Suomalainen Päiväkirja

Live aus Turku

Kuckuckseier

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Wir kaufen ja gerade ein Klavier, was sich hierzulande ja ähnlich… äh… interessant gestaltet wie ein Kühlschrank- oder Waschmaschinenkauf. Und da fiel mir ein, dass ich ja noch gar nicht die Geschichte erzählt habe, wie letzten Herbst innerhalb von fünf Wochen fünf verschiedene Herde in unserer Küche wohnten.

Das hier ist der kleine Herr Maus, der den neuen Herd besonders gern benutzt (zum Griessbreikochen nämlich), und der eine tragende Rolle in der Geschichte spielt:

Der kleine Herr Maus ist nämlich der, der freitags immer besonders laut schreit, dass wir doch einen Kuchen backen sollen. Auch an jenem Freitag, an dem der zur Wohnung gehörende Herd noch vor Fertigstellung des Kuchens sein Leben aushauchte.

Eine reichliche Woche später fuhr ein grosser LKW vor, nahm den kaputten Herd mit und ersetzte ihn durch das vom Vermieter angekündigte Basismodell, dem wir insgeheim eigentlich schon seit der Ankündigung einen Platz in unserem Abstellkäfig statt in unserer Küche zugedacht hatten. Nach sieben Jahren mit einem Ceranherd war ein Herd mit Kochplatten einfach nur furchtbar. Noch furchtbarer, als wir uns vorgestellt hatten. So furchtbar, dass wir noch am selben Tag in den Gigantti (”Fahr nicht an deinem Glück vorbei!”) fuhren, um… äh… das Glück zu finden?! Erstmal fanden wir einen Induktionsherd, der halbwegs unseren Ansprüchen entsprach. Gross war die Auswahl nicht an nur 50 cm breiten Herden, also schritten wir ohne längeres Überlegen zur Kasse.

Eine Woche später fuhr wieder ein grosser LKW vor, diesmal mit dem neuen Herd. Während sich der Gigantti vor acht Jahren noch eine echte Haushaltsgerätefirma mit Rundumservice leistete, wird jetzt der Spedition, die die verkauften Geräte den Kunden nach Hause liefert, nur noch ein… äh… Installateur als Beifahrer in den LKW gesetzt, der dann auch unseren neuen Herd huschhusch und eher gepfuscht anschloss. Wir taten das übliche: Transportsicherungen entfernen, Backofen hochheizen, das Kochfeld putzen. Dabei stellten wir fest, dass die Backofentür ja innen nur noch aus einer festgeklemmten, rahmenlosen Glasplatte besteht. Meine Begeisterungsschreie über zukünftig leichteres Säubern riefen den kleinen Herrn Maus auf den Plan, der auch ”Mal gucken!” wollte. Das sollte sich später noch als nützlich herausstellen. Denn schon am nächsten Tag flog – *klack* – beim Herdanschalten die Sicherung raus, woraufhin der Herd hektisch zu piepsen und zu blinken anfing.

(Es folgt das Kapitel: Einblicke in die finnische Dienstleistungsgesellschaft.)

Ich rief also zunächst beim Gigantti an. Das heisst, ich versuchte es, landete aber für die nächste halbe Stunde in einer landesweiten Warteschleife. Der Frau, die sich dann meldete, schilderte ich das Problem, woraufhin sie mir die Telefonnummern von drei Turkuer Vertrags-Hausgerätefirmen durchgab (die bevorzugte war leider nicht dabei), bei denen ich mich bitte selbst melden solle. Bei der ersten ging niemand ran. Bei der zweiten wurde mir erklärt, mit der Marke Gorenje könne ausschliesslich der Chef, der seit Monaten krankgeschrieben sei und sowieso bald in Rente gehe, und ja, sie müssten das dem Gigantti mal sagen, dass sie also für Gorenje keine Vertragsfirma mehr seien. Bei der dritten verlief das Gespräch ähnlich, aber nach mehreren ”drei Kinder”, ”bald Wochenende”, ”schon seit fast zwei Wochen keinen funktionierenden Herd mehr gehabt” bekam ich die Zusage, es käme noch heute Nachmittag einer vorbei. Der allerdings stellte fest, dass da nichts mehr zu retten sei (”Wahrscheinlich ein Montagsmodell…”), er müsse ein neues Induktionsfeld bestellen. Wie lange das dauernd würde? Könne er nicht sagen. Aber wenn es uns zu lange dauern sollte, sollten wir uns doch mit dem Gigantti in Verbindung setzen, der müsste uns dann eventuell einen neuen Herd zur Verfügung stellen. Wir also. Als ob wir nicht schon genug herumtelefoniert hatten…! Wir warteten nicht allzulange, dann fuhren wir wieder zum Gigantti (was uns aussichtsreicher schien als erneute Stunden in der Kundendienst-Telefon-Warteschlange). Immerhin gingen wir mit der Durchwahl des Verkäufers und der Zusage, sich darum zu kümmern, nach Hause.

(Kapitelende.)

Eine Woche später fuhr wieder ein grosser LKW vor, nahm den kaputten neuen Herd mit und brachte einen neuen Herd mit. Wir wunderten uns ein bisschen, dass er komplett unverpackt ankam, aber vielleicht hatten sie die Verpackung auch nur schon auf der Ladefläche entfernt… Der neue Herd wurde huschhusch angeschlossen, wir unterschrieben irgendwas, dankeschönaufwiedersehn. Wir taten das übliche: Transportsicherungen entfernen Backofen hochheizen, das Kochfeld putzen. Mittendrin riefen meine Eltern an. Ich erzählte ihnen vom neuen Herd, der kleine Herr Maus hörte mit. ”Mach mal die Backofentür auf!” krähte er, sich erinnernd (denn er denkt immer noch, man könne den Menschen am anderen Ende des Telefons Dinge zeigen). Die Backofentür von innen? Das war so ein altmodisches Ding mit Rahmen drumrum! Wir verglichen schnell Seriennummern, dann übergab ich das Telefon mit meinen Eltern dran dem kleinen Herrn Maus und rief mit dem anderen den Verkäufer im Gigantti an. Was das bitteschön solle?! Uns da ein älteres Modell unterzujubeln?! Für den gleichen Preis?! Naja, die unterschieden sich ja nun nicht weiter, glaube er, sagte der Verkäufer, aber wenn wir drauf bestehen würden, ja, dann würde er uns eben nochmal einen neuen Herd bestellen, wenn’s sein müsse, aber das dauere wieder 14 Tage. Und würden sie das alte Modell dann morgen abholen, und wir sässen wieder zwei Wochen ohne Herd da? Nein, natürlich nicht, beschwichtigte der Verkäufer, das würde dann bei der Lieferung des neuen Herdes mitgenommen, aber trotzdem, ob das denn nun unbedingt sein müsse. Ja, müsse es, sagte ich. Und weil ich einmal in Fahrt war, sagte ich ihm auch noch alle meine anderen Bedenken: dass wir gar keinen Garantieschein hätten für dieses Gerät. Dass es ohne Verpackung gekommen sei. Wer mir denn garantieren würde, dass es nicht auch ein kaputtes war, das nur repariert worden sei? ”Ich!”, sagte der Verkäufer und war offensichtlich noch stolz auf das, was er als nächstes sagte: ”Das ist nämlich ein Vorführmodell. Das stand bisher bei uns im Laden.” Ich legte dann vorsichtshalber auf.

Zwei Wochen später fuhr also wieder ein grosser LKW vor (es waren die fünf spannendsten Wochen für sämtliche Nachbarskinder), nahm das Vorführmodell mit und tauschte es gegen ein originalverpacktes um. Diesmal guckten wir zuerst die Backofentür und die Seriennummer an, bevor wir den Installateur überhaupt etwas tun liessen. Diesmal schien alles zu stimmen.

Mittlerweile kochen und backen wir damit immerhin schon seit vier Monaten. Und ein Bonusbackblech haben wir jetzt auch, das über der ganzen Umtauscherei nämlich einfach bei uns geblieben ist.

Darauf backe ich dem kleinen Herrn Maus von Zeit zu Zeit einen Dankeskuchen.

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