Suomalainen Päiväkirja

Live aus Turku

Liebe Turkuer Busfahrer,

8 Kommentare

wenn ihr mal wieder eine Mutter mit einem Baby im Kinderwagen und einem entdeckungsfreudigen Kleinkind an einer Haltestelle stehen seht, und die Mutter euch gerade den Rücken zudreht, weil sie ebenjenes Kleinkind im Blick behalten will, und deshalb nicht dazu kommt, euch rechtzeitig zu bemerken, geschweige denn, euch zu winken, dann fahrt doch bitte einfach mal an die Haltestelle ran statt in Höchstgeschwindigkeit daran vorbeizubrausen. Aus Spass werden die drei wohl nicht an der Haltestelle stehen!

Und wenn ihr denn doch anhaltet, dann fahrt doch bitte nahe genug an die Haltestelle heran! Der Abstand zwischen vorderen und hinteren Kinderwagenrädern ist ungefähr 70 cm; wenn ihr also unbedingt 80 cm entfernt von der Bordsteinkante anhalten müsst, dann kommt doch bitte und helft beim Kinderwagentragen! Ach ja, und wenn ihr ausnahmsweise mal einen Rollstuhlfahrer an Bord habt, dann bequemt euch doch bitte mal aus dem Fahrersitz zur mittleren Tür und helft beim Ausklappen der Rollstuhlrampe statt euch darauf zu verlassen, dass sich einer der anderen Passagiere schon damit auskennen wird!

Und ihr wisst schon, dass man eure Busse auch absenken kann?!

Ausserdem wäre es nett, wenn ihr mit dem Losfahren warten würdet, bis ich die Bremse am Kinderwagen angezogen habe und mein Kleinkind sicher auf einem Sitz platziert habe. Ihr redet doch sonst immer von „Sicherheitsgründen“, wenn ihr aus reiner Willkür nur zwei Kinderwagen mitnehmen wollt, obwohl Platz für drei wäre!

Euer unfreundliches Verhalten fällt besonders auf, weil hier sonst alle so freundlich und insbesondere kinderfreundlich sind.

Wenn ihr so weitermacht, dann werde auch ich, wie so viele andere Eltern schon, keine Scheu mehr haben, wenn alle unsere Kinder mal dem Baby- und Kleinkindalter entwachsen sind, das letzte auch noch als Fünfjähriges in den Kinderwagen zu setzen – wir haben zierliche Kinder und einen guten Kinderwagen, keine Sorge, das geht ohne Probleme! – um für euren sogenannten „Service“ nicht auch noch bezahlen zu müssen. Und ich hoffe sehr, dass es eine einmalige Sache war, dass ich darüber diskutieren musste, ob ich bezahlen muss, wenn mein Neugeborenes nicht im mitgeführten Kinderwagen liegt, sondern im Tragetuch sitzt, bis es eingeschlafen ist. Habt ihr wirklich gedacht, ich lege mein schreiendes Neugeborenes in den Wagen, nur um zwei Euro zu sparen?!

Wisst ihr eigentlich, wann ich richtig gern Bus fahre? Abends und am Wochenende – wenn ihr lieber bequem zu Hause sitzt, während eure jungen, ausländischen Kollegen fahren müssen. Warum lasst ihr die eigentlich nicht immer ans Steuer, wenn euch euer Job sowieso keinen Spass macht?!

8 Kommentare zu “Liebe Turkuer Busfahrer,

  1. Den Titel kannst du ganz getrost ergänzen: „Liebe Turkuer-und Helsinkier/Espoo/Vantaaer Busfahrer“. Vor kurzem ging es soweit, dass die liebe japanische Freundin ihren Sohn und Kinderwagen in den Bus schob, sich dann die Tuer schloss und sie auf der Strasse stand und dem fahrenden Bus hinterherguckte-und schrie. Von Bremseanziehen natuerlich keine Rede, um das Kind kuemmerten sich andere Fahrteilnehmer und sie schafften es auch, den Busfahrer dazu zu bewegen doch noch anzuhalten, nach 50m!
    Der sonst so sanftmuetige japanische Vater verlor danach fast die Kontrolle ueber sich. Alle Beschwerden blieben, man ahnt es, unkommentiert.

  2. Oh Frech, mein Alptraum schlechthin…! Ich versuche immer, mit dem Kinderwagen möglichst bis zuletzt die Türen zu blockieren. Allerdings ist das ja auch kein wirklicher Hinderungsgrund loszufahren – oft genug fährt hier einer mit offenen Türen los und bemerkt erst nach 50 m oder so am Warnton, dass da ja noch was war…

    Und MEINE Beschwerde, als mal ein Busfahrer den dritten Kinderwagen, obwohl er schon perfekt drin stand – und zwar am vorgesehenen Platz und nicht etwa in der Tür oder so – wieder aussteigen liess, blieb nicht unkommentiert: von höchster Stelle wurde mir geantwortet, das wäre schon recht so, es liege im Ermessen des Busfahrers, wie viele Kinderwagen er mitnimmt…

    (Ab nächstem Frühjahr hoffentlich wieder mit Fahrrad…!!!)

  3. Und ich habe Angst, dass es gibt einige Bussfahrer, allerdings am Linie 4, die gar nicht sprechen können. Heute habe ich noch einen solchen getroffen. Und er war wahrseinlich im Finnland geboren.

  4. jetzt weiß ich wieder, warum ich immer mit dem Auto in die Stadt fahre, und wenn auch 25 minuten parken 1 Euro kosten. mannomann.

  5. Da kannst Du genauso zuschreiben „liebe Mönchengladbacher Busfahrer“

    Hier bei uns in good old germany ist es doch nicht besser! Bloß das man hier Abends und am Wochenende nciht Bus fahren kann, weil die Abstände so groß gewählt sind, das die Busse aus allen Nähten platzen und man mit dem Kinderwagen gar nicht mehr rein kommt.
    Es bietet auch keiner einem Platz an, wenn man ohne Wagen unetrwegs ist, weil man weiss der Bus ist voll.

  6. Aber mariong, das ist ja nicht sehr umweltfreundlich…! ;-)

    Und kruemelchenweb, ich denke, das ist nicht landes- sondern stadtspezifisch. Meine Erfahrung beschränkt sich auf Chemnitz (toll), Jena (furchtbar), Bielefeld (toll) und Turku (furchtbar). Komisch dass ausgerechnet dort der Nahverkehr am schlimmsten ist wo ich mich sonst am wohlsten fühle…

  7. Mainz.
    Aber ich hab dann immer laut durch den Bus zum Busfahrer hin gerufen, er möge kommen und mir helfen.
    Manchmal haben mir andere Leute geholfen, manchmal habe ich mich mit dem Busfahrer gestritten, manchmal hat er schimpfend geholfen und manchmal waren sehr nette dabei.
    Ich hab auch schon erlebt, das Leute nach kurzen Seitenblicken sich weit weg setzen oder zur anderen Seite aussteigen, nur damit sie nicht in die Verlegenheit kommen, mir mit dem Kinderwagen zu helfen. Mir wollten auch schon Leute mit Gipsbein oder Stock helfen.
    Wenn der Bus voll ist (besonders mit Schulkindern) hat man Angst, dass bald noch jemand im Kinderwagen sitzt.
    Alles nicht schön, aber wir sind mit 3 1/2 auch nicht mehr wirklich betroffen. Und schon war fast all der Ärger wieder vergessen.

    In Wien habe ich mal viel Hilfe und Freundlichkeit erfahren. Vor allem von anderen Müttern :-)

  8. Gerade wollte ich schreiben: Kommt doch mal nach Wien, da ist der öffentliche Nahverkehr wirklich toll. Ich verstehe eigentlich gar nicht, warum hier überhaupt noch jemand mit dem eigenen Auto fährt. (Und die Busse halten sogar, ohne dass man dem Fahrer winken muss.)

    Dafür gibt es hier kein gescheites Radwegenetz, und jeder einzelne Autofahrer scheint sich vorgenommen zu haben, pro Tag mindestens einen Radfahrer zu erledigen. Kann halt nicht alles perfekt sein.

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