Suomalainen Päiväkirja

Live aus Turku

Eingeholt

8 Kommentare

Ob ich die vier Säcke mit den insgesamt 100 kg Hafer noch bräuchte, fragt der Techniker per Email. Hier am Institut werden nämlich gerade sämtliche Kühlräume und Materiallager aufgeräumt und ausgemistet. Äh… Hafer?! Ich?! Was für Säcke?!

Dann fällt es mir wieder ein. Wir hatten damals für das Experiment penibelst recherchiert und gerechnet: wie viel so eine Wühlmaus durchschnittlich am Tag frisst. Wie viele Mäuse jeweils auf jeder unserer Versuchsinseln leben. Wie viele Tage der Winter hat. (Denn: zwischendurch Futter hinbringen ist nicht. Das musste alles auf einmal hin.) Dann bestellten wir beim damaligen Mitdoktoranden, der nebenher einen Pferdehof betrieb, günstig eine grosse riesige Menge Hafer. Beim Umfüllen in Bonbonkisten ging uns plötzlich auf, was wir vorher vergessen hatten: dass wir mehr als knapp 2 kg Hafer pro Maus nicht mit dem Boot transportieren können ohne unterzugehen. So blieben 100 kg Hafer unverfüttert. (Das Experiment war trotzdem erfolgreich.)

So stehe ich im Materiallager und bin doch weit weg: ganz da draussen, wo das Meer so weit ist und die Inseln nur noch kleine, rundgewaschene Felsenkuppen sind, und weiss noch ganz genau, wie das war, an dem kalten Oktobertag vor zehn Jahren, als wir mit einem Boot voller Hafer von Insel zu Insel fuhren.

Ich seufze ein bisschen und setze mich wieder an den Computer. Und dann sehe ich wunderschöne Fotos von genau da draussen, die mich soooo an die Mäusefangausflüge im April erinnern, die immer die schwierigsten waren, aber die allerallerschönsten.

Und dann werde ich unerwartet ganz sehnsüchtig.

(Und dankbar, dass ich drei Jahre lang da arbeiten durfte.)

8 Kommentare zu “Eingeholt

  1. Und? Brauchst du den Hafer noch? (Kann man den nach fast 10 Jahren noch gebrauchen?) Fressen Eichhörnchen eigentlich Hafer? Und überhaupt … ;)

    • Ja, genau diese Fragen habe ich mir auch gestellt… Also zum Aussäen ist er wohl nach zehn Jahren eher nicht mehr geeignet. ;-) Die Eichhörnchen würden ihn wohl fressen, wenn es denn nicht so viel bessere Sachen gäbe (Erdnüsse!), und ausserdem habe ich jetzt gerade nicht vor, sie zu füttern.

      Ich hab‘ die Säcke jetzt als Vogelfutter freigegeben (also, für wissenschaftliche Zwecke – unsere Wintervögel jedenfalls, die verwöhnten Biester, sortieren den Hafer fein säuberlich aus der Erdnuss-Sonnenblumenkerne-Hafer-Mischung aus)…

  2. Ich bin überzeugt, der Hafer wäre selbst als „Menschenfutter“ noch geeignet.
    Getreide hält jahrzehntelang. Haben wir mit Reis schon intensiv erprobt (wenn mein Mann jemals wieder einen 5-Kilo-Sack voll Reis heimbringt, bekomme ich Schreikrämpfe. Vor allem, weil damals noch ein 3-Kilo-Sack da war…)

    • Ja, das denke ich eben auch, und deshalb würde ich ihn ungern einfach wegschmeissen… aber jetzt dafür eine Mühle und eine Bäckerei aufmachen?! ;-) Und nach Afrika schicken geht ja leider auch nicht…

  3. 100 kg Hafer = 65 (oder so) Wärmekissen. ;-)

  4. nachdem ich mich gestern durch die links zu den ‚alten‘ texten geklickt und gelesen habe, habe ich heute bei jeder maus in unserem garten (und es sind viele!) an dich gedacht.
    bloggerwelt :-))

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