Suomalainen Päiväkirja

Live aus Turku

Zum Abgewöhnen

9 Kommentare

Wir machen das ja eher andersum: fahren unter der Woche mit Bus und Rad, und am Wochenende mit dem Auto.

Aber gut. Wenn Turku einen autofreien Sonntag ausruft, dann zeigen wir guten Willen.

Das Fräulein Maus bestand sogar darauf, zum sonntagvormittäglichen Training mit dem Rad zu fahren. Tapfer radelte sie die 5 km zur Turnhalle (die Fähre zum Selberkurbeln – oder eine Fussgängerbrücke an gleicher Stelle – könnten wir jetzt gut gebrauchen; leider wurde die nach ewigen technischen Problemen vor zwei Jahren endgültig stillgelegt), machte anderthalb Stunden Sport und radelte die 5 km wieder zurück.

Dann bestiegen wir alle gemeinsam einen Bus – heute durften Erwachsene den ganzen Tag mit einem einzigen Ticket fahren, und Kinder ab 7, die schon bezahlen müssen, kostenlos – und fuhren auf die Hausinsel.

Zusammenfassend kann ich sagen: es war zum Abgewöhnen. Und zwar nicht des Autofahrens, sondern des Busfahrens.

Der erste Busfahrer fuhr wie ein Henker. Nahm sich die Vorfahrt, liess die Kinder beim Bremsen fast von den Sitzen kullern, fuhr an der Haltestelle fast eine Mutter mit Kinderwagen und Kleinkind an der Hand über den Haufen. Im zweiten Bus hatte jemand Parfüm verschüttet, woran sich vor allem unsere sowieso schon juckenden und laufenden Herbstbegrüssungs-Rotznasen freuten. Der dritte Busfahrer zuckte nur bedauernd mit den Schultern, als wir fragten, warum uns denn jetzt nochmal 2 Euro von der Buskarte abgezogen werden. Die vierte Busfahrerin – eigentlich eine unserer Lieblingsbusfahrer – klappte uns die Tür vor der Nase zu und liess uns damit 20 Minuten bibbernd auf dem zugigen Marktplatz stehen.

Autos waren genauso viele unterwegs wie sonst auch.

9 Kommentare zu “Zum Abgewöhnen

  1. Nun,da ich schon lange nur lese,möchte ich mich auch mal zu Wort melden.Ich wohne in Taucha,das liegt ca 15km von leipzig entfernt. Leider hab ich kein Auto und keine Faherlaubniss.Da bin ichauf die Öfentlichen Verkehrsmittel angewiesen.Da ist mir schon offt auch die Strassenbahn vor der Nase weggefahren. Doch das Größte war, ich drücke auf den Türöffner und die bahn fährt los.Da mußte ich dann auch 20Minuten auf die nächste warten.

    • Wir hatten im Sommer die umgekehrte Variante: Wir waren mit dem Bus unterwegs, meine Mutti stand mit Saskia an der Bustür und drückte auf den Knopf, aber die Tür ging nicht auf. Ich stand samt Saskias Rollstuhl an einer anderen Tür und bemerkte das Dilemma leider erst als ich schon ausgestiegen war. Während ich von draußen an den Bus klopfte und rief, fuhr der Fahrer einfach los.

      Folge: Ich mit Rollstuhl draußen, Kind und Oma im Bus, der einfach weiter fuhr :o Also bin ich dann erstmal den knappen Kilometer gelaufen, um meine Familie abzuholen. Das fand ich auch zum Abgewöhnen.

  2. Im Grunde ist uns das ja alles nichts Neues.

    Wir hatten uns nur schon so dran gewöhnt, dass in den letzten Jahren fast nur noch Ausländer die Turkuer Busse lenkten und das alles sehr viel netter handhabten, so dass das gestern ein ziemlicher Schock war. Und ausgerechnet an so einem Tag!

  3. zum thema busse hab ich nicht viel beizutragen. ist hier auch so, daß es einfach auf die nettigkeit des fahrers ankommt – und leider sind diese nicht so reichlich unterwegs.
    hab aber was anderes zu klagen. weiß ja nicht, ob du dich noch über herzchenspunkte bei den brigitte-mom-blogs freust. meist ist das meine letzte handlung am abend vorm zubettgehen, daß ich da mein herzchen anklicke. seit einiger zeit stelle ich fest, daß es oft drei tage dauert, bis ich da wieder klicken kann. meist ist es inaktiv. seltsam das.
    nichtsdestotrotz wünsche ich dir noch schöne herbsttage bevor es dunkel und kalt wird. dein blog, deine berichte, deine erlebnisse mit deinen kindern, deine weltsicht, tun mir richtig gut. das wollte ich dir mal sagen….
    liebe grüße von leni

  4. Es wäre so schön, wenn das Busfahren mal funktionieren würde! Vom ÖPNV-Gedanken bin ich total überzeugt – richtig gute Sache, wenn nicht jeder selbst mit dem Auto fährt und Ressourcen verbraucht. Aber die Leute auf den Geschmack bringen geht echt anders.

    Auf dein Fräulein kannst du aber echt stolz sein! :)

    Viele Grüße,
    Lena

    • Finde ich auch. Also das mit Auf-den-Geschmack-bringen. (Das mit dem Fräulein Maus natürlich auch ein bisschen.)

      Ich finde, man hätte z.B. an so einem Tag die Leute auch ganz umsonst fahren lassen können.
      (Aber nicht, dass das viel gebracht hätte – ich habe das mal bei Inch gelesen, dass man in Leipzig mal – ich glaube, sogar über einen längeren Zeitraum – alle öffentlichen Verkehrsmittel kostenlos benutzen durfte. Und wer hat das genutzt? Ausschliesslich Leute, die das sowieso schon tun… :-( )

  5. Ich bin vor 4 Monaten auf den ÖPNV umgestiegen, habe mein Auto verkauft. Behalten haben wir das Familien-Urlaubs-Einkaufs-Mannfährt zurArbeit-Auto. Geht eigentlich ganz gut, zumal ich im Sommer auch gut mit dem Fahrrad „auffe Abbeit“ komme. Das Einkaufen ist manchmal nervig, vor allem die Schlepperei, weil ich mich noch nicht an den Einkaufs-Trolly gewöhnt habe (der rattert so, brauche einen mit Gummireifen!). Die Busfahrer sind hier eigentlich alle ok, vor allem werden die Busse zunehmend von Frauen gesteuert und zwar sowohl Jüngere als auch Ältere. Ein echtes Novum. Und klar: ich fluche auch, wenn mir der Bus vor der Nase wegfährt. Wer täte das nicht?
    Liebe Grüsse und schöne Herbsttage, Brigitte

  6. Meine Mutter hat ja nun einen Rollator (hat sie sich zum 80. Geburtstag gewünscht). Der Verkäufer im Sanitätshaus pries die leichte Faltbarkeit und dass man das Teil so leicht in die Strassenbahn mitnehmen könne. Meine Frage, ob denn in Hannover endlich auch (wie in Basel) Niederflureinstieg bei fast allen Trams Standard löste verständnisloses Kopfschütteln aus. Nun, dann nutzt alle Faltbarkeit nichts, meine Mutter kann bestimmt kein 7-kg-Teil die Stufen hoch- und runterhieven…
    LG aus dem ÖV-Paradies Schweiz ;-)

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