Suomalainen Päiväkirja

Live aus Turku

Wahlqual

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Wahlen sollten nicht so überraschend und kurzfristig angesetzt werden. Schliesslich will der arme im Ausland lebende Deutsche ja auch von seinem Wahlrecht Gebrauch machen. Und das braucht so einige Zeit!

Gleich, als ich erfuhr, dass ich nun doch kein ganzes Jahr mehr Zeit habe zur Vorbereitung meiner Teilnahme an der nächsten Bundestagswahl, liess ich mich von erfahrenen Auslandsdeutschen beraten, was ich denn nun am besten und schnellsten zu tun hätte. „Du musst die Wahlunterlagen bei der Wahlbehörde der Gemeinde, in der du zuletzt in Deutschland gemeldet warst, anfordern. Guck mal im Internet, da steht bestimmt eine Adresse oder eine Telefonnummer.“

Ich begab mich also zu Google, auf der Suche nach „Wahlbehörde Jena“. Ich stiess auf so schöne Ergebnisse wie „Korruptionsskandal um mexikanischen Grünen-Chef“ und „Anschriften und Telefonnummern der Kreiswahlleiter zur Landtagswahl 2004“. Geht’s auch ein wenig präziser und aktueller? Anscheinend nicht. Auch unter http://www.jena.de war nicht wirklich was zu finden. Als ich es drei Tage später noch mal dort versuchen wollte, machte mein Herz einen fröhlichen Hüpfer: prangte doch dort jetzt ganz in der Mitte ein roter Schriftzug „Bundestagswahl“. Fröhlich angeklickt – und was finde ich dort? „Wahlhelfer gesucht“. Ach so. Wer Wahlhelfer werden möchte, solle sich bitte bei Herrn Arndt melden. Da der Herr Arndt sogar über eine email-Adresse verfügt, muss er jetzt dafür herhalten, dass ich ihn mit Fragen belästige, für die er nicht zuständig ist. So! Immerhin habe ich so nach zwei Stunden schon Antwort, wo ich denn meine Wahlunterlagen Formulare zur Anforderung von Wahlunterlagen hinschicken kann. Das ging ja mal unerwartet schnell!

Die Formulare hatte ich immerhin schon im Internet beim Bundeswahlleiter gefunden und für mich und den Ähämann ausgedruckt. Abends machten wir uns dann haareraufend und nägelkauend ans anspruchsvolle Ausfüllen:

Ich hatte meinen letzten Wohnsitz in Deutschland von [Datum] bis [Datum] unter folgender Adresse [genaue Anschrift]

„Du, sag mal, haben wir uns damals zum 1. Mai in der neuen Wohnung angemeldet, oder erst irgendwann in der Woche darauf? Und ausgezogen sind wir doch am 2. Januar, aber haben wir uns nicht schon zum 31.12. abgemeldet? Weisst du, wo ich die Abmeldebestätigung haben könnte?“ Bis dem Ähämann der Kragen platzte:“Hör mal, die haben das doch sowieso alles im Computer stehen und überprüfen das noch mal!“ Genau. Ich schreib jetzt einfach 01.05.1999 – 31.12.2003. Basta. Aber ein bisschen bange ist mir schon davor, dass, wenn wir vielleicht doch erst zum 02.01.2004 ausgezogen sind, ich jetzt mein Wahlrecht verwirkt habe.

Datum des Wegzugs aus Deutschland (Datum der Abmeldung)

Ja, sag mal, spinne ich, oder was? Kann ich ohne unter meiner letzten Anschrift gemeldet gewesen zu sein noch in Deutschland gewohnt zu haben? Und von welcher Adresse hätte ich mich dann bitte abgemeldet? Später, meine ich? Weggezogen sind wir freilich schon am 01.09.03, aber abgemeldet aus dieser Wohnung und Jena und Deutschland haben wir uns zum 31.12.03. Das steht doch da oben, klar und deutlich. Na gut, ich schreib’s ja schon nochmal hin. Für Leute, die nicht denken können.

Bitte ankreuzen: seit meinem Wegzug aus Deutschland sind noch nicht mehr als 25 Jahre vergangen

Ja, also, ich weiss nicht so genau. Jetzt haben wir den 3. August 2005, und weggezogen bin ich – wann war das noch gleich?! Ach, das steht ja unter dem vorherigen Punkt – also am 31.12.2003. Also das sind noch nicht ganz 25 Jahre, oder? Hilft mir mal jemand beim Rechnen? Ich habe Angst, dass wenn ich jetzt hier was Falsches ankreuze, die auf der Wahlbehörde das auch nicht merken. Die können bestimmt auch nicht rechnen, sonst würden sie ja nicht fragen.

Puh, jetzt noch unterschreiben und samt der Seiten, die nicht vom Antragsteller auszufüllen sind, sondern von der Wahlbehörde, aber unbedingt mitzuschicken sind – sehr löblich, dass die deutschen Verwaltungen ihren Papierverbrauch einschränken wollen und der Antragsteller das Papier selbst zur Verfügung stellen muss – in einen grossen Briefumschlag, Adresse drauf, weg – und hoffen, dass alles rechtzeitig ankommt. Ich habe mal ein Formular aus Turku an meine Lieblings*augendverdreh*bank in Deutschland geschickt, und als ich nach drei (!) Wochen immer noch nichts von denen gehört hatte, mal angerufen. Daraufhin wurde mir gesagt: “Von wo haben Sie das geschickt? Aus Finnland? Ja dann kann das noch gar nicht hier sein, dann ist das noch mit der Post unterwegs!“ Ach so, na klar. Seitdem plane ich immer mindestens vier Wochen für den Postweg nach Europa ein. Die sind dann leider erst Ende August um, plus zwei Wochen Bearbeitungszeit für das anspruchsvolle Formular, plus vier Wochen Rückweg – weiowei, dann werde ich wohl nicht wählen können…!

Aber lasst mich nicht hängen, Leute, die ihrs einfacher habt mit der Wählerei! Wenn mir noch einer kommt mit:“Also ich weiss ganz sicher, wen ich nicht wählen will.“ „Na, dann weisst du doch, wen du wählen musst!“ „Nee, ist doch einer so schlimm wie der andere…!“ dann werde ich fuchsteufelswild. Nicht, dass ich es selber so sehen würde, aber wenn ihr’s schon so seht, dann entscheidet euch wenigstens zwischen dem kleineren und dem grösseren Übel, ja?! Bitte!!!

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