Suomalainen Päiväkirja

Live aus Turku

Schule?! Kindergarten…!

14 Kommentare

Erst bekam ich gestern über Wilma eine Nachricht von der Lehrerin, die sich ungefähr so anhörte, als würde das Fräulein Maus seit Wochen eine Mitschülerin systematisch mobben. – Tatsächlich hatte die Mutter einer Klassenkameradin die Lehrerin kontaktiert, weil sich das Fräulein Maus am Freitag auf dem Heimweg heftigst mit ihrer Tochter gestritten hatte. Die Mutter der Klassenkameradin hätte überdies den Eindruck, das Fräulein Maus würde ihre Tochter schon länger piesacken. Nun frage ich mich, warum das arme gepiesackte Kind jeden zweiten Nachmittag zu uns zum Spielen kommt und jeden Morgen anruft, um sich mit dem Fräulein Maus zum gemeinsamen In-die-Schule-laufen zu verabreden; noch mehr aber frage ich mich, ob man von Schulkindern nicht verlangen kann, mal einen Streit unter sich auszumachen, warum sich die Mutter nicht direkt mit uns in Verbindung setzt, wenn sie der Meinung ist, die Sache sei über einen normalen Streit hinausgegangen, und was zum Teufel eigentlich die Schule damit zu tun hat.

Dann lag ein klagender Brief von der Hortnerin auf dem Tisch, der sich ungefähr so anhörte, als wären Schüler beim Drogenkonsum erwischt worden. – Tatsächlich hatten sich einige namentlich genannte Schüler (das Fräulein Maus war übrigens gar nicht involviert) letzte Woche auf dem Heimweg vom Sportunterricht von ihrem Busgeld am Kiosk Süssigkeiten gekauft und hatten dann in den Hort laufen müssen. Ja und, frage ich mich da achselzuckend, wo bitte ist jetzt das Problem? Und warum müssen darüber sämtliche Eltern sowie die Lehrerin informiert werden?

(Mannmannmann. Und dann wundern wir uns, warum sie als Erwachsene alle solche Schafe sind.)

14 Kommentare zu “Schule?! Kindergarten…!

  1. tss. könnte genau so in schweden passieren. wenn hier jemandem was nicht passt, dann sagt der das auch nicht persönlich, sondern rennt zum chef/jemand anderem/internet. konfrontation ist nicht so die stärke der schweden und finnen, scheint mir.
    (ich bin auf f*cebook in einer gruppe, in der es eigentlich um neuigkeiten in meinem ort gehen soll. tatsächlich kommen die meisten posts von aufgebrachten leuten, die es nicht geschafft haben ihre meinung persönlich loszuwerden, sondern stattdessen auf f*cebook nach leuten zu suchen, die ihnen zustimmen. zum beispiel „hab eben eine mutter gesehen, die fuer 3 sekunden in ihr telefon starrte, statt sich mit ihrem kind zu beschäftigen! geht ja gar nicht!“)

  2. Ai wie schön, da lacht doch das Mutterherz ;-) Ich hab zwar noch kein Schulkind, aber die ständige Info-Flut aus dem Kindergarten samt Familien-Bastel-Hausaufgaben geht mir auch ein wenig auf die Nerven. Fast jeden Tag neue Emails, von wegen „das haben wir in der letzten Woche gemacht“ (3 Seiten kleingeschriebenes) etc. Kommt einem fast so vor, als wuerden die denken, man fragt sein Kind nie, was es denn so im Kindergarten gemacht hat und man bastelt oder malt auch zuhause nie was, deswegen muss der Kindergarten dazu Hausaufgaben fuer die gesamte Familie aufgeben…

    • Das kenne ich immerhin aus unserem Kindergarten nicht. Da kommt alle ein bis zwei Monate mal ein Infobriefchen, und das finde ich echt süss zu lesen…

      (Haben die denn dann eigentlich noch Zeit, sich mit den Kindern zu beschäftigen, wenn sich da jede Woche einer hinsetzen und drei Seiten Kleingeschriebenes produzieren muss?!)

    • Es scheint irgendwie keinen vernünftigen Mittelweg zu geben. Entweder ständig Info-Spam oder (wie bei uns derzeit) gar nichts. Ist halt blöd, wenn das Kind dann nicht spricht. Fragen bringt mich nur in den seltensten Fällen und dann auch nur millimeterweise weiter. Manchmal steht hier monatelang nichts im mitteilungsheft und ich frage mich, wozu wir so etwas überhaupt haben. (Bei so neumodischem Kram wie e-Mail sind wir noch nicht angekommen.)

  3. Also, dass noch nicht jeder Streit zwischen den Kindern gelöst werden kann, kann ich voll verstehen. Aber was die Schule damit zu tun hat, wäre mir auch ein Rätsel. Die Mutter scheint euch ja zu kennen, da wäre ich auch wirklich sehr genervt, wenn sie damit zuerst zur Klassenlehrerin rennt…

    Ja, die Beobachtung, dass Konflikte nicht richtig ausgetragen werden können, habe ich bei Schweden und Finnen auch schon beobachtet. Meiner Erfahrung nach antworten Schweden meist total an der Konfliktfrage vorbei, sodass man sich fragt, was da falsch läuft, dass sie eine einfache, direkte Frage nicht verstehen *hmz*. Und Finnen sind Weltmeister darin, einfach zu schweigen und irgendwann dann urplötzlich alles über den Haufen zu schmeißen, wenn ihnen etwas nicht passt. Das ist echt schade, denn oft hätte man die Sache schon vor langer Zeit lösen können, wenn sie denn mal diskutiert worden wären…

    • Mich ärgern ja vor allem diese Extreme – entweder es wird gar nichts gesagt und nur still in sich reingefressen, oder es wird jeder Pups öffentlich gemacht und ausdiskutiert. Und das ist etwas, was mir besonders jetzt in der Schule auffällt.

      Im Kindergarten werden die Kinder drauf hingewiesen, wenn sie etwas falsch machen, und gut is‘. Die Kindergärtner sagen sogar, dass sie oft bewusst den Eltern gar nicht sagen, wenn das Kind sich danebenbenommen hat, weil das für das Kind frustrierend ist, wenn die Sache, die eigentlich erledigt ist, nachmittags nochmal hochgekocht wird. Und weil die Eltern das Kind nicht für Dinge, die im Kindergarten vorgefallen sind, nochmal bestrafen sollen.

      Und dann kommt das Kind in die Schule, und steckt z.B. im Herbst, genervt vom um ihn herum stattfindenden Zickenkrieg, ein (!) Mal einem anderen Mädchen in der Schule die Zunge raus (!), was zu einer Riesensache aufgebauscht wird, die ihr bis zum Zeugnis vor den Sommerferien anhängt. Wie passt denn das jetzt bitte zusammen?!

      (Ich verstehe, dass man hier sehr viel unternimmt, um Mobbing von vornherein zu unterbinden, und ein Nulltoleranz-Prinzip verfolgt. Ich finde das auch gut. Aber ob das Von-vornherein-komplett-Unterdrücken jeglicher Reibereien zum gewünschten Erfolg führt, wage ich noch zu bezweifeln.)

  4. Witzig, gerade gestern habe ich unsere ungarische Couchsurfing-Gastgeberin hier in Rumänien ein Loblied auf die Konfliktbewältigung der Finnen singen hören (die Familie hat dort einige Jahre lang gelebt). Sie sagte, in Finnland hätte man Probleme immer zielorientiert und sofort gelöst, ohne dass sich Lehrer oder Erzieherinnen angegriffen gefühlt hätten, während man sich hier in Rumänien stundenlangen Gesprächen vorsichtig zum Problem vortasten müsse, um keine Befindlichkeiten zu schaffen. Okay, bisschen anders gelagert als bei euch. Aber viele Dinge relativieren sich, wenn man sie mit Osteuropa vergleicht… – Ach du Schande, und ich merke gerade, ich hab die versprochene Postkarte aus Budapest vergessen! Möchtest du stattdessen eine aus Transilvanien? ;)

    Viele Grüße,
    Lena

  5. Hey,ich würde sagen das ist in Deutschland auch so…
    Mit einem ganzen Blog könnte ich die Kita Geschichten füllen…
    Konflikte werden oft hintenrum über Lästereien ausgetragen und wenn Ichs offen anspreche sind sie entweder sprachlos oder angepisst…
    Konstruktivität ist fehl am Platz!

  6. Kommt doch deinem Heimatland sehr nahe :-)

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