Suomalainen Päiväkirja

Live aus Turku


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Finnische Wetterarten (8)

Heute: Takatalvi.

Takatalvi ist, wenn man schon am Aufatmen war – weil der Schnee jeden Tag ein bisschen weniger geworden ist, die Temperaturen jeden Tag ein bisschen höher klettern, die ersten Frühblüher ihre Spitzen aus der Erde schieben, die Sonne wärmt – und der Winter dann nochmal so richtig zurückschlägt und es wieder schneit.

Das passiert oft. Und bleibt der Takatalvi aus, kann sich der Finne trotzdem nicht am Frühling freuen, da er in in ständiger Furcht vorm Takatalvi lebt – mindestens bis Ende Mai.

Und dann ist ja Sommer.

[Finnische Wetterarten 1, 2, 3, 4, 5, 6, 7]


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Wettkampf üben

Nein, Eiskunstlauf ist es zum Glück nicht, was das Fräulein Maus macht. Ballett auch nicht. Sondern die wohl finnischste Sportart, die es für Mädchen gibt.

(Man hat ja als Mutter so Vorstellungen, was man sich für das eigene Kind wünschen würde. Ich hätte mir zum Beispiel für das Fräulein Maus eine Sportart gewünscht, bei der sie gegen die Stoppuhr antritt und nicht gegen irgendwelche subjektiven Schiedsrichter. Im Sommer hat sie zwei Monate lang Leichtathletik ausprobiert. Aber die Trainerin hat’s vergeigt. In vielerlei Hinsicht. Im Herbst antwortete das Fräulein Maus – vor die Wahl gestellt, welchen Sport sie denn nun gern weitermachen würde – ohne zu zögern und ganz bestimmt: „Turnen!“ Nun denn. Es gibt Schlimmeres. ;-)

Nach verschiedenen vereinsinternen Vorführungen war die Mannschaft des Fräulein Maus gestern auf ihrem allerersten Wettkampf. („Wir sind Schmetterlinge, die aus ihrem Kokon schlüpfen und dann losfliegen!“) Das heisst, eigentlich haben sie den Wettkampf nur geübt.

Alles wie bei einem richtigen Wettkampf: mit offizieller Generalprobe, mit gemeinsamem Einmarsch zur Eröffnung, mit echten Schiedsrichtern. (Und mit sehr viel Warterei zwischendurch.)

Aber bis sie zehn sind, bekommt jede Mannschaft eine Medaille (und eine schriftliche Bewertung von den Schiedsrichtern).

Die Medaille wurde dann bisher auch nur kurzzeitig und widerwillig zum Schlafen abgenommen. Wobei: wer mit solchem Zeug in den Haaren schlafen kann, der kann ja wohl auch mit Medaille um den Hals schlafen…


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*seufz*

Offizielle Schneehöhe: wieder 24 cm.

(Ich finde das aber durchaus zuvorkommend vom Wetter, dass es nach wochenlangem Sonnenschein ausgerechnet an dem Tag schneit, an dem ich den ganzen Tag mit dem Fräulein Maus in einer Turnhalle sitzen und der Ähämann den ganzen Tag Reisevorbereitungen treffen muss.)


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Na bitte!

Geht ja schon!

Offizielle Schneehöhe: noch 24 cm.

Der Weg vor dem Haus: eisfrei. Der Weg zum Kindergarten: eisfrei. Mein Arbeitsweg: noch nicht ganz durchgängig eisfrei. Deshalb Radfahren vorerst nur vor dem Haus.

Und: wir warten sehnlichst auf die Kehrmaschine, die endlich die knöcheltiefen Splittschichten entfernen wird. (Solange sieht man jeden Abend einen anderen Vater mit einem Besen Schneisen in die Splittschichten fegen, damit die Kinder besser radfahren können.)


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Als Mutter

Was ich schon immer mal zum Thema Gleichberechtigung aus Muttersicht anmerken wollte:

Ich bin es dann doch, die zu Elternsprechstunden geht und Formulare ausfüllt. Ich bin es, die die Kindertermine in den Kalender einträgt. Ich bin es, die recherchiert, wo das Fräulein Maus ihre Sprungfedern in den Beinen trainieren kann, ab wann der grosse Herr Maus vielleicht Klavierunterricht nehmen kann und wie man Windpocken von Hand-Fuss-Mund-Krankheit unterscheidet. Ich bin es, die Geschenke besorgt und verpackt, Kindergeburtstage plant und die geliebten Fotobücher gestaltet. Ich bin es, die für die Kinder Klamotten kaufen geht (und ihre Kleidergrössen weiss). Wenn wir verreisen, bin ich es, die für vier Personen packt – und wenn die fünfte Person ihre Regenjacke vergisst, dann bin auch ich schuld dran. ;-)

An schlechten Tagen wirft mir der Ähämann auch schon mal an den Kopf, das wäre schliesslich mein Job, das mit den Kindern. (Warum ich dann noch einen anderen Job habe, frage ich mich. An ganz schlechten Tagen wirft mir der Ähämann dann vor, mein anderer Job sei ja nicht so anstrengend wie seiner. Eh klar.)

Gut, der Ähämann übernimmt dafür andere Aufgaben. Es ist auch nicht so, dass der Ähämann im Haushalt nichts machen würde. Im Gegenteil. Aber er bringt es fertig, das Geschirr beim Einräumen in die Spülmaschine eine halbe Stunde lang ungestört millimetergenau auszurichten. Ich schaffe es nicht, eine Maschinenladung Wäsche auf die Leine zu bringen, ohne fünf Mal zu unterbrechen: weil eine ihre Hausaufgabenstellung vorgelesen haben möchte, einer Durst hat und einer im Zwei-Minuten-Takt unbedingt jetzt und sofort „Hoch!“ genommen werden möchte. Ich mache ein halbes Bett, renne weg, um einen Totschlag zu verhindern Streit zu schlichten, nehme auf dem Rückweg ein Kuscheltier mit, stolpere dabei über drei Legosteine, räume die in ihre Kiste, an die ich aber nur komme, wenn ich vorher alle Autos zurück in die Schublade stopfe, währenddessen ruft der grosse Herr Maus vom Klo nach Feuchttüchern… und ich habe inzwischen komplett vergessen, dass ich eigentlich am Bettenmachen war. Der Ähämann hat inzwischen die Küche geputzt und aufgeräumt. Schön, wenigstens einer, der ein Ergebnis seiner Bemühungen vorzuzeigen hat.

Wenn sich fünf Personen in unserem Bett drängeln, drei davon um die Wette schnarchen und ich daraufhin beschliesse, eine ruhige Nacht im verwaisten Doppelstockbett zu verbringen, wird mir tagelang vorgehalten, wie ich mitten in der Nacht einfach so „weg“ war, und sich die nächsten zehn Abende weinerlich ausbedungen, dass ich aber ja nicht wieder woanders schlafen soll. Schläft der Ähämann woanders, werde ich höchstens früh nach dem Aufwachen erstaunt gefragt: „Wo ist denn der Papa?“, womit das Thema ein für alle Mal erledigt ist. Wenn sonntagfrüh drei aufgedrehte Kinderlein anfangen, auf unserem Bett zu hopsen und der Ähämann daraufhin die Flucht aufs Sofa ergreift, kann er dort weiterschlafen. Ergreife stattdessen ich die Flucht aufs Sofa, hopsen kurz darauf drei aufgedrehte Kinderlein auf dem Sofa, während der Ähämann im Bett weiterschläft. Der Ähämann ist der, bei dem Totstellen funktioniert. Ich bin die, bei der es nicht funktioniert.

Wir teilen uns gerecht in die Kind-krank-Tage. Aber ich bin es, die dann doch zuerst zu Hause bleibt, wenn es hart auf hart kommt. Wir teilen uns in die Kindergartenbringerei und –holerei. Aber ich bin es, die die Kinder abholt und den Rest des Abends mit ihnen verbringt, weil der Ähämann über seinem anstrengenden Job gern mal den Blick auf die Uhr vergisst und erst zum Abendbrot zu Hause eintrudelt.

Ich bin es, die zum Vorlesen genötigt wird. Ich bin es, die die gewünschten Wasserfarben ausgibt (und hinterher die Sauerei beseitigt). Selbst wenn der Ähämann sich der Dinge annimmt, bin ich es, der hinterhergebrüllt wird: „Nein, die Mama soll das machen!“.

Im Grunde mache ich das ja alles gern. Ich liebe den Ähämann (trotzdem ;-)). Und ja, wer nicht drüber lachen kann, für den ist das alles vermutlich Jammern auf hohem Niveau.

Aber manchmal, echt, da wär‘ ich schon gern Vater.


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Ostersonntagnachmittag

Kaffee (und Milchschaum) gab es zum ersten Mal dieses Jahr auf der Terrasse.

Ohne Mützen, ohne Jacken. Eine meinte sogar, sie bräuchte uuuunbedingt einen Sonnenhut.

Und dann rief das Fräulein Maus plötzlich erschrocken: “Mama, was ist denn das?!”

Das war der erste Krokus. Lange, ehe wir ihn erwartet hatten.

Wenn das kein ganz und gar wunderbar frühlingshaftes Ostern war!