Suomalainen Päiväkirja

Live aus Turku

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Ansonsten hat das Symposium, das wir dieses Jahr zum ersten Mal gemeinsam mit den Ökologen der Åbo Akademi veranstaltet haben, bei ihnen im Arken, wieder viel Anlass zu Vergleichen zwischen Finnen und Finnlandschweden gegeben.

Zuerst einmal die Räumlichkeiten: das Arken ist eine erst im letzten Jahr zum Unigebäude umgebaute alte Fabrik. Der Umbau ist, wie ich finde, gut gelungen, allerdings bin ich inzwischen so an die finnische Bauweise mit viel Glas und Holz und hellen Farben gewöhnt, dass ich mit dem vielen Schwarz im Arken echte Probleme habe. Im dunklen Winter sowieso, und wenn wie jetzt die Sonne scheint, dann erst recht. Die haben dort schwarz gefliesste Toiletten und Waschräume, dunkelgraue Türen, und das schlimmste dort ist der Hörsaal mit schwarzen Schreibpulten und dunkelgrau bezogenen Sitzen und Wänden, die ringsherum mit Platten aus dunkelsilbernem Metallgeflecht behängt sind. Alles wirkt sehr edel und modern, aber nicht besonders freundlich, und zeugt vor allem von sehr viel Geld. Keine finnische Uni könnte sich solch einen aufwändigen Umbau leisten.
Was dann besonders irritiert, ist, dass in diesem durchgestylten Gebäude überall Zettelchen mit Klebeband angebracht sind: Keine Banane essen im Hörsaal! Keinen Kaffee mit reinnehmen! Handy aus! Und dann die besonders schönen Zettelchen auf den Toiletten: Verlasse den Raum so, wie du in vorfinden möchtest! (*blabla* *augenverdreh* Diese moralisierenden Aufforderungen haben mich schon immer angenervt!) plus ausführliche Hinweise, wie das erreicht werden kann, z.B. durch Benutzung der Klobürste… Ich kam mir fast vor wie in meinem lieb Heimatland! Ich hatte die Existenz solcher Zettelchen in manchen Gegenden der Welt schon ganz aus meinem Gedächtnis verbannt. Natürlich gibt es in Finnland auch das eine oder andere Verbotsschild, aber darüber hinaus fühlt sich nicht Hinz und Kunz dazu verpflichtet, seinen Mitmenschen seine eigenen Regeln darzulegen.
Apropos Regeln: wir hatten jeweils zwei chair persons pro Tag, jeweils jemand von der Uni und jemand von der Akademi. Die Nachmittagssession am Donnerstag begann damit, dass der chairman von der Åbo Akademi uns alle aufforderte, die Handys auszuschalten: „Und wenn bei jemandem das Handy klingelt, den schmeisse ich raus!“ Da in Finnland Handys schon etliche Jahre länger üblich sind als z.B. in Deutschland, wo der grosse Boom ja erst vor 5 Jahren einsetzte, und Handys hier von Anfang an als Gebrauchsgegenstände und nicht als Prestigeobjekte angesehen wurden, braucht man eigentlich niemanden über Handyetikette aufzuklären. Ich habe noch nie, wirklich noch nie ein Handy in einer Vorlesung oder während eines Meetings klingeln hören! Warum dann diese rüde Aufforderung? Warum die Drohung mit Rausschmiss? Es bewirkt doch nichts anderes, als die Leute so richtig vor den Kopf zu stossen. „Rausschmeissen“ scheint überhaupt ein Lieblingswort finnlandschwedischer Lehrer zu sein. Gerade heute früh erst im Schwedischkurs erklärte Charlotta uns zum soundsovielten Male, dass alle, die mehr als sieben Mal fehlen, von ihr aus dem Kurs geschmissen werden, und im Übrigen werde sie beim nächsten Mal die Tür verschliessen, so dass alle, die zu spät kommen, nicht mehr reinkommen, so dass das mal ein Ende hat. Solche Kindergartenmätzchen habe ich zum letzten Mal im Grundstudium bei unserem vergreisten Zoologieprofessor erlebt, der schloss auch seinen Hörsaal ab, und wer Kaugummi kaute, flog raus.
Und dann wären noch die Studenten. Natürlich gab es keinerlei Annäherung von Finnen und Schweden. Wir hörten uns höflich alle Vorträge an, aber zur abschliessenden Party erschien kein einziger der Schweden. Während die Finnen die Schweden einfach links liegen lassen, machen die meisten Schweden ziemlich arrogant klar, dass sie mit den Finnen eigentlich sowieso nichts zu tun haben wollen.

Es gibt auch Ausnahmen, klar. Aber wie können die Leute in EINEM Land eigentlich sooo verschieden sein?!

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