Suomalainen Päiväkirja

Live aus Turku


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Privatlehrer

Auf den Tag habe ich gewartet, seit ich ein Kind in einem fremden Land mit einer fremden Sprache in die Welt gesetzt habe. Heute also.

Mäusemädchens… äh… Haargummiband (?)… ist weg“, versuche ich beim Abholen aus dem Kindergarten zu erklären. „Aber Mama!“, sagt das Mäusemädchen empört, „Haargummi heisst auf finnisch doch pompula!“

Danke, Kind! Wieder was gelernt! :-)


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1 ¾

(Eine Woche zu spät.)

Das Mäuseknäbchen ist gross, so gross! :-)

Er trägt mindestens Grösse 86, und alle Sachen, denen das Mäusemädchen entwachsen ist, kommen gar nicht erst in die Klamottenkiste, sondern gleich in Mäuseknäbchens Schubladen. (Kleider und Röcke natürlich nicht! ;-) )

Er spricht. Noch ein bisschen undeutlich, aber viel. Wenn er „Sätze“ (die immerhin schon bis zu drei Worte haben) oder zusammengesetzte Worte spricht, dann betont er jedes Wort einzeln. „NEE-PFUG!“ (Schneepflug) sagt er zum Beispiel, oder „AF-SACK AUS-ZIEHN!“ (Schlafsack auszieh’n!), oder „NOCH-MAL!“, wenn ihm was gefällt. Er beherrscht auch ungewöhnliche Worte wie z.B. „KOPF-TAND!“ (Kopfstand – den er dann gerne „NOCH-MAL!“ und „NOCH-MAL!“ machen möchte).

Er mag immer noch am liebsten Mama zum Kuscheln und Trösten, aber sonst ist er ganz und gar auf die grosse Schwester fixiert. Die führt ihn früh an der Hand in seinen Gruppenraum im Kindergarten, und wenn ich ihn abhole und das Mäusemädchen nicht dabei ist (weil sie vielleicht mit ihrer Gruppe schon draussen ist), dann kommt gleich nach dem freudigen „MAMA!“ die Frage nach dem Mäusemädchen. Wenn beide schon draussen sind, wenn ich sie abhole, dann spielen sie für gewöhnlich zusammen. Oft gemeinsam mit Mäusemädchens grossen Freunden, aber zusammen eben.

Mittagsschlaf wird langsam schwierig. Während das Mäusemädchen quasi bis zur Abschaffung ihres Mittagsschlafs innerhalb von maximal zehn Minuten eingeschlafen war, kann das beim Mäuseknäbchen bis zu 40 Minuten dauern. Oder auch mal gar nicht gehen. Im Urlaub habe ich ihn zum ersten Mal wieder aufstehen lassen, ohne dass er geschlafen hatte – woraufhin er dann gegen fünf beim Bilderbuchangucken einfach eingenickt ist. Normalerweise schläft er eine reichliche Stunde, kommt aber auch mal mit nur 20 Minuten aus.

Abends geht er 20 Uhr (nach dem „DAND-MANN!“, den wir neuerdings übers Internet gucken) gemeinsam mit der grossen Schwester ins Bett, schläft meist sofort ein, schläft meist durch (nur manchmal möchte er zu Mama ins Bett umziehen) und wacht meist gegen sieben auf. Erholsam, finde ich, auch wenn ich am Wochenende auch gern mal ein bisschen länger schlafen würde.

Essen und Trinken geht schon gut allein, auch aus normalen Gläsern und Tassen und auch mit Gabel. Nur ein bisschen Hilfe beim „BISEN!“ (Aufspiessen) braucht er manchmal noch. Ausser Butterbrot und Honigbrot geht mittlerweile auch Brot mit Brie. Puuro ist für Babys und geht gar nicht mehr. Mittags isst er immer noch am liebsten Nudeln.

Er spielt am liebsten mit der grossen Schwester. Am zweitliebsten kocht er. Gleich nach dem Aufstehen oder dem Heimgehen führt ihn sein erster Weg in die Küche zum Topfschrank, der zweite ins Kinderzimmer zur Bauklötzchenkiste, und der dritte zu Mama, einen „GOCH-LÖFFEL!“ erbitten. Dann werden Bauklötzchen gerührt und vom Topf in die Pfanne und zurück geschichtet und Deckel angehoben und wieder draufgetan. Seine drittliebste Beschäftigung ist „GATZE GUCKEN!“ . Seine viertliebste Beschäftigung ist saubermachen. Nicht so gern mit dem Kinderbesen, aber sehr gern mit dem Akkustaubsauger. Nachdem Papa den letztens ausser Reichweite gebracht hatte, hat es das Mäuseknäbchen geschafft, sich unseren neuen, sauschweren Staubsauger aus dem Flurschrank zu heben. „SAUBA-MACHEN!“
Ausserdem spielt er gerne mit Steckerlen und mit der Holzeisenbahn, will puzzeln und malen und Bücher vorgelesen bekommen. Wie die grosse Schwester auch. :-)

Er interessiert sich für Hunde, Müllcontainer und „DONG-MISCHER!“ (Betonmischer). Er zieht seinen Schlitten gern selbst und will sowieso am liebsten immer „BAFEN!“ (laufen). Kälte mag er nicht so. ;-) Er ist sehr ordentlich (Türen, die normalerweise geschlossen sind, macht er unbedingt zu, wenn sie doch mal offenstehen) und höflich (wenn man ihm was gibt, sagt er „DANG-KE!“). Nur wenn wir nicht verstehen, was er möchte (oder nicht verstehen wollen ;-) ), dann gibt es grosses „NEE! NEE!“-Gebrüll und Sich-auf-den-Boden-Werfen und Geheul.

Vermutlich ist es aber auch nicht einfach, 1 ¾ zu sein.


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Impressionen aus Lappland

Eigentlich wäre unser alljährlicher Lappland-Winterurlaub dieses Jahr gar nicht nötig gewesen. Schnee und Frost haben wir ja dieses Jahr auch hier bei uns „im Süden“ ausreichend. Aber in Lappland ist es eben doch nochmal ein ganzes Stück schöner.

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Eigentlich

Eigentlich hatte ich ja die Schnauze voll von Wissenschaft und Uni und so. Eigentlich wollte ich ja zur Abwechslung gern mal was „Richtiges“ machen. Deswegen bin ich ja im Moment eigentlich auch arbeitslos. Das heisst, eigentlich mache ich ja einen Kurs. Also, eigentlich mache ich ja gerade am Biologischen Museum ein Praktikum, das zu diesem Kurs gehört.

„Was hast du dir denn so vorgestellt?“, fragt mich Pekka, als ich zum Vorstellungsgespräch ins Museum komme, und redet gleich weiter: „Ich dachte ja, du könntest irgendein selbstständiges Forschungsprojekt machen, irgendwas im Stadtgebiet, was dir einfällt.“ Mir fallen spontan die finnischen Igel ein, die bei Gefahr wegrennen, statt sich einzurollen. Oder die Flughörnchen, die es hier überall gibt. Oder diese überall hinscheissenden Hunde. „Frag doch mal den Timo aus der Uni, der hat ständig irgendwelche Projekte am laufen, der weiss bestimmt was für dich.“

Den Timo? Den frag ich gern! (Eigentlich wollte ich den schon seit ungefähr einem Jahr fragen, ob ich nicht mit ihm irgendwas planen könnte. Der macht eher so angewandte Sachen. Und der ist um Welten netter als mein etwas… äh… schwieriger Doktorvater. Aber irgendwie ist es ja auch ein bisschen komisch zu sagen: „Also der Erkki und ich, wir wollen beide auf keinen Fall mehr miteinander arbeiten. Aber kann ich vielleicht mit dir…?“ Deswegen hab‘ ich’s immer vor mir hergeschoben und dann doch nicht gefragt.)

Pekka fiel inzwischen auch noch was ein: „Weisst du, was du machen könntest? Du könntest die Kreuzottern im Stadtgebiet erforschen! Da weiss überhaupt niemand was drüber bisher, und wir könnten Leute befragen, und Schlangen kann man prima mit Mikrochips markieren und…“, schreibt er mir am nächsten Tag eine begeisterte email. Meine Begeisterung indes hält sich… in Grenzen. Kreuzottern?! Ich?! Mit meiner Schlangenphobie?! Also interessant ist das bestimmt, aber…

Von Timo kommt auch eine mail: „Kaarina und ich haben uns gerade ein Projekt ausgedacht mit Füchsen in der Stadt. Da kannst du auf jeden Fall mithelfen. Wir schreiben auch gerade einen Forschungsantrag, und wir haben gedacht, wir benennen dich als Postdoc für das Projekt. Wenn du willst. Lass uns doch mal in den nächsten Tagen darüber reden.“ Das klingt toll! (Obwohl ich ja eigentlich nie wieder Wissenschaft und Uni und so…)

Wir treffen uns zwei Tage später, und bei diesem Treffen erfahre ich als erstes, dass der Antrag bis letzten Freitag eingereicht sein muss, also in acht Tagen. „Wärest du bereit, den Antrag zu schreiben?“, ist gleich die nächste Frage an mich. Zum Glück muss ich nicht ganz bei Null anfangen. Zum Glück bin ich nur die, die alles koordinieren muss, die, die als einzige in der Lage ist, Excel-Tabellen in Word-Dokumente einzufügen, und die am Ende sogar die Eingabefelder für die Budgetplanung auf den Seiten der Finnischen Akademie versteht.

Wir schicken den einen Antrag ab. Eigentlich will ich diese Woche wieder ins Museum gehen, mit Pekka einen Spurenlesekurs für Schulkinder, der in den Winterferien stattfinden soll, vorbereiten. Aber mit einem einzigen Antrag ist’s ja nicht getan. Am 15. Februar ist Deadline für Forschungsanträge bei einer weiteren Stiftung. „Da haben wir ja noch ein bisschen Zeit!“, sagen Kaarina und Timo. „Den muss ich ja dann auch diese Woche noch fertigmachen!“, seufze ich, denn der Antrag muss nicht nur online eingereicht, sondern auch ausgedruckt und unterschrieben mit der Post geschickt werden. Und da wir ab Samstag und bis nach dem 15. im „Blauen Mökki weilen werden, in dem es zwar theoretisch möglich ist, das Internet zu benutzen, aber unmöglich, irgendwas auszudrucken, muss ich also bis zur Abfahrt alles fertig haben.

Seufzend sitze ich seit zwei Wochen am Computer und versuche Leute davon zu überzeugen, dass nichts interessanter ist als Stadtfüchse zu erforschen. (Mensch, denkt doch mal, wenn die Tollwut doch noch nach Finnland kommt! Und der Fuchsbandwurm! Und das Ganze dann in der Stadt!!!) Seufzend denke ich daran, dass ich mal gedacht habe, ich wolle nie wieder Wissenschaft und Uni und so. Seufzend denke ich, wie schön das eigentlich wäre. Seufzend denke ich, wie gering die Chancen sind, überhaupt Geld bewilligt zu bekommen, und selbst wenn, dass das frühestens in einem Jahr sein wird.

Ich richte dann mal eine neue Kategorie ein. Bleibt abzuwarten, ob die ganz klein bleibt, oder vielleicht doch ganz gross wird.


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So Gespräche

„Guck mal!“, sagt das Mäusemädchen.
„Ja, da ist ein kleines Mädchen. Das lernt auch gerade schlittschuhlaufen.“, sage ich.
„Neeeeiiiiin!“, sagt das Mäusemädchen, „Das ist doch Sandra!“
„Ah, Sandra.“, sage ich.

Das Kind hat mehr Bekannte als ich.

(Neulich waren wir im PRISMA: „Mama, guck mal!“ „Ja, ein Junge im Einkaufswagen.“ „Aber guck‘ doch mal, Mama!“ „Was denn?“ „Da!“ „Ja, der Junge sitzt im Einkaufswagen. Die sind jetzt schon dran. Die bezahlen gleich.“ „Aber nein! Mama! Guck doch mal!“ „Was meinst du denn?“ „Mama! Das ist doch Leevi!“ „Ah, Leevi ist das. Na sag‘ das doch gleich!“)

„Hat denn Sandra auch noch ein Geschwisterchen im Kindergarten?“, frage ich später auf dem Heimweg.

„Nein. Sandra ist nur Sandra! Aber ich möchte noch ein Geschwisterchen! So ein Baby könnte ich ja schon tragen. Ich kann ja sogar das Mäuseknäbchen schon tragen!“