ;) Ist aber gesund.

    • Normalweise gibt es in Kindergärten und Schulen natürlich auch nur (Leitungs)wasser oder Milch. Aber wenn es bei Wandertagen z.B. Proviant für alle von der Schule gibt, da ist dann immer so ein unsägliches Trinkpäckchen dabei.

  5. Pillimehu gibt es aber auch als 100% Orangen- oder Apfelsaft (vermutlich nicht von der Schule oder dem Kindergarten – aber von uns bei Ausflügen). Wobei es den Zähnen egal ist ob sie Fruchtzucker oder zugesetzten Zucker erhalten

    • Den Zähnen, ja. Uns als Eltern, die wir unseren Kindern gesunde Essgewohnheiten beibringen wollen, nicht.

      Wenn nämlich nur noch Zuckerwasser als gutschmeckend wahrgenommen wird, dann ist irgendwas schiefgelaufen.

      (Unsere Hortkinder bekommen leider auch, aus Kostengründen, zum Vesper hauptsächlich diesen Saft aus Sirup (Mehukatti etc.), und wenn wir doch mal Fruchtsaft da haben, dann lassen den 3/4 der Kinder mit den Worten: “ Der schmeckt mir nicht!“ stehen.)

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