Suomalainen Päiväkirja

Live aus Turku

Johannisbeere an Löwenzahn

15 Kommentare

Ich hab‘ ja nicht geahnt, dass mich ein Garten so glücklich machen würde.

In meiner Kindheit gab’s keinen Garten, nicht mal einen Balkon. Und als wir dann vor sieben Jahren das erste Mal in ein Reihenhaus mit kleinem Garten zogen, war da irgendwie schon alles da. Wir assen die Erdbeeren direkt vom vom Vormieter geerbten Beet, wir gossen im Hochsommer ein bisschen seinen Rittersporn, wir retteten den wilden Wein, als unser Zaun erneuert wurde, wir setzten ein paar Krokuszwiebeln, und wir mähten ein, zwei Mal im Jahr Rasen.

Vielleicht war es gut, dass der Vormieter hier nichts weiter als eine kahle Rasenfläche sowie einen verkrüppelten und einen toten Baum zurückgelassen hat.

Zuerst zog ein Apfelbäumchen im Garten ein, und Johannisbeersträucher rund um die Terrasse. Dann zwei Himbeersträucher am Zaun, ein Fleckchen Walderdbeeren und ein halbes Erdbeerbeet. Ein Flieder. Eine Lupine und ein grosser Busch Margeriten (am Strassenrand ausgebuddelt). Ich legte einen Komposthaufen an, weil es hier keine Biotonne gibt und auch keinen gemeinschaftlichen Kompost. Und die Baumleiche, die wir eigentlich noch ganz absägen wollten, darf jetzt stehenbleiben, weil sich daran wunderbare Baumpilze gebildet haben.

Zu mehr war über dem Umzug keine Zeit. Es war auch irgendwie schon zu spät im Jahr. Aber im Herbst vergruben wir Tulpen- und Krokuszwiebeln. Und ich machte Pläne, was ich unbedingt noch alles im Garten haben wollte.

Einen Jasmin, der so schön duftet. Kresse und Zucchini auf dem Kompost. Noch einen Flieder. Laternchen rund um den toten Baum. Ein Kräuterbeet. Wicken und Sonnenblumen am Spielhäuschen. Noch mehr Lupinen. Eine Brombeere. Einen Blaubeerstrauch. Die zweite Hälfte vom Erdbeerbeet. Vergissmeinnicht unter der Vogelbeere. Die grossen Mäusekinder wünschten sich ein Gemüsebeet mit Möhren, Radieschen und Erbsen. Der tomatensüchtige Ähämann bekam zum Hochzeitstag zwei Tomatenpflanzen in Eimern Papierkörben von IKEA.

Und natürlich würde unser Garten nicht so ein scheintoter Garten werden, wie er allseits beliebt zu sein scheint: mit Golfrasen und Thujenhecke. Bei uns darf der Löwenzahn so lange wachsen, bis wir alle Spass mit den Pusteblumen hatten. Lieber schneide ich mit der Schere um Vergissmeinnicht, Kamille und wilde Stiefmütterchen herum, als sie einfach mit abzumähen. (Wir mähen überhaupt nur, wenn es zu gagelig aussieht. Bis dahin darf wachsen, was wachsen will. Ist schon mal jemandem aufgefallen, wie unvergleich schön Gräser mit Blütenständen aussehen?) Es macht mich glücklich, dass wir endlich (aus Deutschland mitgebrachte) Gänseblümchen auf der Wiese haben. (Gänseblümchen! Das Grauen verbitterter Gärtner schlechthin.) Am Zaun dürfen die Glockenblumen, Habichtskräuter, Hahnenfüsse und wilden Möhren so hoch wachsen, wie sie wollen. Und wir werden ein ein wenig chaotisches Sommerblumenbeet haben, weil die Mäusekinder beim Samenausstreuen nicht ganz gleichmässig gearbeitet haben.

Wir fühlen uns alle ganz furchtbar wohl in unserem wilden Garten.

(Einen Platz für Schaukel, Rutsche und Sandkasten brauchen wir übrigens nicht. Unser Garten geht nämlich direkt in den öffentlichen Spielplatz über. Die Mäusekinder – alle drei! – wandern den ganzen Tag da hin und her.)

15 Kommentare zu “Johannisbeere an Löwenzahn

  1. Hallo,
    das klingt nach einem wunderschönen Garten! So hätte ich meinen auch gern, wenn ich denn einen hätte…. :-)
    Die Frage, die sich mir aber aufdrängt – und da meckert keiner? Habt Ihr keine Nachbarn, oder ist man in Finnland toleranter als in Deutschland?
    Hier würde wahrscheinlich (leider!) ein Aufschrei durch die Nachbarschaft mit dem Golfrasen (:-D) gehen —
    Seht zu, dass Ihr Euren Rasen mäht!
    Die Löwenzahnsamen fliege ja überall rum und dann wachsen die auf unserem Rasen auch!
    Das sieht ungepflegt aus!
    Gänseblümchen sind Unkraut!
    ….
    beliebig fortsetzbar.
    Vielleicht sollte ich nach Finnland ziehen, wenn da sowas nicht gibt? :mrgreen:
    Grüße aus Düsseldorf von einer bisher stillen Leserin….

    • Ich weiss nicht, ob Nachbarn in Finnland toleranter sind oder einfach die Hemmschwelle, was zu sagen, grösser ist… ;-)

      (Bisher hatten wir wohl eher tolerante Nachbarn… die hätten uns netterweise wohl sogar unseren Rasen einfach mitgemäht, aber nahmen auch lächelnd unser Bekenntnis, dass wir immer erst mähen, wenn die Pusteblumen ausgepustet sind, hin. Fällt wahrscheinlich unter die Kategorie „seltsame Ausländer“…)

  2. Oh ja: Garten ist wunderbar. Macht Jung & Alt glücklich..
    Und „erdet“, wie eine liebe Freundin mal sagte.
    Lasst nur weiterhin möglichst alles wachsen – das ist ja grade das Faszinierende, oder?

    LG Elena

  3. Und ja so eine Wiese mal richtig hoch gewachsen ist toll (vorallem blühende Gräser für einen Allergiker). In unserem neuen Häuschen werden wir gesäumt von einem Gänseblümchenhasser-Nachbarn und einem Nachbar bei den ist das Gras höher als bei uns (und der ist mir wesentlich sympatischer).
    Aber öffentlicher Spielplatz, direkt am Garten, oh jetzt werde ich neidisch, ehrlich.

    • Vor allem müsste endlich mal einer den Gänseblümchenhassern sagen, dass es immer mehr Gänseblümchen werden, je mehr sie mähen…!

      (Ich habe noch nie so oft Rasen gemäht wie letzten Sommer – damit unsere Gänseblümchen einen leichteren Start haben konnten.)

  4. mensch, du machst mich ganz neidisch! ich will doch auch so gerne nen garten haben und muss mich mit unserem balkon begnügen. mehr als tomaten, stachelbeeren und 2 erbsen passen hier nicht drauf :(
    was mich immer ärgert: in unserem mehrfamlienhaus gibt es einige wohnungen mit kleinen gärtchen. und da wohnen dann die leute, die den gar nicht wollen, bzw. als abstellraum verwenden oder einfach zuwuchern lassen… naja, wenn ich mal „groß“ bin…. dann gibts hoffentlich auch nen garten. am einfamilienhaus.
    lg eni

    • Uns ist der Garten ja eher so zugelaufen… Ich wäre ja vollkommen zufrieden gewesen mit einer Wohnung irgendwo weit oben, aber da das Prinzip „Reihenhaus mit Garten“ hier so gebräuchlich und durchaus erschwinglich ist, haben wir uns damals im Interesse zukünftiger Mäusekinder dann doch dafür entschieden. War gut so. :-)

  5. Ich mähe (3-4mal im Jahr) um unsere Gänseblümchen drumrum ;) – die dann aber häufig Saskia zum Opfer fallen. Lupinen und Lampions gibt es hier auch – und ein paar wilde Stiefmütterchen (oder Hornveilchen?) auf der Wiese, neben den (ebenfalls wilden) Vergissmeinnicht. Meine Himbeeren sind leider nicht angewachsen – das versuche ich irgendwann nochmal, für Erdbeeren hat sich der passende Platz noch nicht gefunden, dafür hatten wir jedes Jahr Tomaten im Blumenkasten auf der Terrasse (dieses Jahr setzen wir da aber mal aus). Außerdem gibt es einen (von den Vorbesitzern geerbten) Johannisbeerstrauch, der reichlich trägt und einen (inzwischen recht großen) Kirschbaum, dessen Kirschen leider auch den blöden Kirschfruchtfliegen schmecken. :( (Das Problem ist leider noch ungelöst und 100% Fleischanteil waren im letzten Jahr irgendwie unlustig. Ich mag Kirschen lieber vegetarisch.)

    Das Foto ist großartig – aber ist das hier jetzt noch jugendfrei?

  6. sooo schön klingt das mit eurem garten (und welche ehre… die tomaten!!!! heuer wurden sie durch paprika ergänzt und eine physalis, die aber scheinbar schon aufgegeben hat hier oben) – muss mal ein neues bild davon posten ;)
    spielplatz neben dem garten klingt super. kommen die kinder von dort eigentlich auch in euren garten spaziert?
    lg!! maria

    • Normalerweise nicht, denn das mit der Privatsphäre wird in Finnland sehr ernst genommen und auch schon kleinsten Kindern beigebracht. Wenn aber die Mäusekinder ins Spielhäuschen oder ins Planschbecken einladen, dann schon. :-)

      (Und: Ehre, wem Ehre gebührt. :-) Dein Tomatenpost hat mich gleich beeindruckt, und wo der Ähämann doch so tomatensüchtig ist, und wo an der Terrassenwand sowieso noch was grosses Grünes fehlte…!)

  7. Wir mähen schon und das ist ok so, denn sonst hätten’s die Porvooer Schnecken noch leichter. Aber Finnen mit „wilden Garten“ sind keine grosse Ausnahme, also so exotisch werdet ihr schon nicht sein. Dieses Jahr endlich ein Gemüsebeet gewagt, Blumen- Kräuterbeet auch sehr schön geworden, aber sag das einem holzhackwütigen finnischem Ähämann, dass ein Baum, der gerade 10 Jahre alt ist nicht „zu alt“ ist und weg muss. Nun erneuern wir unseren Zaun, dass durchaus eine grosse Investition ist und vieles kommt weg, aber neues kommt dazu. Ich hab mich getraut, einen Birnbaum zu pflanzen und der hat schon geblüht. Scheint pflegeleicht zu sein. Seit Jahren going strong: eine Eiche namens „Aisha“ (was sonst?), die schon einen halben Meter gross ist und sich einfach so bei uns verirrt hat. Die Marienenkäfer sind cool.

    • Ich dachte auch immer, die Finnen wären da nicht so… als wir unsere erste „Kreuzfahrt“ nach Stockholm machten, wurde uns nahegelegt, wir sollten mal gucken, wie die Schweden sogar an ihren Sommerhäusern Rasen mähen würden. (Und wie lächerlich das wäre.)

      Aber um uns rum wird gerade wie wild gebaut, und was da rund um die Häuser passiert, ist: Golfrasen und Thujen. Dann lieber eine einen halben Meter hohe Eiche, das ist wenigstens was wirklich Exotisches! ;-)

  8. Ich sah das Bild und las: „Wir fühlen uns ganz fRuchtbar wohl in unserem wilden Garten“ – Freud lässt grüßen, hihi…

  9. Und ob exotisch ;) Ja, und Aisha Eiche hat mich gefunden. Am Rande des Blumenbeets liess sie sich nieder (wohl einem Eichhörnchen zu verdanken) und riskierte mehrere Jahre abgemäht zu werden, aber der Finne wusste bescheid, dass er aufpassen sollte. Jetzt ist sie langsam zu gross dafür und muss nach der Zaunrenovierung wohl nochmal umgesetzt werden – hoffentlich hält sie das aus. Derzeit hat sie allerdings auf der Übergangsstelle wirklich buschige Blätter <3

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