Suomalainen Päiväkirja

Live aus Turku

Wochenende, erholsam

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Am Samstag schlief der grosse Herr Maus bis um acht, dann bat er darum, aufstehen zu dürfen, und schlich sich ins Kinderzimmer. Der kleine Herr Maus und das Fräulein Maus schliefen bis um neun. Dann schlichen sie sich ins Kinderzimmer, wo sie vom grossen Herrn Maus begeistert begrüsst wurden und wo sie gemeinsam weiterspielten, bis sich Mama und Papa um zehn endlich zum Aufstehen durchrangen.

Am Sonntag schliefen alle drei bis um acht, schlichen sich gemeinsam ins Kinderzimmer, bauten die Eisenbahn auf, packten Koffer und verreisten offensichtlich (was ich aus dem lauthals geschmetterten „REISE! WIEDERKOMM!“ des kleinen Herrn Maus entnahm, das seine Version von „Gute Reise! Komm bald wieder!“ ist). Zwischen den fröhlich gebrüllten Reisewünschen schlief ich wieder ein. Gegen zehn bequemten auch wir Eltern uns aus dem Bett.

Frühstück assen wir halb elf, in aller Ruhe, auch „Jetzt noch einen Zwieback!“, auch „Darf ich mir Müsli rausholen?“, auch „ICH AUCH MEHR BOT HABE, ICH!“.

Gegen zwölf, als der Ähämann den Frühstückstisch abräumte und ich die erste Waschmaschinenladung aufhängte, wurde mir bewusst, dass so ein ausgeschlafener Wochenendmorgen zwar wunderbar ist, dass einem aber mindestens drei Stunden fehlen, um die anstehenden Arbeiten (Wäscheberge, Geschirrberge, Papierstapel, Wollmäuse, Anbringen eines Regals, Ausmisten von Klamotten, Fertigstellung eines Fotokalenders…) während des Wochenendes zu erledigen.

Auch egal. Draussen war es dunkel. Dunkel mit Nieselregen. Bis auf einen kurzen Ausflug zu IKEA zwecks Erstehung eines Regalbretts setzten wir keinen Fuss vor die Tür. Die Kinder auch nicht. Trotzdem gingen sie nicht die Wände hoch. Sie bauten sich eine Höhle im Doppelstockbett. Die beiden Herren Maus kneteten gemeinsam. Der grosse Herr Maus bereitete alles, inklusive Knetunterlage und Schürzen für beide, die er dem kleinen Herrn Maus anlegen half, vor, und räumte anschliessend alles wieder weg. Das Fräulein Maus spielte „Der Fotograf kommt ins Puppenhaus“ und fotografierte eine Stunde lang mit meiner Kamera die Puppen. (Was sie zu Weihnachten bekommt, ist wohl klar.) Der grosse Herr Maus und das Fräulein Maus malten. Der kleine Herr Maus schob seinen Emil im Puppenwagen durch die Wohnung, legte ihn schlafen, weckte ihn auf, verabreichte ihm Fiebermedizin und tröstete ihn, weil „EMIL WEINT!“ Nebenher verkündete er alle paar Stunden: „ICH EINPULLAD!“ und pullerte dann ins Töpfchen. Das Fräulein Maus schrieb auf einen Zettel, was der grosse Herr Maus ihr diktierte.

Der kleine Herr Maus verweigerte am Sonntag den Mittagsschlaf. Trotzdem war er gut gelaunt bis zum Schlafengehen am Abend.

Ich räumte alle paar Stunden die Fussböden wieder frei. Wir schlichteten ab und zu einen Streit. Wir reichten Scheren und Klammeraffen und spitzten Stifte an. Ansonsten arbeiteten wir Wäscheberge ab. Und kämpften gegen Wollmäuse. Assen in Ruhe Mittag. Tranken in Ruhe Kaffee. (Die Mäusekinder bekamen Milchschaum in Espressotässchen serviert. Das Fräulein Maus trank ungefähr sechs Tassen davon.)

Wir buchten das Blaue Mökki für einen vermutlich vorerst letzten Lapplandwinterurlaub (denn ab nächstem Jahr drohen uns ja die offiziellen Schulferien). Wir entdeckten auf den Seiten der Bahn ein echtes Schnäppchen für den Autozug: 141 statt 270 Euro für uns alle plus den Herrn Picasso, einfache Strecke. Bevor ich das Fräulein Maus zum sonntagabendlichen Gymnastiktraining brachte, fuhr ich mit ihr auf den Bahnhof. Der Fahrkartenverkäufer war ausnehmend nett. Wir erfuhren, dass jetzt endlich auch von Turku aus die neuen, doppelstöckigen Schlafwaggons fahren würden – worauf wir jahrelang gewartet hatten, erschien uns jetzt allerdings gar nicht mehr so wünschenswert, da in den neuen Waggons nur noch zwei Betten übereinander sind statt drei. Das Fräulein Maus liess sich allerdings sofort von dem Vorschlag, mit Isomatte und Zeltschlafsack auf dem Fussboden zu schlafen, begeistern. Dann ging sie weiter die Fahrplan- und Prospektauslage studieren, während ich den restlichen Buchungskram erledigte. Der nette Fahrkartenverkäufer legte uns eine Kabine mit eigener Dusche und Toilette ans Herz – für nur 12 Euro zusätzlich auch das ein Schnäppchen. Nobel geht die Welt zugrunde beenden wir unsere Lapplandfahrerkarriere.

Den Fotokalender stellte ich fertig, während das Fräulein Maus turnte, das heisst, fast, denn der Akku machte zehn Minuten vor Ende des Trainings die Hufe hoch. Egal.

Die Herren Maus gingen gerade ins Bett, als wir wiederkamen, und waren schnell eingeschlafen. Das Fräulein Maus durfte ausnahmsweise das frische Rosinenbrot zum Abendbrot essen, danach ging sie allein zähneputzen, liess sich von mir ein Schlaflied singen und schlief ohne Zetern ein.

Sonntagabend schauten der Ähämann und ich uns verwundert an. Noch vor einem Jahr hätten wir uns ein solches Wochenende nicht einmal vorstellen können.

„Faule Leute schaffen sich viele Kinder an“, sagte mal eine fremde Frau, vierfache Mutter, augenzwinkernd zu mir, als sie mich mit den drei Mäusekindern an der Bushaltestelle sah.

Sie hatte vollkommen recht.

15 Kommentare zu “Wochenende, erholsam

  1. Klingt super und lässt mich hoffen! Wir haben ein Wochenende hinter uns, an dem der Kleine mal wieder um 5.30 Uhr putzmunter war und einen mit einem Plums aufs Gesicht geweckt hat – ich träume also derzeit noch von solchen Ausschlafwochenenden…:-)
    LG, Appelgretchen

    • Das habe ich auch immer gesagt: wenn sie wenigstens nach dem Aufwachen um 5:30 Uhr noch ein bisschen kuscheln würden… aber nein, immer gleich voll drauf…!

      (Das wird. Nur noch so zwei, drei Jahre… ;-) )

  2. Wir arbeiten an dieser sich selbst verwaltenden großen Familie :) Klingt wunderbar!

  3. Seufz….. da werd ich ein bisschen neidisch…. bei uns ist grad mal wieder Stressphase pur angesagt, der Große zickt präpubertär, der Kleine dickschädelt wie immer und die Maus kostet ihre Trotzphase aus…. gnarf. Aber es kommen auch wieder andere Zeiten… zum Glück. Ich gönn euch dieses Wochenende von Herzen!

  4. Hach. Was für ein schöner Text. Was für ein schönes Wochenende.
    Liebe Grüße!

  5. das klingt so wunderbar…perfekt!
    Es sei euch gegönnt !

  6. Hihi, den Spruch mit den vielen Kindern und den faulen Leuten kenne ich auch. Und Euer Wochenende klang super!

  7. Und deshalb denkst Du über 4 nach und ich nicht ;-)

  8. Ausschlafen, was ist das?!??!?!?!?!?!
    Könnten deine Kinder das mal meinen erklären ;)

    • Ich geb die Frage mal ans goldlockige Mädchen weiter, das steht nämlich üblicherweise zwischen sieben und acht Uhr morgens auf.

    • Najaaa… als das Fräulein Maus klein war, stand sie immer um sechs auf. Bis die Uhr auf Winterzeit umgestellt wurde, dann stand sie um fünf auf. Und zwar jeden Tag um fünf, bis wieder Sommerzeit war.
      Als der grosse Herr Maus klein war, wachte er immer pünktlich halb sechs auf und forderte sofortiges Buchvorlesen.
      (Nur der kleine Herr Maus, der schläft schon immer so lange wie wir anderen.)

      Vielleicht musst du einfach nur noch ein, zwei Jahre warten. :-)

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