Suomalainen Päiväkirja

Live aus Turku

Unter Eichhörnchenforschern

12 Kommentare

Letzte Woche war ich in Helsinki auf einer Tagung von Eichhörnchenforschern aus aller Welt.

Warum fährst du denn immer weg?!“, hatten mich die Kinder vorher vorwurfsvoll gefragt. Angesichts der Tatsache, dass ich vor Jaaaahren zum letzten Mal auf einer Tagung war und vor anderthalb Jahren zum letzten Mal drei Tage ohne sie verreist bin, haben die Kinder da wohl eine etwas verzerrte Wahrnehmung.

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Ich war ganz erstaunt, wie schnell man früh aus dem Haus kommt. Und wie schön man abends im Bett lesen kann.

(Ich habe trotzdem viel zu wenig geschlafen.)

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Ich wusste gar nicht, wie sehr mir der Austausch mit Leuten, die das Gleiche machen wie ich, gefehlt hatte.

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Diese kleinen, sehr speziellen Tagungen, werden oft ein bisschen abfällig belächelt. Ich finde es grossartig, dass man nicht zwischen verschiedenen Sessions hin und her hetzen muss, dass man mit jedem einzelnen Teilnehmer reden kann, dass man sich darüber austauschen kann, wie viele Löcher man von so einem Halsbandsender am besten abschneidet und welche Frequenz man am besten einstellt, wenn man mit einem Fledermausdetektor die Rufe eines Flughörnchens aufspüren möchte.

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Und es ist ja nicht so, dass wir nur so ein bisschen niedliche Eichhörnchen beobachten. Am meisten haben mich die Modellierungen, wie sich die globale Erwärmung auf alle möglichen kleinen und grossen Zusammenhänge in der Natur auswirken wird, beeindruckt. (Und ziemlich schockiert.)

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Obwohl die Leute da alle kluge und wichtige Dinge machen, nimmt sich keiner furchtbar ernst. Es wurde sehr viel gelacht und gewitzelt.

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Und ich weiss schon gar nicht mehr, wann ich zuletzt Zeit mit einer Gruppe verbracht habe, in der ich eine Woche lang keine einzige Person an ihrem Handy herumwischen sehen habe.

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Am schönsten ist es sowieso, Leute aus der ganzen Welt zu treffen und über den Tellerand zu schauen. Den Australier zu fragen, was ihn nach Hamburg verschlagen hat. Der Kanadierin zuhören, wie sie von ihren verschiedenen Begegnungen mit verschiedenen Bären („Och, Braunbären sind ja harmlos…“) bei ihrer Feldarbeit erzählt. Mit der Slowakin, die in Stockholm ihre Doktorarbeit macht, und dem amerikanischen Professor, der slowakische Vorfahren hat, zahntropfend die gemeinsame Vorliebe für Halušky bereden. Mit der Amerikanerin über ihren selbsterdachten Test lachen, bei dem sie in jeder fremden Stadt zählt, wie viele Menschen zurücklächeln.

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Ich dachte, es wäre voll cool, wenn ich zu meinem Vortrag das Eichhörnchen-T-Shirt, das mir die liebste Freundin geschenkt hat, als ich mit dem Eichhörnchenprojekt anfing, anzöge. (War es auch.) Aber andere waren da noch ganz anders ausgestattet:

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Auf so einer kleinen Tagung ist auch Zeit für einen ganzen Exkursionstag. Wir fuhren in einen… finnischen Urwald. Eigentlich sieht der überall gleich aus. Aber mein Herz hüpft trotzdem immer, wenn ich in so einem Wald bin.

Biologen besichtigen einen Wald

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Der finnische Busfahrer hat mir ja fast ein bisschen leidgetan. Eine sich pausenlos so lautstark unterhaltende Fuhre hat er bestimmt schon lange nicht mehr gehabt. Und ob sein Bus schon jemals solche Strassen fahren musste…

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Vor der Forschungsstation, auf der wir anschliessend Dinner serviert bekamen, sahen die Japaner zum ersten Mal in ihrem Leben ein Europäisches Eichhörnchen. Sie kriegten sich gar nicht wieder ein vor Freude. Wir Europäer lächelten milde.

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Ich habe nach fünfzehn Jahren wieder ein Flughörnchen gesehen. Punkt dreiviertel elf steckte es seinen Kopf aus seiner Baumhöhle, starrte fünf Minuten lang mindestens genauso verdutzt zu uns herunter wie wir zu ihm hinauf, kletterte auf den höchsten Baumwipfel und… segelte 30 Meter durch den Vorstadtwald. Landete an einem Baumstamm, kletterte auf den höchsten Baumwipfel… und wiederholte das Schauspiel für uns noch dreimal. Wow!

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Dann fuhren wir mit dem letzten Stadtbus zurück ins Stadtzentrum. Um Mitternacht.

Über dem Stadtzentrum hing ein riesiger Mond. Der Himmel war sommernachtshellblau.

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Von früh bis abends, aber besonders abends, schwärmten alle vom Licht. Ich kann davon auch nicht genug bekommen.

Abends um zehn in Helsinki

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Und ich bin sooo gerne in Helsinki.

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Ich habe jede Menge Kastanien entdeckt.

Überhaupt sah die Stadt ganz anders aus mit grünen Bäumen. Ich glaube, im Sommer war ich zum letzten Mal in Helsinki, als der grosse Herr Maus ein Baby war. Im November ist es aber eigentlich schöner. Es gibt doch sehr viele Touristen in dieser Jahreszeit. Sehr, sehr viele.

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Den diesjährigen Ausflug zur deutschen Botschaft habe ich nebenher auch gleich hinter mich gebracht. Ich habe mich diesmal wohlweislich an die Angaben auf meiner antiken Geburtsurkunde gehalten und damit diesmal jegliche Verwirrung vermieden. Die 12 Jahre alte Abmeldebescheinigung aus Jena hatte ich auch brav dabei.

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Erst am Freitag habe ich es geschafft, auf die Domstufen zu klettern und den Schiffen zuzuwinken.

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Das war eine ganz wunderbare Woche!

12 Kommentare zu “Unter Eichhörnchenforschern

  1. Das klingt ja wirklich wahnsinnig nett! So ein Flughörnchen würde ich auch sehr gerne mal in der Natur sehen. Und Dass kluge Leute sich oft weniger ernst nehmen, habe ich auch schon beobachtet ;) !

    • Bevor ich nach Finnland kam, dachte ich immer, Flughörnchen seien extrem exotisch und selten und höchstens im allertiefsten Wald anzutreffen. Dabei gibt es ganz schön viele, manchmal sogar mitten in der Stadt.

      Aber man muss halt wissen, wo genau sie wohnen und wann genau sie rauskommen. Zufällig sieht man sie (leider) eher nicht.

      • Wenn du einen Tipp hast, dann gerne. Bin im Sommer wahrscheinlich einen ganzen Monat in Finnland – da habe ich etwas Zeit, Ausschau zu halten :D . An meinem Rucksack habe ich sogar einen schicken Flughörnchen-Aufnäher aus Nuuksio – aber gesehen habe ich noch nie eins :(

        • Das muss man wirklich ganz genau wissen – also bis auf den Baum genau, möglichst bis auf das Loch genau, in dem es tagsüber schläft. Sonst – keine Chance.

          So gesehen kann ich dir da leider nicht wirklich weiterhelfen…

  2. Ich kann dich so gut verstehen, ich bin nach Konferenzen auch immer herrlich erfrischt und aufgetankt.
    Viele Grüße,
    Kathrin

  3. Für den großen Herrn Maus:
    1 supersüße Birne mit weicher Schale gründlich entkernen, Stil und alles was darum ist übervollständig entfernen.
    Diese Birne gründlich pürieren.
    Die so pürierte Birne in die Schafskäsesauce vom Halušky geben.
    Und dann wollen wir mal sehen, ob der Opto-Anti-Veganer nicht plötzlich doch Obst ist.

  4. +s
    Ich sollte mal die Autokorrektur ausschalten, was bei dem Computer nicht geht, die macht mehr Fehler als der Benutzer.

  5. Oh, das Buch hab ich auch! :) Welche Geschichten haben dir denn am besten gefallen? Und welche am wenigsten? Und warum? :)

    • Ich habe vor allem mal wieder begriffen, dass Kurzgeschichten echt nicht mein Ding sind. Sie lesen sich alle so nett weg, aber am Ende frage ich mich immer: Hö? Und jetzt? ;-)

      Ohne jetzt nochmal ins Buch zu gucken: die Geschichte mit den beerenpflückenden Thailändern hat mir am besten gefallen.

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