Suomalainen Päiväkirja

Live aus Turku

Morgen.

10 Kommentare

Morgen werde ich mich ein letztes Mal zur AKK (= Aikuiskoulutuskeskus = Erwachsenenbildungszentrum) schleppen, einen Bleistift bereitlegen, mich auf einen langweiligen Vormittag gefasst machen, an dem ich vermutlich nichts anderes tun werde als finnische Lückentexte auszufüllen, und dem Lehrer einen erleichterten Seufzer entlocken, wenn ich ihm eventuell bei einer Aufgage sagen werde: „Das finde ich ein bisschen schwerer als die anderen Aufgaben.“

Ich werde mich nicht mehr darüber aufregen müssen, dass keiner der Lehrer und Kursleiter dort unserer Gruppe – lauter Leute mit Hochschulabschluss, die schon recht lange in Finnland leben und alle recht gut auf Finnisch kommunizieren können – und dem eigentlichen Kursziel gewachsen ist. Nicht über die russische Finnischlehrerin, die zwar grossartig Finnisch spricht, aber eben doch nicht so wie ein Finne, und die die erste Woche mit uns damit zubrachte, uns zu fragen, was sie uns denn eigentlich unterrichten solle. Nicht über den Kursleiter, der die ganze Zeit mit anderen Dingen beschäftigt ist als damit, uns bei der Suche nach einem geeigneten Praktikumsplatz – zu dem Kurs gehört ein fünfmonatiges Praktikum – behilflich zu sein. Nicht über die Computerlehrerin, die allen Ernstes sauer wurde, als wir ihr sagten, das, was sie uns da unterrichten wolle, könnten wir alle schon und hätten sogar das entsprechende Zertifikat in der Tasche, und ob wir nicht was Anspruchsvolleres machen könnten. Nicht darüber, dass wir die Computerstunden schliesslich gegen die Lektüre eines finnischen Romans eintauschen durften – der sich dann als eine von einer Deutschen auf Englisch veröffentlichte und ins Finnische übersetzte, im Dschungel Papua-Neuguineas handelnde Biographie entpuppte. Nicht darüber, dass wir Fernsehreportagen angucken, die 15 Jahre alt sind, und als Hausaufgabe Fragen zu einem Zeitungsartikel beantworten müssen, der vor fünf Jahren verfasst wurde. Nicht darüber, dass jegliche Diskussion und überhaupt aktive Kommunikation auf Finnisch sofort im Keim erstickt wird, weil das „jetzt nicht zum Thema gehört“.

Die AKK ist eine Institution, durch die täglich, jährlich hunderte Einwanderer geschleust werden. Einwanderer aus allen Teilen der Welt, mit unterschiedlichster Vorbildung und Motivation, meist ohne ein einziges Wort Finnisch zu können am Anfang. Ich möchte dort nicht Lehrer sein und tagaus, tagein wieder und wieder „Ich heisse Olga.“, „Ich komme aus Thailand.“ „Ich wohne seit einem Jahr in Finnland.“ unterrichten. Aber eins weiss ich – so würde ich es nicht machen. So unengagiert, dass alle ihre Motivation verlieren, Lehrer genauso wie Schüler.

Morgen. Morgen nochmal. Ab Montag mache ich Praktikum am Biologischen Museum. *aufatme*

10 Kommentare zu “Morgen.

  1. Hmm, das klingt ja nicht so toll. Ist das eigentlich eine „Einwanderer-Pflichtveranstaltung“ oder „selbst gewähltes Leid“? Gibt es irgendwelche Alternativen / Fortsetzungskurse, die vielleicht motivierender wären? Immerhin klingt das mit dem Praktikum ja ganz gut, ich wünsche Dir, dass du dort ganz viel Möglichkeiten hast, finnisch zu kommunizieren. ;)

    • Nein, keine Pflichtveranstaltung. (Nicht mal für die, die kein einziges Wort Finnisch können.) Ich mache das freiwillig, und zwar hauptsächlich wegen des Praktikums. Ohne Kurs ist es sehr schwer, einen Praktikumsplatz zu finden. Und ohne Praktikum ist es (für Ausländer) sehr schwer, einen Arbeitsplatz zu finden. Deshalb.

      Dass dem Praktikum zwei Monate „Theorie“ vorangehen sollten, klang eigentlich auch nicht schlecht, ich hatte mir die nur ein wenig… anders vorgestellt!

  2. Ja, das liest man deutlich ;) Und ich kann dich verstehen, wenn man wirklich motiviert an die Sache rangeht und sich da was sinnvolles drunter vorstellt, wäre ich auch enttäuscht. Waren denn wenigstens die Mitstreiter nett oder gab es da keinen gemeinsamen Nenner?

    • Nun ja, zwei oder drei, mit denen ich mich eigentlich gerade erst diese Woche sowas wie angefreundet habe, werde ich vermissen. Ansonsten ist auch unter den Mitstreitern das Klima ganz anders – frustrierter, ernster – als in meinem tollen KOTO-kurssi, wo wir eigentlich die ganze Zeit nur gelacht haben und Spass miteinander hatten – Lehrer UND Schüler!

  3. Kommt mir soooo bekannt vor (inklusive der russischen Finnischlehrerin mit der ich über die Aussprache des „h“ stritt)! Tut mir leid, dass es bei dir auch so ging. Aber Praktikum am Biologischen Museum klingt toll! :-)

    • Wenigstens musste ich es dort nicht so lange aushalten wie du. Und kann jetzt sogar noch zwei Wochen eher verschwinden, weil ich den Praktikumsplatz schon habe. Dass uns von Anfang an nahegelegt wurde, einen möglichen Praktikumsplatz möglichst sofort und nicht erst, wie geplant, im Februar anzutreten, sagt ja auch so einiges aus über die Einstellung der Lehrer zu unserem Kurs…

  4. der sfi-kurs hier ist ähnlich. ich glaube der ist hauptsächlich für leute gedacht, die wirklich ohne ein wort schwedisch hier her kommen. leute mit geringem bildungsstand, die ohne die sprache überhaupt keine möglichkeit haben, arbeit zu finden.
    ich habe nicht das gefühl, dass sie einem was beibringen wollen, sondern möglichst schnell durchschleusen. ich hab das ding ja mit „sehr gut“ bestanden. öhöm. mein schwedisch ist eigentlich eher schlecht. lesen kann ich zwar, aber reden, naja.
    deshalb wollte ich ja weiter lernen, war aber „zu gut“.
    tjaja, so ist das. wenn man mehr möchte, muss man eben tief in die tasche greifen.
    lg eni

    • Wenn ich nicht von August bis Dezember in einem ganz und gar grossartigen Finnischkurs gewesen wäre, würde ich das auch denken…

      Aber das war auch woanders. Nicht, dass die Lehrer dort weniger Arbeit hätten, aber es ist eben nicht so ein Massenbetrieb, und genau EIN Finnischkurs für Einwanderer, nicht zwanzig gleichzeitig.

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