Suomalainen Päiväkirja

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Bezahltes Kochen

21 Kommentare

Naja, dachte ich, als uns vorletzte Woche in Deutschland das Wort „Herdprämie“ aus jeder erdenklichen Schlagzeile ansprang, ganz so würde ich das ja nicht sehen. Wieso sollte eine Mutter oder ein Vater, die ihr Kind gern auch nach der Elternzeit noch selbst betreuen wollen, dafür nicht wenigstens ein bisschen bezahlt werden?

Ich bin mit jedem der Mäusekinder für eine kürzere oder längere Zeit – mit dem Fräulein Maus einen Monat, mit dem kleinen Herrn Maus, der im August im Kindergarten anfangen wird, ein Jahr – nach der Elternzeit zu Hause geblieben und habe für alle Betreuungsgeld bekommen. Von den Zweihundertsiebzignochwas netto kann man nicht wirklich leben, aber warum soll ich nicht wenigstens ein bisschen für die Arbeit bezahlt werden, die sonst eine Kindergärtnerin oder Tagesmutter machen würde? Ich fände es weitaus entwürdigender, finanziell hundertprozentig vom Ähämann abhängig zu sein.

Aber es gibt natürlich – auch Blogeinträge wie dieser bestätigen das – einen gravierenden Unterschied zwischen finnischem und eventuellem deutschen Betreuungsgeld:

Nämlich, dass hier per Gesetz jedes Kind – und zwar ab null (!) – das Recht auf einen Betreuungsplatz – und zwar einen ganz(!)tägigen – hat. Und zwar unabhängig davon, ob Vater und Mutter arbeiten, studieren, arbeitslos oder in Elternzeit sind. Und dass auch jedes Kind, dessen Eltern das wollen, einen bekommt. Notfalls innerhalb von zwei Wochen, garantiert innerhalb von vier Monaten.

Der Unterschied ist, dass ich wirklich die Wahl habe.

21 Kommentare zu “Bezahltes Kochen

  1. Genau. Auch abends und nachts :) Ich hatte als Hauptverdiender leider keine Wahl, aber vielleicht war das auch ganz gut so… Man kann ausserdem sogar bis zur Schulanfangszeit die Arbeitszeit reduzieren, bei 30 h und unter 3jährigen Kindern bekommt man dann noch ein paar Eurochen. Aber… das Kindergeld ist hier nur 100 euro…

  2. Richtig, du hast die Wahl – hier soll das Betreuungsgeld eher verschleiern, dass man es wohl nicht schaffen wird, den gesetzlichen Anspruch auf Betreuung von 1jährigen ab August 2013 zu realisieren. Dennoch kann ich mir einfach nicht vorstellen, dass jemand wegen der 150 Euro zu Hause bleiben würde, der das nicht sowieso vorhatte – und diejenigen würden es ja auch ohne die 150 Euro tun. Also ist das doch eigentlich mal wieder nur ein Wahlgeschenk und davon hatten wir doch schon so viele, von denen man dann nicht mehr runter kam…

    (Die Diskussion ist eh müßig und mir ist sie auch relativ egal, da ich sowieso nach einem Jahr wieder arbeiten war, einfach weil ich es WOLLTE. Dennoch muss aber auch gesagt werden, dass diejenigen, die nicht berufstätig sind, schon heute finanziell vom Staat „unterstützt“ werden – mit netten Einrichtungen wie kostenloser Familienversicherung und Ehegattensplitting. So ganz „umsonst“ ist das heute schon nicht mit der Kindererziehung daheim.)

    • „Ehegattensplitting“. Noch so eine schöne altmodische, deutsche Einrichtung. Warum fördert Deutschland Ehen? Nicht das Kinderhaben? (Denn das Eine hat mit dem Anderen heutzutage ja eher nichts mehr zu tun.)

      • So sieht’s auch – auch bei uns!

      • Verglichen mit der Situation vorher… ist es nur gerecht. Und ich finde es allemal weder ungerecht noch überholt.
        da wurde nämlich der Haushalt besteuert, gemeinsam veranlagt, wie man heute sagt, egal wie viele Leute dazugehörten. Heißt, zwei miteinander verheiratete Leute mit je 2000 Mark Einkommen wurden besteuert wie ein Alleinstehender mit 4000 Mark Einkommen. Und wenn einer 3000 und einer 1000 Mark verdiente, die wurden auch besteuert wie ein Alleinstehender mit 4000 Mark. Sie standen sich also deutlich schlechter als zwei Alleinstehende mit den jeweiligen Einkommen.
        Heute ist es so: zwei zusammen veranlagte Menschen, die je 2000 Euro verdienen, werden so besteuert wie zwei getrennt veranlagte Menschen, die je 2000 Euro verdienen. Da wird eigentlich „gesplittet“, aber man hat keinen Vorteil gegenüber Alleinstehenden.
        Wenn aber einer 3000 und einer 1000 Euro verdient dann wird zusammengerechnet und geteilt. Sprich, steuerlich werden sie so behandelt, als ob sie gleich viel verdienen würden. Und es nützt nicht nur denen, wo nur ein Verdiener im Haushalt existiert, sondern allen Familien, deren Verdiener verschieden viel verdienen. Es nützt allen Familien, wo ein Arbeitnehmer arbeitslos ist. Hat auch uns damals genützt, als meine Frau fünfmal soviel verdiente wie ich mit meinem Neben-dem-Studium-Job.
        Das ist nichts anderes, als Unternehmen auch zwischen ihren Filialen machen: die eine bringt Gewinn, die andere Verlust, und für die Steuer rechnet man das auf…
        Da, wo das System der Familienbesteuerung verbesserungswürdig ist, ist Frankreich vielleicht ein Vorbild:
        hier wird der Haushalt besteuert entsprechend der Zahl der „Anteile“. Dabei gibt es einen Anteil für den Haushalt, wie beim Kaffee der Löffel für die Kanne, und dann pro Erwachsenem, der zum Haushalt gehört, einen Anteil. Für Minderjährige gibt es einen halben Anteil. Und das System wird nicht nur auf die Einkommensteuer angewendet, sondern auch auf die kommunale Wohnungssteuer: die gleiche Wohnung wird für eine größere Familie niedriger besteuert als für einen Alleinstehenden.
        In Deutschland hat man heute die Wahl zwischen Kindergeld (184 Euro, glaube ich, pro Kind – in Frankreich erst ab dem 2. Kind, und dann auch nur 120 Euro für zwei Kinder, und bei mehr Kindern progressiv steigend) und dem Kinder-Steuerfreibetrag pro Kind. Der Steuerfreibetrag ist für große Familien dabei erst bei wirklichen Großverdienern interessant…

        Wie sieht das in Finnland mit der Besteuerung der Familien aus?

        • Das Steuersystem in Finnland ist denkbar einfach: jeder bezahlt Steuern je nach Einkommen. Wer viel verdient, hat einen höheren Steuersatz als jemand, der wenig verdient. Unabhängig davon, ob er verliebt, verlobt, verheiratet oder Elter ist.

          (Und das ist doch gerade das Problem beim Ehegattensplitting, dass es sich eben nur für Familien lohnt, deren Einkommen möglichst unterschiedlich hoch ist – also wenn die Frau möglichst Mutter und Hausfrau ist, während der Mann fett Kohle ranschafft. Überspitzt gesagt.)

          • Moment, da versteh ich nicht mehr als vorher, denn das ist in allen Ländern genauso, die ich kenne. Heißt das, ein Alleinstehender, der x Euro verdient, zahlt genausoviel Steuern wie eine Familie mit vier Kindern, die ein Gesamteinkommen von x Euro hat?

            Das Ehegattensplitting ist ja kein Geschenk. Es ist eine Steuergerechtigkeit, die m.M.n. grundsätzlich auf sämtliche Haushaltsmitglieder ausgeweitet werden sollte, ob nun Kinder oder Urgroßoma. Es ist nur normal, daß das Einkommen x, das nur eine Person ernähren muß, höher besteuert wird als das Einkommen x für sechs. Wenn ein Alleinstehender mit 3000 Euro soviel Steuern zahlt wie jeder von zwei Ehepartnern, die zusammen 6000 Euro verdienen, wo ist das Geschenk?
            Das Ehegattensplitting „lohnt“ sich auch nicht, es bringt lediglich Gleichberechtigung.
            Und wie gesagt, vorher – in den frühen Fünfzigern – wurde ein Haushalt immer nach dem Gesamtvolumen besteuert, das heißt, zwei Leute, die zusammen x verdienten, wurden besteuert wie ein Alleinstehender, der x verdiente. Wer heiratete, hatte also allen Grund, nur noch ein Einkommen zu behalten, weil das zweite voll in die Progression ging und beide zusammen wesentlich mehr Steuern zahlte als die Summe dessen, was sie vor der Ehe zahlten. DAS war eine Art, die Frau an den Herd zu treiben; das Splitting sagt im Gegenteil sogar aus: egal wer wieviel auf dem Lohnzettel stehen hat, beide werden behandelt, als verdienten sie gleich viel.

            • „Heißt das, ein Alleinstehender, der x Euro verdient, zahlt genausoviel Steuern wie eine Familie mit vier Kindern, die ein Gesamteinkommen von x Euro hat?“

              Genau so. Das finnische Steuersystem ist denkbar einfach – man kann auch kaum irgendetwas „von der Steuer absetzen“, es gibt keine Kinder- oder andere Freibeträge – und die Steuern sind hoch. Es gibt also keine indirekten finanziellen Vorteile für Familien – irgendwie müssen die direkten Vorteile, die man hier als Familie so hat, ja auch finanziert werden. Wir leben ja nicht im Schlaraffenland. :-)

  3. „warum soll ich nicht wenigstens ein bisschen für die Arbeit bezahlt werden, die sonst eine Kindergärtnerin oder Tagesmutter machen würde?“ hmm ok, versteh ich.
    bei mir kommen aber noch andere Gedanken dazu: wahl zwischen kita (und 100-300euro/monat kosten) oder 150 euro bekommen (und zusätzlich die Kitagebühren sparen)… ich vermute, dass eltern, die eh arbeiten wollen, das auch tun. allerdings gibt es genügend eltern die nicht arbeiten wollen. auch bei den ausländern. und deren Kinder tut es sicherlich gut in den Kindergarten zu gehn, vorallem was die dt-kenntnisse angeht, ich seh es an den Nachbarskindern. Sind jetzt in der Grundschule und können kaum dt.. oder Leute anfangen zu rechnen: 150 euro und keine kitagebühr, dafür geld vom staat (weil evtl arbeitslos), oder arbeiten und gebühren und kaum was übrig haben am monatsende…
    Generell bin ich gegen das Betreuungsgeld, lieber sollten Kitas etc bezuschusst werden.

  4. Ihr lebt wohl im Paradies?

    Das gab es in Deutschland auch schonmal: nämlich in der DDR. Ich will ja die Zeit damals nicht glorifizieren, aber der Punkt „Kinderbetreuung“ war sehr gut gelöst.

    Viele Grüße!

  5. hier ist es vor allem so, dass dieses geld dann vor allem an familien ginge, die für ihre kinder u.a. aufgrund der großen bildungsferne schon last genug sind; kinder, deren chancenlosigkeit im deutschen schulsystem allerhöchstens durch eine entsprechend intensive staatliche frühförderung (–> fremdbetreuung) etwas gemindert werden könnte. wird hier geld zugeschossen, wenn das kind zuhause bleibt, werden ganz wichtige chancen (für das betreffende einzelne kind, aber auch für die gesellschaft als ganzes, da die folgekosten für leute, die später keinen zugang zum qualifizierten arbeitsmarkt finden, für die gemeinschaft enorm sind…) vertan. außerdem wird einem ganz schlecht, wenn man das buch über frauenrechte und frauenbilder unserer fantastischen, großartigen, wunderbaren frau ministerin zum thema liest.

    • Also… die Behauptung, allein schon die Fremdbetreuung ab frühester Kindheit würde zu besseren Bildungsergebnissen führen, ist reine Polit-Lüge. Mal ganz abgesehen davon, daß Pädagogen und Pädopsychologen durchaus nicht befürworten, Kinder so früh systematisch fremdzubetreuen: in Frankreich ist Schule ab drei Jahren, immer mehr schon ab 2. Mit dem Ergebnis, daß unter den Abiturabsolventen (die es haben!) die Analphabetenquote bei 10% liegt, so hoch ist sie in Deutschland nicht unter der Gesamtbevölkerung. Und noch dazu vielen, vielen Schulversagern, speziell aus den Schichten, die du ansprichst – die aber ausnahmslos die Schule ab 3 Jahren besucht haben. Und zwar von morgens bis abends. Der Hund ist wohl doch woanders begraben…

      • Das glaube ich auch. Ich bin z.B. auch der Überzeugung, dass das gute Abschneiden der finnischen Schüler bei der Pisastudie eher wenig mit dem finnischen Schulsystem an sich zu tun hat…

        Aber dass man als Analphabet Abitur machen kann, das beeindruckt mich ja jetzt doch. ;-)

  6. für mich ist es die fehlende „wahlmöglichkeit“, die mich stört. man sollte wirklich die wahl haben. d.h. kinderbetreuung oder auch zu hause bleiben, und beides sollte leistbar sein (wir könnten uns das nämlich z.b. niemals leisten, dass nur einer von uns arbeitet – und das ohne luxusleben, sondern einfach mit normalen jobs mit normaler bezahlung). das ärgert mich.
    österreich ist nochmal anders als deutschland oder finnland oder… aber die frage bleibt doch überall: habe ich eine gleichberechtigte wahl als frau/mann oder nicht.
    alles liebe. maria

    • Ja, genau, die Wahlmöglichkeit in BEIDE Richtungen. Und deswegen finde ich ein Betreuungsgeld an sich nicht schlecht.

      Wenn aber für Betreuungsgeld UND ausreichend Kitaplätze kein Geld da ist, dann sollte man das Geld dann doch lieber erstmal in die Kitaplätze stecken – zumindest habe ich den Eindruck, dass es in Deutschland mehr Frauen gibt, die gern arbeiten würden, aber nicht können, weil sie für ihre Kinder keine Betreuung haben, als Frauen, die lieber ihre Kinder zu Hause betreuen würden, aber nicht können, weil sie es sich finanziell nicht leisten können.

  7. Pingback: 2012 « Suomalainen Päiväkirja

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