Suomalainen Päiväkirja

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Finnische Fakten

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In Finnland werden die meisten Kinder im März geboren. Juhannuskinder. Vielleicht ist deshalb „Juhani“ bis heute der beliebteste finnische Vorname aller Zeiten.

Aber die besondere Symbolik darin – von der schönsten Zeit des Sommers bis zum schönsten Monat des Winters, der den Frühling doch schon ahnen lässt – habe ich erst jetzt so richtig begriffen, wo wir selbst so ein Juhannuskind erwarten – in einem März wie aus einem finnischen Bilderbuch. Schnee, Schnee, Schnee, und blauer Himmel und strahlender Sonnenschein.

Schon in meinem ersten Winter in Finnland gab es so einen Bilderbuchmärz. In der Sonne war es so warm, dass ich anfing, mir mit meinen nachmittäglichen Mäusetests Zeit zu lassen, weil keine Gefahr mehr bestand, dass es meinen Testmäusen zu kalt oder ich mir die Finger abfrieren würde. Nicht selten blieben Janne und ich hinterher noch eine Viertelstunde auf einem Stein in meinen Mäusegehegen sitzen, hielten die Gesichter in die Sonne, schauten den Flugzeugen nach, die weisse Streifen an den tiefblauen Himmel zogen und laut unserer Definition immer nach Rovaniemi flogen, und verbesserten meine Finnischkenntnisse. Wenn wir zurückkamen, stapfte ich die ersten Minuten wie blind in der Forschungsstation herum, um meine Sachen bis zum nächsten Nachmittag wegzuräumen, so geblendet war ich vom Schnee und der Sonne. Wenn ich mal keine Mäusetests machen musste, ging ich mit den Technikern eisangeln oder fuhr mit dem Schneemobil mit über den See zum Wasserprobennehmen, und vor Freude musste ich auf der gleissenden Schneefläche auf dem See ab und zu einen ”Adler machen”. Ich weiss noch, dass mir an so einem Tag klar wurde, warum die finnische Fahne nichts anderes als blau-weiss sein kann…
Auch mein erster März in Turku war, wie er sein sollte. Selbst in der Stadt und obwohl ich nicht mehr wann immer mir danach war vom Computer weg- und auf den See in die Sonne rennen konnte, löste er die gleiche Frühlingsverrücktheit aus. Mit Claudia und Ragnhild verbrachte ich kichernd ewig lange Mittagspausen in einer sonnendurchfluteten Cafeteria, und gemeinsam entdeckten wir die besonderen Freuden des Eisbadens.
Selbst letztes Jahr, als der Winter in Turku die Bezeichnung ”Winter” eigentlich nicht mal ansatzweise verdient gehabt hätte, hat der März nochmal alles rausgerissen. Auch wenn wir den extrem tiefen Nachttemperaturen im März zu verdanken hatten, dass die ersten grünen Blättchen an den Bäumen dann erst Ende Mai erschienen. Aber der März war einmalig schön.
Und auch dieses Jahr ist er wieder unglaublich schön und wie er sein soll. Wenn ich nicht gerade schwanger wäre, aber trotzdem frei hätte, dann würde ich wohl jeden zweiten Tag nach Ruissalo zum Eisbaden fahren. Nachts ist es eisig kalt, und tagsüber fängt der Schnee in der Sonne an, von den Dächern zu tropfen. Manchmal schneit es zwischendurch einen Tag lang, bevor am nächsten Tag wieder die Sonne straht. Und irgendwann Ende März wird es in der Sonne warm genug sein, dass der Schnee fast unmerklich verschwindet. Sich einfach in der Sonne auflöst, ohne Gematsche, ohne braune Schmelzwasserbrühe.

Und dann ist Frühling. Und das Mäusekind bestimmt da. :-)

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