Suomalainen Päiväkirja

Live aus Turku

Wir haben einen neuen Herd!

3 Kommentare

Womit sich der Wert unserer Küche um 100 % gesteigert haben dürfte. Vom zur Küche gehörigen Loistoliesi (=„Glanzherd“), der seinem Namen nun ganz und gar keine Ehre mehr machte und nur unter grösstem Aufwand zu reinigen gewesen wäre, haben wir uns schmerzlos verabschiedet. Er darf jetzt gemeinsam mit den ausgebauten Schiebetüren aus unserer und diversen anderen Wohnungen sowie den Fahrrädern ein warmes und trockenes Wartedasein im wohngebietseigenen Luftschutzraum fristen. Aufheben müssen wir ihn ja leider, wollen wir nicht unseren irgendwann-einmal-Nachmietern unseren schönen neuen Herd überlassen.

Machten wir uns also letzte Woche auf zum Gigantti, der ja an der Autobahn Werbung macht, man solle nicht an seinem Glück vorbeifahren, sondern zum Gigantti kommen. Na, da wollten wir doch mal gucken, ob dort auch unser Glück zu finden war! ;-) Wir waren ein wenig skeptisch, sehen doch Elektromärkte in Finnland meistens ein bisschen leer aus. Zugegeben, die Kühlschrankabteilung im Gigantti ist die gigantischste Ansammlung riesiger Kühlschränke, die ich jemals gesehen habe. Man kann durch nicht weniger als vier aus übermannsgrossen Kühlschränken verschiedenster Modelle gebildete Gassen schlendern und ganz und gar die Orientierung verlieren. ;-) Aber einen Kühlschrank wollten wir ja nicht.
Sondern einen Herd. Mit Ceran-Kochfeld und geringem Energieverbrauch und vielleicht noch ein bisschen schön aussehend, gerne passend zur Mikrowelle in silbern. Ob sowas in Finnland zu einem annehmbaren Preis zu bekommen wäre? Aber sicher doch! :-) Das Angebot war recht gross, die Preisunterschiede auch – aber bitte, so finnisch sind wir doch noch nicht geworden, dass es unbedingt ein finnisches Produkt sein muss. (Und ein deutsches auch nicht. Was haben wir uns damals anhören müssen, als wir eine Waschmaschine kaufen wollten: „Nur Miele!“ Aber sicher doch, haben wir höflich genickt – so eine wäre nur über unsere Leichen in unsere Wohnung gekommen: miserable Energieverbrauchswerte, 20 Jahre altes Design, und selbst die zwei Männer, die uns die Waschmaschine in die Wohnung bugsieren mussten, gratulierten uns noch zum Kauf der italienischen Waschmaschine, weil sie so schön „leicht“ sei.)

Für Freitag zwischen zwölf und zwei hatte sich der Elektriker angekündigt, den Herd zu liefern und anzuschliessen. Dreiviertel zwei stand er vor der Tür und entschuldigte sich als erstes dafür, dass er so spät sei. Als nächstes fragte er, ob er lieber finnisch oder englisch mit mir reden soll. (Sein Englisch war um Welten besser als meins!) Dann zog er im Windfang seine Schuhe aus und ging auf Socken in die Küche, um den Arbeitsort zu inspizieren und einen Plan zu machen. „Also ich würde sagen, ich klemme zuerst den alten Herd ab, dann schaffe ich ihn in das varasto, und dann schliesse ich den neuen an. Ok?“ Aber sicher doch! Elektriker zog sich die Schuhe wieder an, ging zum Auto, holte die Sackkarre heraus, zog die Schuhe wieder aus, brachte die Sackkarre in die Küche und machte sich ans Werk. Lud den Loistoliesi auf die Sackkarre, fuhr sie bis in den Windfang, friemelte sich in seine Schuhe, nahm Anlauf und bugsierte den angeblich fürchterlich schweren Loistoliesi über die Schwelle nach draussen und folgte mir mit ihm in den Luftschutzraum. Zog sich im Windfang wieder die Schuhe aus, klemmte das Kabel ab. Ich nahm in aller Eile eine Grundreinigung an allen Flächen hinter und neben und unter dem alten Herd vor. Elektriker zog sich derweil die Schuhe wieder an, holte den neuen Herd aus dem Auto und lud ihn auf die Sackkarre. Fuhr die Sackkarre bis in den Windfang, friemelte sich irgendwie, ohne sie loszulassen, die Schuhe von den Füssen, bugsierte die Sackkarre über die nächste Schwelle in den Flur, blickte nach unten und entschuldigte sich schon wieder: nun würden die nassen Räder der Sackkarre leider Spuren hinterlassen. Macht nichts, sagte ich, verzichtete aber drauf, ihm zu erklären, wie unser Flur inzwischen aussehen würde, wäre ein deutscher Handwerker am Werk gewesen. Elektriker fing an, den neuen Herd anzuschliessen. Führte mir belustigt den mitgelieferten Stecker vor und erklärte, der sei für Norwegen, dort könne man Herde einfach an einer speziellen Steckdose anschliessen, das sei in Finnland glücklicherweise aus Sicherheitsgründen nicht erlaubt. Erklärte mir, dass Gorenje durchaus gute Sachen produzieren würde, und dass auch nicht alles, wo ein finnischer Name draufstehe, auch in Finnland produziert wird. Und dass er sich auch einen Škoda gekauft hätte statt eines VWs. Ich fing an, mich ein bisschen zu wundern, an einen so redseligen finnischen Mann geraten zu sein, fand’s aber schön. Vor allem mag ich, wenn mir Leute erklären, was sie tun. Kabel dran, Herd an die vorgesehene Stelle. Halt, passt nicht! Passt schon, aber unten, da, wo die Scheuerleiste um die ganze Aussparung für den Herd geht, nahm sie mindestens einen Millimeter zu viel Platz weg. Elektriker sprach:“Ja, aber das macht nichts, die kann man leicht abnehmen.“ Ich sah mich schon mit dem Herd in der Mitte der Küche zurückgelassen und den Ähämann am Abend Scheuerleisten abbauend und Herd ausrichtend – aber Elektriker war schon aufgesprungen, hatte seine Schuhe angezogen, Werkzeug aus dem Auto geholt, Schuhe wieder ausgezogen, und baute die Scheuerleisten ab. Jetzt aber! Herd wurde ausgerichtet, prima. Fertig, oder? Nein, nein – Elektriker gab mir natürlich noch eine Einweisung in alle Funktionen und alle Knöpfe des Herds. Die Uhr hat er auch noch gestellt, was sich als komplizierter als erwartet herausstellte, aber er bestand darauf, das gehöre dazu. Zum Schluss bekam ich noch erklärt, wie und womit der Herd zu reinigen sei und was wir vor dem ersten Gebrauch zu tun hätten und welches Geschäft für eventuelle Garantiefälle zu kontaktieren sei. Elektriker packte Werkzeug und Sackkarre zusammen, zog seine Schuhe an, wünschte noch einen schönen Tag und fuhr davon. Zweistündiger Rundum-Service. Hätte nur gefehlt, dass er mir noch den Flur gewischt hätte! ;-)

3 Kommentare zu “Wir haben einen neuen Herd!

  1. vielleicht war er ja aus karelien? ;-)

    • (Ah, ich sehe, du liest mit Feedreader. Ich habe doch nur einen link aktualisiert…)

      Ja, genau das dachte ich damals auch! ;-)

      (Er hat auch bei diesem Umzug die beiden Herde wieder zurückgetauscht sowie den Geschirrspüler von der alten in die neue Wohnung transferiert, und er ist noch genauso drauf. :-) )

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