Suomalainen Päiväkirja

Live aus Turku

Was es alles gibt: Zuckersucht

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Schon vor fünf Jahren haben mich die Leute in Konnevesi mit gutmütigem Kopfschütteln über die Gefahren von Fett und Salz aufgeklärt, als ich unbeirrt Kaffeesahne statt fettfreier Milch in meinen Kaffee tat und meinen Salat mit Salz nachwürzte. Zuletzt machten sie sich einen Spass daraus, auf die Kaffeesahnepackung „For Karen only“ zu schreiben und für mich nach dem Salzstreuer zu springen. (Das tun sie auch heute noch, wenn ich meine spärlichen und kurzen Wochenendbesuche bis zum gemeinsamen Mittagessen am Montag ausdehnen kann. Solcherart Eindrücke habe ich dort hinterlassen!) Achselzuckend ob meiner Unbelehrbarkeit schoben sie meine Unempfindlichkeit gegenüber den bösen Zutaten auf mein saksalainen geeni, wohingegen mir Hannu netterweise prophezeite, wenn ich dreissig wäre, würde ich doch fett werden, saksalainen geeni hin oder her.

Das Misstrauen der Finnen gegenüber Salz und Fett ist nicht ganz unbegründet. Bis vor 30 Jahren hatte Finnland die höchste Herzinfarktrate Europas – und den höchsten Fettverbrauch. Da das irgendwie zusammenzuhängen schien, wurde fortan das Volk erzogen: in den Grossküchen wurden strenge Richtwerte für den Gehalt an Salz und Fett im Essen eingeführt, und dem Volk wurde von oben dringendst angeraten, fettärmere Produkte zu kaufen und auf die Verwendung von Salz möglichst ganz zu verzichten. Was anderswo nur im Zusammenhang mit einem neuen Fitness- oder Wellnesstrend funktioniert hätte – die braven Finnen hörten auf ihre Obersten und stellten radikal ihre Ernährungsgewohnheiten um. Meine hostmama kann das geschmackloseste Essen kochen, das ich je probiert habe. (Und wundert sich dann, warum ihre Kinder in den Ferien mittags lieber Pizza essen gehen statt ihr vorgekochtes Essen aufzuwärmen. Denen muss man das wohl noch mal ausführlich erklären mit den Gefahren von Fett und Salz!)

Seit Weihnachten bin ich dazu übergegangen, kein Mittag mehr in der Uni zu essen. Erstens hatte ich keine Lust mehr, neben meinen schweigenden Jungs das Essen reinzuschaufeln. Zweitens hat der Liebste seitdem viel zu Hause gearbeitet und war auch nicht Mittagessen, so dass wir lieber ein ausführliches gemeinsames Abendbrot gemacht haben. Und drittens habe ich festgestellt, dass mir mittags, vor allem wenn ich sehr viel Konzentrationsarbeit leisten muss, eher nach was Süssem ist als nach herzhaftem Mittagessen.

Heute mittag hatte ich gerade genüsslich in meinen zuckerbestreuselten munkki gebissen und fing an, den ausliegenden Turun Sanomat zu lesen, als mein Blick auf eine Buchbesprechung fiel.

Also jetzt reichts!
Jetzt soll uns also auch noch eingeredet werden, Zucker wäre ungesund. Zucker führe zu Depressionen, Nervosität, Aggressivität. Schlimmer noch, schon Kinder würden von Zucker abhängig gemacht, was den direkten Weg zu Nikotin-, Alkohol- und Drogenabhängigkeit ebnen würde. Haarsträubendere Argumente habe ich selten gehört!

So kommt es ja wohl fast einem Wunder gleich, dass ich, trotz meiner nun fast 30-jährigen Zuckersucht, keinerlei Bedürfnis nach Zigaretten habe und meine Trinkgewohnheiten sehr viel besser unter Kontrolle als sämtliche die meisten Finnen…

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