Suomalainen Päiväkirja

Live aus Turku


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Arztbesuch auf Finnisch oder: neljäkymmentäkuusi

Nachdem meine flunssa seit Weihnachten kein bisschen besser geworden war und in der Freitagnacht noch Fieber dazukam, pelzte mich der Ähämann am Freitag zum Arzt. Ich prophezeite ihm noch, ich bekäme sowieso nur Paracetamol verordnet – aber es kam noch viel besser.

Die Tür öffnete mir ein Waldschrat, wies wortlos auf einen Stuhl, liess sich auf seinen fallen und fragte auf Finnisch: „So, was ist denn?“ Ich fragte auf Englisch, ob er Englisch spräche. Nach einer gefühlten halben Minute, als ich gerade dabei war, ihm zu sagen, na gut, ich kann es auch auf Finnisch versuchen, sagte er: „Hm. Ja. Ja, wir können Englisch reden.“ Ich schilderte ihm die schon ewig dauernde flunssa, das Fieber, die Kopfschmerzen, das mittlerweile wirklich sehr unappetitliche Zeugs, das seit zwei Tagen aus meiner Nase kommt. Er nickte. Er klopfte mir auf die Wangen und die Stirn, „Tut das weh?“. Ja, hätte ich sagen müssen, denn wenn einem jemand mit voller Wucht ein Fingergelenk auf die Wange haut, dann tut das weh. Auch wenn die Nasennebenhöhlen nicht entzündet sind. Aber besonders weh tat es nicht. Deswegen sagte ich: “Nein.“ Daraufhin rollte er mit seinem Stuhl auf meinen zu und beugte mir ohne Vorwarnung den Kopf nach unten. „Da tut es weh, schon den ganzen Tag übrigens.“, sagte ich gleich mal ohne gefragt worden zu sein und zeigte auf die Stelle kurz oberhalb des Nackens. „Aha, da tut es weh.“, kommentierte der Waldschrat. Nachdem ich mich wieder aufgerichtet hatte, griff er wortlos zu seinem Stethoskop, und ich zog mal vorsichtshalber schon mal das T-Shirt hoch. Als er mit Abhören fertig war, fuchtelte er mit einem Holzspatel vor meinem Mund rum: „Mach mal den Mund auf! Und sag mal „A“!“ Dann war er offensichtlich fertig mit Untersuchen. Er wandte sich seinem Computer zu, tippte gefühlte fünf Minuten, ohne auch nur ein einziges Wort zu sagen, druckte dann drei Seiten aus, gab sie mir und sagte: „Das ist die Rechnung. Die musst du draussen bezahlen. Und das ist fürs Labor, wenn es bis Montag nicht besser ist, dann musst du nochmal kommen und ins Labor. Und das ist ein Rezept für ein Hustenmittel.“ „Aber ich habe doch überhaupt keinen Husten!“, wandte ich ein. „Ja, aber falls du es brauchst.“ „Und ich habe ein kleines Baby, das noch gestillt wird, und ich weiss, dass die meisten Hustenmittel nicht während der Stillzeit genommen werden dürfen…“ Nach einer gefühlten halben Minute, in der es in des Waldschrats Kopf sichtlich ratterte, straffte er sich und sagte in all seiner Autorität: „Aber das hier ist sicher.“ „Und kann ich sonst noch was tun?“ Eine weitere gefühlte halbe Minute Schweigen, dann: „Vielleicht Vitamin C nehmen.“ Ach. Danke vielmals. Darauf wäre ich selbst ja wirklich nicht gekommen.

Als ich, das Rezept unangetastet in der Tasche, an der Apotheke vorbei Richtung Bibliothek lief, wo der Ähämann mit den Mäusekindern derweil zum Spielen war, und darüber nachdachte, was für einen grossartigen Blogeintrag das wieder abgäbe, kam da an der Ampelkreuzung ein Auto gefahren, und ganz gewohnheitsmässig fiel mein Blick auf das Kennzeichen. Eine 46. Und ausnahmsweise ein ganz normaler PKW.

(Die Bereitschaftsärztin, die ich dann gestern aufsuchte, weil ich den ganzen Samstag fiebernd im Bett verbracht hatte und zumindest die rechte Nasennebenhöhle nun deutlich schmerzte, hat die Ehre des Mehiläinen dann wieder gerettet. Sie begrüsste mich gleich auf Englisch – „Ich habe die englische Fahne gleich oben auf deiner Datei gesehen, das ist doch richtig?“ – machte die gleichen Untersuchungen nochmal, mit dem Unterschied, dass sie mir jeden Schritt erklärte, hatte auch so ein tolles Hand-Ultraschallgerät, mit dem sie das Desaster in meinen Nasennebenhöhlen „sehen“ konnte, verschrieb mir ein Antibiotikum, erklärte, dass das Mäusebaby davon ein bisschen Durchfall bekommen könne und dass ich möglichst spät nach der Einnahme erst wieder stillen soll, aber es ansonsten nicht schlimm ist, und besonders sympathisch fand ich, wie sie mir pantomimisch darstellte, ich solle so viel trinken, bis es mir „zu den Ohren wieder rauskommt“ und ich solle Dampfbäder machen, zu denen sich auch die heisse Kaffee- oder Teetasse eignen würde.)

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Zum Jahresanfang

… noch ein Endjahresstöckchen, das mir Ansku zwar rechtzeitig zugeworfen hat, aber ich erst ziemlich spät entdeckt habe.

1. Ganz grob auf einer Skala von 1 bis 10: Wie war Dein Jahr?
8. Mindestens. Abzug gibt’s wenn überhaupt nur für den babybedingten Schlafmangel und Stress und die vielen Kindergartenseuchen, die uns das Mäusekleinkind regelmässig nach Hause gebracht hat.

2. Zugenommen oder abgenommen?
Bis Mai zugenommen, danach abgenommen. ;-)

3. Haare länger oder kürzer?
Länger. Dank der Schwangerschaft. :-)

4. Kurzsichtiger oder weitsichtiger?
Wie immer, würde ich mal sagen. Eine Brille brauch’ ich jedenfalls nicht.

5. Mehr Kohle oder weniger?
Bisschen weniger.

6. Besseren Job oder schlechteren?
Wie man’s nimmt. ;-)

7. Mehr ausgegeben oder weniger?
Weniger. Mit Baby kommt man ja nicht zum Einkaufen. ;-)

8. Dieses Jahr etwas gewonnen und wenn, was?
Die Erkenntnis, dass ich, obwohl es sehr viel stressiger ist, zwei Kinder sehr viel mehr geniessen kann als ich eins je konnte.

9. Mehr bewegt oder weniger?
Mehr! (Mit Tragetuch , Kinderwagen und auf Spielplätzen.)

10. Anzahl der Erkrankungen dieses Jahr?
Unzählig. (So ist das mit einem Kind im Kindergarten.)

11. Davon war für Dich die Schlimmste?
Die flunssa, die mir Weihnachten versaut hat, sich dann zu einer Nasennebenhöhlenvereiterung ausgewachsen hat und immer noch nicht wieder weg ist.

12. Der hirnrissigste Plan?
Im Herbst eine „Kreuzfahrt“ nach Mariehamn zu machen. (Wenn die Fahrzeiten nicht so blöd gewesen wären, hätten wir ja die „grosse Kreuzfahrt“ nach Stockholm gemacht, das wäre bestimmt besser gewesen.)

13. Die gefährlichste Unternehmung?
Statistisch gesehen vermutlich diverse Autofahrten…

14. Die teuerste Anschaffung?
Eine Badewanne. Gleichzeitig auch die lohnendste. :-)

15. Das leckerste Essen?
Da wir Finnland dieses Jahr nicht verlassen haben und man ja bescheiden wird, was gutes Essen betrifft: diverse italienische Mittagessen bei Johanna.

16. Das beeindruckendste Buch?
Ich hab’ jetzt nicht soooo viel gelesen im letzten Jahr… Zum wiederholten Male gelesen und immer noch sehr begeistert: Jaroslav Seiferts „Alle Schönheiten der Welt“. Ansonsten ist mir „Das Wunschkind“ von Ina Seidel am meisten in Erinnerung geblieben.

17. Der ergreifendste Film?
Film?! Im Kino war ich dieses Jahr überhaupt nicht, und für DVDs war ich meist zu müde. Naja, mit Kolya hab’ ich mir ja schliesslich den Babyblues weggeheult, das muss dann doch ein immer wieder ergreifender Film sein.

18. Die beste CD?
Keine neue jedenfalls. Vielleicht „Around the Sun“ von R.E.M., die „Reppu 1“ von Eppu Normaali und natürlich unsere diversen Weihnachts-CDs.

19. Das schönste Konzert?
Musste ja ausfallen. :-(

20. Die meiste Zeit verbracht mit?
Mit den Mäusekindern.

21. Die schönste Zeit verbracht mit?
Den Mäusekindern und dem Ähämann.

22. Zum ersten Mal getan?
Einen eigenen Doktorhut aufgehabt.
Allein zwei kleine Kinder betreut.
Auf dem Meer gerudert. (Genaugenommen habe ich das ja an gleicher Stelle mit dem gleichen Boot schon mal getan, aber damals habe ich mich nicht weiter als 20 m vom Steg entfernt.)

23. Nach langer Zeit wieder getan?
Fahrrad gefahren. (Jedenfalls fühlte sich die Zeit der Schwangerschaft, in der sich Fahrradfahren doof anfühlte und ich es freiwillig sein liess, unendlich an. Ohne Fahrrad, wenn ich jeden Schritt laufen muss, fühle ich mich irgendwie nur halb.)

24. Dinge, auf die ich gut hätte verzichten mögen?
Die ganzen Kindergartenseuchen, mit denen das Mäusekleinkind das Mäusebaby und mich angesteckt hat.

25. Die wichtigste Sache, von der ich jemanden überzeugen wollte?
Das Mäusebaby davon, dass ein bisschen Schlaf ab und zu sein muss.

26. Das schönste Geschenk, das ich jemandem gemacht habe?
Woher soll ich das wissen?!

27. Das schönste Geschenk, das mir jemand gemacht hat?
Die Babytrage, die ich von meinen Kollegen zur Verteidigung bekommen habe.

28. Der schönste Satz, den jemand zu mir gesagt hat?
„Da kann man jetzt keine Betäubung mehr machen, der Muttermund ist schon 9 cm auf.“

29. Der schönste Satz, den ich zu jemandem gesagt habe?
Siehe 26.

30. Dein Wort des Jahres?
Vollkommen klar: Kaffepaussi! ;-)

31. Dein Unwort des Jahres?
”Herrenhuter” Stern

32. Dein Lieblingsblog des Jahres?
Ganz besonders freut mich, dass 2008 auch die liebste Freundin, die so wunderbare mails schreiben kann, unter die Blogger gegangen ist. :-)

33. Zum Vergleich: Verlinke Dein Stöckchem vor vorigen Jahr!
Gab’s noch nicht.