Suomalainen Päiväkirja

Live aus Turku

Abenteuerurlaub

16 Kommentare

Die letzte halbe Stunde gebärdete sich die Fähre wie ein grosses Schaukelpferd.

Die vorangegangenen vier Stunden war es vergleichsweise ruhig gewesen. Der beissende Wind hatte uns zwar immer wieder zum Aufwärmen unter Deck gejagt, aber die Verbindungsfähre war eher gemächlich von Insel zu Insel zu geschaukelt.

Hinter Jurmo, als man Utö mit seinem Leuchtturm und seiner Lotsenstation schon deutlich am Horizont erkennen konnte, waren die Wellen, die der Südwind vor sich her trieb, höher und höher geworden. Die Kinder klammerten sich an die Reling und juchzten, wenn das Schiff in ein besonders tiefes Wellental fiel.

Utö ist wirklich ganz, ganz draussen. Finnlands südlichster Aussenposten.

Drei Tage lang haben wir uns den Sturm um die Ohren pusten lassen und riesige Wellen bestaunt.

Und während wir über Felsen kletterten, durch Wacholder stapften, auf vom Sturm glattpoliertem Eis rutschten und der kleine Herr Maus dabei immer wieder umgepustet wurde, war ich glücklich, dass ich einmal ganz sorglos hier draussen sein konnte. Dass ich diesmal nicht mit einer Nussschale dem Uniboot da war.

Jeden Abend vor dem Schlafengehen stapften wir noch einmal hinauf auf den Leuchtturmberg, die funkelnde Linse bestaunen. (Und den Sternenhimmel.) Die Kinder waren genauso erstaunt wie ich beim ersten Mal, als sie feststellten, dass der Leuchtturm aus der Nähe gar nicht blinkt, sondern vier dicke Lichtarme durch die Nacht kreisen lässt. Lange lagen wir auf dem Rücken auf einem Felsen und liessen sie über uns hinwegziehen.

Ich bin so gerne auf dieser Insel. Sogar schlechtes Wetter ist dort viel erträglicher als in der Stadt.

Die Kinder kochten Süppchen aus Wacholderbeeren, bauten Steinmännchen (die im Sturm bedenklich wackelten), versteckten sich im Wacholder und entdeckten geheime Pfade im Heidekraut. Ich bin sicher, sie hätten erst nach vielen Tagen einen Spielplatz vermisst.

Wann wir denn das nächste Mal nach Utö fahren, fragen sie reihum, seit wir die Fähre für die Rückfahrt bestiegen haben.

Nicht erst wieder nach fünf Jahren. Das haben wir uns ganz fest vorgenommen.

16 Kommentare zu “Abenteuerurlaub

  1. Hach, das klingt immer so hach bei Dir. So haaach-seufz-toll für Deine Kinder. Möchtest Du nicht mich mit dem mini-monsieur adoptieren? ;)

  2. Das war sicher ein einzigartiges Erlebnis, Die Insel liegt ja richtig weit draußen. Wie schön, daß sich Deine Kinder in der Natur so beschäftigen können (und nicht sofort den Spielplatz vermissen). Und der Sternenhimmel ist bestimmt auch was ganz besonderes so weit im Meer.
    Toll, daß Du solche Abenteuer mit Deinen Kindern machst, dafür werden sie Dir bestimmt einmal dankbar sein.
    Viele Grüße
    Rabea

  3. Das ist immer so schön bei euch! Und das Wetter ist auch immer so schön (reporting bias…)! Bei uns wärs auch schön, aber es regnet ja immer.

    • Schönes Wetter ist relativ… ich hätte ja schon lieber noch ein bisschen richtigen Winter… *seufz*

      Mit dem Wetter hatten wir aber tatsächlich grosses Glück – wären wir in der zweiten statt der ersten Hälfte der „Ski“ferien (haha!) gefahren, dann wäre es nicht so schön sonnig gewesen.

  4. boah, das sieht nach wunderbaren tagen aus!

  5. Die Insel muss ja wunderschön sein. Und auch einer solchen Landschaft wegen, wird unser Sommerurlaub zum ersten Mal nach Skandinavien führen!

  6. Das klingt nach einem wunderschönen Winterurlaub, obwohl diesmal ohne Lapplandschnee. In der Natur ist sowieso fast jedes Wetter erträglich und eigentlich schön, auch wenn es kalt ist und windet… Sonst gäbe es ja keine Wellen =)
    Ich dachte übrigens erst, ihr seid auf den Aland-Inseln (da müsst ihr auch mal hin! Kökar empfehle ich ganz besonders.), aber es gibt tatsächlich zwei mal ein Jurmo (wohlmöglich noch öfter).
    Vor ein paar Jahren machte ich mal eine Studienreise nach Finnland. Da sind wir auch auf eine sehr südliche oder westliche Insel mit Leuchttum gefahren, die irgendwie im Weltkrieg bedeutend war. Diese Insel hatte aber nur einen Leuchtturm und eventuell noch ein Haus. Lag so circa zwei Stunden außerhalb. Hast du eine Idee, welche das gewesen sein könnte?
    Liebe Grüße,
    Kathrin

    • Bengtskär, schätze ich: http://de.wikipedia.org/wiki/Bengtsk%C3%A4r. Und ja, gekämpft wurde da offensichtlich auch: http://en.wikipedia.org/wiki/Battle_of_Bengtsk%C3%A4r.

      (Da will ich auch seit Ewigkeiten hin, aber da kann man nur mit so einem blöden Touristenboot mit Mittagessen inklusive und so hinfahren. Das will ich nicht.)

      • Ja, genau! Das war Bengtskär. Danke.
        Gibt es tatsächlich nur ein Touristenboot? Das überascht mich. Die normalen Alandfähren waren alle recht bodenständig und auf die Einheimischen ausgerichtet. Nach Enklinge kommt man vom „Festland“ aus ganz leicht. So sieht es zumindest auf GoogleMaps aus. Allerdings sind die Fähren zwischen den Inseln mit dem Auto nicht ganz billig. Das Fahrrad durfte man immer so mitnehmen (außerhalb der Saison). Aber ihr habt ja so viele tausend mögliche Inseln bei euch in der Nähe…
        Liebe Grüße,
        Kathrin

        • Ich glaube, das ist genau das Problem – auf Bengtskär wohnt eben niemand. Da kann man den Touristen ruhig das Geld aus dem Kreuz leiern! Wir wollen auch seit ewig zu einem Leuchtturm vor Uusikaupunki, aber da ist es genau das gleiche… Mir geht’s ja gar nicht mal nur um das viele Geld, das man dafür zahlen müsste – ich mag vor allem diesen ganzen Touristennepp ringsrum nicht.

          Deswegen ist das ja so schön mit den ganzen Auto- und Verbindungsfähren zu den „echten“ Inseln hier! :-)

          (Die nach Utö ist sogar ganz kostenlos – was meiner Meinung nach wiederum auch nicht sein müsste.)

          • Ach, da hatte ich dich grad falsch verstanden. Naja, also Bengtskär ist zwar schon nett, aber eben, da ist halt auch nichts. Nur ein Leuchtturm und viele Felsen und ein Bunker (!). Als ich gesehen habe, wieviel diese Fahrt gekostet hat (wir haben es bezahlt bekommen), schluckte ich ein bisschen. Hätte ich selbst nicht gemacht. Und Mittagessen (Fischsuppe) auf dem Schiff bekam den meisten nicht…
            Aber ich meinte, dass Aland insbesondere Kökar toll ist (also für uns war es toll, für euch ist es wohl eher normal).

            • Wir warten noch ein bisschen, bis die Kinder alle noch ein bisschen grössere Strecken mit dem Fahrrad schaffen – und bis der Radweg bis Korppoo durchgängig fertig ist! – und dann fahren wir mal wieder die grosse Runde über Åland. :-)

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