Suomalainen Päiväkirja

Live aus Turku


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Turku ist ein grüner Dschungel geworden.

Schon letztes Wochenende, als wir unsere Hochzeitsfotos vom Fotografen geholt hatten und anguckten, sind wir erschrocken, wie kahl es doch eine Woche vorher noch gewesen war. Obwohl wir es für sooo grün gehalten hatten.
Als ich gestern nach vier Tagen im Archipelago, wo es erstens nicht viele Bäume gibt und zweitens der Frühling noch später kommt, zurückkam, habe ich Turku kaum wiedererkannt. Wo wir doch letztes Wochenende gedacht hatten, grüner könne es nun nicht mehr werden.


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Ich habe es ja von Anfang an geahnt.

In die Geschichte meiner Doktorarbeit wird der Sommer 2004 eingehen als der Sommer, in dem ich nichts geschafft habe, weil es andauernd gestürmt hat, der Sommer 2005 als der Sommer, in dem ich nichts geschafft habe, weil ich einen unfähigen Feldassistenten hatte.

Dienstag um zehn, als ich bei ihm vor der Tür stand um ihn abzuholen, lag er noch im Bett. Toller Start!
Er kann kaum die Seekarte lesen, er kann abseits der ausgeschilderten Routen nicht navigieren. Er weiss nicht, wann und wo der Seewetterbericht kommt, und nachdem ich ihm mehrmals ausdrücklich gesagt habe, dass es wichtig ist, im Voraus zu planen und das Wetter zu kennen, verpasst er ihn trotzdem noch ständig. Er kann keine Seemannsknoten, und ich kann jedes Mal nur hoffen, dass uns das Boot nicht davontreibt. Er kann nicht gescheit anlanden und nicht mit dem Anker umgehen. (Aber erst gross rumtönen: „Wie, ihr habt nur einen Anker? Also zwei wären schon besser…“! Blödmann!!!) Nachdem ich ihm zum zehnten Mal gesagt habe, diese Stellen mit den vielen losen Steinen sind ungeignet zum Anlanden, versucht er es beim elften Mal wieder an genau so einer Stelle. So könnte ich mittlerweile auch Boot fahren, nach allem, was ich mir von William abgeguckt habe. Und vielleicht hätte ich doch lieber das Mädchen anstellen sollen, das mir sehr sympathisch war, das aber zugab: “Nein, ein Motorboot kann ich nicht fahren. Aber ich bin schon mal gerudert.“ Schlimmer hätte es mir ihr auch nicht sein können. Ich habe mir schon mein Teil gedacht, als ich in seiner Bewerbung las, er hätte ausgezeichnete Erfahrung im Bootfahren im Archipelago, durch „jahrelanges Fischen mit Freunden“. Als er zurück im Hafen in Hirvensalo das Boot nicht angeleint bekam, weil ihm die Taue immer wieder von den Haken rutschten, weil er noch nicht mal diese simpelste Befestigung kennt, die ich schon in der ersten Woche gelernt habe, und mir endgültig der Kragen geplatzt war ob der Tatsache, dass er noch nicht mal die Grundlagen des Bootfahrens beherrscht, gestand er kleinlaut, dass er eigentlich nie selber Boot gefahren wäre, sondern immer nur mit Freunden mitgefahren. Was mach’ ich mit so einem Kerl ausser ihn gründlich zusammenscheissen? Sofort feuern, wenn ich einen anderen hätte… Ich hätte ihn ja noch nicht mal angestellt, wenn ich noch jemanden zur Auswahl gehabt hätte. Ich könnte mich jetzt erst so richtig in den A… beissen, dass ich nicht darauf bestanden habe, weiterzusuchen, sondern Erkkis Drängen nachgegeben habe, ihn nun eben anzustellen, wenn wir keine weiteren Bewerber haben.
Ausserdem: Er hört nicht zu. Er ist unkonzentriert. Er denkt nicht mit. Er ist furchtbar langsam beim Arbeiten. Er ist rot-grün-blind. (Nein, dafür kann er nichts. Aber dafür, dass er das Maul nicht aufkriegt, wenn ich ihm das rote Band zum Markieren der Fallenstandorte in die Hand drücke, sondern erst, wenn er keine der Fallen wiederfindet.) Er jammert mir eindeutig zu viel: Im Auto ist ihm zu heiss. Bootfahren kann er so schlecht, weil er schon zwei Jahre nicht mehr gefahren ist, weil er so viel studieren musste. In der ersten Nacht waren es ihm zu viel Mücken. In unserer Hütte auf Kalkskär war es ihm zum Schlafen zu hell, und haben ihm die Vögel zu laut gesungen.

Ganz toll. Beste Voraussetzungen für einen absolut unerträglichen und nervenaufreibenden Sommer. Oder kann mir jemand bis nächste Woche einen neuen Bootfahrer besorgen?!