Suomalainen Päiväkirja

Live aus Turku

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Heute früh um neun riss mich das Telefon aus meinem Urlaubsschlaf: „Guten Tag, Schürer von der deutschen Botschaft in Helsinki. Ich habe da gerade Ihren Passantrag vor mir liegen…“ Kurz und gut, ihnen fehlte die Abmeldebestätigung aus Jena. In Finnland wäre sowas nicht nötig, ein kurzer Blick ins Melderegister würde genügen, aber bitte, ich stelle mich ja nicht auf die Hinterbeine, wenn ich deutschen Bürokraten etwas zu arbeiten beschaffen kann. „Kann ich das auch faxen?“ „Ja, können Sie.“ „Und wie ist die Nummer?“ „Ja, Sie stellen Fragen…!“ Ich glaube langsam wirklich, dass in der deutschen Botschaft in Helsinki nur die fähigsten Beamten Deutschlands angestellt sind!!!

Das grössere Problem war jedoch, dass ich ja nun letzten Freitag nicht nur meinen Nachnamen, sondern gleich auch die Reihenfolge meiner Vornamen habe ändern lassen. Und oh Himmel, jetzt stimmen die ja nicht mehr mit meiner Geburtsurkunde überein! Das geht natürlich nicht für einen guten deutschen Staatsbürger! „So können wir das jedenfalls nicht in einen deutschen Pass schreiben. Sie haben das ja nur nach finnischem Recht geändert, nicht nach deutschem.“ „Soso, ist dann also auch meine Nachnamenänderung ungültig?!“ „Neeeiiiin…“ (ich hörte deutlich, wie es in Herrn Schürers Kopf ratterte), „Sie haben ja den Namen Ihres Mannes angenommen, das ist ja nicht anders als im deutschen Recht.“ Fein rausgewunden, Herr Schürer! Und die Vornamen? „Die könnten Sie in Deutschland ja überhaupt nicht ändern lassen. Also wenn überhaupt, dann mit enormem bürokratischem und finanziellem Aufwand.“ Ach! Herr Schürer beteuerte mir jedenfalls mehrfach, ihm seien „die Hände gebunden“, und er müsse sich an die Geburtsurkunde halten. Bitte, dann macht ihr Deutschen doch was ihr wollt! Der Pass ist mein einziges deutsches Dokument (einen Personalausweis brauche ich nicht mehr, den Führerschein bekomme ich aus Finnland), und wird wohl auch das letzte sein – wenn das so weitergeht, wird mein nächster Pass aber sicher ein finnischer!!!

Vielleicht sollte auch nur endlich mal jemand den Deutschen sagen, wieviel einfacher es ist, wenn jeder so eine Sozialnummer hat. (Oh, Entschuldigung, dann würde aber bestimmt auch die Hälfte der deutschen Beamten ihre Arbeit verlieren!) Vorletzte Woche war ich meine Steuererklärung abgeben und fragte gleich, ob ich dann nach der Hochzeit eine neue Steuerkarte bekomme. „Nö, bekommen Sie nicht. Sie können einfach selbst den Namen durchstreichen und den neuen Namen draufschreiben.“ „Und den Teil, den mein Arbeitgeber hat?“ „Dann sagen Sie einfach Ihrem Arbeitgeber, dass sich Ihr Name geändert hat, und der macht das dann ganz genauso.“ „Aha…“ „Wissen Sie, der Name ist doch sowieso vollkommen irrelevant, Hauptsache Ihre Sozialnummer steht drauf, und die ändert sich ja nicht.“ Polizei, Post, Bank und KELA wissen auch schon automatisch von meiner Namensänderung, ohne dass ich die extra melden müsste.
Vielleicht sollte ich mich auch am Telefon mit meiner Sozialnummer melden. ;-) Das funktioniert nämlich noch nicht so richtig und hört sich ungefähr so an: “Karen … ähm, Hallo?“

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