Suomalainen Päiväkirja

Live aus Turku

Traditionen

4 Kommentare

Dieses Jahr waren wir seit langer Zeit mal wieder am Abend des Unabhängigkeitstages spazieren, im Stadtteil mit den vielen, kleinen Holzhäusern und den krummen Strässschen, um uns die blau-weissen Kerzen in den Fenstern anzusehen. Die Strassen waren ganz still und leer, und die Kinder sprangen begeistert von einem Haus zum anderen – „Da sind Kerzen!“ „Und dort auch!“ „Wo? Zeig!“- und von Knallerbsenstrauch zu Knallerbsenstrauch.

Wir hatten keine Eile, denn der Empfang beim Präsidenten, den sich am Abend alle im Fernsehen ansehen – und der auch für uns viele Jahre fester Programmpunkt am 6. Dezember gewesen war – lockt uns seit zwei Jahren nicht mehr übermässig. Vor zwei Jahren hatte ich ihn in einer Mädchenrunde angeschaut, das war natürlich nett. Voriges Jahr war ich mit den Kindern allein und nach einem aufregenden Tag froh, als ich sie ins Bett stopfen konnte. Ausserdem guckte in Turku sowieso keiner. „Dieses Jahr? Nee! Da organisiere ich keinen gemeinsamen Fernsehabend! Ganz bestimmt nicht!“, hatte die Kollegin gesagt. „Nein, wir haben keine Eile!“, hatten die Lieblings-Ex-Nachbarn gesagt, als sie uns den frischen Weihnachtsbaum noch nach Hause gefahren hatten und wir sie zum Dank zu Kaffee und Stollen hereinbaten. „Dieses Jahr gucken wir den Empfang nicht. Wirklich nicht!“ Letztes Jahr wurde nämlich der Präsidentenpalast renoviert, und der Empfang nach Tampere verlegt. In ein Konzerthaus! (Nicht mal Tanz gab es anschliessend!) Die Turkuer waren sauer: ausgerechnet Tampere, die ewige Rivalin! Und ist nicht Turku schliesslich mal Finnlands Hauptstadt gewesen?! Und haben wir hier nicht ein wunderbares Schloss?!

Wir liefen also von Fenster zu Fenster und Lichterkette zu Lichterkette und zertraten Knallerbsen und hüpften, und dann kamen wir wieder an dem Fenster vorbei, durch das man auf den riesigen Flachbildfernseher gucken konnte, und da stand der Präsident und schüttelte feingekleideten Leuten die Hand. „Das haben wir uns gestern in der Schule angeguckt! Mama, können wir heimfahren und uns das angucken?!“, hüpfte das Fräulein Maus. „Tanzen die dann da auch?“, fragte der grosse Herr Maus, der am Tag vorher im Kindergarten sein ganz eigenes Unabhängigkeitstagsfest gefeiert hatte: alle Jungs durften mit Hemd und Krawatte kommen, die Mädchen mit „Abendkleid“, und sie hatten gefeiert und Walzer getanzt. „Ich will das auch sehen!“ Also fuhren wir heim und guckten doch den Empfang an.

Die Kinder kommentierten begeistert Abendkleider und Trachten. Der Ähämann regte sich auf, für welche Verdienste eigentlich sein Ex-Oberchef eingeladen worden sei, der gerade Einheiten in vier Städten hat schliessen lassen und damit über 300 Leute arbeitslos gemacht hat. Ich für mein Teil weiss jetzt, dass ich mit dem derzeitigen Präsidenten wohl nicht mehr warm werden und “Muminmama“ noch lange vermissen werde.

Der kleine Herr Maus schlief irgendwann auf dem Sofa ein. Der grosse Herr Maus und das Fräulein Maus aber hielten aus, bis gegen halb zehn dann wirklich getanzt wurde.

4 Kommentare zu “Traditionen

  1. Vielleicht war der jetzige Präsi etwas dröge, weil seine Mutter am Vortag gestorben war. Ich finde, dass seine Frau sehr sympathisch kam und auch noch beim tausendsten Gast nett lächelte, ich hätte das nicht so hingekriegt. Jedes Jahr schwöre ich, dass ich diese Arie nicht mehr sehen will, aber trotzdem gucke ich wieder rein.

    • Das habe ich gar nicht mitgekriegt… wie schrecklich, dann so eine Veranstaltung lächelnd durchstehen zu müssen!

      Aber ich finde, dass er eben insgesamt ziemlich farblos (zumindest auf mich) wirkt – was ja nicht schlimm wäre, ausser, man ist eben zufällig Präsident und soll repräsentieren… ;-)

      Und dann habe ich mich auch geärgert, dass so viele Perussuomalaiset eingeladen waren – das kann mir aber auch nur so vorgekommen sein, weil die Moderatoren mehr von denen erwähnt haben, oder das muss so sein, weil ein bestimmter Prozentsatz (oder alle?) Abgeordnete eingeladen werden müssen…

      Naja, und wir werden wohl auch nächstes Jahr wieder gucken – wo jetzt sogar die Kinder schon auf den Geschmack gekommen sind! :-)

      • Du hast recht, Sauli ist etwas farblos im Vergleich zur roten Tarja. Ich denke alle Abgeordneten werden eingeladen, aber bin nicht ganz sicher. Mir sind auch die vielen Perussuomalaiset aufgefallen, könnte gut auf sie verzichten.

        • „Itsenäisyyspäivän vastaanotolle kutsutaan nykyisin noin 1 800 vierasta. Osa kutsutaan asemansa puolesta: jokavuotisen kutsun saavat valtioneuvoston [=hallituksen] jäsenet, kansanedustajat, diplomaatit, piispat, Euroopan parlamentin suomalaisjäsenet, yliopistojen kanslerit ja rehtorit, kenraalit ja oikeuslaitoksen ylimmät virkamiehet. Myös aiemmat presidentit, pääministerit ja eduskunnan puhemiehet kuuluvat vakiovieraiden listalle. Martti Ahtisaaren presidenttikaudella tuli tavaksi kutsua Mannerheim-ristin ritarit aina paikalle, aikaisemmin Mauno Koivisto oli kutsunut heidät vuonna 1987. Valtion ylimpien virkamiesten kohdalla kutsuvuorot kiertävät; kutsu saattaa osua kohdalle joka toinen tai kolmas vuosi.“

          Quelle: http://fi.wikipedia.org/wiki/Itsen%C3%A4isyysp%C3%A4iv%C3%A4n_vastaanotto#Kutsutut

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