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Wie ich einmal eine Doktorarbeit schrieb

29 Kommentare

Dieser Doktortitel-Aberkennungs-Hype geht mir auf die Nerven.

Betrug ist falsch. Aber dass jetzt jeder anklagend den Finger ausstreckt und „Pfui!“ schreit, und ganz besonders laut die, die gar nicht wissen (können), wie so eine Doktorarbeit eigentlich entsteht und was sie bedeutet, das macht mich rasend.

Es ist nämlich so:

1) Eine Doktorarbeit ist kein Roman.

Man schreibt so eine Doktorarbeit nicht von der ersten bis zur letzten Seite mit eigenen Gedanken voll. Eine Doktorarbeit lebt von Verweisen. Ich bin nicht gut im Schätzen, aber bestimmt 80% des Textes beziehen sich auf fremde Arbeiten. Die ganze Einleitung ist ein einziges Verweisen und Zitieren: was andere vor einem gemacht haben, was generell bekannt ist, was im Detail jemand herausgefunden hat – um zu erklären, warum man selbst sich gerade mit dem Thema befasst hat, um das es in der Doktorarbeit geht. Nicht einmal die Auflistung der benutzten Methoden kommt ohne Verweise aus, und das abschliessende Diskutieren und Einordnen der eigenen Forschungsergebnisse in das Grosse Ganze lebt natürlicherweise auch von… genau, Verweisen und Zitaten.
Hinzu kommt: wer eine wissenschaftliche Arbeit verfasst, der bedient sich auch nicht eines besonders individuellen Schreibstils, wie es zum Beispiel ein Romanautor tun würde. Wissenschaftssprache ist sehr sachlich und sehr… einheitlich. Ich wette, es gibt tausende Satzteile, Sätze, halbe Abschnitte, die sich in Doktorarbeiten und Publikationen der jeweiligen Fachrichtung wiederholen wie das „Es war einmal…“ in Grimms Märchen. (Ich nehme meine eigenen Publikationen da nicht aus.) Zufällig. Es geht gar nicht anders.
Denn was wäre die Alternative? Immer verschwurbeltere Formulierungen zu finden, die wirklich keiner Plagiatsaufdeckungssoftware ins Auge stechen? Wohl nicht.
Das ist keine Entschuldigung dafür, passagenweise abzuschreiben, weil einem selbst keine bessere Formulierung einfällt, oder Zitate bewusst nicht zu kennzeichen. ABER: das sollen sich die, die jetzt anklagend den Finger ausstrecken und „Plagiat!“ und „Hinterhältige Schummelei!“ schreien, mal bewusst machen.

2) Leute mit Doktortitel sind auch keine Übermenschen.

In den meisten Fällen ist ihnen der Titel vermutlich gar nicht mal wichtig. Mein Doktorvater sagte einst seufzend zu mir: „Ich wollte eigentlich nie Professor werden. Eigentlich wollte ich immer nur forschen. Das machen, was mich interessiert. Und dann wurde ich eben erst Doktor, und weil ich dann immer noch nicht genug hatte, habe ich weitergeforscht, und weiter veröffentlicht, und das führte unweigerlich zum Professor. Dabei hängt mir das zum Hals raus, alle die administrativen Aufgaben, die damit verbunden sind. Lieber würde ich die ganze Zeit nur tun, was mir Spass macht. Forschen nämlich.“
Mir selbst ging es ähnlich. Doktor? Ich? Och, nee, lass mal! Allerdings hat mir das Geforsche schon irgendwie Spass gemacht, und mangels anderer beruflicher Aussichten (nein, Biologen sind nicht soooo wahnsinnig begehrt auf dem Arbeitsmarkt) – was sollte ich tun? Fing ich eben eine Doktorarbeit an. Immerhin war das ein bezahlter Job, und einer, der mir Spass machte. (Nicht alles daran und nicht immer, aber so ist das ja in jedem Job.) Am Ende – sozusagen als Anerkennung für die Arbeit – das Ganze als echtes gedrucktes Buch mit ISBN und allem in der Hand halten zu können und mit einer recht feierlichen Zeremonie abzuschliessen, das war schon… schön.
Aber der Doktortitel an sich? Ehrlich, für den kann ich mir nichts kaufen. (Es gibt auch eher wenige Jobs, für die ein Doktortitel ausdrücklich Voraussetzung ist. Im Gegenteil, im Zweifelsfall stellt man lieber den Diplombiologen ein, dem muss man weniger zahlen. So viel zum Thema „Bessere Chancen auf dem Arbeitsmarkt“.) Den Doktortitel sehe ich eher als eine Berechtigung zum Weitermachen – eine Postdoc-Stelle an der Uni kriegt man eben per Definition nur als Doktor – aber ich würde mich in Grund und Boden schämen, müsste ich den Doktortitel im Pass stehen haben oder würde mich jemand ausserhalb des Wissenschaftsbetriebs so ansprechen. Ehrlich. Der Doktortitel macht mich doch zu keinem anderen Menschen. Den Schornsteinfegermeister spricht man ja schliesslich auch nicht mit seinem Meistertitel an oder schreibt den „Meister“ in seinen Pass – dabei musste er sich diesen Titel ja auch erarbeiten.
Das ist keine Entschuldigung für die, denen es tatsächlich nur darauf ankommt, sich diese zwei Buchstaben mit dem Pünktchen hinten dran vor den Namen setzen zu dürfen, und sei es um den Preis der Benutzung unlauterer Mittel. ABER: dass solche Leute nur – das wage ich jetzt einfach mal zu behaupten – einen geringen Bruchteil aller Doktoren und Doktoranden ausmachen, und dass einer, der eine Doktorarbeit schreibt, nicht automatisch ein besserer, fehlerfreierer Mensch ist als der Schornsteinfegermeister, das sollten sich die, die jetzt anklagend den Finger ausstrecken und laut „Ausgerechnet als Doktor…“ oder „Wer sich mit so einem hohen Titel schmückt…“ schreien, auch mal bewusst machen.

(Ich bin ja gar kein Dr. Ich bin FT.)

29 Kommentare zu “Wie ich einmal eine Doktorarbeit schrieb

  1. Es ist spannend, dieses Statement aus der Sicht eines Naturwissenschaftlers zu lesen! M.M. nach liegt der Fall Schavan völlig anders als der von Guttenbergs. Letzterer hat wirklich passagen-, manchmal auch seitenweise wortwörtlich woanders abgeschrieben und es nicht kenntlich gemacht. Das ist Betrug – in meinen Augen auch, wenn er es kenntlich gemacht hätte, denn von welcher Leistung zeugt das Setzen eines Textabschnittes in Anführungszeichen?! Bei Frau Schavan geht es um indirekt wiedergegebene Inhalte, hauptsächlich aus Sekundärquellen, die als solche nicht deutlich gemacht wurden (nur die Primärquellen wurden genannt). Was man ihr vorwirft, ist ja „Vortäuschen einer xy-Rezeption“, obwohl sie sich Gedanken eines Werkes mit Gedanken über das Primärwerk bedient haben soll… In meinen Augen nennt sich so etwas „Interpretation“ und nun soll mal einer beweisen, ich hätte meine Interpretation aus dem Kopf eines anderes geklaut. Klar, die Ähnlichkeit mancher Formulierung ist groß, keine Frage. Und es hätte der Arbeit sicherlich nicht geschadet, einfach die entsprechenden Stellen – wenn sie denn wirklich aus den in den „plags“ genannten Quellen stammen – zu nennen. Aber die Aberkennung eines Doktortitels wegen einer Hand voll solcher „formaler Verstöße“?! Ich bin mir sicher, die meisten Bachelor-, Diplom-, Magister- und wie sie alle heißen-Arbeiten würden dieser Überprüfung nicht standhalten. Und hier schaue ich eben auch gerade die Naturwissenschaftler an (die sich ja nun gern äußern, so etwas sei halt „ein Problem“ der Geisteswissenschaften), die oft ihre erste Arbeit in der Studienlaufbahn ganz am Ende schreiben und keine Ahnung von Formalia haben und bei denen grundlegende Nachweise (Formeln, Theorien usw.) fehlen. Ich habe zahlreiche solcher Arbeiten Korrektur gelesen und was da manch ein Diplomand als eigene Grundlagenforschung vorgibt (immerhin nennt er die Quellen nicht), ist schon haarsträubend. Deshalb auch mein Dank an dich, es aus deiner Sicht kommentiert zu haben.

    Sorry für den langen Text. Aber immer, wenn ich im MuSchu bin, passiert so etwas. Muss an mir liegen ;)

    (Bin sehr gespannt auf den Ausgang des Rechtsstreites!)

    • Siehste, und ich hätte nun gewettet, dass die Textähnlichkeiten bei Naturwissenschaftlern noch viel höher sind, weil ich das Gefühl habe, Geisteswissenschaftler formulieren – themenbedingt – freier.

      (Kann ja demnächst mal einer ’ne Doktorarbeit drüber schreiben… ;-) )

      • Ich denke schon, dass die Umformulierung/das Finden eigener Worte für Geisteswissenschaftler einen großen Teil des wissenschaftlichen Arbeitens ausmacht. Ich lese drei Texte mit drei Meinungen zum Thema X und will das nun formulieren – kann das also direkt zitieren (was aber nur im begrenzten Rahmen möglich und erwünscht ist), indirekt wiedergeben und kenntlich machen (was ebenfalls nur in begrenztem Rahmen möglich und erwünscht ist) oder eben etwas umformulieren und so tun, als sei es meine eigene Idee gewesen. Natürlich kann ich mir auch was ausdenken, aber das ist manchmal reichlich schwer, weil ja vieles schon gesagt und gedacht wurde. Und beweisen soll ich es ja möglichst auch.
        Mir hat sich das „Forschen“ in den Geisteswissenschaften nie ganz erschlossen. Obwohl ich selbst einer bin. Am Ende ist es doch so, dass man eine Synthese bildet und sie schlüssig darlegt. Und dazu braucht es Urheber anderer Gedanken, mit denen ich mich auseinander setze. Die Art der Formulierung spielt da eine große Rolle, denke ich. Besonders eben dafür, ob man „erwischt“ wird, dass man sich nicht alles selbst aus den Fingern gesaugt hat.

        Ich bin eher Sozialwissenschaftler, würde ich sagen ;)

    • Genau das ist das Problem, und sowas können wirklich nur Leute brandmarken, die keine Ahnung davon haben. Ich habs zwar nur bis zum Mag.theol. geführt, aber im Kleinen ist das auch eine Promotion, mit öffentlicher Verteidigung.
      Und ich war froh, daß ich ein Orchideenthema hatte, zu dem es quasi keine Sekundärliteratur gibt, ich konnte die zwei, drei Kommentare zum Thema noch ungefähr im Kopf auseinanderhalten und vor allem meinen eigenen Quark schreiben. Aber wenn es schon fünfzig teilweise widersprüchliche Werke zum Thema gibt (D.Otto Kaiser ist wunderbar, der widerspricht sich selbst in den überarbeiteten Auflagen einiger seiner Werke…), wie soll man da immer wissen, ob man das jetzt irgendwo gelesen hat oder grad selbst erfunden? Da ist es m.M.n. auch Sache des Doktorvaters, mahnend anzumerken, wenn ihm auffällt, daß ein Gedanke schon mal gedacht wurde. Aber absolut kein Anhaltspunkt, einen Doktortitel abzusprechen.

  2. Gute Gedanken zum Thema!
    Frau Schavan nehme ich sogar ab, dass sie sich keiner Plagiatsschuld bewusst ist. Die Gründe stehen z.T. schon im anderen Kommentar, ich sehe das ähnlich, es ist kein Vergleich zu Guttenberg.
    Müde bin ich auch der ganzen Häme. Allerdings ist sie nicht nur Doktor, sondern auch Politikerin. Und da wird es brisant. Und da lästert es sich doppelt gut. Man sollte übrigens keine Kommentare zu Online-Artikeln (spon u.a.) lesen. Da kommt mir jedes Mal die Galle hoch ob dieser Dummheit und Selbstgefälligkeit. Genau der Tenor, den du beschreibst, keine Ahnung aber Lästern.
    Ich hab’s nur auf zwei normale Studienabschlüsse gebracht, der zweite war auch eher ein Roman, ein Artikel. Ist vielleicht nicht weniger mühsam, aber bei Weitem nicht so nervenaufreibend (weil ohne Zitate und Wissenschaftlichkeit).

    Was ein FT. ist, konnte ich nicht
    rauskriegen, nur Schweinkram…

    • Schweinkram? Äh… nee, das ist nur der finnische Titel, Filosofian tohtori, also die Entsprechung des englischen Ph.D. – das ja, wie ich mir schon mal sagen lassen musste, nicht dem deutschen Doktortitel entspricht. (Was aber ausser irgendwelchen Bürokraten auch allen egal ist.)

      Nee du, Kommentare im Spon oder ähnlichem lese ich grundsätzlich nicht. Sonst komme ich gar nicht wieder runter von der Palme. Mir hat schon gereicht, was ich an Kommentaren unter manchem Blogeintrag gelesen habe…

    • SpOn sollte man gar nicht lesen, die journalistische Qualität ist noch grottenschlechter als in der Printausgabe…

  3. Sehr gut analysiert. Gutenberg war ganz anders gelagert, da hat mich vor allem diese unglaubliche Arroganz aufgeregt. Bei Frau Schavan stecke ich zuwenig drin, aber ich glaube auch, sie hat nicht wissentlich getäuscht. Schlampig gearbeitet, vielleicht, aber ich möchte nicht wissen, auf wieviele unprominente Doktorarbeiten das auch zutrifft.

    Titel im Pass findest du doof? Ich will mir meinen ja eintragen lassen, wenn mein Pass in ein paar Jahren abläuft. Nicht zum Angeben (dazu nutze ich den Pass ja auch zu selten), sondern einfach nur, weil mich diese 2 Buchstaben doch sehr viel Kraft gekostet haben. Keine Ahnung, irgendwie würde mich das freuen, wenn ich da ab und zu reinschauen könnte und mich daran erinnere, was für eine harte Zeit das war :-)

  4. Letzes Jahr habe ich ein Bahn-Karte gehabt, wo ich meine Name mit Titel Professorin hatte. Das finde ich auch ganz anders wie hier in Finnland.:)

  5. Wo kann ich unterschreiben? Super Beitrag! Was mich außerdem noch stört an diesem Doktortitel-Aberkennungs-Hype: Dass sich jetzt hart arbeitende Doktoranden (und wahrscheinlich auch Post-Docs und Professoren) anhören müssen, dass Doktorarbeiten ja eh alle gefälscht sind, heutzutage ja nichts mehr rausgefunden, sondern nur noch voneinander abgeschrieben wird und die Zeit der Doktorarbeit eher so etwas wie ein verlängertes Gammelstudium ist.

  6. Für den „Hype“ sind ja hauptsächlich die Medien verantwortlich. Es gibt genug Fälle von Plagiaten (siehe einige wirklich dreiste auf VroniPlag), die nicht in der Presse erwähnt werden, weil es sich nicht um bekannte Politiker handelt und das Thema nicht ausgeschlachtet werden kann. Persönlich ärgere ich mich aber auch über die Behauptung, dass es sich ja nur um etwas „laxes“ zitieren handle und jeder doch bestimmt mal bei dem einen oder anderen Referat abgeschrieben hätte.
    Ich habe mich die letzten Jahre auch mit einer Doktorarbeit abgequält und ich finde es richtig, wenn Betrug nicht nur aufgedeckt sondern auch konsequent der Doktorgrad wieder entzogen wird (sofern das begründet ist). Verdächtige Textstellen auf etwa 10% der Seiten, finde ich einfach zu viel. Das fällt dann auch nicht mehr unter eine Fehlerquote (die wir bestimmt alle haben) oder unter ähnlicher Wortlaut bei der Methodenbeschreibung. Klar tauchen irgendwann mal die gleichen Wortfetzen auf aber darum geht es ja in diesem Fall wirklich nicht (sonst würde ein Fakultätsrat bestimmt nicht eine Aberkennung des Grades beschließen). Wenn man dann auch noch die Fehler aus der (nicht zitierten) Quelle mitkopiert, ist es einfach genug.
    Klar gibt es nun einige Menschen, die von ein paar Fällen auf die Allgemeinheit schließen und auch solche, die wirklich nicht nachvollziehen können, wie viel Arbeit in einer Dissertation steckt. Aber die wissenschaftlichen Standards sind mir schon wichtig und gerade weil ich mir (und bestimmt auch unzählige andere) das Schreiben nicht einfach gemacht habe und teilweise Stunden an einen Absatz gesessen habe, um das zitierte zu paraphrasieren (und natürlich trotzdem die Quelle zu nennen), finde ich es nur gerecht, wenn Leuten, die dort die Abkürzung genommen haben, die Konsequenzen zu spüren bekommen.

    • Hm. Vielleicht lehne ich mich da jetzt ein bisschen weit aus dem Fenster – aber stundenlang an einem einzigen Abschnitt zu formulieren, kann auch nicht die Lösung sein. Wenn diese Plagiatsverfahren dazu führen, dass endgültig die Form über den Inhalt siegt, dann läuft da etwas gewaltig schief.

      (Ich habe eine sogenannte kumulative Arbeit geschrieben – die besteht aus den fünf Publikationen, die aus meiner Forschung für die Doktorarbeit hervorgegangen sind sowie einer (relativ kurzen) Gesamtbesprechung – also kein Buch. Das hat mich durchaus geprägt – vielleicht auch deswegen kann ich das Feilen an einer hundertseitigen Monographie, die dann am Ende äusserst selten jemand liest, auch nicht gut nachvollziehen.)

      • Trotz dem Zeitaufwand beim Formulieren, finde ich nicht, dass der Inhalt allgemein drunter leidet.

        Kummulativ ist meine Arbeit auch. Somit haben ja nicht nur die Co-Autoren und Betreuer Korrektur gelesen sondern auch externe Gutachter und der Editor vom Journal (da wird der Inhalt schon genau unter die Lupe genommen). Das ist/war in Deutschland in einigen Fächern (for allem Geisteswissenschaften anders) und somit haben mitunter nur zwei Menschen, die Arbeit gelesen (oder überflogen?). Daran sollte was geändert werden, dann ist es in Zukunft auch nicht mehr ganz so leicht, zu plagiieren.

        Momentan geht es ja auch nicht um einzelne Formulierungen sondern um die ungekennzeichnete Übernahme von Textpassagen aus anderen Werken (inklusive Fehler, woran man deutlich merkt, dass es nicht einfach nur ein Versehen gewesen sein kann). Das ist auch noch alles Handarbeit (Plagiatsoftware scheint da im allgemeinen zu versagen). Natürlich nicht meine Erkenntnis sondern die von einer Expertin, Frau Weber-Wulff: http://copy-shake-paste.blogspot.de/2012/10/how-to-find-plagiarism-in-dissertations.html

  7. Guter Artikel, ich glaube Frau Schavan musste ja auch gehen weil in diesem Jahr Bundestagswahl ist :-). Und es ist nun mal so, eine Wissenschaftsministerin der ein Titel aberkannt wurde macht sich nicht so gut. Wo sind eigentlich die Prüfer welche diese Arbeit abgenommen haben oder wie immer man das nennt? Die leben wahrscheinlich schon lange nicht mehr. Die meisten Menschen die jetzt laut schreien fühlen sich tatsächlich verschaukelt. Denn man darf nicht vergessen, diese Personen haben auch dank dieser Titel hohe Posten und Ämter. Ich sehe es wie Ju, wer zu viel abschreibt oder eben falsch zitiert muss die Konsequenzen tragen.

    • Das ist genau die Argumentation, die mich so ärgert: ich glaube nicht, dass diese Personen wegen ihres Doktortitels ihre hohen Ämter haben. (Oder wie nützlich ist wohl ein Doktorgrad in Physik bei der Bewältigung der Aufgaben einer Bundeskanzlerin? Eben.)

      Mal ganz grob verallgemeinert würde ich behaupten wollen, dass man für so ein Amt recht intelligent sein muss, und solche Leute sind auf ihrem Bildungsweg eben bis zum Doktortitel gekommen. Weswegen es vielleicht mehr Minister mit Doktortitel gibt als ohne – aber dass jemand Minister geworden ist, weil er einen Doktortitel hat: glaub‘ ich nicht.

      Ein Doktor ist nicht per se ein besserer, edlerer Mensch mit höherer Allgemeinbildung als ein Mensch ohne Doktortitel. (Im schlimmsten Fall ist ein Doktor ein Fachidiot.)

      • Um Kanzlerin zu werden nützt einem der Titel sicher nichts oder wenig, aber der Weg dorthin ist m.E. doch leichter mit Titel, genauso wie bei vielen Stellen (zumindest im geisteswissenschaftlichen Bereich) der Titel einfach verlangt wird.

        • Wieso sollte? Soweit ich aus dem Wikipedia-Artikel erkennen konnte, hatte schon Konrad Adenauer keinen Doktortitel – allerdings einen Stapel Ehrendoktorhüte, die sich aus seiner politischen Tätigkeit ergeben haben. Auch Helmut Schmidt war nicht promoviert, sondern Diplom-Volkswirt. Willy Brandt hatte nicht mal studiert.

      • Es scheint in der Politik aber doch sehr in Mode gekommen zu sein, sich einen Doktor „anzuschaffen“. Ich möchte hiermit nicht alle über einen Kamm scheren aber man kann nun nicht abstreiten, dass einige wirklich plagiiert haben (mit oder ohne Frau Schavan, da scheiden sich ja die Geister). Ob sie die Positionen nur wegen dem Titel erhalten haben, bezweifle ich auch. Jedoch stellt sich die Frage, wozu sie den Titel denn eigentlich brauchen (vor allem diejenigen, die trotz fester Anstellung oder Amt nebenher noch eine Dissertation geschrieben haben). Das ist doch dann nur fürs eigene Ego. Solche Menschen gibt es eben leider auch. Der Großteil der Doktoren wird bestimmt in der Wissenschaft des Forschens wegen angesiedelt sein aber in Deutschland wird so ein Titel doch noch sehr respektiert und das verleitet Menschen dazu, ihn einfach haben zu wollen. In andern Ländern scheint das nicht so zu sein. (siehe ein Vergleich mit den USA: http://www.heise.de/tp/artikel/38/38522/1.html).

  8. Eigentlich müßte sich die Uni schämen und die Gutachter die zu dämlich waren diesen „Betrug“ zu bemerken. Da fragt man sich doch wie genau Doktorarbeiten bewertet werden oder werden diese nur bezahlt?
    Das mit der Formulierung stimmt, zu meinen kleinen poplischen Becken konnte man vor ein paar Jahren in jeder deutschsprachigen Publikation lesen „Das Döhlen Becken ist ein intramonatanes Rotliegendbecken“ und ich habe keine Ahnung wer jemals das als erstes gesagt / geschrieben hat. Also dieser Satz war unzitiert überall lesbar, und dieser eine Satz ist schon eine knallharte Aussage – unzitiert. Und so wird man sicherlich viele Textpassagen finden die ähnlich klingen, aber trotzdem nie abgeschrieben sind.
    Bei Guttenberg fand ich das schon ziemlich blöd und auch die Uni dazu, die sich damit öffentlich bekennt das sie Plagia-Doktortitel vergibt. Und bei der Frau Schavan…nach 33 Jahren…nee also wirklich das ist schon krankhaft. Ich als Uni würde mir die Gutachter heranziehen, wofür gibt es die denn.

  9. Ich weiß nicht, ob diejenigen, die über „zufällig ähnliche Formulierungen“ nachdenken, weil man sich halt leicht mal ähnlich ausdrückt, sich wirklich mal mit den umstrittenen Stellen beschäftigt haben: da geht es, soweit ich es sehe, um mehr als Zufälligkeit. Da geht es um eindeutig gleiche oder ähnliche Formulierungen mit Worten, die einem nicht mal so eben genau so einfallen. Und wenn dann Fehler einer Quelle mit übernommen werden, ist klar, wo es herkommt. Ich denke ja immer, in einem (im Vergleich zu Guttenberg) sehr deutlich weniger gewichtigen Fall wie Schavan könnte es mit unsauberem Exzerpieren zu tun haben, wo man nachher selber nicht mehr weiß, ob eine Notiz nun selbst formuliert oder exzerpiert war – wenn man nicht sauber arbeitet. Dass Frau Schavan im Amt hätte bleiben können, halte ich für undenkbar: ob berechtigt oder nicht, eine Komission einer Universität hat ihr den Titel entzogen; da kann sie nicht gut weiter für die Qualität deutscher Wissenschaft stehen und werben. Ich denke, man sollte es eher so sehen, wie sie es selbst bei der Rücktritts-Pressekonferenz gesagt hat: Ein Ministeramt hat man nur auf Zeit, und es wäre kurios, wenn es nicht andere gäbe, die es übernehmen könnten. Ich habe Frau Schavan mehrfach persönlich erlebt: zuverlässig, völlig ok, aber schnell langweilig. Insofern kann ein Wechsel nach 7 Jahren nicht schaden. Aber das geht am Punkt vorbei. Dass die allgemeine Öffentlichkeit eine seltsame Vorstellung davon hat, wie Wissenschaft gemacht wird, sehe ich aber auch so, da gibt es erstaunliche Vorstellungen (einschließlich derjenigen, dass ein Doktorvater sämtliche Texte erkennen müsste) – da halte ich es mit Karen, dass es wichtigere Dinge gibt, die man mit seiner Zeit machen kann, als sich in den Details zu verlieren – auf das Gesamtergebnis, den Fortschritt im Denken kommt es an, halt auf das, was wirklich rauskam. Und das ist es, was an dem Verfahren stört: es bewertet die formalen Fehler als entscheidend und geht auf die Frage, ob die Dissertation einen gewichtigen Beitrag geleistet hat, nicht ein. Denn für den gibt es, meiner Ansicht nach, den Titel. (Und dafür, dass man mit streikenden Druckern, umständlichen Betreuern, Schwierigkeiten der Finanzierung, rätselhaften Daten usw. klargekommen ist … hihi).

    • Das sehe ich auch so.

    • Daran scheiden sich ja hauptsächlich die Geister: wie viele „fomelle Fehler“ (ich bevorzuge Plagiate) darf eine Doktorarbeit enthalten, um den Gesamtbeitrag der Arbeit nicht zu beeinträchtigen? Für die Universität Düsseldorf sind 10% der Seiten mit Plagiaten zu viel. Andere Universitäten scheinen 30% auch noch in Ordnung zu finden. Da müssen dringend andere Richtlinien her und zwar einheitliche.
      Vielleicht schreibt jemand ein Kapitel in seiner Dissertation, welches eine geniale neue Methode beschreibt und wissenschaftlich bemerkenswert ist aber der Rest der Arbeit ist kopiert. Darf das durchgehen? Die Problematik bei der Beurteilung des wissenschaftlichen Beitrags ist die Subjektivität der Urteilenden und deshalb kann man das bei der nachträglichen Prüfung nicht das Hauptkriterium machen. Ich kann mir gut vorstellen, dass sich nach so lange Zeit (mehr als 30 Jahren) einiges in der Erziehungswissenschaft geändert hat, also würde die Arbeit eventuell auch inhaltich nicht mehr akzeptiert werden (in meinem Fach hätte sich in 30 Jahren ziemlich viel getan aber Naturwissenschaften sind da ja ein bisschen anders).

  10. Besser hätte ichs auch nicht formulieren können. Im Übrigen bin ich der ganzen Diskussion müde und frage mich, wer sich die Mühe macht, 32 Jahre alte Doktorarbeiten nach Plagiaten zu durchkämmen. Hat der oder die kein Familienleben, keine Freunde, es selbst nie zum Doktor gebracht? Woher kommt das zwanghafte Verhalten, bei anderen ach Fehlern und vermeintlichen Verfehlungen zu suchen? Ich finde, darüber könnte mal einer eine Doktorarbeit schreiben.
    Und falls das alles politisch motiviert ist, man sollte schließlich nicht die bevorstehenden Wahlen aus den Augen lassen, dann frage ich mich, ob die Kreuzritter sich der Rufschädigung Deutscher Universitäten bewusst sind, die diese Art der Hetzjagd im In- und Ausland verursacht.
    Aber, so viel wollte ich gar nicht schreiben. Ich bin es müde

  11. Pingback: frau doktor… | .: SUSAlabim-blog :.

  12. ja. danke für die offenen worte.
    genau so sehe ich es auch.
    (und ehrlich gesagt tut mir diese frau leid, die da jetzt den teppich unter den füßen weggezogen bekommt. menschlich gesehen.)

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