Suomalainen Päiväkirja

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Schule?

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Ich erschrecke jedes Mal, wenn ich über ein Kind von Freunden oder das eine oder andere Bloggerkind, das genauso alt ist wie das Mäusemädchen oder gar ein paar Monate jünger, höre: „Nächstes Jahr fängt für ihn / sie ja dann schon die Schule an.“ Schule? Das ist hier noch ganz weit weg.

Nicht, dass das Mäusemädchen nicht gern jetzt schon in die Schule gehen würde. Seit dem Sommer liegt sie uns damit in den Ohren, dass sie auch bald in die Schule will. Und ich kann sie ja verstehen. Ich konnte es seinerzeit auch nicht erwarten, bis ich endlich in die Schule gehen durfte. Ich weiss noch, wie ich vor Stolz zehn Zentimeter gewachsen bin, als ich als Vorschulkind zum Turntraining in die Schule gebracht wurde und auf dem Gang von einer Hortnerin gefragt wurde: „Du bist nicht zufällig in der 1a?“ Noch dazu gingen alle meine Freunde aus der Nachbarschaft schon ein Jahr vor mir – weil sie auch alle ein Jahr älter waren – in die Schule. Am Anfang stand ich früh am Fenster und schaute ihnen sehnsüchtig hinterher, wie sie mit Ranzen auf dem Rücken in kleinen Grüppchen in die Schule marschierten. Aber ich war dann, soweit ich mich erinnern kann, trotzdem im letzten Jahr vor der Schule nicht komplett unausgelastet und unglücklich, und im Nachhinein betrachtet bin ich froh, dass ich erst mit sieben in der Schule anfangen musste. Ich hatte noch ein Jahr unbeschwerte Kindheit ohne Stress und Terminplan, und manche Dinge hätte ich ein Jahr früher vielleicht nicht einfach so weggesteckt. (Diese kurzen Wochenenden, weil wir ja samstags Schule hatten, waren z.B. furchtbar. Und dass mich plötzlich viele, mit denen ich vorher gut Freund war, für einen Streber hielten – der ich wirklich nicht war, ich konnte das nur einfach alles gleich, ohne grosse Anstrengung – das tat weh. Das weiss ich noch ganz genau.)

Das Mäusemädchen wird auch erst mit fast siebeneinhalb in die Schule kommen, im August 2013. Hier gibt es keinen Stichtag – schon gar keinen, der von Bundesland zu Bundesland variiert, so ein Blödsinn! – sondern alle Kinder kommen in dem Kalenderjahr in die Schule, in dem sie sieben werden. Allerdings gibt es im Jahr vor der Schule Vorschule. Das kann man seinem schulsehnsüchtigen Kind schon als „Fast-Schule“ verkaufen – und viele Kinder lernen auch tatsächlich dort schon Lesen und Schreiben – aber die Vorschule findet für gewöhnlich im Kindergarten statt und auch eher nach Kindergartenkonzept.

Ich verstehe beim besten Willen nicht, warum Kinder mit fünf, sechs Jahren in die Schule geschickt werden müssen, nur um dann dort nach den zahlreichsten, durchaus auch fragwürdigen Methoden „sanft an den Unterrichtsstoff herangeführt zu werden“ und noch nicht mal benotet zu werden, weil sie dafür ja einfach noch zu klein sind. Drill und Druck kann man bestimmt auch anders vermeiden. Ich kann vollkommen verstehen, wenn sich ein Kind, das nicht doof ist, das was lernen will, und das sich auf die Schule freut, dass sich so ein Kind verklapst fühlt. Hätte ich mich jedenfalls auch, damals als stolzer Schulanfänger.

Ich bin froh, dass das Mäusemädchen erst ein Jahr später mit der Schule anfangen wird als sie es in Deutschland müsste. Nicht zuletzt deswegen, weil wir so noch ein Jahr länger Urlaub und langes Wochenende machen können, wann wir wollen. :-)

23 Kommentare zu “Schule?

  1. Ich bin grad am Überlegen. Ich wurde ’92 eingeschult, im April wurde ich sechs, im August/September kam ich dann in die Schule.

    Der Zeitpunkt war wohl ganz gut, ich hatte keine größeren Probleme. Später hätte es nicht sein dürfen, ich wollte nämlich unbedingt lesen lernen und war nach den ersten sechs Wochen Unterricht das heulende Elend, weil ich ja immer noch nicht lesen konnte. Da konnte ich wahrscheinlich noch keine fünf Buchstaben.

    Für mich ist immer noch sechs Jahre das Einschulalter, aber ich glaube, da muss man einfach auf jedes Kind gesondert eingehen und gucken, wann es am besten klappt.

  2. Ich erinnere mich noch ganz klar an den Einschulungstest – ich war recht schmächtig für meine sechs Jahre und der Arzt (war das ein Arzt? Er hatte einen weißen Kittel an, damals für mich also ganz klar ein Arzt) überlegte, mich erst mit sieben Jahren in die Schule zu lassen.
    Er muss mir wohl meine Verzweiflung angesehen haben und ließ mich auf Drängen meiner Mutter dann schon für den nächsten Einschulungstermin zu. Meine Mutter wusste, wie sehr ich den Kindergarten hasste, da ich überhaupt nicht mit den anderen Kindern zurecht kam und sie nicht mit mir.

    Für mich war es eine Erlösung, in der Schule andere Kinder kennen zu lernen und Freunde zu finden. Aber vielleicht hätte ein anderer Kindergarten oder auch nur eine andere Gruppe den Trick auch getan.

    Hier in Frankreich fängt die „Schule“ für die meisten Kinder schon mit drei Jahren an. Bis zur richtigen, verpflichtenden Schule mit 6 Jahren wird dann schon der Umgang mit Buchstaben und Sprache geübt. Wie gut ich das finde, werde ich wohl erst beurteilen können, wenn ich eigene Kinder habe (aber vielleicht wird es für die auch eher ein Montessori-Kindergarten). Bisher hatte ich das Gefühl, dass die Kinder hier ganz schön gefordert und weniger gefördert werden.

    Was ich unglaublich schade finde, ist, dass es hier keine Schultüte oder ähnliche Traditionen zur Einschulung gibt. Wie ist das in Finnland?

    • Das ist hier leider ganz genauso – keine Zuckertüte, keine Feier, nichts. Aber eins sag‘ ich dir – die Mäusekinder werden alle eine Zuckertüte bekommen, und ein Fest, und wenn irgend möglich, auch einen Zuckertütenbaum! (Vielleicht sollten wir bei der Wohnungssuche auch DARAUF noch achten… ;-) )

      Nur ist es eben doch ein Unterschied, ob das nur in UNSERER Familie so gefeiert wird, oder ob alle anderen Schulanfänger das ähnlich erleben. Aber das ist schon wieder ein ganz anderes Thema, über das ich auch schon lange mal was schreiben wollte…

  3. Hier gehen die Kinder ab zweieinhalb in die(Vor) schule
    saskia ist jetzt in der dritten Klasse der „ecole maternelle.Mit sechs ist dann die Grundschule dran hier in belgien.

    • Naja, das ist ja vermutlich eher eine Bezeichnungsfrage. Gibt es ja auch in anderen Sprachen, pre-school oder materská škola fallen mir da spontan ein, die auch das Wort „Schule“ benutzen, aber doch eher einen Kindergarten im deutschen Sinn meinen. Während in der Schweiz ja als Kindergarten offensichtlich das bezeichnet wird, was hier die Vorschule ist…

      Vielleicht sollte ich statt Schule also eher Schulpflicht sagen. ;-)

  4. Als wir hier her kamen, hatte ich das Gefühl, dass die Vorschulkinder schon so viel mehr konnten als Mathilda in Deutschland gelernt hatte. Die kannten die Buchstaben und konnten schon lesen. Das war dann für sie in der Schule wirklich schwierig, mit dem Lesenlernen hinterherzukommen (abgesehen von Sprachproblemen und dass da Mitschüler gern mal 11 Monate älter sind).
    Ich vergleich es eigentlich mit Deutschland, wo die Mehrheit mit 6 in die Schule kommt und langsam herangeführt wird. Und dann gehts für alle mit 7 Jahren richtig los.
    Aber fünfjährig in die Schule verstehe ich auch nicht. Vorallem müssen die Armen später so viele Jahre arbeiten, eh es Rente gibt…
    Wenn das Mäusemädchen in die Deutschklasse geht, bekommt sie übrigens eine kleine Schultüte;)

  5. Bei uns in Portugal ist es das Jahr in dem sie 6 werden, für Freund Blase also 2012. Er kommt dann mit 5 zur Schule und ist einer der jüngsten. Meine Mädels (Februar/Märzkinder) sind dagegen immer mit die ältesten in Krippe/Kiindergarten/Schule. Am Ende ist es aber egal… So einen Stichtag mitten im Jahr finde ich auch eher bekloppt.

  6. Ich habe bei uns etwas den Verdacht, dass der Unterschied zwischen den Schülern eben immer größer wird je später sie in die Schule kommen. So gesehen fände ich so ein Kindergarten/Vorschul-Jahr wie zum Beispiel in der Schweiz auch nicht schlecht. Oder eben ein letztes Kindergartenjahr mit einer gewissen Anwesenheitspflicht oder so.

    Wenn ich das mit der Pflicht natürlich auch saublöd finde, also so ganz privat und egoistisch. Wir kämpfen jetzt ja auch immer damit, dass wir Schulferien und Semesterferien irgendwie unter einen Hut bringen müssen – was ja zum Beispiel an Ostern dieses Jahr nicht klappt. Das war das ohne Schule schon viel angenehmer. Daher geniest die Zeit noch!

    • So eine „gewisse Anwesenheitspflicht“ gibt es hier in der Vorschule auch. (Und obwohl die Vorschule noch nicht unter die Schulpflicht fällt, gehen trotzdem alle Kinder hin.)

      Ich las mal einen Artikel über das Vorschuljahr, in dem genau das beschrieben wurde, was du ansprichst: die Unterschiede zwischen den Vorschülern sollen eben in dem Jahr genau kleiner werden, so dass dann in der Schule alle gemeinsam richtig loslegen können.

  7. Mir wurde mal erklärt dass die Franzosen ihre Kinder schon so früh in die Schule schicken weil die französische Sprache viel komplizierter ist zu erlernen. Anders die finnische Sprache, wo alle Buchstaben so ausgesprochen werden wie sie geschrieben werden (oder jedenfalls jedesmal gleich nach dem selben Prinzip) und somit braucht man nicht so viele „Vorbereitungsjahre“.

    Prima ist an der Schule in Finnland auch dass es dort ein Gratis Mittagessen gibt, und auch Hefte, Stifte und andere Lehrmittel (auch Bücher) sind gratis.
    Und auch keinen Stress mit Heften, ein Heft ist hier einfach ein Heft (DIN A 5, mit grossen Karos) und darin wird gerechnet und geschrieben, nicht wie in D wo man am Anfang des Schuljahrs 25 verschieden Hefte kaufen muss mit exacten Listen darüber was welcher Lehrer möchte. Sehr stressfrei! :-)

    • Ich find es auch sehr angenehm als Lehrer, wenn man die Materialien nur aus dem Lager holen braucht, für jeden genügend da ist. Leider hat es nur auch den Nachteil, dass die Kinder dadurch nicht lernen, achtsam mit den Dingen umzugehen. Die gibts ja immer nach, wenn man was verbummelt oder was kaputt macht. Und wenn ma dann als Lehrer mal was persönliches mitbringt oder ausleiht, wird damit rumgespielt, bis es unbrauchbar ist. Ohne Entschuldigung oder Schamgefühl. Und das ist dann schade.

  8. Ich wurde mit 6 eingeschult und fand das damals völlig okay – auch rückwirkend finde ich 6 ein gutes Alter. 5 finde ich hingegen irgendwie grenzwertig, ich finde, so beschneidet man irgendwie einen wichtigen Teil der Unbeschwertheit des jeweiligen Kindes. Ein bisschen „regellos“ die Kindheit genießen kann einem kleinen Menschen doch nicht schaden.

  9. Wenn ein Kindergarten den Kindern eine gewisse Auslastung bringt, finde ich es wunderbar, die Kinder dort zu lassen, bis sie wirklich „reif“ sind. In unserem ehemaligen Kiga, wo meine Kinder bis zur Einschulung der Großen war, waren sie aber alles andere als ausgelastet. Insofern war Schule, auch mit noch 5 das einzig Wahre. Und da das Töchterchen nun schon den Deutschstoff der ersten Klasse hinter sich hat und nun mit dem Stoff der zweiten anfangen wird trotz erheblicher Konzentrationsschwierigkeiten, zeigt, daß das Niveau nicht soo hoch sein kann.
    Nun habe ich einen Sohn, der soeben 4 geworden, intuitiv besser rechnen und abtrakt denken kann als seine Schwester, der Sprachspiele macht, die mich teilweise fordern, alle Buchstaben kann, obwohl sie ihn nicht wirklich interessieren…und frage mich, ob es gut ist, wenn dieser nun noch 2 1/2 Jahre im Kiga bleibt um danach „ganz schonend“ an die Buchstaben und Zahlen herangeführt zu werden.
    Angeblich gibt es dann in Klasse 3 plötzlich Leistungsdruck und Nachhilfeboom…
    Dann doch lieber in der ersten Klasse einigermaßen zügig anfangen und dann nicht plötzlich solche Sprünge machen.

    Aber ganz im Ernst: eine Kindheit a la Bullerbü scheint es hier nicht mehr zu geben und ich behaupte zumindest bis zur 5. Klasse doch eine sehr freie Kindheit gehabt zu haben. Schade das !

    • Das scheint mir ja eben genau der springende Punkt zu sein: Warum sollen Kinder denn so zeitig mit der Schule anfangen, zwei Jahre Schonzeit haben und dann plötzlich Leistungsdruck erleben? Dann doch lieber Vorschule, und Schule von Anfang an „richtig“.

  10. Das mit dem „schonenden Heranführen“ an Buchstaben und Zahlen fand ich damals als Kind auch furchtbar frustrierend. Lesen Schreiben konnte ich schon im Kindergarten mehr oder weniger, und am Tag der Einschulung lernte ich noch schnell und voller Aufregung und Vorfreude die Zahlen der Wanduhr in unserer Küche… um dann in der Schule feststellen zu müssen, dass in den ersten Wochen nur stupide Zickzack- und Wellenlinien auf idiotensicheres Riesenlinienpapier gezeichnet und gaaanz vorsichtig mit Plüschzahlen gespielt und Zahlenlernliedchen geträllert werden durfte. In der Klasse gab es sogar eine Kuschelecke, in die man sich zurückziehen konnte, wenn man den Unterricht zu schwer fand (!!), und im Kunstunterricht bekam man u.a. gesagt, dass weisse Punkte auf schwarzem Grund kein Nachthimmel seien, weil „richtige“ Sterne gelb zu sein und fünf Zacken zu haben hatten, und dass man keine Licht- und Schattenreflexe malen dürfe, weil die anderen Kinder das ja auch nicht könnten und das für sie ungerecht wäre… Noch dazu gab es in der Klasse drei Jungs, die gern nach der Schule „Streber“ oder „Weiber“ verprügelten und/oder ihnen die Schulranzen ausleerten und Hefte zerrissen, aber gegen die trotz Elterngesprächen niemand etwas ausrichten konnte oder wollte…
    Hoffentlich ist das in Finnland anders! :)

  11. Ich finde es auch sehr eigenartig das in Deutschland Kinder zusammen in die Klasse kommen die bis zu 2 Jahre auseinander sind. Also in feste Klassenverbände. Auch das jedes Bundesland sein eigenens Süppchen kocht…unmöglich. Naja, die Kindergärten müssen Platz schaffen seit es diese neue Elternzeit gibt.

    Moritz lernt übrigens in einer gemischten Gruppe. 1-4. Klasse. Bisher profitiert er nur davon. :-) Natürlich gibt es auch die Pflichtfächer im Klassenverband also nur die 1. Vor allem geht er wahnsinnig gerne. Moritz hat sich nie für Lesen, Schreiben und Rechnen im Kindergarten sooo interessiert. Da kann keine Langeweile aufkommen.

    Ich erinnere mich auch noch an Schule am Samstag, das muss keiner haben :-).

  12. Ich denke, dass man das einfach nicht pauschalisieren kann. Meine werte Frau Mama hat 37 Jahre lang die 1-4 unterrichtet. Anfangs waren alle 6, höchstens ein paar „zurüchgestellte“ mal 7 Jahre alt. Mittlerweile gibt es in Bayern „Kann-Kinder“, die auch schon mit 5 eingeschult werden, wenn das Kind im Test geeignet erscheint. (Der Test ist meist ein „Schulspiel“ _ heiißtn wirklich so-, bei dem Kindergärtner und Grundschullehrerinnen und einige Kinder gemeinsam für ein bis zwei Vormittage „Schule spielen“). Meine Mam meint, mit Kann-Kindern fast immer nur die allerbesten Erfahrungen gemacht zu haben. Da die Kinder sowieso die ersten beiden Jahre und dann auch die 3-4 in altersgemischten Gruppen jahrgangsübergreifend unterrichtet werden (staatliche Dorfgrundschule in den Bergen!), sind Alters- und Entwickungsunterschiede sogar sehr erwünscht. Es scheint gut zu funktionieren. Jedes Mäuslein ist einfach anders als das nächste und das Kalenderalter ist da nur eine Variable unter vielen.

  13. hallo in den Osten :).
    Hier in Norwegen kommen die Kinder in dem Jahr in die Schule wo sie 6 werden, also ungünstigstenfalls sind sie 5 1/2. Vor ein paar Jahren war es noch ein Jahr später, also so wie in Finnland. Untersuchungen haben jetzt ergeben, dass es überhaupt nichts geholfen hat, alle haben mit 18 dann den gleichen Stand, ob nun ein Jahr länger in der Schule oder nicht.
    Werden sehen wie´s läuft ;)
    viele Gruesse
    Franzi

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