Suomalainen Päiväkirja

Live aus Turku

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Ein Kommentar

„Jeden Tag 20:00 Uhr zur Besichtigung geöffnet“ klang ja ganz verheissungsvoll. Als wir gestern Abend zum ersten Mal nicht um diese Zeit fangen gehen mussten, bin ich also nichts wie hin.

Im ersten Stock gibt es einen völlig unspektakulären winzigen Raum, von dem aus auch heute noch im Minutentakt die Morsezeichen U und Ö gesendet werden, bei Nebel ein laut hörbares Nebelsignal. Dabei fällt mir mal wieder die Anekdote von dem Bananenfrachter ein, der vor zwanzig Jahren im Nebel die Utöer Lotsen kontaktierte, er habe die Orientierung verloren, ob sie ihm sagen könnten, wo er sei. „Du fährst direkt auf Utö zu.“ „Nein, das weiss ich ganz bestimmt, dass vor mir nicht Utö ist.“ „Halt sofort an, du fährst wirklich auf Utö zu!“ „Nein, ich weiss, das Utö nicht da sein kann!“ Sprach’s und lief vor Utö auf Grund. Das Gerippe des Schiffes sieht man heute noch bei Niedrigwasser gleich unterhalb des Leuchtturmberges aus dem Wasser ragen.

Im zweiten Stock ist ein grosser kahler Raum, in dem sich früher die Wohnung des Leuchtturmwärters befand und in dem, auch durch den Leuchtturmwärter, Schule abgehalten wurde, bevor Utö ein eigenes Schulgebäude bekam. Im nächsten Schuljahr werden ganze sechs Schüler in Finnlands kleinste Schule gehen!

Im dritten Stock befindet sich eine Kapelle, die heute noch manchmal von Seefahrern genutzt wird. Der Utöer Bevölkerung war irgendwann das Treppensteigen zu viel, und sie bauten sich eine Kapelle zu ebener Erde. Zwei Mal im Jahr (!) kommt dorthin heutzutage ein Pfarrer aus Korppoo.
Mitten in der Kapelle befindet sich ein Loch im Fussboden, darüber hängt ein riesiges Gewicht. So wurde früher die Linse in Bewegung gesetzt. Nach zwei Stunden war das Gewicht unten angekommen, der Leuchtturmwärter musste die Treppen runterrennen, das Zusatzgewicht abnehmen, damit die Treppe wieder hochrennen und es an die andere Seite des Gewichtes hängen. Alles schnell, schnell, denn in der Zeit drehte sich die Linse nicht. Anstrengender Job! Heutzutage kommt zweimal im Jahr jemand vom Leuchtturm-TÜV, und das war’s.

Für uns war’s das auch. Weder durfte man sich die Linse angucken (nicht mal durch’s Fenster!), noch durfte man oben raus und den Ausblick geniessen. :-( Also eher enttäuschend, die ganze Besichtigung.

Jetzt hoffe ich – da ich ja nun schon bei den Lotsen in der Sauna war und in der Schule duschen darf – dass ich irgendwann mal jemanden finde, der mich mit raufnimmt. Wenn die ganzen Touristen weg sind. Die nerven langsam. Besonders die mit den extragrossen Yachten. Jawoll!

Ein Kommentar zu “.

  1. Pingback: Utö / Finnland | Stories & Places

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