Suomalainen Päiväkirja

Live aus Turku

Neuerdings nachtaktiv

4 Kommentare

Das hat man nun davon, wenn man nicht mehr mit Tieren forscht, die mehr oder weniger rund um die Uhr herumrennen, sondern mit Tieren, die nachtaktiv sind. Wenn man nicht nur wissen will, wo die den Tag so verschlafen, muss man selbst nachts raus.

Solange wir noch auf Geld für das Fuchsprojekt warten, helfe ich ja hauptsächlich der Doktorandin, die nicht nur Füchse, sondern auch Dachse, Marderhunde und Katzen im Stadtgebiet erforscht. Und so laufe ich jetzt ein paar Nächte Abende die Woche mit Antenne hinter Dachsen her.

Ich hasse es: abends nochmal loszugehen. Das kostet so viel Überwindung. Erst recht, wenn man vorher noch selbst die Kinder ins Bett gebracht hat. Und sich dann warm anziehen muss und raus in die Nacht. Brrr.

Nur: wenn ich dann einmal draussen bin, dann ist es toll!

Vor allem jetzt, wenn es eine ganze Stunde nach Sonnenuntergang noch leidlich hell ist und dann der Mond scheint. Und gestern, als ich auf der grossen Insel aus dem Auto ausstieg, wurde ich von einem Chor Vögel empfangen, der furchtbar laut und wunderschön sein Abendlied sang, und später sah ich zwei Rehe, eine Fledermaus, nur meinen Dachs nicht. Den hörte ich nur. Erst durchs alte Laub rascheln, und dann nur noch das Piepen seines Halsbandsenders auf meinem Empfänger. Und schnell war der! Ich hatte mir vorgestellt, der würde so ein bisschen herumstreifen, hier mal gucken und da was essen, aber der hatte es eilig, als ob er ein festes Ziel hätte! Da hat es dann richtig Spass gemacht, ihn zu verfolgen. Am Ende ist er mir davongerannt. Solange ich das Gebiet nicht wirklich gut kenne und solange es noch stockfinster wird nachts, muss ich mich an Wege und Pfade halten, um nicht plötzlich vor einer Felswand oder einem Moor festzustecken, und auch, um genau zu wissen, wo auf der Karte ich mich befinde. Denn wenn ich dem Dachs hinterherrenne, aber seinen Weg nicht auf der Karte festhalten kann, dann haben wir auch nichts davon.

Schön ist auch, sich hinterher ins Auto zu setzen, die Musik ganz laut zu drehen, das Fernlicht anzuschalten und über autoleere Strassen heimzufahren. (Dass in der Stadt dann immer noch 35 Ampeln an sind und alle rot, weil sowas wie Grüne Welle in Finnland unbekannt ist, davon reden wir jetzt mal nicht.)
Das ist noch genauso schön wie vor zehn Jahren im blauen Lada nach dem abendlichen Fallenkontrollieren in den Mäusegehegen in Konnevesi.

4 Kommentare zu “Neuerdings nachtaktiv

  1. Da wäre doch ein GPS-Gerät mit Wegaufzeichnung eigentlich genau angebracht… dann könntest du den Weg zuhause bequem am Computer auslesen und in die Karte eintragen lassen.

    • Nee, das nützt leider nichts. Dann weiss ich zwar hinterher, wo ICH langgelaufen bin, aber nicht, wo mein Dachs. Denn wo genau der langgeht, weiss ich erstens meist gar nicht so genau, und zweitens könnte ich ihm dort in den meisten Fällen sowieso nicht folgen. Ich halte mich also grösstenteils an Wege und Pfade (oder zumindest halbwegs übersichtliches Gelände), und die Position des zu verfolgenden Tieres wird alle Viertelstunde trianguliert.

      • Tja, und leider läßt sich der Dachs nicht überreden, so ein GPS-Teil mit sich rumzuschleppen und jeden Abend für zwei Stunden zum Laden an die Steckdose zu hängen…

        Schade. Wär so viel einfacher.

        Triangulieren – das ist im Prinzip das, was das GPS-Gerät auch macht, nur mit irdischen Positionspunkten? Wie die Männer in orange an der Straße manchmal?

        • Es gibt ja so GPS-Halsbandsender, nur sind die leider sehr, sehr teuer. Die kann man sich nicht wirklich leisten, wenn man viele Tiere verfolgen will. Aber wenn wir Geld für das Fuchsprojekt bekommen, dann bin ich sehr dafür, dass wir welche kaufen – denn soooo viele Füchse bekommen wir sowieso nicht zusammen, und die GPS-Sender wären schon echt eine grosse Erleichterung (und auf zusätzliche Feldassistenten kann man auch verzichten).

          Ja, das Triangulieren geht so ähnlich wie die orangen Männer das machen. (Ich muss jetzt grade an „Wir können auch anders denken“…) Ich gucke zu einer bestimmten Uhrzeit, aus welcher Richtung das Signal kommt, dann zeichne ich das als Linie in die Karte ein, dann renne ich schnell 100 m oder so weiter, gucke wieder, woher das Signal kommt, zeichne eine zweite Linie, und wo sich die beiden Linien treffen, da ungefähr sollte der Dachs sein. :-)

          (Die Sache ist eben nur, dass es nicht reicht, alle Viertelstunde diePosition zu bestimmen, denn so ein Dachs ist wirklich schnell, und wenn man nicht dranbleibt, dann kann er ganz schnell samt Signal verschwunden sein.)

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