Suomalainen Päiväkirja

Live aus Turku


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Es sind dann gestern tatsächlich noch 10 Grad geworden, es hat aufgehört zu schneien und zu regnen, die Sonne ist wieder rausgekommen, und den ersten Huflattich haben wir auch gesehen. Nur ist jetzt tatsächlich wieder die Zeit angebrochen, wo uns am Wetterbericht am meisten die Windstärken interessieren. Und die sind eindeutig zu hoch heute. Also sitzen wir auf gepackten Koffern Kisten, Beuteln, Rucksäcken, Taschen und Seesäcken. Das Boot steht hinter der Uni auf dem Anhänger. Die Reservierung für das grosse Uniauto musste verschoben werden. Jetzt beginnt wieder die Zeit, in der die meisten SMSe, die ich bekomme, vom Wetter handeln oder Anfragen beinhalten, ob wir das Boot nächste Woche nicht mal einen Tag entbehren könnten, damit Anne / Samuli / Veijo / Outi / Mia… Isopoden sammeln / Vögel beringen / nach Seili fahren / Wasserproben nehmen… können. Die Zeit, in der sich niemand mit mir verabreden kann ohne dreifaches Wenn und Aber: „Wenn alles klappt, bin ich am Sonntag wieder da. Wenn wir aber erst morgen losfahren können, dann einen Tag später. Wenn das Wetter zu schlimm ist, dann fangen wir vielleicht nur in Utö und Vänö und müssen die anderen Inseln lassen, dann kämen wir drei Tage eher zurück. Und Outi hat nach uns das Boot reserviert, aber wenn sie mit uns tauscht, dann…“ So in der Art.

Aber morgen geht’s los. Und wenn alles klappt, bin ich am Samstag, dem 23. wieder da. ;-)


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Jetzt geht DAS also wieder los…! *seufz*

Morgen wollten wir anfangen mit der ersten Fangrunde für dieses Jahr. Utö, Trunsö, Vänö, Brunskär, alle 40 Inseln. Gucken, wer den Winter überlebt hat, welche Inseln überhaupt noch bewohnt sind, welche nicht. Sollte in 12 Tagen – wenn alles klappt wie geplant – gemacht sein.

Zwar ist das innere Archipelago rund um Turku immer noch vereist, aber gut, fahren wir eben nicht von Hirvensalo, unserem „Heimathafen“, aus los, sondern lassen das Boot auf dem Anhänger und lassen es erst in Nauvo zu Wasser. Dann sind wir auch schneller in Utö.
Zwar war für heute ein bisschen Regen vorhergesagt, aber immerhin +7 Grad. Und was tut es jetzt? SCHNEIEN!
Zwar hätten wir uns in den letzten Wochen ab und zu einen kräftigen Sturm gewünscht, damit das Eis schneller verschwindet, aber wann fängt es an zu stürmen? HEUTE!
Zwar weiss ich, dass das Aprilfangen so ziemlich das härteste an Feldarbeit ist, was man machen kann, aber ich hatte mich trotzdem drauf gefreut. Nur, wenn das jetzt schon wieder genauso losgeht wie den ganzen letzten Sommer, dann reicht’s mir eigentlich schon wieder, bevor es überhaupt angefangen hat…


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Sollte ich mich heute etwas matschig im Gehirn fühlen, kann ich das darauf schieben, dass ich mir gestern fünf (!) Stunden lang das Handy ans Ohr gehalten habe. Andere Beschwerden wie Halsschmerzen, Kieferschmerzen, Ohrenklingen, eingeschlafene Hände und heisse Ohren sind schon wieder abgeklungen.
Aber was nimmt man nicht alles auf sich, wenn die beste Freundin nach drei Wochen am anderen Ende der Welt wieder da eingetroffen ist, wo man für 3 cent pro Minute telefonieren kann.
Sooooo schön war’s! :-)))


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Nur als kurzer Nachtrag zu gestern:

Ich war gerade eben Reis und Ratatouille zum Mittag essen. Weil ich Reis gern esse und die Ratatouille wirklich verlockend aussah. (Und weil meine Zuckersucht anscheinend doch noch nicht so weit fortgeschritten ist, dass ich spätestens um halb zwölf wieder etwas Süsses brauche. *läster*) Zwar waren dem Reis ein paar Krümelchen Kräuter beigefügt, aber am Salz war natürlich wieder kräftig gespart. Ich weiss nicht, warum ich mich immer wieder vom leckeren Aussehen des finnischen Essens täuschen lasse. Mensch, Leute, Salz ist nicht nur schädlich, Salz in Maßen ist auch ein prima Geschmacksverstärker! Naja, es gab ja an zentraler Stelle noch zwei Salzstreuer, mit denen ich ein bisschen nachhelfen wollte. Vergebens. Das Salz darin war zu einem steinharten Klumpen geweicht und getrocknet. Sicher seit Monaten. Sicher seit Monaten unbemerkt.

So ist das hier.


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Was es alles gibt: Zuckersucht

Schon vor fünf Jahren haben mich die Leute in Konnevesi mit gutmütigem Kopfschütteln über die Gefahren von Fett und Salz aufgeklärt, als ich unbeirrt Kaffeesahne statt fettfreier Milch in meinen Kaffee tat und meinen Salat mit Salz nachwürzte. Zuletzt machten sie sich einen Spass daraus, auf die Kaffeesahnepackung „For Karen only“ zu schreiben und für mich nach dem Salzstreuer zu springen. (Das tun sie auch heute noch, wenn ich meine spärlichen und kurzen Wochenendbesuche bis zum gemeinsamen Mittagessen am Montag ausdehnen kann. Solcherart Eindrücke habe ich dort hinterlassen!) Achselzuckend ob meiner Unbelehrbarkeit schoben sie meine Unempfindlichkeit gegenüber den bösen Zutaten auf mein saksalainen geeni, wohingegen mir Hannu netterweise prophezeite, wenn ich dreissig wäre, würde ich doch fett werden, saksalainen geeni hin oder her.

Das Misstrauen der Finnen gegenüber Salz und Fett ist nicht ganz unbegründet. Bis vor 30 Jahren hatte Finnland die höchste Herzinfarktrate Europas – und den höchsten Fettverbrauch. Da das irgendwie zusammenzuhängen schien, wurde fortan das Volk erzogen: in den Grossküchen wurden strenge Richtwerte für den Gehalt an Salz und Fett im Essen eingeführt, und dem Volk wurde von oben dringendst angeraten, fettärmere Produkte zu kaufen und auf die Verwendung von Salz möglichst ganz zu verzichten. Was anderswo nur im Zusammenhang mit einem neuen Fitness- oder Wellnesstrend funktioniert hätte – die braven Finnen hörten auf ihre Obersten und stellten radikal ihre Ernährungsgewohnheiten um. Meine hostmama kann das geschmackloseste Essen kochen, das ich je probiert habe. (Und wundert sich dann, warum ihre Kinder in den Ferien mittags lieber Pizza essen gehen statt ihr vorgekochtes Essen aufzuwärmen. Denen muss man das wohl noch mal ausführlich erklären mit den Gefahren von Fett und Salz!)

Seit Weihnachten bin ich dazu übergegangen, kein Mittag mehr in der Uni zu essen. Erstens hatte ich keine Lust mehr, neben meinen schweigenden Jungs das Essen reinzuschaufeln. Zweitens hat der Liebste seitdem viel zu Hause gearbeitet und war auch nicht Mittagessen, so dass wir lieber ein ausführliches gemeinsames Abendbrot gemacht haben. Und drittens habe ich festgestellt, dass mir mittags, vor allem wenn ich sehr viel Konzentrationsarbeit leisten muss, eher nach was Süssem ist als nach herzhaftem Mittagessen.

Heute mittag hatte ich gerade genüsslich in meinen zuckerbestreuselten munkki gebissen und fing an, den ausliegenden Turun Sanomat zu lesen, als mein Blick auf eine Buchbesprechung fiel.

Also jetzt reichts!
Jetzt soll uns also auch noch eingeredet werden, Zucker wäre ungesund. Zucker führe zu Depressionen, Nervosität, Aggressivität. Schlimmer noch, schon Kinder würden von Zucker abhängig gemacht, was den direkten Weg zu Nikotin-, Alkohol- und Drogenabhängigkeit ebnen würde. Haarsträubendere Argumente habe ich selten gehört!

So kommt es ja wohl fast einem Wunder gleich, dass ich, trotz meiner nun fast 30-jährigen Zuckersucht, keinerlei Bedürfnis nach Zigaretten habe und meine Trinkgewohnheiten sehr viel besser unter Kontrolle als sämtliche die meisten Finnen…


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Am Wochenende waren der Liebste und die liebste Freundin fast gleichzeitig in der Luft unterwegs. Ich musste den einen samstagfrüh um sechs zum Flughafen fahren *gähn*, und dann blieb mir nur, sie von Ferne zu verfolgen: von Turku nach Stockholm nach Berlin, von Sydney nach Kuala-Lumpur nach Wien nach Helsinki. Ich finde diese Seiten toll, auch wenn sie einem immer die interessantesten Infos vorenthalten. Die kamen dann später per SMS: „Ja, wir sind schon viel zu spät von Stockholm losgeflogen, weil wir auf die Piloten warten mussten. Die kamen aus Kiruna, und es wäre so viel Verkehr über Skandinavien gewesen.“ Naja, da wird wohl eher ein Elch auf der Rollbahn gestanden haben, in Kiruna!


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Draussen ist Krieg in der Wüste. Oder so ähnlich.
Überall in der Stadt sind sie damit beschäftigt, die zentimeterdicke Schicht Streugut wieder zu entfernen, die jetzt, nachdem der ganze Schnee verschwunden ist, nutzlos auf den Fusswegen herumliegt. Nicht mit herkömmlichen Kehrmaschinen, nein, mit extra Splittsaugern, die aussehen wie an Bagger angehängte übergrosse Staubsauger. Das nützt aber gar nichts. Es macht einen Höllenlärm, und trotzdem hängt über der Stadt eine einzige Staubwolke. Der Staub der letzten fünf Monate. Fünf Monate im Schnee gebunden (das Beste am finnischen Winter ist, dass man monatelang keine Schuhe putzen muss), dann aber nicht mit ihm in der Kanalisation verschwunden, weil der Schnee nicht weggeFLOSSEN ist, sondern in der Sonne der letzten fünf Wochen einfach SUBLIMIERT. Der Staub ist übriggeblieben und wirbelt durch die Strassen, wie ein ausgewachsener Sandsturm. Autos sehen aus wie nach der Rallye Paris-Dakar. Ich muss mir ständig die Augen reiben. Warum unsere Wohnung so staubig ist, frag’ ich mich auch nicht mehr. Vielleicht müsste’s mal regnen, hab’ ich schon ganz ketzerisch gedacht, aber mir den Gedanken sofort wieder verboten. Wo das doch das Beste am finnischen Frühling ist – Woche um Woche Sonne und Sonne und nichts als Sonne, bis der Schnee verschwunden ist, bis diese grausliche Sandsturmzeit überstanden ist, bis es grün ist.