Suomalainen Päiväkirja

Live aus Turku

Genug spinnende Finnen!

42 Kommentare

Ich weiss ja auch nicht, was die Deutschen an Finnland so fasziniert. Meistens sind es die, die am wenigsten über das Land wissen, die dann am lautesten „Oh, Finnland!“ rufen. (Ich muss dann immer so ein bisschen an „Oh, wie schön ist Panama!“ denken.)

Mal davon abgesehen, dass ich persönlich Finnland ja wirklich ganz wunderbar finde, frage ich mich dennoch, woher diese Faszination kommt. Skispringer, Rennfahrer, Hardrockbands, Natur, Pisa-Studie, das sind so die Schlagworte, die der Deutsche je nach Alter und Interessenlage als Grund seiner Finnlandbegeisterung angibt.

Und dann weiss ja auch jeder Bescheid über die Kuriositäten Finnland: dass der Finne nicht spricht, dafür umso mehr säuft. Dass das finnische Bildungssystem eins zu eins von der DDR übernommen wurde. Dass es sechs Monate im Jahr stockfinster ist und sich deshalb jeder zweite Finne umbringt. Und dass die Sprache doch so komisch sei, immer mit einem i hintendran an jedem Wort.

Kein Wunder, dass der Deutsche über all das bestens Bescheid weiss – boomt doch das Geschäft mit Büchern über Finnland, die sich mit all diesen amüsanten Fakten befassen. Wer’s nicht glaubt, kann einen einfachen Test machen: man wähle sich einen beliebigen Online-Buchhändler und gebe „Finnen“ bzw. „Finne“ als Suchwort ein, dann filtere man ein paar Krimis sowie Mika Waltaris historischen Roman „Michael, der Finne“ heraus, und was dann auf der Ergebnisliste übrigbleibt, ist eine nicht eben kleine Anzahl an Büchern über spinnende, von Sinnen seiende und was dem jeweiligen Autor noch an sinnentleerten Wortspielen eingefallen ist Finnen.

Nun. Wenn man das Land ein bisschen näher kennengelernt hat, dann entbehren diese Bücher stellenweise nicht einer gewissen Komik. Aber noch während man lächelnd nickt, ja, genau so ist es, beschleicht einen dann doch ein irgendwie unbehagliches Gefühl. Also mich zumindest. Wer ist denn dieser deutsche Autor – der im besten Fall schon seit einigen Jahren im Land lebt, im schlimmsten gerade mal eine Sommerreise nach Finnland unternommen hat – dass er sich das Recht herausnimmt, durch eine möglichst publikumswirksame Zusammenstellung sämtlicher in der Welt bekannter Klischees über Finnland und die Finnen selbige dermassen vorzuführen und ja, blosszustellen?

(Der Gipfel war für mich persönlich erreicht, als der Autor eines im letzten Jahr erschienenen derartigen Buches diesen Sommer in Form einer wöchentlichen Kolumne in der TAZ über eine Reise durch ganz Finnland angeblich live berichtete. Aber nicht nur mir ist spätestens beim Lesen des 3. Teiles aufgefallen, dass der Autor entweder schamlos lügt übertreibt, oder die von ihm beschriebene Reise vor mindestens sechs Jahren stattgefunden hat und die ganze Kolumne nur eine Werbeaktion für sein Buch darstellt, weil sich das 36. Buch über die komischen Finnen dann vielleicht doch nicht mehr sooo gut verkauft.)

Alles halb so schlimm? Ist doch nur lustig?

Nehmen wir mal an, in einem beliebten Urlaubsland der Deutschen, sagen wir… Italien, würden plötzlich Bücher über den grimmigen Germanen die Bestsellerregale der Buchhandlungen füllen. Erst eins, und weil die Italiener das so lustig finden, noch eins, und noch eins, und dann erschiene eine Kolumne über die Deutschen in einer Zeitschrift, dann in einer grossen Zeitung, und im nächsten Sommer schriebe der erste Autor dann gleich noch einen zweiten Teil des „Grimmigen Germanen“. Darin stünde zum Beispiel, dass der Deutsche seinen Müll in genau zweiunddreissig verschiedene Müllaufbewahrungsbehälter sortiert, dass er zu jeder Mahlzeit Bier (Bier! Ein Gebräu aus Gerste und Hopfen, das aussieht, wie… na, ihr wisst schon!) trinkt, dass er an seinen Bushaltestellen Fahrpläne aushängt, auf denen die Abfahrtszeiten – das muss man sich mal vorstellen! – auf die Minute genau verzeichnet sind, dass jeder Deutsche zwei glänzende Autos besitzt, die er jeden Samstag wäscht und mit denen er bei Tempo 200 über die Autobahnen rast, die ja eigentlich auch nur ein Propagandaprojekt einer unrühmlichen Ära in der Geschichte Germaniens sind. Oder so ähnlich. Und die Italiener läsen im „Grimmigen Germanen“, während sie am Strand lägen oder einen Espresso schlürften, und klopften sich auf die Schenkel vor Vergnügen über so ein komisches Volk.

Nun soll es ja Deutsche geben, die durchaus mit Humor gesegnet sind und in der Lage, sich selbst auch mal mit einem Augenzwinkern zu sehen. Aber so insgesamt, da wären wir schon ein bisschen angepisst, nicht wahr?

(Und ehe der Vorschlag hier auftaucht: Ich werde kein Buch über Finnland schreiben.)

42 Kommentare zu “Genug spinnende Finnen!

  1. Hihi, schönes Buch über die Deutschen gäbe das. Ich habe einmal in einem „Einsteiger“ für Amerikaner in Deutschland gelesen: „Germans prefer open-faced sandwiches in the evening“ – auch niedlich, oder? Unser gutes altes Wurstbrot……
    Liebe Grüsse, Brigitte

  2. Da muß ich dir Recht geben, es reicht mit Büchern über die spinnenden Finnen. Und besagter Autor schreibt ja selbst, daß er drei Wochen dort war. Juhuu, drei Wochen, das reicht sicherlich für eine ausführliche Studie. Ich habe das Buch gelesen, stellenweise musste ich schon grinsen, aber mir kommt vieles sehr übertrieben vor. Auch bei den anderen Büchern dieser Art, z.B. von Roman Schatz. Ich bekomme solche Bücher oft geschenkt, weil ich ja bekennender Finnatiker bin. Irgendwie werden die Finnen immer so dargestellt, als müsste man sie nicht für voll nehmen und sogar belächeln. Das ärgert mich. Dann wird über die Sprache gelästert, aber nicht mal auf korrekte Rechtschreibung geachtet.
    Warum wir Finnland lieben? Keine Ahnung. Wer einmal dort war, kommt wohl nicht mehr davon los.

  3. Also über deine Beschreibung der Deutschen musste ich jedenfalls herzlich lachen :)

  4. Na, und wer hat hier in diesem Blog die Finnen, die spinnen eingerichtet? :o) Hm, wer war das?

    • Ja, das war ich. In dieser Kategorie finden sich Sammlungen von Beobachtungen, die ich hier gemacht habe, und über die ich lächeln musste. Und nicht Klischees, die zum Zwecke des Selbstmarketings unreflektiert in die Welt posaunt werden.

  5. Also Dein Blog ist besser als die ganzen Bücher zusammen. Aber ich les die auch gerne. Und laut Männe bin ich ein derjenigen, die am lautesten lästern, aber ich habe ja auch so ein typisches Spinnexemplar abgestaubt *ggg* Still loving Suomi… hast Du das übrigens auch, dass Finnland etwas super Tolles ist, aber Suomi die harte Realität? Oder liegt das daran, dass ich zu gut finnisch lesen kann?

  6. Oh, zufällig gerade (wieder) hier reingestolpert freue ich mich sehr über Deinen Text. Denn gerade gestern hab ich ausversehen wieder auf die Wahrheitseite der TAZ geschaut. Und mich tierisch geärgert. Ich denke das Problem an derartiger Schreiberei ist einfach dass es ein großes Publikum gibt dass sich über so einen Müll freut.
    Ich habe in meinem einen Finnlandjahr zwar die Erfahrung gemacht dass die Finnen (die ich traf) sich doch gerne in diese Schubladen stecken, aber dann sollte das doch ein Finne schreiben und nicht ein Deutscher der drei Wochen Touri-Tour macht.
    Lieben Gruß!

  7. Danke! Als Finnin nerven mich diese Bücher schon extrem, erstens weil die einfach blöd und voller Mist sind und auch weil die sogenannten Tatsachen nun oft gar nicht stimmen. Das einzige deutsche Buch über Finnland, das ich sehr sehr gerne gelesen habe, ist die Gebrauchsanweisung für Finnland, von Roman Schatz. Das andere, schon oben genannte Buch von ihm habe ich dann auch versucht zu lesen, aber es war so schlimm dass ich sehr schnell aufgeben musste. Es ging aber auch mehr um ihn als um das Land, fand ich.

  8. Muss mich outen, denn gerade gestern habe ich die Finnen von Sinnen ausgelesen. Das Buch habe ich zu meiner Verteidigung auch geschenkt bekommen, es hat mir aber im Gegensatz zu anderen bisher gelesenen Bücher wesentlich besser gefallen. Obwohl es teilweise auch Schubladen-Geschichten hervorkram, werden diese aus meiner Sicht wunderbar philosophisch erzählt, und spiegeln auch das wieder, was ich ebenfalls erlebt habe. Vor allem die Sache mit den Mücken, die habe ich so noch nie gelesen, erzähle das aber immer genauso!
    Ja, wie es aus Sicht des Volkes ist, ist wahrlich schwierig zu beantworten. Mein Finnisch-Lehrer (der ja seit 20 Jahren in Deutschland lebt), hat sie alle zu Hause (die Bücher). Ich weiß es nicht, ob sie nicht vielleicht auch ein bißchen stolz drauf sind oder zur ganzen Thematik >höpöhöpö< sagen, keine Ahnung.

    Welchem Deutschen ist das mit den Vorurteilen noch nicht passiert, dass man im Ausland mit Hitlergruß begrüßt wurde, gefragt wurde, wo das Dirndl ist und ein Kanadier wollte mich mal davon überzeugen, dass Bonn die Hauptstadt von Deutschland ist (Ende der 90er). Aber du hast Recht, Bücher gibt es (meines Wissens) zumindest nicht darüber – obwohl ich es kaufen würde, wenn ich denn die Landessprache verstehen würde. Um zu sehen, ob man drüber lacht oder sich aufregt.
    Auf jeden Fall sind sie ein wunderbares Volk und ich lese hier auch immer gerne mit, auch wenn du kein Buch schreibst ;-)
    Was ich auch doof finde: schlecht recherchierte, oberflächliche Informationen in dieser Form weitergeben. Leider wird ja alles, was in der Presse steht, geglaubt, und das betrifft alle Sparten!

  9. Es interressiert mich nicht, was irgenein deutscher Autor über die Finnen schreibt oder denkt, habe solche Schreiberzeugnisse weder gelesen noch geschenkt bekommen, schon gar nicht gekauft. Ich kann nämlich alles, was ich wissen will, in Originalsprache lesen. Für leichte Lästerliteratur gibt es halt eine anspruchslose Kundschaft – und die Verlage kämpfen ums Überleben. Unter Suchwörten wie „Fegefeuer“ oder „Stalins Kühe“ vermutet man aber auch nicht gleich finnische Literatur und Romane von Sofi Oksanen, anspruchsvoll und ganz und gar nicht humorvoll.

  10. Naja, es gibt ja diese Bücher über „die Deutschen“ schon, wie z.B. „Nothing for ungood“. Ich finde die durchaus zum Schmunzeln, aber ich kenne auch nur eins, zwei dieser Werke und bin dann auch einfach gesättigt davon. So richtig ernst nehme ich das nicht bzw. ist ja durchaus klar, dass da vieles übertrieben dargestellt wird. Der Klassiker unreflektierter Länderberichte ist ja „Die scheußlichsten Länder der Welt: Mrs. Mortimers übellauniger Reiseführer“ – muss ich dann gleich mal schauen, wie die Finnen da wegkommen. Ich vermute, die Vorurteile haben sich nicht deutlich verändert…

  11. Abgesehen von ein paar Finnland-Reiseführern interessieren mich Bücher über Finnland auch nicht – allerdings finde ich die Bücher von Karin Kunz Uusitalo ganz gut.

  12. Ich habe weder eines der Bücher über die Finnen gelesen, noch war ich jemals dort – leider !
    Ich habe lediglich einen Sohn, der einen finnischen Namen trägt, warum auch immer, er gefiel uns gut.
    Aber neulich sahen wir bei uns 3 doch recht schräge Finnen an- für Eintritt: die „Race horse company“, gibt auf Youtube einen kleinen Trailer.
    Insgesamt wirkte das Programm ausser hochakrobatisch vor allem so, als sei es während eines Saufgelages während eines langen Winters in einer Werkhalle entstanden. Aber es war echt toll, nur eben ein bißchen spinnig.

  13. mal so ein buch über eine nation find ich schon lustig, hab zb sehr über „maria, ihm schmeckts nicht!“ gelacht.
    doch in solch einer flut und dermaßen unreflektier ist es dann einfach lästerlich und fies.

    (in italien haben sie übrigens inzwischen auch das recyclen entdeckt und entsprechend vielverschiedene müllcontainer pro haushalt…)

  14. Sprichst mir aus der Seele – erst war ich eher genervt, mittlerweile werde ich fast wuetend, wenn man die Finnen so belächelt. Ziemlich arrogant. Schöner Post!

    • Danke!

      (Off topic: wo hast du eigentlich deine Siikli-Saatkartoffeln her? Eigentlich könnte man ja einfach auf dem Markt welche kaufen und bis zum nächsten Frühjahr aufbewahren – aber wie, wenn man keinen Keller hat?! Die Kinder möchten nämlich nächstes Jahr auch gern unter die Kartoffelbauern gehen.)

  15. Ehrlich? Ich würde so ein Buch über den grimmigen Germanen gern im (italienischen) Original lesen und mich köstlich amüsieren. In englisch-sprachigen Büchern dieser Art schmökerte ich ja schon und amüsierte mich. Allerdings hatte ich da immer das Gefühl, dass der jeweilige Autor uns ziemlich gut kennt und unsere Marotten eigentlich liebenswert findet. Es war (für mich) nie beleidigend. Und als mir in Litauen ein Litauer sagte „Ich habe kaufe mir einen Deutschen Schäferhund, dann bin ich Volksdeutscher, kehre heim ins Reich und kriege einen Geschirrspülautomaten geschenkt“ musste ich herzlich lachen.
    Über Bücher über Finnen und die Autoren dieser Bücher kann ich freilich nichts sagen. Erstens habe ich noch keins gelesen, zweitens war ich auch nur mal im Sommer für drei Wochen da.

    • Hihi, hätte ich auch gelacht. :-)

      Ist ja auch klar, dass in jedem Klischee ein Körnchen (oder manchmal ziemlich grosse Körner) Wahrheit stecken. Was aber dieses inflationäre Verbreiten derselben soll (und wo das grosse Publikum dafür herkommt), das ist mir wirklich unverständlich. Und nach der dritten Wiederholung ist es eben auch noch nicht mal mehr amüsant.

  16. Finnland stand irgendwie nie auf meiner Wunschreisezielliste. Als du angefangen hast hier aber so schöne Bilder zu zeigen und Geschichten zu schreiben änderte sich das, bis zu dem Zeitpunkt als ich erfuhr das es keine Bratwurststände gibt und die Kugel Eis 3 Euro kostet. Das geht ja gar nicht :-D.

  17. Ein Schuss Exotik (ja, die Sprache!) und viel Ruhe. Seitdem wir in Finnland waren, weiß ich erst, was Stille im Alltag sein kann (und wie laut es bei uns ist, obwohl es „still“ ist).
    Ich kenne ein („das“?) Buch über die spinnenden Finnen und fand es eigentlich sehr schön und gefühlvoll und liebenswert. Da gab es dann aber einen richtigen Meinungsstreit mit meiner (in Finnland lebenden) Schwester, die meinte, dass das ja gar nicht ginge, wie da ein (auch in Finnland lebender) Deutscher über die Finnen schreibt. Selbst wenn das alles stimmen würde, dürfte ein „Ausländer“ das so nicht aussprechen, damit würden die Finnen beleidigt werden.
    Hmm, ich würde mich bestimmt über ein gleichartiges Buch über „die Deutschen“ amüsieren können.

    • Ich finde das Buch über die spinnenden Finnen (obwohl nur ein bisschen online reingelesen) eigentlich auch noch am besten und am wenigsten arrogant. Aber es ist eben ein schmaler Grat zwischen „lustig“ und „beleidigend“… den dann zudem auch noch jeder anders empfindet…

  18. Offenbar eine Bildungslücke, denn ich kann mich bestens bei Literatur, youtube videos, Blogs oder Sketchen über „germanische“ Eigenheiten amüsieren – und diese gibt es reichlich: von Einwanderern, Eingeborenen, Touristen und von Deutschen selbst. Beispiele: Culture Shock! oder Xenophobe‘s guide Buchreihen, Adam Fletchers „How to be German“ Blog und Buch, amerikanische Perspektive in den „Germerican Denglish“ oder „Oh God my wife is German“ Blogs, britische Auffassung in „Achtung to Zeitgeist“ Kaya Yanars liebenswerte selbstironische Sketchparodien (bei „Ingeborg und Heeerbert auf Türkeiurlaub“ hab ich gegröhlt).

    Der einzige Unterschied – solche Analysen der Deutschen machen keine Schlagzeilen auf Käseblättern, wie hier auf IS/IL und sogar Hesari. „Was denkt der Elefant über mich?“ ist ein fester Begriff in Finnland. Jegliches Schmunzeln über finnische Eigenheiten in einer zweitklassigen Talkshow im Ausland kann ein steuerfinanziertes Riesenprojekt über „Suomen brändi“ ins Rollen bringen.

    Darüber hinaus befassen sich im Allgemeinen angesehene Sozialwissenschaftler mit den Herausforderungen der interkulturellen Kommunikation. Trockene Statistiken werden auch von Fachleuten wie Hofstede oder Trompenaars erfrischend (oft auch mit einer Prise moderatem Humor) praxisnah mit Beispielen unterlegt. Sie sind dabei behilflich, Eigenschaften zu verbinden und andere Kulturen besser zu verstehen.

    „Finnen von Sinnen“ fand ich leicht langweilig, Phil Schwarzmanns „How to marry a Finnish Girl“ umso treffender, einfach köstlich. Roman Schatz mag als Person arrogant wirken, bringt es aber auf den Punkt und, man staune, setzt sich mit den sozialwissenschaftlichen Theorien auseinander. Da finde ich deine Aussage, dass deine Kinder künftig für scheidungswillige Finninen oder „Stoffel“ zu schade wären, deutlich unreflektierter, wenn nicht gar arroganter mit der abwertenden Wortwahl. Ausserdem lästert Roman Schatz viel und gern über Deutsche (oft um sich bei Finnen einzuschleimen), also macht er es mit Selbstironie wieder gut. Man wird hierzulande ständig gefragt, was man über Finnland denkt. Das i-Tüpfelchen: keiner hat das Finnland-Schweden Komplex besser abgehandelt als Miika Nousiainen in „Vadelmavenepakolainen“ – ein Riesenerfolg, auch als Theaterstuck. Einige Fernreisen mit gemischtem Fin/Swe Publikum und ich hatte ein Dejavu.

    In meinem Umfeld finden sich (nur) humorvolle „Stoffel“ mit denen man sowohl über Deutsche als auch über Finnen lästern kann. Arrogant ist, wer eine ganze Nation nach einem Stereotypen verurteilt, ohne über die Hintergründe mancher Marotten nachzudenken.

    Mein Arbeitgeber organisierte für uns eine Reihe an Seminaren über verschiedene Kulturen, vor denen wir jeweils unsere „Vorurteile“ per Umfrage mitteilen sollen. Danach ging ein ausgebildeter Muttersprachler gezielt drauf ein, wie wir sie in der beruflichen Zusammenarbeit oder sozialem Umgang verstehen/nutzen/hinterfragen/revidieren können, ohne alles Negative widerlegen zu wollen (offenbar, Finnland ist erst noch dran…). Es ist sehr hilfreich, auch selbst den Spiegel vorgesetzt zu bekommen (oder die eigenen Vorurteile über uns Deutsche als Input zu geben). Wenn man nicht verkraften kann, welche subjektive Wahrnehmung Aussenstehende von der eigenen Kultur haben, hat man ein Problem mit dem eigenen Selbstbewusstseins und/oder leidet an notorischer Humorlosigkeit.

    Es ist nicht nur Halbwissen, dass ein Ansatz der Kinderbetreuung- und des Schulsystems von der DDR abgekupfert ist. Darüber haben Finnen Doktorstudien veröffentlicht. Auch über den Einfluss des Schwedenmodells.

    • Ja, da habe ich wohl tatsächlich eine Bildungslücke.

      Diese deutschen Bücher über Finnland ärgern mich aber nicht, weil sie für Schlagzeilen in den finnischen Medien sorgen und ich dem jetzt fleissig zustimmen müsste, sondern weil ich persönlich sie arrogant und unangebracht finde. (Und ganz offensichtlich bin ich damit ja nicht die Einzige.)

      Und was mich jetzt sehr wundert: dass ausgerechnet du, deren Kommentare zu 90 Prozent Negatives über Finnland beinhalten, dich daran störst, wenn ich tatsächlich auch mal etwas nicht ausschliesslich Positives zu sagen habe.

      (Dass das mit den „Stoffeln“ und „untreuen Frauen“ bewusst unreflektiert und nicht ganz ernstzunehmen gemeint war, ist dir dabei wohl entgangen? Ich hoffe ja sehr, ich kann meinem Blog das heutzutage weithin übliche absichernde *ironieon* *ironieoff* oder „Das ist aber nur meine persönliche Meinung, andere sehen das sicher anders / jeder macht das, wie er mag“ auch weiterhin ersparen.)

      • Zitat: „(Dass das mit den “Stoffeln” und “untreuen Frauen” bewusst unreflektiert und nicht ganz ernstzunehmen gemeint war, ist dir dabei wohl entgangen? Ich hoffe ja sehr, ich kann meinem Blog das heutzutage weithin übliche absichernde *ironieon* *ironieoff* oder “Das ist aber nur meine persönliche Meinung, andere sehen das sicher anders / jeder macht das, wie er mag” auch weiterhin ersparen.)“

        Und der Unterschied zu dem Geschreibsel der nervigen Authoren liegt…. genau… wo?

        Vergiss es.

  19. Das Ganze muß man mit Humor sehen. Ich weiß wovon ich spreche, schließlich bin ich als Österreicher immer in Lederhosen, singend im Fiaker zu einem Wahllokal unterwegs um dort aufgrund meiner nur unzureichend aufgearbeiteten Vergangenheit irgendeine rechte Partei zu wählen… :-)

  20. Abseits von den hier genannten Büchern, welche den Leser eher mit Klischees und Kuriositäten über Finnland unterhalten, kann für ich das Buch „Finnische Reise“ empfehlen, welches einen interessanten Einblick in die finnische Vergangenheit bietet . Der Autor Wolfram Dufner erzählt über die Zeit seiner Tätigkeit in der Handelsvertretung der Bundesrepublik Deutschland in Helsinki von 1954 bis 1958 (keine Schleichwerbung – das Buch ist vermutlich nicht mehr im Buchhandel zu finden, ich hab meins im online ersteigert).

    Terveisiä Raumalta

  21. Über die Franzosen jedenfalls hat mal ein gewisser Major Thomson so ein Buch geschrieben. Pikant daran ist, daß Major William Marmaduke Thomson eine Kunstfigur von Pierre Daninos ist, und der war guter Franzose.
    Aber aus diesem Buch zitierend kann man die Franzosen immer noch herrlich zur Weißglut treiben. :D

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