Suomalainen Päiväkirja

Live aus Turku

Glückliches Mittagskind

14 Kommentare

mit 16 Jahre alter Glücksbrille:

Das ist nämlich so: 1999 hatten der Damals-noch-nicht-Ähämann und ich schon die Rucksäcke gepackt und eine Zugverbindung nach Stuttgart rausgesucht. Wenn wir schon so nahe dran waren an einer totalen Sonnenfinsternis, dann wollten wir uns nicht mit einer fast totalen Sonnenfinsternis begnügen.

Wir stellten den Wecker auf sehr zeitig. Sehr, sehr zeitig. In Jena regnete es in Strömen. Die Wettervorhersage sah miserabel aus. Über Stuttgart würde sich mit hoher Wahrscheinlichkeit ein breites Regenwolkenband befinden. Vielleicht hätte man in Bayern eine Chance. Eine klitzekleine. Wir mussten uns entscheiden. Schnell. Sehr schnell. Letztendlich entschied der Zugfahrbahn: wohin könnten wir es bis zum Zeitpunkt der totalen Sonnenfinsternis noch schaffen? Und zwar ohne einen ICE zu benutzen, die alle schon hoffnungslos ausgebucht waren? Wir rasten zum Saalbahnhof und fuhren kurzentschlossen nach Augsburg. Im strömenden Regen bis kurz vorm Ziel. Als wir ankamen, riss der Himmel an ein paar klitzekleinen Stellen auf. Der Mond hatte schon angefangen, sich vor die Sonne zu schieben. Je weiter sich der Mond vor die Sonne schob, desto blauer wurde der Himmel. Die Wolken verschwanden. Dieses unwirkliche Licht mit den durchsichtigen Schatten ein paar Sekunden vor und nach der vollständigen Verdunkelung sehe ich immer noch vor mir. Das werde ich nie vergessen. Wie gut, dass wir gefahren waren! Eine halbe Stunden später war der Himmel wieder komplett zugezogen, und wir flüchteten vor einem Wolkenbruch zurück zum Bahnhof.

Für heute hatte ich den Kindern versprochen, dass das Fräulein Maus direkt von der Schule nach Hause kommen und die Herren Maus Mittagskinder sein und die Sonnenfinsternis angucken dürften statt Mittagsschlaf machen zu müssen. Also bis heute früh. Nach zehn Tagen ununterbrochenem Sonnenschein war es ausgerechnet heute bedeckt. Von früh an. „Ich hole euch ab, falls die Sonne doch zu sehen ist. Aber vermutlich wird es nichts“, hatte ich die Jungs heute früh vorsichtig vorbereitet.

Aber mit so einer Glücksbrille kann ja nichts schiefgehen. Halb zwölf raste ich zum Kindergarten. Die Sonne schien immer noch hell genug hinter den Schleierwolken hervor.

Und so sah das aus.

Drei Kinder quietschten vor Begeisterung.

14 Kommentare zu “Glückliches Mittagskind

  1. Wir hatten sogar richtig blauen Himmel ohne Schleierwolken. Meine Brille von 1999 habe ich nicht mehr, aber wozu arbeite ich Tür an Tür mit Physikern? Die waren alle bestens ausgerüstet und haben gern geteilt.

  2. Habe das gar nicht mitbekommen. Hatte in der Zeit eine Vorlesung.

  3. Und wir wohnen direkt da, wo damals die allerzentralste Stelle des Zentralschattens war; maximal 15 Meter daneben….
    das Dunkelwerden war grandios; die Wolken leider auch. Meine Mutter, 6 km von uns entfernt, sah für ganz kurze Zeit die Corona und erkannte den Merkur. Wir nicht. Aber meine Brille von damals hat mir heute gute Dienste getan; faszinierender allerdings fand ich es, wie sich an diesem strahlenden Morgen dieses eigenartige Licht ausbreitete mit diesen ganz besonderen Schatten…
    Schön war es.
    Ingrid

    • Ja, das war ganz toll. Ich dachte, das geht nur bei einer wirklich totalen Sonnenfinsternis, aber offensichtlich war die kleine Sichel, die noch rausguckte, wenig genug für diese besonderen Schatten. Und die Meisen spielten plötzlich verrückt und brüllten piepsten um die Wette.

      *gänsehaut*

  4. Wir hatten damals auch Glück – genau wie bei euch riss die Wolkendecke genau zur Sofi auf :-)
    Meine Sofi-Brille ist allerdings bei meinen Eltern… und ob es mit einer Rettungsdecke jetzt gefährlich ist oder nicht, wusste ich nicht so recht, die Aussagen sind da ja etwas unklar. Ich habe mich dann entschlossen, nur gelegentlich mal kurz hochzulinsen in der Hoffnung, davon nicht gleich blind zu werden. Ich hatte nämlich diese Woche Humangenetikpraktikum und da stand dann das gesamte Institut vor der Tür^^ Sah bestimmt von der anderen Seite lustig aus, wie da ein Haufen Leute hinter zwei doppelt gefalteten Rettungsdecken steht *g*.

    • Naja, gesunder Menschenverstand schadet nicht. Es wurde ja sogar gewarnt, die 16 Jahre alten Brillen könnten kaputt sein und man solle lieber neue kaufen. Klar…!

      (In Deutschland haben sie ja sogar teilweise Schulen und Kindergärten regelrecht verdunkelt, weil das Licht bei Sonnenfinsternissen ja „besonders aggressiv“ ist. Ähm… in welchem Jahrhundert leben wir nochmal?!)

      • Hofpause und Sportunterricht fielen aus, ja nicht raus gehen, die Kinder könnten ja zu lange in die sonne starren……

        • Echt, ich weiss nicht, ob ich da hätte ruhig bleiben können. Wahrscheinlich hätte ich das Gleiche gemacht wie mit den Kindergartenkindern (bei denen einfach das Timing ungünstig war) – abholen und auf eigene Verantwortung gucken lassen…

          • ja. traurig war das. grundschulkinder ab in verdunkelte räume, bei allerschönstem frühlingsanfang in der pause nicht raus dürfen, weil die sonne zu 74 % verdeckt war. bei 100 % sonnenschein dürfen alle raus.
            boing boing usw.

            • Wahrscheinlich dürfen sie wegen der aggressiven Strahlung künftig bei Sonnenschein generell nicht mehr raus.

              Ich fand das auch absolut irre. Wieso wurden eigentlich keine Alu-Hüte verteilt, um die Kinder vor der schrecklichen Strahlung zu schützen?

      • Ich finde es ja irgendwie bedenklich, dass ich allmählich nicht mehr weiß, welche Warnungen ich ernstnehmen muss und welche Geldmacherei sind…
        Das Licht ist „besonders aggressiv“? Komisch, ist mir gar nicht aufgefallen^^ Aber wahrscheinlich bin ich von den Chemtrails schon so verdummt, dass ich es gar nicht mehr merken kann *ggg*

  5. Cool! Bei der totalen Finsternis 99 war ich mit meinen Eltern im Urlaub in Italien, also nur partielle Finsternis. So eine totale würde ich auch gerne mal sehen! Schön, dass ihr sie am Freitag noch sehen konntet!
    Grüße,
    Kathrin

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