Suomalainen Päiväkirja

Live aus Turku


Hinterlasse einen Kommentar

Hofpause

„Ich bin heute in der Schule ganz viel Schlitten gefahren!“ erzählt das Fräulein Maus begeistert.

„Wie?“ frage ich. „Habt ihr Schlitten in der Schule?!“

„Ja, jede Menge!“ sagt das Fräulein Maus. „Und man darf auch seinen eigenen Schlitten mitbringen. Den muss man dann aber bei seinen Anziehsachen abstellen.“

(Nochmal Kind sein in Finnland…!)


9 Kommentare

Im Hafenbecken baden

Das einzige, was im Hostel auf Suomenlinna fehlt, ist eine Sauna. (Es handelt sich bei dem Hostel um ein historisches Schulgebäude. Vielleicht wäre es zu kompliziert geworden, eine Sauna einzubauen.)

Aber es gibt da ja seit Neuestem Abhilfe.

Vorfreudig hatten wir die erst diesen Herbst eröffnete Sauna und das Schwimmbecken im Hafen schon mehrmals von der Fähre aus beäugt, dann aber beschlossen, dass es im Dunklen bestimmt noch schöner wäre, da zu baden.

(Und wir nach ausgedehnten Stadtspaziergängen auch durchgefroren genug, um Sauna und warmes Badewasser besonders nötig zu haben.)

Es war dann auch tatsächlich sehr schön – und ein bisschen skurril – mit Blick auf den angestrahlten Dom und neben den haushohen Schwedenfähren quasi im Hafenbecken herumzuschwimmen.

Bewacht von in Daunenjacken mit Pelzkragen verpackten Rettungsschwimmern, die ausserdem alle zwei Minuten das Eis von der Treppe kratzen mussten, weil Frost und nasse Füsse, die von der Sauna ins Schwimmbecken und noch nassere Füsse, die vom Schwimmbecken zurück in die Sauna tapsen, nun mal keine besonders günstige Kombination sind.

(Nächstes Mal denke ich beim Packen besser nicht nur ans Saunamützchen, sondern auch an die Eisbadeschuhe!)


12 Kommentare

Urlaub auf der Insel

Mit der liebsten Freundin jeden November drei Tage Kurzurlaub in Helsinki zu machen, ist eine ganz wunderbare Tradition.

Vor allem deshalb, weil wir ausser „stundenlang in Cafés herumsitzen und ungestört reden“ und „stundenlang planlos durch die Stadt laufen und ungestört reden“ nie irgendwelche Pläne haben. Soooo schön! Soooo erholsam!

Und weil wir immer total idyllisch und überhaupt nicht wie in der Hauptstadt auf Suomenlinna wohnen, einer ehemaligen Festungsinsel, die heutzutage ein Stadtteil von Helsinki ist – mit Mietwohnungen in historischem Gemäuer, einem Kindergarten, einer Grundschule und einer Kirche mit… äh… Leuchtturm.

Auf die Insel gelangt man nur mit der Fähre, und das ist vielleicht das Allerbeste: mehrmals täglich am Südhafen ankommen zu können, und mehrmals täglich auf den blinkenden Leuchtturm von Suomenlinna zufahren zu können.

Auf der Insel fahren keine Autos, und im November gibt es auch fast keine Touristen. Diesmal waren die Fähre und die ganze Insel allerdings aussergewöhnlich voll: es gibt dort wohl viele und seltene Pokemons zu fangen.

Wir amüsierten uns ein bisschen über die vielen Pokemonjäger, die mit gezücktem Handy von der Fähre marschierten und dann die Köpfe nicht mehr hoben, und liessen uns lieber die Novembersonne auf die Nase scheinen und hüpften vor Freude über den ersten Schnee und über die vielen Plätze und Wege auf der doch recht kleinen Inselgruppe, die wir in den letzten Jahren trotz ausgedehnter Spaziergänge noch nicht entdeckt hatten.

Wir können da noch viele weitere Jahre hinfahren, ohne dass uns langweilig werden wird. Auch ohne Pokemons.


12 Kommentare

Halt auf freier Strecke

Freitagnachmittag, im Zug von Turku nach Helsinki.

12:04 Uhr: Der Zug ist bis auf den letzten Platz belegt, aber dank der obligatorischen Platzreservierung beim Fahrkartenkauf sitze ich auf genau dem Fensterplatz im Doppelstockwaggon oben, auf dem ich gerne sitzen wollte, alle haben gerade dem Schaffner ihre Handys hingehalten und er hat – „piep, piep“ rechts, „piep, piep“ links – mal eben in 30 Sekunden die Fahrkarten des gesamten Waggons kontrolliert, draussen zieht bepuderte Landschaft vorbei, die Geschwindigkeitsanzeige steht auf konstanten 160 km/h… da bremst der Zug scharf. Bitte nicht schon wieder ein Elch!, denke ich.

12:05 Uhr: Durchsage vom Schaffner: „Es gibt einen technischen Defekt an der Lok. Der Lokführer geht jetzt mal gucken, was da los ist.“ Man sieht den Lokführer in Warnweste vom Steuerwagen am Anfang des Zuges zur Lok am Ende des Zuges stiefeln.

12:10 Uhr: Durchsage vom Schaffner: „Der Lokführer telefoniert jetzt, damit wir die Passagiere auf die eine oder andere Art ans Ziel bringen können.“ Och nö, denke ich, Busfahren hätte ich billiger haben können…

12:15 Uhr: Automatische Ansage vom Band auf Finnisch, Schwedisch und Englisch: „Wir halten wegen eines technischen Defekts und bitten die Unannehmlichkeiten zu entschuldigen.“

12:25 Uhr: Durchsage vom Lokführer persönlich: „Wir haben also ein Problem mit der Bremse, die hat sich aus irgendeinem Grund automatisch angezogen. Wir arbeiten dran. Für die Passagiere nach Hanko haben wir einen Bus bestellt.“

12:27 Uhr: Das Kaffeewägelchen kommt zum zweiten Mal: „Jemand vielleicht was zu Trinken…?!“

12:30 Uhr: Durchsage vom Lokführer: „Wir müssen ein Rohr wechseln, damit sich die Bremse wieder löst. Das schaffen wir hoffentlich von Hand!“

12:33 Uhr: Der Zug rollt los. Die klemmende Bremse wurde offensichtlich gelöst. (Hoffentlich lässt sie sich auch noch anziehen…!)

12:37 Uhr: Wir halten in Salo. Die Bremse scheint zu funktionieren.

Eine Stunde vor Helsinki sagt der Schaffner neue Anschlusszüge durch und weist auch nochmal auf den Bus nach Hanko hin. In Karjaa steht tatsächlich schon ein Bus direkt neben dem Bahnsteig bereit. Eine halbe Stunde vor Helsinki geht der Schaffner nochmal von Passagier zu Passagier und erstellt neue, personalisierte Reisepläne. Eine Viertelstunde vor Helsinki sagt der Schaffner nochmal alle neuen Anschlusszüge durch, vor allem auch die zum Flughafen, und bittet alle Passagiere, sich wegen Entschädigung gleich an den Kundendienst der Bahn zu wenden.

Mit 35 Minuten Verspätung treffen wir in Helsinki ein.

Am Bahnsteig steht die liebste Freundin, die eigentlich zehn Minuten nach mir ankommen sollte, und lacht: „Das war ja wie meine Zugfahrt von Joensuu…!“

Schon allein für ihre Informationspolitik muss man die finnische Bahn lieben.


5 Kommentare

Winterradfahren für alle

“Das ist ungerecht, dass du Fahrrad fahren darfst und wir nicht!” durfte ich mir jetzt zwei Winter lang, also seit die Herren Maus nicht mehr in den Fahrradanhänger passen, anhören. Denn sobald die Strassenverhältnisse Spikereifen erforderten, hatten die Kinder in den Anhänger umzusteigen. Oder eben zu laufen. (Was bei den 550 Metern Weg in den Kindergarten zwar zu verschmerzen, aber trotzdem nicht beliebt war.)

Jetzt herrscht wieder Gerechtigkeit.

“Papa macht mir die Spikereifen vom Anhänger an mein Fahrrad!” jubelte der kleine Herr Maus letzte Woche.

Er ist jetzt der coolste kleine Radfahrer der Welt.


Ein Kommentar

Novembergeburtstag (2)

Geburtstag im November ist ja auch deswegen toll, weil man da immer im Finstern feiern und coole Sachen mit Knicklichtern, Kerzen und Reflektoren machen kann.

Diesmal gingen wir auf Wunsch des Geburtstagskindes „mit Taschenlampen in den Wald“.

(Dem Idioten, der in der Stunde zwischen Vorbereiten und Loslaufen die kleinen LED-Lämpchen-Anhänger von allen sechs Stationen der Schatzsuche geklaut hat, mögen die Finger abfallen und die Augen auf ewig geblendet sein. Aber ätsch, wir hatten Ersatz! Und den tollsten Kindergeburtstag ever!!!)


14 Kommentare

Mein Hinterkopf ist auch nur normal gross

Gestern um 16:38 Uhr hatte ich einen kurzen Nervenzusammenbruch, weil der grosse Herr Maus zum Adventskalenderverkauf mit seiner Pfadfindergruppe in den nächstgelegenen Supermarkt gebracht werden musste, aber sein Pfadfindertuch nicht fand, weil der kleine Herr Maus zu einem Geburtstag ging, aber dafür noch eine Glückwunschkarte malen und in ein Kostüm gesteckt werden musste, weil das Fräulein Maus zum Training gebracht werden musste und stöhnte, dass sie noch nicht alle Hausaufgaben fertig habe, weil sich sämtliches Bringen und Holen natürlich überschnitt, weil mir einfiel, dass ich am Sonntag beim Einkauf für den morgigen Kindergeburtstag zwei Flaschen Limo und ein langes Seil vergessen hatte, weil nun doch bis morgen Spikereifen an allen Fahrrädern sein müssen, weil ich vielleicht auch schon mal die Winterstiefel aus der Kiste in der Kammer hätte holen müssen, aber erst noch eine Maschine Wäsche aufgehängt werden musste…
… und weil morgens schon der grosse Herr Maus zum Gipsabnehmen ins Krankenhaus begleitet, am Wochenende Kinder durch die Gegend gefahren, am Freitag dem Fräulein Maus für den ersten Wettkampf der Saison abgefallene Pailletten neu angeklebt und Proviant zubereitet, am Donnerstag mit dem grossen Herrn Maus der grosse Rucksack fürs Pfadfinderlager gepackt, dafür unter anderem zwei Wochen lang Wachsreste und Eierkartons gesammelt, am Sonnabend ein Geburtstagsgeschenk für den Kindergartenfreund besorgt, am Mittwoch bestellten Harfensaiten hinterhertelefoniert, am Freitag Fräulein Maus’ Buskarte aufgeladen, am Dienstag Bücher in die Bibliothek zurückgebracht, am Montag dem kleinen Herrn Maus etwas aus dem Heimatland seiner Eltern mit in den Kindergarten gegeben, am Mittwoch dem grossen Herrn Maus ein Kostüm für die Halloweenfeier im Hort eingepackt, am Freitag das Fräulein Maus an die Sportklamotten für ein kurzfristig angesetztes Sportfest erinnert, und jeden Tag dem kleinen Herrn Maus für den Vorschul-Schwimmkurs Badehose, Handtuch und Saunatüchelchen früh in den Rucksack gepackt und abends getrocknet werden mussten.

Das sind so die Momente, wo ich mich heftigst nach einem Job, bei dem man nicht denken (!) und nichts vorausplanen (!!!) muss, sehne.

(Danke, geht wieder.)