Suomalainen Päiväkirja

Live aus Turku

Warten bei -8 Grad

2 Kommentare

Die Werkstatt rief dann doch schon gestern an.

Nachdem ich im Kindergarten angerufen hatte, dass ich heute später kommen würde, eher von Arbeit losgegangen war, mehrere Minuten lang hyperventiliert hatte, weil der Bus im Stau stand (Stau! Hier!), stand ich dann doch pünktlich am mir angegebenen Abfahrtsplatz des Taxis zum Autohaus – von dem ich nur die Adresse wusste, weil mir der Mensch in der Werkstatt auch keine genauere Ortsangabe machen konnte, obwohl ja eigentlich bekannt sein dürfte, dass eine einzige Hausnummer hier gern mal ein etwas grösseres Areal bezeichnet. Der Platz, an dem ich mich aufgestellt hatte, erschien mir aber bestens geeignet als Taxihalteplatz. Ausserdem hielt ich die ganze Zeit Ausschau nach heranfahrenden oder schon wartenden Taxis. Derer gab es viele. Sehr viele. Die meisten allerdings brausten vorbei. Oder holten jemanden vom benachbarten Ärztezentrum ab.

Als ich zehn Minuten gewartet hatte und die Abfahrtszeit heran war, rief ich im Autohaus an. Ob ich vielleicht explizit hätte sagen müssen, dass ich heute das Taxi in Anspruch zu nehmen gedenke. Nein, nein, das Taxi käme jeden Tag. Ok. Ich wartete weiter. Als ich dreissig Minuten gewartet hatte, rief ich wieder an. Langsam wurde mir auch kalt. Und heiss. Weil ich es ja irgendwie schaffen müsste, innerhalb der nächsten Stunde zum Autohaus draussen vor der Stadt zu gelangen, den Herrn Picasso in Empfang zu nehmen, eventuellen Papierkram zu erledigen und dann rechtzeitig zurück in der Stadt am Kindergarten zu sein. Sie würden jetzt bei der Taxifirma anrufen und mir ein neues Taxi bestellen, versprach der Werkstattmensch, und sicher würde ich es bis um fünf zum Kindergarten schaffen. Ich rief vorsichtshalber doch den kranken Ähämann an, der versprach, sich mit Hilfe entsprechender Drogen vom Sofa hochzurappeln und die Kinder abzuholen. Als ich vierzig Minuten gewartet hatte, rief das Autohaus zurück. Sie hätten mir jetzt ein Taxi bestellt, das käme bald, und zwar solle ich doch bitte an der Ecke des Versicherungsgebäudes warten. (Das hätte natürlich gleich mal jemand sagen können!) Der Telefonakku machte wegen Kälte die Hufe hoch. Ich begab mich zwanzig Meter strassenabwärts. Sprang ein bisschen und gab bestimmt einen sehr lächerlichen Anblick ab. Finnen stehen immer stocksteif in der Kälte und warten stoisch. Als ich fünfzig Minuten gewartet hatte, kam ein Taxi. Mein Taxi. Ich liess mich halbgefroren hineinfallen. Ja, er stehe immer hier unten, sagte der Taxifahrer, vorhin auch. Wenn ich früh mit ihm hergefahren wäre, dann hätte er mir den genauen Abfahrtsort gezeigt. (Und mal fragen, bevor abfährt, wenn da zwanzig Meter weiter jemand offensichtlich wartend steht?!) Ob mir sehr kalt geworden sei, fragte er dann fürsorglich. Ob er mir die Sitzheizung einschalten solle?

Immerhin hat der Herr Picasso jetzt nicht nur eine frisch lackierte Stossstange, sondern ist aussen und innen gewaschen und entkrümelt. Wenn sich dafür mal der ganze Ausflug nicht gelohnt hat!

2 Kommentare zu “Warten bei -8 Grad

  1. Innen gewaschen, außen entkrümelt? ;)

    Ach, das haben sie unserem 807 neulich auch angedeihen lassen, sogar auf Garantie. War mir regelrecht peinlich. Aber die geplatzte Coladose, die vor dem letzten Winter im Eisfach vergessen worden war – die hatte letzteres mit braunem Sirup verklebt, und das haben sie auch nicht rausgekriegt. Mal sehen, wenns jetzt wieder schön kalt ist, kann man das vielleicht rauslöffeln.

    • Wir haben das Auto diesen Sommer – drei Jahre nach Kauf – zum ersten Mal reinigen lassen. (Denn wenn sich in unserer Familie für eine Aufgabe niemand findet, dann ist es Autoputzen!) Es gibt da hier so eine kleine, von Ausländern betriebene Autowäscherei, die machen das von Hand, für einen Spottpreis von 23 Euro. Nachdem aber unter den ausgebauten Kindersitzen ganze Sand- und Kekskrümelberge zum Vorschein kamen, haben wir ohne Diskussion die hinterher verlangten 30 Euro („Weil es doch mehr Arbeit als erwartet war“) bezahlt. Und uns auch geschämt.

      (Aber wo es nun mal viel mehr Spass macht, mit dem Auto Ausflüge zu machen statt es jeden Samstag penibel zu reinigen…!)

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