Suomalainen Päiväkirja

Live aus Turku


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Finnisierung IV

Früher kratzte der Ähämann, wenn es denn doch mal nötig war im Winter, das Auto sehr penibel ab. Heute nicht mehr. Ein halbes Jahr Winter am Stück lässt einen schnell von derlei Perfektion abkommen. Einigermassen Durchblick reicht schliesslich auch. Und dass man auch mit Handschuhen autofahren kann, wird er auch noch lernen.

(Und ich? Ich hab’ damals sehr schnell gelernt, wie man am effektivsten und energiesparendsten ein Auto abkratzt, dass man besser auch im Auto Handschuhe anzieht, wenn draussen Frost herrscht, wie man auf verschneiten Strassen fährt, wie man auf finnische Art wendet, dass man vereiste Tankdeckel mit einer Tüte heissen Wassers auftaut, dass ein bisschen Herumschlittern beim Um-die-Kurve-Fahren durchaus sicher ist… aber ich hatte schliesslich auch ein tägliches Intensivtraining.)

Finnisierung I
Finnisierung II
Finnisierung III


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Saftladen

(Achtung, Meckereintrag!)

Ich habe ja schon bei der einen oder anderen Gelegenheit die sagenhafte Kompetenz der Mitarbeiter der deutschen Botschaft Helsinki kennengelernt. Immer noch glaubte ich an Zufall, daran, dass ich mit meinen Wünschen nicht in das typische Arbeitsgebiet eines Botschaftsbeamten falle, daran, dass ich vielleicht zufällig den falschen Mitarbeiter erwischt hatte…
Vorgestern ein neuer Versuch: ich brauche die neue Adresse des Konsulats in Turku. Ich weiss, dass selbiges schon letzten Sommer umgezogen ist, aber ich weiss die Adresse nicht. Wo guckt man zuerst nach? Na bitte, auf der website der Botschaft doch! Dort stehen auch fein alle deutschen Konsulate in Finnland aufgelistet – nur das in Turku auch nach Monaten noch mit der alten Adresse. Kann ja nicht schaden, da mal drauf hinzuweisen und gleichzeitig die neue Adresse zu erbitten – und was passiert? Das Kontaktformular funktioniert nicht, eine email-Adresse bekommt man nur über Tricks heraus, und auf die mail habe ich bis heute keine Antwort (wahrscheinlich, weil ich mich nicht an den „Amtsweg“ gehalten habe…).

Wozu bitte sind die denn da, wenn nicht für Leute wie mich und Hilfe bei Sachen wie diesen? Aber nee, Hauptsache die können ihre Akten in ihrem Hochsicherheitsgebäude verwalten, alles andere ist ja zweitrangig…

So ein Saftladen!!! Da soll man deutscher Staatsbürger bleiben wollen?!


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Alle Jahre wieder

Wie immer hat zu Weihnachten das Wetter gesponnen. Auch in Turku. Bis Freitagabend war’s kalt und hat Schnee gelegen, Freitagnacht hat es angefangen zu tauen, und Samstagvormittag hat es geschüttet wie aus Eimern. Das hat uns allerdings nicht davon abgehalten (und sämtliche anderen Turkuer, wie’s schien, auch nicht), wie immer zur Verkündigung des Weihnachtsfriedens um 12:00 Uhr vom Balkon des alten Rathauses zu gehen. Wie immer war ich vollkommen überwältigt von der Tatsache, wie ernst und wie wenig als Show die Finnen derlei Veranstaltungen nehmen. Kurz vor zwölf klappten alle, wirklich alle, trotz strömenden Regens, ihre Schirme zusammen. Beim Singen der Nationalhymne nahmen alle, wirklich alle Männer, trotz strömenden Regens und zusammengeklappter Schirme, ihre Mützen ab. Huuuu, war das schön. Hinterher waren wir noch kurz im kauppa auf der Hämeenkatu, bevor auch der für Weihnachten zumachte, um noch zwei Kleinigkeiten, die wir beim Weihnachtseinkauf vergessen hatten, zu kaufen. Dort gab’s zur Feier des Tages gratis munkki und heissen glögi. Nachmittags um zwei fing es wieder an zu schneien, und seitdem ist es wieder kalt und weiss. Wie immer waren wir Heiligabend in der Katariinankirkko, unserer Feiertagskirche für solche Anlässe, an denen es in unserer Gemeinde keinen Gottesdienst gibt. Wie immer war der Gottesdienst dort sehr feierlich, sehr schlicht, sehr kurz. Wie immer waren dort zu Weihnachten, wie wohl überall auf der Welt, mehr Besucher als sonst. Und wie immer waren wir erstaunt, dass anscheinend keiner gekommen war, der sich in der Kirche nur die richtige Weihnachtsstimmung holen wollte, dass alle mitgesungen und mitgebetet haben. Diese deutschen Christvespern, wo die Leute scharenweise hinziehen, um sich das Krippenspiel als nettes Weihnachtstheater anzusehen, wah, grusel! Wie immer sind wir hinterher noch über den mit Kerzen übersäten Katharinenfriedhof spaziert. Wie immer gab’s bei uns zu Heiligabend Bratwurst vom LIDL und Sauerkraut und Kartoffelbrei vom PRISMA, später Bowle mit viel Früchten, aber wenig Alkohol (bzw. gar keinem Alkohol für mich). Wie immer hat mir der liebste Ähämann aus Morgen Findus wird’s was geben vorgelesen. Wie immer gab’s viele schöne Geschenke. Anders als sonst haben wir die ganze Woche nach Weihnachten noch Geschenke bekommen. Zwar haben wir Heiligabend sogar den Weihnachtsmann mit Pferd gesehen, aber die meisten unserer Geschenke kamen mit der Post aus Deutschland, und zwar verspätet. Wie immer waren wir am ersten Feiertag zum Gottesdienst unserer internationalen Gemeinde, und wie immer haben wir „Stille Nacht“ in vielen verschiedenen Sprachen durcheinander gesungen.

Wie immer hat der Schnee nicht zum Skifahren gereicht, so dass wir nur viele Schneespaziergänge gemacht haben. Ansonsten waren wir wie immer ziemlich faul, haben gelesen, alte Videos geguckt, gut gegessen, Freunde getroffen, ausgeschlafen.

Wie immer waren wir auch zwei Tage arbeiten zwischen Weihnachten und Silvester. (Aber nicht zu viel.) Denn wie immer wollen wir in zwei Wochen nach Lappland fahren, zum Ausschlafen, Nichtstun, Lesen, Fotoseinkleben, Briefeschreiben, Eislichter bauen, Sauna gehen und Skifahren. Wie immer werden wir mit dem Autozug fahren. Weil’s so schön ist, und weil es für uns inzwischen zu einem richtigen Lapplandwinterurlaub dazugehört.

Wie immer sind wir zu Silvester auf den Mondberg geklettert,um von dort das Feuerwerk anzugucken. Wie immer hatte man von dort den besten Blick auf sowohl das von der Stadt als auch das vom Caribia veranstaltete Feuerwerk. Für letzteres eignet sich der Mondberg besonders gut, weil es quasi direkt davor stattfindet. Anders als sonst haben wir diesmal mit Himbeerlimonade angestossen. Wie immer habe ich mich gefreut, dass hier einem nie jemand Knaller vor die Füsse schmeisst. (Ich hasse Knaller, schreckhaftes Weibsbild, das ich bin!) Anders als sonst haben wir unsere Wunderkerzen nicht angezündet bekommen, weil wir die Laterne diesmal dem Schneemann zu Hause gelassen hatten.

Wie immer, wenn wir über unser Leben in Finnland nachdenken, haben wir das Gefühl gehabt, all das schon immer und ewig so zu machen. Dabei war es erst das zweite Mal. :-)