Suomalainen Päiväkirja

Live aus Turku

Auf Empfang

4 Kommentare

Ob sie denn oft angesprochen würden, wenn sie so mit Antenne in der Stadt unterwegs wären, fragte ich am Anfang den (finnischen) Kollegen und die (finnische) Diplomandin.

“Nicht sooo oft, aber ja, doch, manchmal schon…” sagte die Diplomandin und rollte genervt mit den Augen. “Nö, eigentlich nicht”, sagte der Kollege, “Finnen sind doch schüchtern, die sprechen nicht einfach so jemanden an.”

Ach ja?!

Ich habe mittlerweile einer Schulklasse und einer Waldkindergartengruppe erklärt, was ich da mache, und sie das “Piep. Piep. Piep.” aus meinem Empfänger anhören lassen. Ich habe Müttern mit Kinderwagen, Omis mit Walkingstöcken, Bauarbeitern und Spaziergängern Auskunft gegeben. Einer rief begeistert aus: “Eichhörnchen?!” und zog seinen T-Shirt-Ärmel hoch, der den Blick auf ein Eichhörnchentattoo freigab: “Ich bin ein richtiger Eichhörnchen-Freak!” Ich werde von den Rentnern, die jeden Morgen zum Frühschwimmen ins Freibad gehen, mittlerweile persönlich begrüsst und gefragt, ob alle Eichkätzchen noch am Leben seien. Eine Omi, die regelmässig die Eichhörnchen füttert, sprach mich extra an, um sicherzustellen, dass wir den Eichhörnchen am Ende auch wirklich die Halsbänder mit den Sendern wieder abnehmen.

“Na du hast ja ein grosses Telefon dabei!”, rief mir letzte Woche einer hinterher. Auch “Was kommt denn gerade im Fernsehen?” und “Horchst du nach Ausserirdischen?” habe ich schon gehört. Das ist jetzt vielleicht nicht sooo witzig, aber ich muss trotzdem jedes Mal lachen.

Vielleicht steht auf meiner Stirn für alle sichtbar geschrieben: “Ich bin kein Finne, sprecht mich ruhig an!” Tatsächlich nervt mich einzig und allein, dass ich oft nicht so flüssig, wie ich gern würde, antworten kann.

4 Kommentare zu “Auf Empfang

  1. *rofl* Eichhörnchen-Tattoo? Echter Macho, oder was? *kicher*

  2. Bevor wir in die USA gezogen sind, habe ich mir über Sprache und Humor eigentlich nie Gedanken gemacht. Natürlich sprach ich die Sprache von hier leidlich gut; lernt man sie doch (irgendwie) in der Schule. Und so konnte ich denn auch über die ambivalente Charakterbildung in Shakespeare’s Macbeth reden (unheimlich wichtig im Alltagsleben) oder über Spannungsbögen in der Erzählstruktur von Dead Poet’s Society. Was mir allerdings fehlte, waren nicht nur Alltagsvokabeln (was bitte heisst denn Salatgurke oder Aubergine), sondern vor allem auch der Humor. Diese kleinen schlagfertigen lustigen Antworten auf Fragen und Kommentare. Es hat eine ganze Reihe von Jahren gebraucht, bis die Leute hier mich nicht mehr für einen trockenen Knochen gehalten haben.
    Und nicht nur fehlten mir die richtigen Worte, auch der Humor an Sich ist in jedem Land und jeder Kultur anders. Mein Humor geht oft in diese Richtung:

    <param

    Amerikaner finden das aber nicht lustig, sondern unhöflich. Und so hat es eine ganze Weile gebraucht, bis ich mehr konnte, als nur höflich lächeln oder versuchen, den Witz, der mir grade im Kopf rumschwirrte zu übersetzen.

    • Hier wirds grad zum Auswanderer-Forum… ;)
      Stimmt, die Sache mit dem Humor… wenn man sich die Witze immer erklären lassen muß, das ist schon hart. Und mein Vater erinnert sich nur zu gut an seine Assistant-Zeit in Lille – und daran, daß „du Luder“ zwar in Deutschland und speziell in Köln fast was Liebevolles an sich hat, die wörtliche französische Übersetzung allerdings so überhaupt gar nicht…
      Und ich hab das Problem, daß ich zwar – ich vermute, wegen der Musikerohren – ziemlich akzentarm spreche, aber manche Begriffe einfach nicht kenne, die anderen geläufig sind. Zum Beispiel sprach jemand von „le bloquause“ – woher sollte ich wissen, daß das sich „le blockhaus“ schreibt und das meint, was ich als „le bunker“, gesprochen „le bounquère“, kannte, nämlich die Bunker, die die Wehrmacht an der Atlantikküste zurückgelassen hat und die ähnlich dem KdF-Bau in Prora/Rügen einfach nicht kaputtzukriegen sind? Hab ich also erst mal dumm dagestanden. Und geguckt wie ein Eichhörnchen. (Uff, Kurve gekriegt. :D)

  3. Hmm, beim ersten Mal wollte der Link nicht. Vielleicht jetzt:

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