Suomalainen Päiväkirja

Live aus Turku

Öffentlichkeitsarbeit

3 Kommentare

Am Park schmeisse ich den Kollegen samt Antenne und Sprühflasche aus dem Auto. „Bis dann!“ sagt er, und „Pass bisschen auf, dass keiner sieht, was du machst.“

Seit der Zeitungsgeschichte und den fiesen Kommentaren darunter („Kann man den Forschern auch solche Halsbänder umbinden?!“) geht er potentiellen Fragern am liebsten aus dem Weg.

Ich fahre auf die andere Seite des Flusses. 21:50 Uhr, die Stadt ist voller Leute, die von Bierausschank zu Bierausschank ziehen. Könnte schwierig werden, seine Bitte zu erfüllen, denke ich mir. Als ob man überhaupt irgendwie unauffällig mit einer einen Meter langen Antenne durch die Stadt laufen könnte! Nicht mal dunkel ist es!

Mein Eichhörnchen hat sich einen Schlafbaum in einem ruhigen Durchgang zwischen zwei Strassen gesucht. Kluges Tier. Kein Mensch weit und breit, prima, denke ich noch, da kommt einer von oben um die Ecke gebogen. Na, der wird sicher gleich weg sein. Gleichzeitig kommen von unten zwei Frauen, leicht angeheitert, um die Ecke gebogen. Na, die sind sicher auch gleich wieder weg, denke ich.

Was ich nicht bedacht habe: die eine der beiden trägt Flipflops. Und muss jetzt unter den drei grossen Linden durch, von denen eine mein Eichhörnchen beherbergt. „Iiiiih!“ schreit sie, „Ich bleibe kleben!“

Die finnische Natur ist masslos. In allem. Von so einer finnischen Linde rieseln nicht nur ein paar einzelne Tröpfchen, sondern strömen ganze Liter Honigtau auf den Boden. Entsprechend klebrig sind die Wege. Ich starre fasziniert auf die halbseitig barfüssige Frau, wie sie versucht, auf dem noch beschuhten Bein verzweifelt das Gleichgewicht zu halten und den anderen Fuss wieder in die Flipflops einzufädeln. Ich starre eine Sekunde zu lang. „Was machst du denn da mit der Antenne?“ fragt die andere, statt mal ihrer Freundin zu Hilfe zu eilen. Ich erkläre. Die mit den Flipflops hat es inzwischen geschafft, ihren Fuss wieder einzufädeln. Nun werden sie ja wohl gleich verschwunden sein, denke ich. Sie macht einen Schritt. Die Sohlen der Flipflops kleben am Boden. Sie steht barfuss im Honigtau und zetert: „Jetzt sind meine Schuhe kaputt! Guck doch mal! So eine Scheisse! Ist das eklig! Das kann doch nicht wahr sein!“ Während sie versucht, die Reste ihrer Flipflops vom Boden zu kratzen, fragt die Freundin – die weiterhin ohne sich zu rühren zwei Meter entfernt wartet – „Und was hast du da in der Sprühflasche?“ „Och, nur Wasser“, sage ich. „Ah! Damit die Eichhörnchen was zu trinken haben, wie?“

Ich könnte jetzt einfach ja sagen. Ich kann sowas aber nicht, Leute für dumm verkaufen. Stattdessen erkläre ich in verkürzter Form und schlechtem Finnisch Ablauf, Sinn und Zweck unseres Experiments, und mache nebenher einfach. „Lustig!“ sagt sie, und „Dann mal viel Erfolg noch!“ und dann gehen sie endlich, die eine immer noch zeternd, davon.

Ich geh‘ auch. Ich muss ja jetzt nicht mehr warten, bis keiner mehr da ist, der mich sehen könnte.

3 Kommentare zu “Öffentlichkeitsarbeit

  1. Eh…wurden Sinn und Zweck dieses Experiments hier schon mal erwähnt?
    Würde mich jetzt mal interessieren was man da so mit Eichhörnchen, Sendern, Antennen und Sprühflaschen macht.

    • Den Halsbandsender haben sie um, damit wir wissen, wo sie sich gerade aufhalten. Wir untersuchen und simulieren verschiedene Faktoren, die das Verhalten der Eichhörnchen in der Stadt (im Vergleich zu denen, die im Wald leben – also nicht irgendwo in einem Wäldchen, sondern richtig im Wald) beeinflussen könnten.

      Genaueres wird es hier nicht zu lesen geben. Aber keine Sorge: es kommt kein Tier zu Schaden. Jedenfalls nicht durch uns.

  2. Ich dachte, sie bitten dich, mit dem Wasser die Schuhe zu säubern.
    Ich liebe übrigens Lindenblütenduft. Aber: parke nie, nie, nie ein Auto unter Linden…

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