Suomalainen Päiväkirja

Live aus Turku


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Überzeugungen spazierenfahren

Den Herrn Picasso ziert keine Flagge, kein Fisch und kein Aufkleber mit den Namen der Kinder.

Aber neuerdings fährt er doch mit einem Statement durch die Gegend.

Ich bremse am Fussgängerüberweg.

Wir waren lange Zeit die Einzigen, die überhaupt angehalten haben. Die Fussgänger waren oft verwirrt, blieben wie angewurzelt stehen und winkten uns weiter. Und wenn doch mal ein Auto anhielt, dann wurde es nicht selten von dem Auto dahinter direkt überholt: Warum hält der Idiot denn mitten auf der Strasse an?!

Jedes Jahr kommen auf finnischen Fussgängerüberwegen 10 bis 15 Menschen zu Tode.

Jedes Mal gibt es einen kurzen Aufschrei, dann geht alles wieder seinen gewohnten Gang. Schulkinder werden angefahren. Alte Leute. Mütter mit Kinderwagen.

Es ist ein bisschen besser geworden in den letzten Jahren, aber längst nicht so, wie ich es mir als Fussgänger und Radfahrer und vor allem als Mutter von Fussgängern und Radfahrern wünschen würde.

Ich habe mich deshalb gefreut, als die ersten Aufkleber an Pakettiautos auftauchten. So einen wollte ich auch haben!

Und so habe ich ein bisschen recherchiert. Und bin – mit dem Fahrrad (!) – durch die halbe Stadt gefahren, um mir einen offiziellen Prototyp für PKWs aushändigen zu lassen. Zu Testzwecken.

Den Eignungstest fürs Auto hat er bestanden. Wie gross seine Wirkung sein wird, bleibt abzuwarten.


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Montagmorgen

“Heute freue ich mich ganz dolle auf die Schule,” sagt der grosse Herr Maus, “heute nähen wir nämlich wieder!”

“Heute muss ich einen Haargummi mitnehmen,” sagt das Fräulein Maus, “wenn wir mit Holz arbeiten, müssen wir nämlich immer die Haare zusammenbinden. Dass die nicht in die Bohrmaschine oder die Säge geraten.”

(Gleichberechtigung, selbstverständliche.)


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Von wegen EU…!

Wir können dem ausgefallenen finnischen Sommer noch dankbar sein.

Denn eigentlich hatten wir unsere Zugreise nach Deutschland erst für die Herbstferien geplant. Und so sässen wir jetzt auf gekauften Tickets, während Dänemark mal eben den Zugverkehr mit Deutschland auf unbekannte Zeit einstellt.

(Und schrieb ich nicht noch, man fühle sich wie ein Flüchtling?!)

Was für eine beschissene „Europäische Union“.

Weder Europa noch Union.
Jeder sich selbst der Nächste.


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Vom Nachteil, die Landessprache zu beherrschen

Der ganze Bullshit, den man derzeit zum Thema Flüchtlinge in Kommentarspalten und auf Facebook in Deutschland zu lesen kriegt, wird in Finnland noch getoppt durch die immer wieder auftauchende Frage:

„Warum bleiben die Männer denn nicht und kämpfen für ihr Land?!“

Bei allem Verständnis für den Patriotismus der Finnen und den Stolz auf ihren damaligen David-gegen-Goliath-Sieg – Winterkrieg war 1939. Und ist ganz sicher nicht das Mass aller Dinge.

(Danke, YLE!)


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kaksisataayksitoista

Sobald die Schule anfängt, bricht es über einen herein: Elternabend hier, Elternabend da, Kennenlerntreffen bei den Pfadfindern, Klavierunterricht fängt wieder an, Training ist aber noch nach Ferienzeitplan, der Harfe sind schon wieder drei Saiten gerissen, „Hier, Mama, den Zettel musst du unterschreiben!“, die Anmeldung zum Deutschunterricht muss nochmal neu eingereicht werden, plötzlich fehlt doch noch eine Turnhose, drei Geburtstagsgeschenke müssen besorgt werden, und einmal sitze ich eine halbe Stunde lang da und trage feste und bewegliche Termine in zwei verschiedene Kalender ein…

Ich bin deshalb wirklich froh, dass ich noch zwei Wochen mit dem kleinen Herrn Maus zu Hause bleiben konnte: Manchmal nochmal zu ihm ins Bett kriechen. Dinge organisieren. Ab und zu auf den Markt fahren und Möhren, Tomaten und die letzten Erdbeeren heimschleppen. Dem kleinen Herrn Maus eine Wäscheleine auf Kinderhöhe spannen und gemeinsam die 9 kg Wäsche in die Sonne hängen, die Hannelore für uns gewaschen hat. Die Schulkinder nachmittags zu Hause in Empfang nehmen, im Garten Vesper essen und sie dann heimlich dabei beobachten, wie sie freudig und ernsthaft ihre Hausaufgaben in Angriff nehmen, bevor sie zu ihren Freunden davonrennen. Routinen finden.

Auch den allerletzten Sommertag haben wir so verbracht: das Fräulein Maus in die Schule verabschiedet, den grossen Herrn Maus in die Schule verabschiedet, fünf Leinen Wäsche unter herabsegelnde Birkenblätter gehängt, bestellte Harfensaiten abgeholt und zur Feier des Tages chinesisch gegessen, und auf der Heimfahrt im Bus, bei der der kleine Herr Maus nach der Linie 4 Ausschau hielt – denn er sammelt keine Kennzeichen, sondern Busnummern – noch die 211 gesehen. „Da, Mama, da! Ein Cabrio!“, schrie der kleine Herr Maus aufgeregt.

Heute Ende des LotterHausfrauenlebens. Lachendes Auge, weinendes Auge. Wie immer.

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