Suomalainen Päiväkirja

Live aus Turku

Schlacht geschlagen

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…und gewonnen, und eben ist mir ein Stein von der Grösse einer kleineren Schäre vom Herzen gefallen. Habt ihrs alle plumpsen gehört in der Ostsee?

Für um zehn hatte ich den am Telefon so schweigsamen Magnus – der der kleine Bruder von Annes Freund Niklas, und Anne wiederum eine Freundin von Pälvi, ist – zum „Vorstellungsgespräch“ bestellt, und was soll ich sagen: er war mir vom ersten Moment an sympathisch. So wie mir eben Sami damals vom ersten Augenblick an unsympathisch war.
Ich hatte ihn für heute um zehn bestellt, weil Erkki heute von seiner Dienstreise zurückkam. Der hätte bestimmt auch nicht damit gerechnet, dass ihn sofort bei seiner Ankunft seine Doktorandin überfällt, ihm Schauergeschichten von ihrem Feldassistenten erzählt, einen neuen schon an der Hand hat und nur noch wissen will, wie man denn nun Sami am besten kündigen kann!
Und da war er, der Haken – kündigen könne man prinzipiell schon, wenn jemand offensichtlich nicht in der Lage ist, die Arbeit zu tun, für die er bezahlt wird, aber, es ist ein Riesenaufwand. Und es dauert. Noch dazu, wo der Juli vor der Tür steht, in dem Finnland geschlossen ist. Kollektiv im Urlaub (ausser den Ökologen!). Nur wenn Sami zu überzeugen wäre, selbst zu kündigen. Ha! Jemand, der mir bei jedem Gespräch damit in den Ohren gelegen hat, dass er den Job unbedingt machen will und unbedingt das Geld braucht – „Nein, mit Mäusen wollte ich eigentlich nicht arbeiten – aber den Job will ich unbedingt haben!“, „Und wenn jetzt den ganzen Sommer schlechtes Wetter ist und wir nicht arbeiten können, werde ich dann trotzdem bezahlt? Ich brauche den Job nämlich unbedingt!“, „Ich habe mich doch schon letztes Jahr auf die Stelle beworben, dieses Jahr will ich den Job aber unbedingt haben!“ (Noch Fragen, warum er mir von Anfang an unsympathisch war?!) – der wird bestimmt nicht von sich aus kündigen. Mit Erkki wollte er auch lieber reden als mit mir. Na, bitte! Und persönlich herkommen wollte er auch. Na, noch viel besser!
Also sassen wir da, zwei, die ihn liebend gern in hohem Bogen gefeuert hätten und auch allen Grund dazu gehabt hätten, aber nicht durften, und einer, der seinen Job aber unbedingt behalten wollte, und rechtlich auch allen Grund gehabt hätte, ihn zu behalten. Ich sah schon meine Felle davonschwimmen und einen wirklich unangenehmen Sommer auf mich zukommen – mal von seinen Bootfahrkünsten abgesehen, unsere Beziehung wäre den ganzen Sommer mehr als angespannt gewesen, wer hält das denn aus? – als Erkki plötzlich mit sehr ernster Stimme zu einer sehr ernsten Rede ansetzte (ich schwöre, ich hab noch NIE erlebt, dass der Mann über irgendjemanden in irgendeiner Form Macht demonstriert hätte – aber diese Rede war: beeindruckend!) Ich sass nur da und dachte: das ist das Schlusswort, wenn das nicht hilft, dann muss ich mich auf einen furchtbaren Sommer einrichten – und plötzlich lenkte Sami ein: “OK, dann kündige ich eben. Ich weiss zwar dann nicht, wie ich meine Miete bezahlen soll…“

Nicht, dass ich jetzt besonders glücklich über diese Situation wäre. Nicht, dass ich einen besonderen Triumph verspürt hätte, als Erkki ihn so weit hatte. Ich weiss, dass es für Sami jetzt schwer werden wird, noch einen anderen Sommerjob zu finden. Aber er hatte es in der Hand. Wenn er nicht gelogen hätte in seiner Bewerbung, dann hätten wir uns nie und nimmer für ihn entschieden.
Ich weiss auch nicht, ob nun mein neuer Feldassistent soviel besser ist. Aber schlimmer kann es nicht werden.
Und ich bin soooo erleichtert. Ich freu’ mich sogar auf Montag, während ich heute früh beim Gedanken ans nächste Mal rausfahren schon wieder Bauchschmerzen bekam.

So, und jetzt geh’ ich die nächste Schlacht schlagen. Aber die ist nicht halb so wichtig.

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