Suomalainen Päiväkirja

Live aus Turku

U-Bahn und Gänseblümchen

13 Kommentare

Den Ähämann zur Tagung bringen, oder: Ein Wochenende in Stockholm

Freitagabend fuhren wir mit dem Bus zum Hafen, bestiegen die Fähre, und waren Samstagfrüh mehr oder weniger ausgeschlafen da. Leichter kann eine Anreise nicht sein. Allerdings muss man dafür auch die aufgebrezelten und rollkofferziehenden „Kreuzfahrt“passagiere, die schon eine Stunde vor Abfahrt um den ersten Platz am Einlass zum Duty Free Shop und zur Karaokebar zum Schiff drängeln, in Kauf nehmen.

Der Samstag war lang, denn halb sieben (nach unserer inneren Uhr glücklicherweise halb acht) wurden wir schon an Land gesetzt. Wir verbrachten ihn mit Durch-die-Stadt-Laufen, U-Bahn-Fahren, Spielplatzbesuch, Essen und einem Besuch im Skansen. Die Sonne schien von früh bis spät.

Der Sonntag war nicht so lang, denn die Mäusekinder schliefen alle bis halb zehn (bzw. eigentlich bis halb elf). Nach einem ausgiebigen Frühstück und einer Runde Trampolin auf dem Hotelbett besuchten wir – denn es regnete in Strömen – alte, ergraute Tiere im Biologischen Museum. (Ich finde ja, man könnte die mal erneuern… und dass das Museum auf der Augustusburg viel schöner ist.)

Die üblichen Touristenplätze mieden wir diesmal. Mir war es sowieso schon überall zu voll, voller Menschen im Allgemeinen und voller deutscher Touristen im Speziellen.

Ich hätte auch überhaupt nirgends hingehen müssen, mit U-Bahn und Gänseblümchen allein wäre ich schon vollkommen glücklich gewesen. :-)

(Dem grossen Herrn Maus ging es ähnlich. Er erwachte am Sonntag gegen sechs, zog sich den Schlafsack aus und verkündete, er wolle jetzt U-Bahn fahren. Glücklicherweise liess er sich dann doch nochmal zu einer Runde Schlaf überreden. Vor dem U-Bahn-Fahren.)

Sehr gefallen haben mir die U-Bahn-Züge, die alle Namen haben (wir fuhren unter anderem mit „Julia“, „Carl Gustav“ und „Elsa“) und die Drahtseilbahnen Schrägaufzüge für Kinderwagen und Rollstühle neben den Rolltreppen. Ansonsten ist es mit der Kinderfreundlichkeit nicht weit her. Am Samstag suchten wir lange nach einem Café zum Frühstücken, an dem nicht schon an der Tür stand, dass Kinderwagen draussen zu lassen sind. Und überhaupt nimmt niemand auf Kinderwagen Rücksicht. Entweder man drängelt sich mit Kinderwagen rücksichtslos durch, oder man muss so lange warten, bis alle Leute weg sind. So viele Leute wie an dem einen Wochenende sind mir hier in fünf Jahren noch nicht vor den Kinderwagen gelatscht! Dafür habe ich ausgesprochen viele Mütter gesehen, die wie ich unterwegs waren: einen leeren Kinderwagen vor sich her schiebend, und das Baby vor dem Bauch tragend. (Die Schweden tragen allerdings ausnahmslos mit dem einheimischen Babybjörn. Ein Tragetuch oder eine ordentliche Trage habe ich kein einziges Mal gesehen.) Ansonsten war mir das alles auch ein bisschen zu viel Schickimicki. Babys in Stretchjeans finde ich einfach nur befremdlich, und unsere Kinder waren tatsächlich die einzigen mit MatschSandhosen auf dem Spielplatz!

Cafés ausserhalb der Touristenzonen sind leider genau wie in Finnland sonntags auch geschlossen. Das hatten wir nicht erwartet.

Die Mäusekinder sind – das freut uns sehr – allesamt richtige Reisekinder. Das Fräulein Maus war schon eine Woche vorher voller Vorfreude, der grosse Herr Maus kennt sich schon genauestens aus, wie es auf so einem Schiff zugeht, und der kleine Herr Maus schläft, wo immer Mama sich mit ihm hinlegt, wie ein Ratz.

So war auch die Rückfahrt mit den drei Mäusekindern allein – denn der Ähämann bleibt noch drei Tage lang da – kein Problem. (Sonntags gibt’s dann auch keine Kreuzfahrtpassagiere, dafür diesmal eine Busladung deutscher Rentner. Die war noch schlimmer.)

Und das Allerallerschönste an Ausflügen nach Stockholm ist immer, kurz vor der Ankunft in Turku zum Frühstücken ins Café zu gehen und gerade am Badehäuschen in Ruissalo vorbeizufahren. So wie damals, als wir hier ankamen. Mit dem gleichen Schiff. Mit drei Mäusekindern weniger.

13 Kommentare zu “U-Bahn und Gänseblümchen

  1. dass hier alle nur babybjörn haben, ist mir auch aufgefallen. dabei sollen die ja gar nich so dolle sein. aber schwedisch eben…
    ich bin auch jedes mal wieder froh, wenn ich aus der stadt rauskomme. sind mir auch zu viele leute ueberall.
    deutsche touristen begegnen einem weitaus weniger, wenn man nicht durch gamla stan läuft und pendeltåg, statt tunnelbana fährt.
    aber dass cafes sonntags zu sind, ist mir neu. eigentlich hat alles immer offen.
    lg eni

    • Gamla stan geht sowieso überhaupt nur, wenn man gleich von der Fähre aus hingeht. So bis um neun früh ist es da erträglich. Aber diesmal haben wir uns das auch geschenkt… und wegen der Cafés haben wir vielleicht auch einfach nur die falsche Gegend (also zu weit abgelegen) erwischt.

      Und nee, Babybjörn is nich so dolle – fürs Baby nicht, weil der Steg zwischen den Beinen zu schmal ist und wahrscheinlich drückt (aber ich bin da nicht so radikal wie manche andere Mütter – ich denke immer, vielleicht mag ein Baby ja immer noch lieber im Babybjörn getragen werden als gar nicht), und für den Tragenden wahrscheinlich auch nicht. Ohne ordentlichen Beckengurt hätte ich die 8 kg Lebendgewicht jetzt nicht zwei Tage lang nahezu ununterbrochen (bis auf die wenigen Schlafpausen im Kinderwagen) durch die Gegend schleppen können…

  2. Du hast das bestimmt schonmal irgendwo erwähnt, aber ich weiß nicht, wo anfangen mit der Suche. Deswegen: Was für eine Trage benutzt du?

    • Einen Ergo Baby Carrier. Ich hätte damals die Wahl zwischen Ergo Baby Carrier und Manduca gehabt (die sich nicht viel nehmen und beide gut sind) und habe mich eigentlich nur wegen der kleinen Tasche (für Taschentuch, Bankkarte und Schlüssel ;-) oder so) vorn drauf für den Ergo entschieden. :-)

      Der Neugeboreneneinsatz beim Ergo ist grosser Mist, da soll das Manduca-System ein bisschen besser sein, aber ich glaube, für so ganz Kleine geht wirklich nur ein Tragetuch (oder eine Trage, die speziell für so Kleine gemacht ist).
      Dafür kann man beide sehr lange benutzen. Ich dachte, das bräuchte ich nie – aber hin und wieder wird sogar das fünfjährige Fräulein Maus noch darin getragen, und ich finde das sehr bequem.

      Ausserdem haben wir noch für Bergwanderungen so eine Kraxe. Die ist prima für den Winter, wenn das Kind sehr dick angezogen ist, und auch, wenn das Kind so mit einem Jahr ungefähr nicht mehr vorm Bauch getragen wird, aber im Ergo noch nicht über Mamas oder Papas Schultern gucken kann. Unsere waren jedenfalls dann in der Kraxe immer zufriedener. (Die ist allerdings für sowohl den Getragenen als auch den Tragenden nicht so bequem und geht natürlich erst für Kinder, die schon allein sitzen können.)

      Hat dir das ein bisschen geholfen?

      • Ja, vielen Dank. Und herzliche Grüße aus Süddeutschland.
        Meinst du mit der Kraxe soetwas wie von VauDe? Das hatten meine Eltern, damals, als meine Geschwister und ich noch klein waren, hat 4 Kinder überlebt (inklusive der Bespielung durch die Älterne, die sich auch gerne auf dem Boden reingesetzt haben, nachdem sie schon viel zu schwer waren um getragen zu werden). (Beim Blick auf die Homepage stelle ich fest: die sehen heute alle ganz anders aus…).

  3. „Mit drei Mäusekindern weniger.“ Was man sich kaum vorstellen kann… ;)
    Und: Deutsche Rentner sind wirklich Folter.

  4. Wie kam es denn dazu, dass der große Herr Maus reiten war? Waren alle Kinder reiten? Und wie gefällt ihnen reiten?

    • Im Skansen konnte man auch eine Runde Ponyreiten. Das machen doch alle Kinder gern. (Oder nicht?)

      • Also die „Kinderunfreundlichkeit“ bzw. die Probleme mit dem Kinderwagenfahren können eigentlich nur an der Unmenge an (unwissenden) Touristen in der Innenstadt gelegen haben … und an der U-Bahn. Ansonsten sind hier nämlich eigentlich alle immer super-rücksichtvoll und hilfsbereit. Allerdings war ich bisher noch nicht in Finnland, villeicht lässt sich das ja auch noch steigern … ;O)

  5. An diese Fährfahrten kann ich mich sehr gut erinnern. Als ich in Turku gelebt habe, habe ich das einmal im Monat gemacht. Einmal sogar ganz ohne Landgang ;-) Aber mit Kindern ändern sich auch die Perspektiven.
    In Stockholm hätte ich keine Bedenken meinen Kinderwagen draußen stehen zu lassen, wenn das Café z.B. nicht besonders groß ist. In Berlin wäre der sofort weg.

    • Ich hätte auch keine Bedenken gehabt, den Kinderwagen draussen stehen zu lassen. (Machen hier ja auch alle so, und unsere Kinder haben als Baby auch alle ihre Tagsüberschläfchen draussen im Kinderwagen gehalten.) Aber es ging um den Kinderwagen mit Baby drin, das jede Minute aufwachen kann (oder schon wach war), und das fand ich irgendwie doch doof, dass da kein Weg reinging, den Kinderwagen mit reinzunehmen.

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