Suomalainen Päiväkirja

Live aus Turku

Auf gut Deutsch

12 Kommentare

Ich weiss gar nicht, was die Globalisierungsgegner immer haben. Wird ja sowieso nichts draus. Spätestens an deutschen Post-, Bank- und Versicherungsbeamten wird die Sache scheitern.

Neulich wollten wir der Papaoma ein Päckchen schicken.

Das erste Mal fiel ich fast in Ohnmacht, als ich es letzten Dienstag auf die Post trug und mir die Postfrau ohne mit der Wimper zu zucken „Zwanzig Euro fünfundsiebzig, bitte!“ abverlangte.

Die Post ist teuer in Finnland. Und das Päckchen war eben schwerer als 2 kg. Dafür war es auch nach vier Tagen schon da. Umgekehrt dauert das zweieinhalbmal so lang.

Das zweite Mal fiel ich fast in Ohnmacht, als uns die Papaoma letzten Samstag anrief, von uns sei ein Päckchen gekommen, aber der Postbote hätte es wieder mitgenommen, denn es würde zwanzig Euro fünfundsiebzig Nachnahme kosten, und die hätte sie bar nicht zu Hause gehabt.

Es stimmt, irgendwo auf dem Paketschein steht 20,75. Von Nachnahme steht da allerdings nichts, sondern von Porto. Denn auf finnische Pakete werden keine Brief- oder Paketmarken geklebt. Die werden gewogen, der Preis wird auf dem Paketschein notiert, abgestempelt, fertig.

Spontan fallen mir da jetzt ja nur zwei Erklärungen ein:

Entweder wollte der Postbote die Gelegenheit beim Schopfe packen und sich ein kleines Zubrot verdienen. Liebe deutsche Post, verdienen Briefträger in Deutschland so schlecht? Welch ein Glück, dass die Papaoma weder genug Bargeld bei sich hatte noch mobile Kartenzahlung in Deutschland möglich ist!

Oder, der Postbote ist einer von der Sorte, der sich mit seinem vernagelten Gehirn einfach nicht vorstellen kann, dass ausserhalb seines Heimatlandes am Nabel der Welt manche Dinge vielleicht ein bisschen anders gehandhabt werden. Wenn da eine Zahl steht, die nur annähernd an einen Preis erinnert, muss das ja wohl ein Nachnahmebetrag sein.

Komisch nur, dass die daraufhin in der Postfiliale vorgelegte Kopie des Kassenzettels – der einem deutschen Kassenzettel sehr ähnelt – nicht als Beweis galt, dass das Päckchen längst bezahlt sei. Da könne ja jeder kommen! Das Paket werde gegen die Zahlung von zwanzig Euro fünfundsiebzig ausgehändigt, sonst nicht, basta.

Die daraufhin bemühte Servicehotline der Deutschen Post war wiederum sehr erstaunt, dass der finnische Sendungsverfolgungscode im deutschen Sendungsverfolgungssystem nicht funktioniert. „Wenn wir das Paket nicht rückverfolgen können, dann können wir es auch nicht herausgeben!“ Welch Überraschung aber auch, dass es ausserhalb des Heimatlandes am Nabel der Welt nicht nur keine Sparkassen und andere Gehaltsklassenbezeichnungen gibt, sondern auch andersartige Sendungsverfolgungcodes!

Und nun? Bemüht sich die finnische Post. Natürlich. Telefoniert rum, klärt das mit dem Code, wird notfalls die deutsche Post kontaktieren und die Herausgabe des bezahlten Paketes an den Empfänger forden.

Solange jedoch in den Augen der deutschen Post die Sache nicht geklärt ist, wird das Päckchen auf der Postfiliale liegenbleiben.

Ich wünschte, es wäre eine Durian drin.

12 Kommentare zu “Auf gut Deutsch

  1. Ich wünschte, es wäre eine Durian drin.

    *gacker*
    Oder wenigstens (ehemals)frisches Hackfleisch..

    Viele Grüße,
    Britta

  2. Da geht einem ja nur ein klitzekleinesbisschen die Hutschnur….

  3. Unglaublich! Dass die finnische Post teuer ist, ist mir auch schon aufgefallen, aber nicht teurer als die Schweizer. Dafür waren die Schweizer in der Lage, unser „Carepaket“ aus dem Urlaub nach Hause (mit im Mökki selber gemachtem Multebeer- und Heidelbeergelee und weiteren Kleinigkeiten wie Büchern und Angel-Bootshalterungen) problemlos auszuliefern, ohne Zoll- oder sonstige Zusatzkosten.

  4. Och, das schafft die deutsche Post hier inzwischen auch schon sehr gut innerdeutsch (seit Tagen hänge ich in hotlines etc. rum und KEINER kann mir helfen – Servicewüste vom feinsten!)!!

  5. Das ist ja unglaublich! Und wie war das eigentlich mit den Paketen vor Einführung der Computer und Internet und so und überhaupt vor der Globalisierung???

  6. Wenn ich in Italien ein Paket von meinen Eltern aus der Schweiz erhalte, muss ich auch jedesmal noch Zollsteuern bezahlen obwohl ja schon teures Porto bezahlt wurde. Päckchen versenden wir nur noch äusserst selten….

  7. Die oma schickt immer Käse :-) nach mindestens 2 Wochen stinkt der so sehr das selbst der Herr Gemahl anfängt das Päckchen zu öffnen.
    Ist wirklich ein Unding, ehrlich, aber warum hat Finnland auch keine „deutschen“ Codes und Briefmarken tse sowas aber auch…..

  8. Ich weiss nicht, ob es lokale unterschiede zwischen Teilen Deutschlands gibt, bzw. zwischen verschiedenen Städten, oder aber auch den finnischen Städten. Ich versende aus Finnland grundsätzlich nur Grossbriefe, wenn es mal sein muss, denn alles andere ist Abzocke und Monopol unterstütze ich äusserst ungern. Hab damit mein halbes Leben in Osteuropa verbracht. Dazu kommt noch die Inkompetenz, wenn die Post mal eben abgeschafft worden ist und in ein Valintatalo verlegt. Ein Briefmarkenkauf kann da schon bis 10 Minuten dauern, denn leicht legastenische Mitarbeiter starren den Bildschirm an und überlegen, ob doch Deutschland tatsächlich in der EU sei. Ein Paket für einen Spottpreis aus Deutschland bis zu 30 kg trifft hier in höchstens 6 Werktagen ein. Gern mal aufgeschlitz und mit rausgeklauten Weinflaschen. Von Versandhäusern sogar bis vor die Haustür (Versandkosten höchstens 20 Euro bzw. gar kostenlos).

    Verfolgung funktioniert natürlich nur auf der lokalen Seite des jew. Landes, so sieht man beispielsweise, dass eine Hermessendung in dem lokalen Matkahuoltopunkt (Valintatalo :-/ ) eingetroffen ist, braucht aber nach dem 4-5 tägigen Weg aus Deutschland zum Verteilungspunkt immerhin eine weitere Woche, bis die finnische Benachrichtigung erfasst, geschrieben und verschickt wird (oft als Postbrief). So bin ich schon mal mit der Referenznummer davor in den Valintatalo gestiefelt, nannte die Nummer und bat um Überprüfung sowie eine mögliche Aushändigung. Die finnische Antwort war „Aber man kann die Sendung gar nicht im Internet sehen“. Kann man doch. In vielen Fällen hab ich erst die dritte (Postbrief-)benachrichtigung von Matkahuolto bekommen (wo die zwei anderen gelandet sind, weiss ich nicht) – mit der Androhung, dass die Sendung in drei Werktagen zurückgeschickt wird.

    UPS und teilw. DPD funktioniert prima und bis vor die Haustür. Leider kommt die telefonische Benachrichtigung erst am Morgen, wenn ich schon 65 km weit weg bin, aber eine Übergabe an den Nachbarn funktioniert prima. Mein Fahrer weiss sogar schon, bei wem abgeben bzw. wo verstecken.

    Neulich wollte ich einen Brief bis 3 cm hoch nach Österreich versenden. Er passte durch den Schlitz, alles paletti. Von einer richtigen Post im Hauptstadtgebiet, also vermeintlich global und hochintelligent. Nach einem kritischen Blick hiess es „Aber da drin ist doch was anderes als nur Papier?“. Häh?! Welche Richtlinie ist das denn? Ich hab erwidert, dass ein Brief ein Brief ist und Österreich in der EU und das hat sie nicht zu interessieren, was drin ist“. Österreich als EU-Land war wohl auch eine Neuigkeit.

    Valintatalo ist selbst im Stande anderes zu verhunzen, so wurde uns ein Einschreiben eines Händlers unterschlagen in dem es ein 400 Euro Gutschein steckte – die Erklärung war sehr merkwürdig, also würde ich auf die Aufrichtigkeit der finnischen Mitarbeiter nicht zählen. Erst war er weg, keine Info wer ihn abgeholt hat (Finnen versäumen im 80% der Fälle einen Ausweis zu verlagen und Deutsche versichern ihre Pakete. Das heisst, dass ein Ausweis ein Muss ist, ebenfalls gilt es für überteuerte finnische Einschreiben). Dann hiess es, er wurde „versehentlich in einen Briefkasten eingeworfen“, dann ist er aufgeschlitzt aufgetaucht. Der Vorgang dauerte 3 Wochen. Das Wort „Enschuldigung“ fiel leider nicht.

    Die finnische Post schafft sich ab – Ersatz dank Monopol nicht in Sicht. Leider.

  9. Naja mich wunderts nicht. Ich habe letztens mit Kleinkind eine geschlagene Stunde beim örtlichen Zoll auf dem Flur gewartet um unser Päckchen aus Schweden (!) abzuholen, das dort gelandet war. Schon beim Lesen des Türschilds wurde ich stutzig, weil da „aus nicht EU-Ländern stand“. Als wir endlich an der Reihe waren, wunderte sich der Zollbeamte selbst warum das Paket dort gelandet war und deutete auf einen Aufkleber, der Zigaretten als Inhalt vermutete. Als ich dann darüber scherzte und vor dem Beamten das Päckchen öffnete und ihm die bestellten Kontaktlinsen unter die Nase hielt, da war er selbst erstaunt und zuckte mit den Schultern.
    An dem sonnigen Nachmittag hätte ich diese Zeit sicher sinnvoller totschlagen können. *narf*

    Über die Tatsache, dass im schwedischen Onlineshop die Kontaktlinsen aus GB mit Versand billiger kommen als beim Optiker vor Ort will ich jetzt lieber gar nicht reden. Hm…

    • Oh ja, „Medikamente“ sind auch unter Beschuss. Da kann es schon sein, dass ein beauftragte Zollbeamter die drei Tabletten, die in der Packung lt. EU-Richtlinie zuviel sind (i.d.R. sind es in Finnland überteuerte oder nicht vorhandene natürliche/homöpathische Nahrungsergänzungsmittel) vor Deinen Augen „vernichten“ muss. Kontaktlinsen hab ich natürlich auch nie hier gekauft, sondern direkt online aus D, oder aber wenn die Versandkosten nach Finnland explodiert sind, dann durch Freunde/Familie zuschicken lassen.

  10. Ist das Paket zwischenzeitlich herausgegeben worden?

    • Nachdem sich die finnische Post zwei Mal (!) mit der deutschen in Verbindung gesetzt hatte, wurde nach fünf Tagen das Päckchen ausgehändigt. Als wäre nichts gewesen. Eine (Standard)entschuldigung erhielt die Papaoma dann schriftlich. Der Ähämann, der zig Telefonate mit der deutschen und finnischen Post zwecks Klärung des Sachverhalts geführt hatte, hörte von der deutschen Post nie wieder was.

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