Suomalainen Päiväkirja

Live aus Turku


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Waschen statt Wegwerfen

(Warnung: Dies ist ein echter Windelblog-Eintrag. Ein Eintrag, in dem ich jetzt einfach mal die Antworten auf alle die Fragen, die ich immer wieder zum Thema Stoffwindeln gestellt bekomme, sammle.)

1) Welche Windeln benutzt ihr denn?

Als Kind aus’m Osten wurde ich wie alle anderen selbstverständlich mit Mullwindeln gewickelt, die, wenn sie nachher noch gut waren, von Familie zu Familie weitergegeben wurden. Auch meine Mutter hat meine Windeln (und die noch guten von meinem Cousin und meiner Cousine) aufgehoben und mir das ganze Paket überreicht, als ich mit dem Fräulein Maus schwanger war. Das fand ich toll, denn ich war zwar fest entschlossen, Stoffwindeln zu benutzen, hatte aber im Hinterkopf auch den Gedanken, was wenn es mir zu viel wird, auch noch die ganze Wascherei? Dann hätte ich nämlich ungern Unmengen von Geld schon vorher investiert, nur um dann festzustellen, ich benutze dann mal doch lieber Wegwerfwindeln. So war das einfach – ich habe in nichts weiter investiert als drei Membran-Windelhöschen.

Und dann habe ich das Fräulein Maus mit den einfachen Mullwindeln gewickelt. Ganz am Anfang mit nur einer, die ich nach der „Neugeborenenfaltanleitung“ gefaltet habe, später dann mit zweien – also eine zweimal zum Dreieck gefaltet plus eine zum Steg gefaltet – und Windelhose drüber. Fertig. Hat gut funktioniert, die Windelhosen waren wirklich sehr auslaufsicher, mussten nicht nach jedem Windelwechseln in die Wäsche, gewaschen habe ich so alle zwei, drei Tage, und schnell genug getrocknet sind die Windeln auch, so dass es auch ohne Trockner ging. (Sowas haben wir nämlich nicht.) Nachts allerdings und auf Ausflügen habe ich immer Wegwerfwindeln benutzt, weil die doch länger dranbleiben können. (Und leichter anzulegen sind.) Und als das Fräulein Maus mit zehn Monaten im Kindergarten anfing, hat sie dorthin auch nur Wegwerfwindeln mitbekommen, und wir haben höchstens noch am Wochenende mit Stoffwindeln gewickelt, oft aber aus Faulheit auch nicht.

Den grossen Herrn Maus habe ich am Anfang genauso gewickelt wie das Fräulein Maus, also Mullwindeln plus Windelhose. War ja auch alles da. Irgendwann hatte ich dann aber keine rechte Lust mehr auf das Origami am Kind – von des Ähämanns Unlust mal ganz zu schweigen – aber wollte auch nicht auf Wegwerfwindeln umsteigen. Ausserdem hatten wir ja auch noch den ganzen Schrank voll Mullwindeln, die ich eigentlich gern weiterverwenden wollte – und so bin ich auf die sogenannten Taschenwindeln gekommen. (Also auf Finnisch heissen die Taschenwindeln, auf Deutsch, glaube ich, Einlagewindeln oder neudeutsch Pocketwindeln.)

Die sind für uns optimal: ich kann die mit den Mullwindeln befüllen, die ich sowieso schon habe, sie sind so einfach zu handhaben wie Wegwerfwindeln (ich habe welche mit Klettverschluss, da ist das System wirklich ganz genauso wie bei Wegwerfwindeln – ich kenne aber auch Leute, die Druckknöpfe bevorzugen), und zum Waschen und Trocknen nimmt man die wieder auseinander – weshalb sie auch recht schnell trocknen (bei sogenannten All-in-one-Windeln spart man sich ja die Falterei und das Befüllen, dafür brauchen die eeewig zum Trocknen.) Da sie so einfach zu handhaben sind, benutzte der grosse Herr Maus sie auch im Kindergarten, genau wie der kleine Herr Maus jetzt, und wir nehmen sie normalerweise auch auf Ausflügen. Manchmal sogar im Urlaub, wenn’s da eine Waschmaschine gibt. Leider sind die Taschenwindeln nicht ganz so auslaufsicher wie Mullwindeln plus Überhose, was vor allem an der Konstruktion der Taschenwindeln liegt: wenn sie nicht ganz fest am Bein abschliessen oder sich der Body ein bisschen zwischen Bein und Windel zieht, dann saugt der sich leicht auch mit voll. (Bei den Überhosen passiert das nicht, die haben so einen „Auslaufschutz“ am Beinabschluss. Mittlerweile soll es aber auch Taschenwindeln geben, die so einen Auslaufschutz haben, bei denen also nicht der innere Stoff bis an den Beinabschluss reicht, sondern nur die undurchlässige Membran.) Aber man kann ein bisschen mit dem Saugmaterial experimentieren. Wir haben ziemlich schnell zusätzlich zur Mullwindel noch jeweils eine Extrasaugeinlage in die Taschenwindel gepackt, und damit sind die Windeln eigentlich genauso saugfähig wie Wegwerfwindeln.

Nachts und auf Reisen gibt’s bei uns Wegwerfwindeln.

2) Wo bewahrt ihr die Windeln bis zum Waschen auf?

Wir bewahren die dreckigen Windeln – Saugeinlagen und „Tasche“ gleich wieder getrennt – in einem grossen Eimer auf (wir wickeln auf der Waschmaschine im Bad, da steht er gleich daneben), ohne Deckel und – obwohl das oft immer noch propagiert wird – ohne Einweichen. Je besser sie dort trocknen können, umso geringer die Geruchsbelästigung! (Stoffwindeln stinken viel weniger als Wegwerfwindeln!) Ich lege in die Windeln ausserdem noch sogenanntes Reispapier, damit man das grosse Geschäft leichter entsorgen kann. (Das Reispapier darf aber nicht in die Toilette, obwohl es auf manchen Packungen so draufsteht, sondern alles kommt in den Müll, der dann bevorzugt gleich vor die Tür kommt.) Das lohnt sich aber erst, wenn das Baby zugefüttert wird, den mehr oder weniger flüssigen Muttermilchstuhl habe ich einfach immer mit in die Waschmaschine getan, oder gleich nach dem Windelwechseln ein bisschen ausgespült.

3) Wie geht das mit dem Waschen?

Am Waschen scheiden sich ja die Geister: Ökowaschmittel, kein Ökowaschmittel, 95-Grad-Wäsche oder doch nur 60 Grad, Essig zugeben oder nicht… Wir benutzen ganz normales Waschmittel und waschen alles bei 60 Grad, zusammen mit aller anderen hellen 60-Grad-Wäsche, die so anfällt, normalerweise ohne Vorwäsche. Weichspüler sollte man natürlich nicht benutzen.

4) Und wie trocknet ihr die Windeln?

Auf der Leine. (Das ist ja das gebräuchlichste Argument gegen Stoffwindeln: dass es mit der Umweltbilanz ja nicht so weit her sei, weil ja das Waschen und Trocknen so viel Energie verbrauchen würde. Ich kenne niemanden, wirklich niemanden, der aus Umweltgründen Stoffwindeln benutzt und sie im Trockner trocknet!) Am liebsten draussen – Sonne hilft auch gegen Flecken und Wind macht die Windeln schön weich – aber die meiste Zeit des Jahres gezwungenermassen doch drin. Am Anfang auf einem Wäscheständer, seit einigen Jahren auf Leinen, die wir unter der Saunadecke gezogen haben. (Und die sich auch für die Abarbeitung unserer normalen täglichen Wäscheberge als äusserst hilfreich erwiesen haben.) Da es in finnischen Wohnungen immer warm ist und sie über ein hervorragendes Be- und Entlüftungssystem verfügen, sind die Windeln wirklich ratzfatz trocken. (Abends aufhängen und früh wieder benutzen ist überhaupt kein Problem.)

Ich falte und befülle die Windeln immer möglichst gleich nach dem Abnehmen von der Leine – auch das Reispapier wird gleich eingelegt – dann sind die Windeln genauso gebrauchsfertig wie Wegwerfwindeln.

5) Wie viele Windeln braucht man denn?

Während man mit einem grossen Stapel Mullwindeln und drei bis vier Windelhöschen gut auskommt, braucht man von den Taschenwindeln recht viele, und das in jeder Grösse. Da der grosse Herr Maus am Anfang noch nicht mit den Taschenwindeln gewickelt wurde, haben wir für ihn gleich die grössere Grösse gekauft (10-15 kg, die haben wir aber schon ab 8 kg benutzt), die hat er dann benutzt, bis er keine Windeln mehr brauchte. Für den kleinen Herrn Maus hat uns für den Anfang (also bis er gross genug war für unsere Windeln), die liebste Freundin ihre „mitwachsenden“ Taschenwindeln (genial!) geliehen.

Wie viele Windeln man braucht, hängt ein bisschen davon ab, wie oft man waschen will. Wir haben eine 6kg-Waschmaschine, und Windeln wasche ich im Durchschnitt alle drei Tage, denn die Maschine soll ja auch voll sein. 20 Windeln finde ich ganz gut. Es geht sicher auch mit weniger, aber wir haben inzwischen sogar ein paar mehr. (Das ist jetzt wieder besonders wichtig, wo der kleine Herr Maus die im Kindergarten benutzt und immer 5 Stück dort sind.)

6) Wie macht ihr das mit den Stoffwindeln im Kindergarten?

Wir geben dem kleinen Herrn Maus jeden Tag die vorgefalteten und mit Reispapier versehenen Windeln in einem Windelbeutel (so ein Kordelzugding) mit. So viele, dass immer fünf Stück dort sind. (Meist braucht er vier; zur Not hat er auch noch einige Wegwerfwindeln in seinem Windelfach). Die werden dann genauso gewechselt wie Wegwerfwindeln, nur, dass eben nur das Reispapier weggeworfen wird, die benutzten Windeln kommen wieder in den Windelbeutel, den wir nachmittags wieder mit nach Hause nehmen. Saugeinlage und „Tasche“ trenne ich zu Hause dann selbst.

Anders als der Laie vermuten würde, sind die ach so praktischen Höschenwindeln bei den Betreuern gar nicht beliebt – dann muss man nämlich dem Kind jedes Mal die Hose ausziehen zum Windelwechseln, während man so eine Klettwindel im Stehen und ohne Hose (und gegebenenfalls Schuhe) auszuziehen, wechseln kann. Mit den Taschenwindeln geht das auch (und genau deswegen nehmen wir sie auch immer mit auf Ausflüge, was wir früher mit den Mullwindeln eher nicht gemacht haben, denn um die anzulegen muss das Kind wirklich liegen.)

7) Wo kauft man denn Stoffwindeln?

Hier in Finnland, wo das Wickeln mit Stoffwindeln ziemlich verbreitet ist, kann man sie sogar im Supermarkt kaufen! Nicht in ganz grosser Auswahl, aber immerhin. Es gibt Onlineshops und gut sortierte, kleine Bio- und Babyläden, die Stoffwindeln im Angebot haben, es gibt Leute, die Windeln selbst nähen und (preiswert) verkaufen, und zudem blüht der Handel mit gebrauchten Stoffwindeln.

Die finnische Firma, von der unsere Windeln sind, hat neuerdings sogar eine deutsche Seite und verschickt auch ins Ausland, aber ich bin sicher, es gibt auch deutsche Onlineshops. Google hilft.

8) Und was kannst du sonst noch raten?

Wie bei allem: sich auf nichts versteifen, sondern erstmal ausprobieren. Das gilt für das Benutzen von Stoffwindeln allgemein – natürlich ist es ein Mehraufwand, den nicht jeder betreiben will (ich komme damit gut klar, dafür hätte ich im Leben nicht Babybrei selbst gekocht oder Babykleidung selbst genäht) – wie auch für die Art der Windeln – nicht jedem Baby passt jede Windel gleich gut. Also nicht gleich ein teures 20-Windel-Paket kaufen, das dann vielleicht doch nicht zum Einsatz kommt.

Und nicht gleich die Flinte ins Korn werfen, wenn die Windeln bei einem Neugeborenen noch öfter mal überlaufen. Ich finde, bei so dünnen Beinchen schliessen die einfach noch nicht so richtig, und uns ist es sogar passiert, dass Wegwerfwindeln übergelaufen sind in den ersten vier bis sechs Wochen.

Und: nichts muss man fanatisch betreiben. Weder muss man sofort am ersten Tag zu Hause anfangen, mit Stoffwindeln zu wickeln (obwohl ich das empfehlen kann, gleich von Anfang an auch eine Windelwaschroutine zu entwickeln), noch muss man ausschliesslich mit Stoffwindeln wickeln. Jede einzelne Windel, die nicht weggeworfen wird, nützt der Umwelt!

(Was ich übrigens in der zweiten und dritten Stillzeit als wirklich umweltfreundlich empfunden habe, waren waschbare Stilleinlagen. (Allerdings gibt’s da auch grosse Unterschiede – den ersten Satz habe ich gleich wieder weggeschmissen, aber dann habe ich mir welche – mit Frottee innen und Membran aussen – zusammen mit den Windeln bestellt, und die waren ein Traum! Viel dünner, unauffälliger, hautfreundlicher und angenehmer zu tragen als die Einwegstilleinlagen.) Aber jetzt schweife ich ab…)

9) Und warum macht man sowas?

Weil es die Umwelt schont. Weil es preiswerter ist. (Zugegeben, die Erstanschaffung moderner Stoffwindeln kostet einen Batzen Geld. Aber das amortisiert sich schnell. Erst recht, wenn man die Windeln noch für ein oder mehrere Kinder weiterbenutzt. Oder sie weiterverkauft.) Weil die Kinder erfahrungsgemäss schneller trocken werden – weil sie merken, wenn die Windel nass wird. Vielleicht auch einfach, weil es mehr Spass macht, mit den bunten Windeln zu wickeln. :-)

(Ende der Windelbloggerei.)


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Nachtrag

Gestern kam der Kollege mit der Antenne aus der Stadt zurück und berichtete, im Park hätten ihn ein kleines Mädchen und seine Mutter beobachtet, und das Mädchen hätte so geguckt, dass er gedacht hätte, gleich fragt sie ihn, was er da treibt.

Aber stattdessen hat sie sich zu ihrer Mutter gedreht und gesagt: „Mama, das ist ein Wissenschaftler. Der erforscht Tiere.“

Wie cool ist das denn?!


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Redner

Vor, sagen wir, vier Wochen, sprach der kleine Herr Maus ungefähr zehn Worte. Zehn. Einzelne. Worte.

Inzwischen beherrscht er mindestens fünfmal so viele, ausserdem die Namen sämtlicher Kindergartenkollegen, er kann “Sätze”, Zeitformen, und ja, er kann auch zweisprachig: “Papa töissä gang’n.” (“Papa ist auf Arbeit gegangen.”) Grammatikalisch noch etwas zweifelhaft, aber vollkommen eindeutig.

Das haut mich um, diese Geschwindigkeit. Bei jedem Kind wieder.
Gibt es etwas Faszinierenderes als so ein kleines Menschlein, das gerade sprechen lernt?!


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Auf Empfang

Ob sie denn oft angesprochen würden, wenn sie so mit Antenne in der Stadt unterwegs wären, fragte ich am Anfang den (finnischen) Kollegen und die (finnische) Diplomandin.

“Nicht sooo oft, aber ja, doch, manchmal schon…” sagte die Diplomandin und rollte genervt mit den Augen. “Nö, eigentlich nicht”, sagte der Kollege, “Finnen sind doch schüchtern, die sprechen nicht einfach so jemanden an.”

Ach ja?!

Ich habe mittlerweile einer Schulklasse und einer Waldkindergartengruppe erklärt, was ich da mache, und sie das “Piep. Piep. Piep.” aus meinem Empfänger anhören lassen. Ich habe Müttern mit Kinderwagen, Omis mit Walkingstöcken, Bauarbeitern und Spaziergängern Auskunft gegeben. Einer rief begeistert aus: “Eichhörnchen?!” und zog seinen T-Shirt-Ärmel hoch, der den Blick auf ein Eichhörnchentattoo freigab: “Ich bin ein richtiger Eichhörnchen-Freak!” Ich werde von den Rentnern, die jeden Morgen zum Frühschwimmen ins Freibad gehen, mittlerweile persönlich begrüsst und gefragt, ob alle Eichkätzchen noch am Leben seien. Eine Omi, die regelmässig die Eichhörnchen füttert, sprach mich extra an, um sicherzustellen, dass wir den Eichhörnchen am Ende auch wirklich die Halsbänder mit den Sendern wieder abnehmen.

“Na du hast ja ein grosses Telefon dabei!”, rief mir letzte Woche einer hinterher. Auch “Was kommt denn gerade im Fernsehen?” und “Horchst du nach Ausserirdischen?” habe ich schon gehört. Das ist jetzt vielleicht nicht sooo witzig, aber ich muss trotzdem jedes Mal lachen.

Vielleicht steht auf meiner Stirn für alle sichtbar geschrieben: “Ich bin kein Finne, sprecht mich ruhig an!” Tatsächlich nervt mich einzig und allein, dass ich oft nicht so flüssig, wie ich gern würde, antworten kann.


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Besser immer

Die finnische Empfehlung für zusätzliche Vitamin-D-Gaben für Kinder wurde letztes Jahr von „von Oktober bis April“ auf „ganzjährig“ geändert. Begründung: Zu viele Eltern würden vergessen, im Herbst wieder mit der Tablettengabe anzufangen, wenn sie im Sommer damit aufhörten.

Vielleicht probieren wir nächstes Jahr mal, auch im Sommer Schneeanzug, Mütze und Handschuhe zu tragen. Nicht, dass wir dann im Herbst einfach vergessen, die dicken Sachen anzuziehen.


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Im City-Moor

Andere Städte haben City-Arkaden, City-Hotels, City-Kinos, City-Tunnel.
Turku hat ein City-Moor!

Ich habe mich ja schon oft beschwert, dass es hier so wenige Rundwanderwege gibt. Vielleicht sind die aber auch alle nur gut versteckt. Neulich zum Beispiel, als wir mit den Fahrrädern zu IKEA fuhren, entdeckten wir einen Wegweiser zu einem Moor, von dem wir bis dahin noch nicht einmal gehört hatten.

Eine Recherche ergab: es handelt sich um ein kleines, feines Naturschutzgebiet am Rande der Stadt, ein – ich zitiere – „echtes City-Moor“. (Immerhin befindet es sich, im Gegensatz zum grossen, bekannten Moor, das zwar innerhalb der Turkuer Gemeindegrenze, aber eben 35 km ausserhalb liegt, gleich zwischen IKEA und Flughafen.)
Und einen zwei Kilometer langen Rundweg auf Planken gibt’s da auch.

Und hat der kleine Herr Maus sich zwischendurch mal tragen lassen? (Um wie erhofft seinen Mittagsschlaf zu machen?) Hat er natürlich nicht.


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Wie wir einmal dem schwedischen König hinterherwinkten

Heute so am Flughafen: grosser Schreck.

Vorm Flughafen darf man 15 Minuten kostenlos parken. Als wir den Ähämann ausführlich geherzt und geküsst und bewinkt hatten, waren allerdings 40 Minuten um. Das ist immer so. Nur diesmal, da stand, als wir wieder rauskamen, ein Polizeiauto direkt hinterm Herrn Picasso. Ich schielte schnell auf die Windschutzscheibe: kein Knöllchen. Noch kein Knöllchen zumindest.

Ich nahm die drei Kinder an die Hand und begleitete unsere Gespräche mit vielsagenden Gesten. Die werden doch einer Familie mit drei Kindern, die gerade ihren Papa zum Flugzeug gebracht haben, keinen Strafzettel aufbrummen! Ich reichte dem grossen Herrn Maus die im Auto wartende Puppe, wiederholte unter weiteren eindeutigen Gesten, ja, jetzt gehen wir noch gucken, wie das Flugzeug startet, und drehte dreist die Parkuhr weiter. Die beiden Polizisten hatten nur einen müden Seitenblick übrig.

Bis das Flugzeug startete, vergingen weitere 30 Minuten. (Zehn Minuten verspätet war es auch.) Das Polizeiauto stand weiterhin stoisch hinterm Herrn Picasso. Die Mäusekinder skandierten „Papa! Papa! Papa!“ übers Flugfeld. Nur weiter so, dachte ich, die werden doch einer Familie mit drei Kindern, die gerade ihren Papa zum Flugzeug gebracht haben, nun wirklich keinen Strafzettel aufbrummen! Der Ähämann stieg ein. Der Pilot stieg aus. In kompletter Uniform. (Auch Mütze, auch weisse Handschuhe.) Dann kam ein Grüppchen feingekleideter Menschen, die der Pilot wahlweise mit Händeschütteln oder Hand-an-Mütze grüsste. Irgendwelche wichtigen Leute mussten das sein. Dann stiegen alle ein. Das Flugzeug setzte sich in Bewegung. Wir winkten wie verrückt. „Papa tschüss!“, rief der kleine Herr Maus. Das Polizeiauto stand immer noch da. Das Flugzeug rollte auf die Startbahn. Wir lauschten. Jetzt! Jetzt geht’s los! Jetzt kommt es gerollt! Gleich hebt es ab! Jetzt! Jetzt! Wir winkten wie verrückt.

Das Flugzeug erhob sich in den aprilwetterblauweissen Himmel. Wurde kleiner und kleiner. „Papa weg!“ sagte der kleine Herr Maus. Als das Flugzeug nur noch ganz klein war, beschlossen wir zu gehen. Das Polizeiauto fuhr auch gerade los.

Wir gingen noch ein bisschen wandern, weil schon mal die Sonne schien. Mitten im Moor piepste mein Telefon. Der Ähämann war gelandet. „Das war das schwedische Königspaar“, schrieb er.


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Saisoneröffnung

Jedes Jahr im Mai nehmen wir Abschied von Naantali.

Jedes Jahr im September fahren wir zum ersten Mal wieder hin.

Wenn das Muminland wieder geschlossen ist, wenn sich nicht mehr dreimal so viele Touristen wie Einwohner in das kleine Städtchen quetschen, kein lächerlicher Traktorzug mehr durch die Strassen fährt, man wieder einen Parkplatz findet, keine Musik mehr von den Restaurantterrassen schallt. Wenn man das Meer und die Bäume wieder rauschen hört.