Suomalainen Päiväkirja

Live aus Turku

Urlaubsrückblick (3): Wasser von links, rechts, unten und oben

3 Kommentare

Nachdem wir ausgiebig zwischen hohen und noch höheren Bergen herumgefahren waren, machten wir uns langsam auf den Weg nach Norden. Immer möglichst nahe an der Küste entlang. Man kann da ja Wasser links, rechts und unter sich haben. Leider kam dann aber auch sehr viel Wasser von oben.

Dabei hatte der Teil der Reise ziemlich gut angefangen.

Kurz vor Trondheim nämlich, da zelteten wir am Fjord, und es war das einzige Mal, dass wir alle schon gegen acht aufwachten, weil die Sonne aufs Zelt knallte. Die Kinder freuten sich, dass sie dann gleich noch baden gehen könnten – aber noch während wir frühstückten, schrie das erste: „Der Strand ist viel kleiner als vorhin!“ Drei erlebten zum ersten Mal in ihrem Leben Ebbe und Flut!

Sie sammelten eimerweise Muscheln, Schneckenhäuser und Seeigelschalen und retteten gemeinsam eine gestrandete Qualle. (Die Nordsee hat schon so ein klitzekleines bisschen mehr zu bieten als die Ostsee…!)

Danach fuhren wir zähneknirschend ein Stück E6, um dann für die nächsten Tage auf die Küstenstrasse ganz im Westen abzubiegen. Die mit den vielen Autofähren.

Ich kann allen erdenklichen Arten von Kreuz- und sonstigen Schifffahrten nichts abgewinnen, aber Autofähre fahren ist prima! (Ich würde auch jederzeit den Bananenfrachter einem Kreuzfahrtschiff vorziehen.) Dank der Tatsache, dass man die norwegischen Autofähren – anders als unsere finnischen – bezahlen muss, waren wir auch fast die einzigen nicht-norwegischen Touristen auf dieser Route. Die Leute mit den Wohnmobilen und -anhängern und die Deutschen, denen ja generell immer alles zu teuer ist, rasten lieber auf der E6 nach Norden. (Und zahlten dafür dann jede Menge Strassenmaut. Wir sind auch schon gespannt auf unsere Post aus Norwegen.) Verglichen mit dem, was man für eine Seilbahnfahrt in der Schweiz bezahlt, ist Autofähre fahren in Norwegen allerdings ein regelrecht preiswertes Vergnügen. Und man bekommt für sein Geld auch richtig was geboten: hohe Wellen zum Beispiel. Theoretisch auch sehr viel Landschaft. Leider war von der schon ab der ersten Fährüberfahrt fast nichts mehr zu sehen.

Anfangs regnete es wenigstens nicht ununterbrochen. Wir schafften es, das Zelt zu trocknen, bevor wir es einpackten. Oder wenn wir es nass einpacken mussten, dann trocknete es abends nach dem Aufbauen. (Bevor nachts der nächste Starkregen niederging.)

Wir machten eine Wanderung, die wie gemacht war für typisch norwegisches Wetter: wenn es nämlich regnet, ist so eine Wanderung durch den Berg ja durchaus praktisch. Der kleine Herr Maus hätte so gerne noch auf den Berg gewollt – aber nicht bei dem Wetter! Als wir einmal durch den Berg hindurch und einmal halb um ihn herum zurückgelaufen waren, hatten wir einen Kofferraum voller triefnasser Regenklamotten – zusätzlich zu einem triefnassen Zelt – und der Wetterbericht versprach Besserung in ungefähr einer Woche. Vielleicht.

Berg mit Loch.

Die nächsten Tage verbrachten wir vorwiegend im Auto und auf Autofähren. Wir wählten für zwei Nächte die Weicheivariante mit festem Dach überm Kopf. Und da hatten wir es noch gut: all die netten Motorrad- und Fahrradfahrer, die wir unterwegs getroffen hatten – was sollten die denn erst sagen?!

Wir fuhren durch unglaublich schöne Landschaft – und sahen genau nichts. Wir schipperten mit der Autofähre über den Polarkreis – und sahen genau nichts. Wir fuhren über bombastische Brücken und ewig an Fjorden entlang – und sahen genau nichts.

Als nach drei Tagen unsere Laune dann doch an einem Tiefpunkt angekommen war, auch deswegen, weil plötzlich alle Hütten auf den nächstgelegenen Zeltplätzen schon ausgebucht waren, und wir aus einer gewissen Trotzhaltung heraus beschlossen hatten, dann eben – pfeif doch auf das Wetter! – wie gehabt im Zelt zu schlafen und dafür dann noch eine Stunde bis zum übernächsten Zeltplatz zu fahren, da wurde es abends halb zehn plötzlich ein bisschen heller in der Nebelsuppe, und auf einmal brach die Sonne durch ein hellblaues Loch in den Wolken und beschien grüne Wiesen und schneebedeckte Berge.

„Das ist ja wie im Märchen!“, hauchte der kleine Herr Maus von der Rückbank.
Aber echt!

3 Kommentare zu “Urlaubsrückblick (3): Wasser von links, rechts, unten und oben

  1. Ich lese Ihren Blog seit Jahren so gerne, aber es ist so schade, dass Deutsche bei Ihnen pauschal immer nur negativ behaftet sind,egal um welches Thema es geht. So schlimm sind wir ja nun auch nicht und vor allem nicht alle 😊

    • Natürlich nicht, aber die schwarzen Schafe fallen eben mehr auf. ;-)

      (Und gerade diese „Das ist ja alles viel zu teuer, das mache ich nicht mit!“-Haltung trifft man leider fast immer unter deutschen Touristen an. Natürlich sind es auch nur die, die sich am lautesten echauffieren, die einem auffallen, und nicht die stillen, zufriedenen. Aber sehr bezeichnend fand ich zum Beispiel auch, dass, als ich damals den Blogartikel zur Innenstadtmaut in Stockholm schrieb und sagte, wie toll ich finde, dass die von allen erhoben wird, es gar nicht lange dauerte, bis die deutschen Blogleser in den Kommentaren untereinander diskutierten, wie man der Zahlung entgehen könne und dass man den Zahlungsbescheid doch einfach nur zu ignorieren bräuchte… Für derlei Gedankengänge bin ich zu finnisiert, ehrlich.)

      Und es hat ja schon seine Gründe, warum ich mich in Finnland wohler fühle als in Deutschland; die darf ich ja ab und zu mal durchklingen lassen. Manch einer fasst es ja schon als Beleidung auf, dass ich überhaupt meinem Geburtsland den Rücken gekehrt habe. ;-)

  2. Natürlich hat es seine Gründe, warum man auswandert, sonst hätte man es ja nicht getan oder würde nach kurzer Zeit zurückkehren :-) Wenn ich könnte, wie ich wollte, würde ich auch auswandern, allerdings in ein anderes Land. Da mein Berufsabschluß (Tierärztin) dort aber nicht anerkannt wird, kommt das leider für mich nicht in Frage.
    Ich meinte nur, daß eben nicht alle so schrecklich kleingeistig, verstockt und geizig sind – aber wahrscheinlich haben Sie recht, daß hauptsächlich diese Vertreter besonders auffallen.
    Ganz liebe Grüße,
    Christine (mit finnischen Wurzeln :-))

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