Suomalainen Päiväkirja

Live aus Turku

Solche und solche

4 Kommentare

Gestern Vormittag telefonierte ich – immer noch wegen des Unfalls im Bus, den das Fräulein Maus vor einem halben Jahr gehabt hatte – zum ungefähr dreissigsten Mal jemandem hinterher – diesmal der Versicherung des Busunternehmens – um zu erfahren, sie hätten die Papiere schon seit ein paar Wochen da liegen, aber von uns weder Adresse noch Telefonnummer, und wie gut dass ich anriefe, ob ich denn demnächst mal zum Formulareausfüllen vorbeikommen könne, und ärgerte mich zum wiederholten Male über das Busunternehmen, das von Anfang an die Sache hinausgezögert, geleugnet und bei jedem Schritt jede noch so kleine Gelegenheit ergriffen hatte, sich vielleicht doch noch aus der Verantwortung ziehen zu können, in der Hoffnung, dass uns die Sache irgendwann doch zu umständlich wird oder wir sie in der Zwischenzeit vielleicht einfach vergessen, und ich ärgerte mich auch wieder über den Busfahrer, der bis heute behauptet, gar nicht mitbekommen zu haben, wie er eine kleine Erstklässlerin zwischen den Türen einklemmte und zwei weitere kleine Erstklässlerinnen panisch schrieen, er solle die Tür sofort wieder aufmachen, und wie dann eine heulende und zwei tröstende Erstklässlerinnen fassungslos dem einfach davonfahrenden Bus nachsahen.

Gestern Nachmittag telefonierte ich mit dem Fräulein Maus, das mir ganz verzweifelt mitteilte, sie habe kein Buskarte dabei, und während wir am Telefon noch verschiedene Lösungen diskutierten – Nach Hause gehen und die Buskarte holen? Dauert zu lange. Papa anrufen und mit dem Auto abholen lassen? Dauert auch zu lange. Zurück in den Hort gehen und sich von der Hortnerin das Geld für eine Fahrkarte borgen? Traut sie sich nicht. Den Deutschunterricht ausfallen lassen? Nein. – sagte das Fräulein Maus leicht panisch: „Jetzt kommt der Bus schon!“, worauf mir eine Idee kam und ich sie fragte: „Ist es denn ein netter Busfahrer?“ (Sie kennt sie alle!), sie „Ja!“ sagte und ich sie fragte, ob sie ihm mal das Telefon geben würde, damit ich ihn fragen könne, ob er sie denn ohne Fahrkarte mitnehmen würde und ich dann bezahlen könne, wenn ich sie von der Haltestelle abhole, was dann aber gar nicht nötig war, weil ich hörte, wie sie selbst die Sache erklärte und der Busfahrer sie offensichtlich einfach durchwinkte, und als ich dann mit Umweg über den kleinen Supermarkt – weil ich schon ahnte, wie die Sache ausgehen wird und ich es furchtbar finde, dass vier von fünf Busfahrern einem die Tür vor der Nase zuklappen, aber noch viel furchtbarer, dass der fünfte, der eine halbe Minute auf einen zur Haltestelle rennenden Passagier wartet, dann nichtmal ein schlichtes „Danke!“ zu hören bekommt – von Arbeit zur Haltestelle gerast war und, als der Bus ankam, das Portemonnaie zückte, winkte der Busfahrer wie erwartet wieder nur ab, so dass mir nur blieb, ihm zum Dank wenigstens das eilig auf dem Weg erstandene Täfelchen Schokolade zuzuschieben und mit dem Fräulein Maus Richtung Deutschunterricht davonzumarschieren.

Solche und solche eben.

4 Kommentare zu “Solche und solche

  1. Puh, das sind aber lange Sätze, da habe ich Mühe hinterherzukommen…
    Aber die Idee mit der Schokolade finde ich ganz toll. Davon gibt’s auch nicht so viele…
    Viele Grüße
    Rabea

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