Suomalainen Päiväkirja

Live aus Turku

Kinderkram

6 Kommentare

Gestern rief mich das Fräulein Maus auf Arbeit an: “Mama, ich wollte doch heute zum Abendbrot die überbackenen Brote machen, die wir letztens in der Schule gemacht haben. Darf ich schon mal anfangen, die vorzubereiten? Und darf ich auch Nachtisch machen?” Läuft.

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Im Sportunterricht gehen derzeit sowohl die Drittklässlerin als auch der Erstklässler in den Wald und betreiben Orientierungslauf. Das Fräulein Maus, die, obwohl sie sich so drauf gefreut hat, noch kein einziges Mal im Sportunterricht Skifahren war, weil wir keinen Winter mehr hatten, seit sie in die Schule geht, findet das fast so gut wie Skifahren. Ich bin auch nur ein ganz kleines bisschen neidisch.

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Der grosse Herr Maus besitzt eine nahezu unbenutzte Fibel. Stattdessen besitzt er einen dicken Ordner mit Zusatztexten zur Fibel. Diese Zusatztexte gibt es mit Sil-ben-tren-nung für die, die schon ein bisschen, aber noch nicht so gut lesen können, und als ganz normale Texte für die, die schon lange lesen. Ich denke mit Grausen an meine Grundschulzeit, in der wir immer alle gemeinsam lesen mussten und vorblättern – oder überhaupt nur schon mal ein paar Zeilen schneller lesen als der jeweilige Vorleser – strengstens untersagt war.

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Neulich erlebte ich das kürzeste und unkomplizierteste Elterngespräch aller Zeiten: “Sie ist sehr brav im Unterricht, vielleicht ein bisschen zu ruhig. Naja, mit dem E., der neben ihr sitzt, giggelt sie oft, da muss ich dann manchmal kurz ermahnen. Draussen in der Pause kann sie ziemlich wild sein. Ihr Finnisch ist prima, Johanna und ich haben jetzt beschlossen, dass sie nur noch einmal die Woche zu ihr in den Finnischunterricht geht und die anderen Stunden bei den Muttersprachlern mitmacht. Hausaufgaben macht sie ganz gewissenhaft. Sie hat mir erzählt, dass sie ein bisschen Probleme mit V. hat, die stiftet sie an, M. zu ärgern. Ich hab’ mich ein bisschen gewundert, weil ich den Eindruck hatte, die beiden wären gute Freunde, aber ich hab’ ihr gesagt, dass so jemand natürlich keine gute Freundin ist. Also, läuft alles. Ich hab’ nichts zu meckern. Hast du noch was?” Ich bin sehr froh über den neuen Lehrer des Fräulein Maus.

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“Wie nennt ihr euren Lehrer eigentlich?” fragte der Ähämann neulich das Fräulein Maus. “Jussu.” Da sieh mal an. In Finnland darf man Lehrer nicht nur duzen, sondern sogar mit Spitzname anreden. Die ganze Klasse liebt ihn sehr.

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Der kleine Herr Maus bekam vorgestern zum ersten Mal Hausaufgaben. Alle unsere Kinder haben im Kindergarten mehr oder weniger von Anfang an und mehr oder weniger gut organisiert extra Sprachförderung gehabt, aber neuerdings kommt dafür eine extra Lehrerin in den Kindergarten. Die Hausaufgabe bestand darin, das im Kindergarten angefangene Bild fertig auszumalen und alle Dinge darauf, die sie im Kindergarten auf Finnisch benannt hatten, nochmal in der eigenen Muttersprache zu wiederholen. Das war natürlich ein helppo nakki für den kleinen Herrn Maus, trotzdem war er sehr stolz, richtige Hausaufgaben aufzuhaben.

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Überhaupt tut ihm die neue Kindergartengruppe sehr gut. Keine Spur von Rabaukentum mehr. Täglich schwärmt er vom tollen Spielzeug und den tollen Spielen und Experimenten, die sie in der Vorschulgruppe machen, wie schön das Füssekraulen vorm Mittagsschlaf ist, dass sie schon wieder ein neues Lied gelernt haben und welcher Buchstabe vom Wort der Woche beim Morgenkreis aufgedeckt wurde. (In ein paar Wochen kann er vermutlich lesen…)

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Auch nach einem Monat noch bin ich täglich erstaunt, wie enstpannt sich das Abholen aus dem Kindergarten gestalten kann, wenn nur noch ein Kind eingesammelt werden muss.

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Und wie gross Kinder in ein paar Wochen werden können.

6 Kommentare zu “Kinderkram

  1. Genieß diese Zeit! Gestern (gefühlt) war mein Großer auch noch in der Vorschulgruppe. Morgen wird er 18 :-( :-)

  2. Ach, ich würde auch so gern wieder klein sein und in Finnland in die Schule gehen….
    Liebe Grüße
    Andrea

  3. Jedes Mal, wenn du was für euer Schulsystem schreibst, möchte ich sofort anfangen, Taschen und Kisten zu packen und nach Finnland ziehen. Ich freu mich, dass es für euch so gut läuft.

    An Saskias Schule werden die Lehrer übrigens auch geduzt – aber nur deshalb, weil sie hier froh sind, wenn die Kinder überhaupt soviel sprechen (können).

  4. Es ist immer schön zu lesen wie du so liebevoll deine Kinder beschreibst.

  5. Fräulein Goldlocke hat die „Große Abteilung“ der Vorschule auf Vorschlag der Lehrerin übersprungen. Und amüsiert sich über die Leseübungen, obwohl sie fließend liest. In beiden Sprachen übrigens. Und sogar ohne die neue – sehr starke – Brille! Hauptsache es macht Spaß.

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