Suomalainen Päiväkirja

Live aus Turku

Öffentliche Wiedergutmachung

7 Kommentare

Ich habe ihr jahrelang Unrecht getan.

Ich hatte mehrmals gehört, dass die Mikaelinkirkko bei Brautpaaren sehr beliebt sei, weil sie so viel hübscher als der Dom sei. Und dann hatte ich noch im örtlichen kostenlosen Käseblättchen einen Artikel zum selben Thema gelesen, der mit Fotos von rosenbemalten Wänden und Decken illustriert war. „Die Kitschkirche“, nannte ich sie fortan.

Einmal wollte ich mir selbst ein Bild machen, als ich zufällig vorbeikam. Der Blick durchs Schlüsselloch allerdings bot auch nur einen recht eingeschränkten, verschwommenen Eindruck.

Gestern war Orgelvorführung in der Mikaelinkirkko.

Die Musikauswahl für das kurze Konzert am Anfang hätte nicht schöner sein können: etwas für die ganz grossen, dicken Orgelpfeifen und etwas für die ganz winzigen, etwas auch, wofür sogar die Glocken, und etwas, für das das Vogelgezwitscher gebraucht wurde, laute Töne und leise, vor allem moderne, Variationen über Kirchenlieder und auch ein Swing, zu dem die beiden Herren Maus spontan ein Tänzchen vor dem Altar aufführten.

Dann durften wir die Orgel anschauen, anfassen, ausprobieren und von innen begehen. Jedes der Mäusekinder drückte ein paar Mal auf das Pedal für das Vogelgezwitscher – und wir erfuhren, dass es genauso funktioniert, wie die Vogelpfeife, die wir dem Fräulein Maus auf dem Mittelaltermarkt gekauft haben, nämlich mit Wasser.

Und die Mikaelinkirkko? Die ist so prachtvoll und dabei so unkitschig, wie es nur geht.

Die Rosen, die befinden sich nämlich gar nicht in der Kirche, sondern im „Rosenzimmer“, einem kleinen Nebenraum.

7 Kommentare zu “Öffentliche Wiedergutmachung

  1. Wirklich beeindruckend! Echt jetzt und ehrlich.
    (Erinnert mich an ein Konzert, dass wir im Urlaub erlebt haben.)

    Trotzdem die Frage: ist das irgendwie zusammengeschnitten? Oder bewegen sich die Registerzüge (wirklich von selber?

    • Da erlaube ich mir mal als Organist zu antworten:
      ja, die Registerzüge bewegen sich von selber.
      In der Frühzeit der programmierbaren Registrierungen, vor etwa 130 Jahren, konnte man mehrere komplette Registrierungen einstellen (etwa mit den normalen Zügen und einer oder zwei Schaltwippen pro Register) und dann wählen: Handregister, Kombination 1, Kombination 2. Im Zeitalter der Elektronik, das nun auch schon fast 40 Jahre währt, kann man ganz viele Kombinationen programmieren, indem man sie einstellt und dann den Programmknopf drückt und die Nummer wählt. (Oft ist die Nummer zweiteilig, ein Buchstabe und eine Zahl, damit man schneller auf eine bestimmte Kombination zugreifen kann.) Die Kombinationen kann man dann wieder aufrufen, indem man die Nummer wählt, oder auch mit weiter/zurück-Tasten, und mittels kleiner Elektromotoren, manchmal auch mittels ganz kleiner Blasebälgchen, werden die Züge herausgedrückt bzw. hineingeschoben.

      Hier sieht man das auch, zum Beispiel drückt er bei 8:33 die Register gruppenweise ab – und der Fachmann erkennt, daß die Verbindung zwischen Zügen und Register nicht mechanisch ist, weil dafür der Zugweg der Züge viel zu kurz ist. Die Kombinationen werden durchgeschaltet mit einigen von den vielen Fußkontakten (Pistons) über dem Pedal. Die anderen dienen dazu, die Manuale aneinander zu koppeln, und auch das zeigt, daß die Verbindungen von Spieltisch und Werk nicht mechanisch sind, sondern elektrisch.

  2. Und die Kirche wurde gebaut (grob geschätzt) zwischen 1875 und 1915, oder?

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