Suomalainen Päiväkirja

Live aus Turku


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Gestern war ich zum ersten Mal auf der Turkuer Burg. Nachdem der Liebste mit seinem Finnischkurs dort war und ganz begeistert davon war, wollte ich nun doch auch mal hin. Dass ich bisher so gar nicht erpicht drauf war, mir die Burg anzugucken, lag wohl daran, dass sie von aussen so nach überhaupt nichts aussieht. Aber das ist eine grosse Täuschung! Innen ist sie riesig gross, mit lauter verwinkelten Gängen und Treppen, und man kann ganz viel angucken. Drei Stunden sind wir treppauf, treppab gestiefelt und haben geguckt, und wir waren hinterher ganz schön kaputt. Am meisten hat mich beeindruckt, dass die Burg, als sie um 1200 errichtet wurde, noch auf einer Insel lag. Finnland hebt sich ja seit der Eiszeit stetig aus dem Meer, in 100 Jahren ca. 60 cm. Das ist eine ganze Menge, und die Burg liegt inzwischen auch schon seit etlicher Zeit auf dem Festland. Weil bald Weihnachten ist, hatte der Burgwichtel allerhand für die Besucher in der Burg versteckt: hier ein glitzernder Schatz, dort ein Schmuckkästchen, in einem dunklen Gang sass seine Katze Murr mit glühenden Augen, und sogar einen Blick in sein Stübchen konnte man werfen.


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Viel Geld ausgegeben…

…habe ich gestern.
Erst war ich mit Vatanen und Ronkainen beim Tierarzt, weil sie beide so komische Beulen unter der Haut haben. Himmel, hab ich mir Sorgen gemacht! Aber die Tierärztin meinte, Meerschweinchen hätten das häufiger, und es sei auf jeden Fall gutartig. *steinvomherzenfall* Für diese Auskunft durfte ich 45 € dort lassen. (Und Pinni, hör mal, wenn der Kekkonen das auch kriegt, bekomme ich aber 22,50 € von dir dafür, dass du jetzt weisst, dass du dir deswegen keine Sorgen machen musst, gell?!)
Danach haben wir Zugtickets für vier Personen und J-FI nach Rovaniemi und zurück gekauft. (Jahaa, wir fahren wieder nach Lappland im kalten und dunklen Januar! :-) ) Für 600 €! (Und das ist schon ein „Paket“preis! Zum Glück fahren die Schweinchen umsonst!) Aber es war sooooo erholsam letztes Jahr, im Schlafwagen zu reisen…!
Aber ja… wir haben uns schon lange abgewöhnt, in Finnland darüber nachzudenken wie teuer alles ist. Sonst wird man verrückt. Einer unserer deutschen Besucher hat daraufhin mal gesagt: „Also ICH denke da schon drüber nach, ich hab’ mir das Geld ja hart verdient.“ Tja, was beschwere ich mich eigentlich, wo einem doch in Finnland die Löhne geschenkt werden?!


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Post von der Post

Heute muss ich mal ein bisschen von der finnischen Post schwärmen…
Ich habe in meinem bisherigen Leben fast alles gesammelt, was man sammeln kann, nur keine Briefmarken. Das war mir zu spiessig. Aber ich verschicke gern Briefe mit schönen Briefmarken drauf. Die Briefmarken auf den Briefen, die ich in meinem ersten finnischen Winter aus Konnevesi verschickt habe, waren damals bei meinen Freunden und deren Freunden und Eltern und Geschwistern fast genauso begehrt wie heutzutage finnische Euromünzen. Und auch ich besitze mittlerweile ein Briefmarkenalbum – für ausschliesslich finnische Briefmarken. Sie sind fast ausnahmslos schön, und manche sind so unglaublich, dass man das Gefühl hat, für die 65 cent mehr die Briefmarke als die Briefbeförderung bezahlt zu haben. Es gibt Briefmarken, die im Dunkeln leuchten, es gibt welche zum Abrubbeln, und es gibt die Muuminmarke, die sich ganz samtig anfasst. Zu vielen Briefmarken gibt es passendes Briefpapier oder Postkarten. Und neuerdings kann man sich sogar seine ganz eigene Briefmarke herstellen lassen.
Postämter haben wochentags von 9:00 bis 20:00 Uhr geöffnet, fast Supermarktöffnungszeiten. An den Adventswochenenden sogar samstags und sonntags, um die Flut der Weihnachtspost zu bewältigen.
Und die Post bietet viele nette Dienste an. Im November z.B. bekommt jeder Haushalt einen grossen roten Umschlag, in den man seine gesamte Weihnachtspost stecken kann. Den roten Umschlag wirft man einfach in den nächsten Briefkasten, und die Weihnachtspost wird dann so lange in der Post gelagert, bis sie abgeschickt werden muss, damit sie pünktlich zu Weihnachten ankommt. So kann man in aller Ruhe schon lange vor Weihnachten seine Weihnachtspost fix und fertig erledigen. Wer eher gar nicht zum Kartenschreiben kommt, kann übers Internet oder per SMS eine richtige Karte verschicken lassen. Karte aussuchen, Text schreiben, Empfänger angeben – wenn das alles vor 14:00 Uhr geschehen ist, findet der Empfänger sie am nächsten Tag im Briefkasten. Ein bisschen unpersönlich, klar, aber doch eine ganz nette Alternative zur elektronischen Postkarte, finde ich.
Ja, und ich dachte also neulich, ich könne eine grössere Menge an Muuminmarken kaufen für unsere endgültige Hochzeitseinladung (Marjaana hat mich auf eine prima Idee gebracht, womit wir Einladungen und Tischkärtchen gestalten könnten, aber das verrat’ ich jetzt nicht. :-) ) Leider sagte man mir sowohl auf der Post in Nummi als auch auf der Turkuer Hauptpost, die wären schon lange ausverkauft. (Was im Übrigen nicht viel heisst – besonders beliebte Briefmarken werden gern nochmal aufgelegt. Erst dieses Jahr habe ich noch einmal eine Briefmarkenserie gekauft, die zum Valentinstag 2000 herauskam.) Aber die finnische Post wäre ja nicht die finnische Post, wenn es nicht doch irgendeine Möglichkeit gäbe. Ja, genau. Man kann Briefmarken auch übers Internet bestellen. Für nur 50 cent Bearbeitungsgebühr, und dafür muss ich noch nicht mal auf die Post gehen. Am Dienstag bestellt, gestern hatte ich Post von der Post. Mit lauter Muumins. :-)


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Finnische Stadt mit drei Buchstaben?

Na klar, Kreuzworträtsellöser wissen es: Åbo. Allerdings finde ich es ziemlich dreist, permanent nach dem SCHWEDISCHEN Namen einer FINNISCHEN Stadt zu fragen. Aber wenn’s nun mal so schön passt…

Und ja, wir hier in Turku/Åbo finden ja auch schon gar nichts mehr dabei, alle Beschilderungen zweisprachig zu lesen. Wenn in einer Gemeinde mehr als 5% der Bevölkerung der schwedischsprachigen Minderheit angehören, müssen alle Beschilderungen zusätzlich zu Finnisch auch Schwedisch sein. So weit so gut. Richtig kompliziert wird es aber mit der Vorschrift, dass, wenn mehr als 50% der Bevölkerung einer Gemeinde schwedischsprachig sind, auf den Beschilderungen zuerst Schwedisch zu lesen sein muss und dann erst Finnisch. Nun ja, ich hab’ nichts gegen den Schutz von Minderheiten, aber bitte, wo sind wir denn hier? Doch immer noch in Finnland! Wenn man durch Südwestfinnland fährt, kann es passieren, dass alle 20 km die Sprache der Strassenschilder wechselt. Oder die Gemeinde Parainen/Pargas, auf der gleichnamigen Insel vor Turku, bis vor kurzem hauptsächlich schwedisch besiedelt, ergo schwedisch beschildert, hat mittlerweile einen finnischsprachigen Bevölkerungsanteil von über 50%. Werden dort jetzt alle Schilder abgenommen und durch neue, den Vorschriften entsprechende, ersetzt?! Manchmal verstehe ich den Groll der Finnen gegenüber der „bestgeschützten Minderheit der Welt“.
Mein Wunsch, nun auch noch Schwedisch zu lernen, entspringt auch weniger dem wirklichen Wunsch (Wenn ich könnte, wenn ich Zeit hätte… dann würde ich zunächst mein verschüttetes Tschechisch wieder aufbessern, und dann Arabisch lernen.), als der Einsicht, dass es durchaus von Nutzen sein könnte, auch die zweite Amtssprache Finnlands ein wenig zu beherrschen, wenn ich später mal in Finnland ausserhalb der Uni arbeiten will. Und natürlich der grossen Hoffnung, dass mir Schwedischlernen nicht so sehr schwer fallen sollte, so ähnlich wie es dem Deutschen ist. Ganz am Anfang war ich manchmal, besonders beim Einkaufen, ganz froh über die schwedischen Beschriftungen, die brachten mich meistens doch drauf, was in der Verpackung sein könnte. Heute fühle ich mich mit Finnisch wesentlich wohler, und in einer rein schwedischsprachigen Umgebung fühle ich mich sehr fremd. Bei manchen schwedischen Beschriftungen habe ich den Eindruck, was ich mir aus dem Deutschen nicht denken kann, verstehe ich mittlerweile, weil ich inzwischen ganz gut Finnisch kann. Ganz so, als ob viele schwedische Worte aus dem Finnischen abgeleitet wären. Ist natürlich umgekehrt, aber Finnisch hab’ ich nun mal eher gelernt. :-) Meistens geben uns die schwedischen Beschriftungen, wenn sie uns überhaupt noch als etwas Besonderes auffallen, ein wenig Grund zur Belustigung. Mein Favorit ist „Ägg från frigående höns“. Freigehende Hühner, sieh mal an! ;-)
Was mich aber jedes Mal wieder wirklich umhaut, ist, wenn alle diese schwedischen Namen und Bezeichnungen plötzlich nicht mehr nur eine Formsache sind. Ich wundere mich ja nicht einmal, wenn jemand auf der Strasse schwedisch spricht. Aber dass es tatsächlich Leute gibt, die sagen, sie wohnen in Åbo! Oder Geoffrey aus unserer Gemeinde, mit einer Finnlandschwedin verheiratet, der, nach seiner Adresse befragt, grundsätzlich den schwedischen Strassennamen nennt. Oder der Schwede, der uns letztes Jahr auf unserer Kreuzfahrt fragte, ob wir wohl aus „Obu“ seien. Bitte, woher? Ach so, Turku! Klar. ;-)


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Der finnische Unabhängigkeitstag hat uns ein langes Wochenende beschert.
In meinem Adventskalender von den Pfadfindern war gestern natürlich eine finnische Fahne. (Auf besagter website habe ich gelesen, dass der Zeichner seit dem ersten Adventskalender 1947 nur einmal den Unabhängigkeitstag vergessen hat, und statt der finnischen Fahne ein Kamel hinter dem Fenster war. Es stand nicht da, aber ich vermute, das hat einen mittelgrossen Skandal gegeben.)
Abends haben wir einen Spaziergang durch Nummi gemacht, einen ruhigen Turkuer Stadtteil mit vielen kleinen Holzhäusern, um uns die Kerzen in den Fenstern anzuschauen. Am Abend des Unabhängigkeitstages stellen die Finnen zwei Kerzen ins Fenster, neuerdings häufig eine weisse und eine blaue, oder, noch moderner, Kerzen, die zur Hälfte weiss und zur Hälfte blau sind. In Nummi fand sogar ich, erzgebirgsverwöhnt wie ich bin, die Weihnachtsdekorationen halbwegs schön, und der Spaziergang hat mich ein bisschen dafür entschädigt, dass ich dieses Jahr keine grossen Pyramiden auf den Marktplätzen und Schwibbögen in den Fenstern angucken kann.
Ausser Kerzen in die Fenster zu stellen hat der Finne am Abend des Unabhängigkeitstages noch einen Programmpunkt: den Empfang bei der Präsidentin im Fernsehen anzusehen. Jedes Jahr werden dazu bedeutende Politiker, Künstler, Wissenchaftler eingeladen. Schon wochenlang vorher wird darüber geredet, besonders, wenn man jemanden der Eingeladenen persönlich kennt, erst recht, wenn derjenige Anlass zu Spekulationen über die Art seiner Begleitung und Bekleidung gibt. Und hallo, wozu bezahle ich eigentlich schon seit Monaten tv-maksu? Um immer nur Videos und DVDs zu gucken? Nee, gestern hab ich mir mal 2 1/2 h lang was von YLE für mein Geld bieten lassen! ;-) Mein Liebster konnte nicht so ganz verstehen, wo denn die Faszination darin liegen soll, zuzuschauen wie Tarja Halonen 2000 Leuten die Hand schüttelt – aber ich gucke nun mal gern Menschen an. Und ich bin eine Frau, ich darf mir auch mal zwei Stunden lang Abendkleider angucken, oder? Aber am meisten habe ich mich doch immer gefreut, wenn mal einer statt in Frack oder Abendkleid in Tracht auftauchte. Sogar ein Same, der aussah wie dem Souvenirladen entsprungen, war dabei.

Im Übrigen haben wir 5 Grad PLUS und es regnet in Strömen.
Und es ist um neun und STOCKDUNKEL.


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“Oh es riecht gut…“

Gestern habe ich Plätzchen nach finnischem Rezept gebacken. Zum ersten Mal in meinem Leben habe ich Mehl nach Dezilitern abgemessen, dafür kommt das finnische Rezept ohne so mysteriöse Zutaten wie Hirschhornsalz aus.

Ein Nudelholz besitzen wir immer noch nicht, aber die rote Flasche tut seit Jahren treu ihren Dienst, und kann, wenn sie nicht im Backeinsatz ist, sogar noch als Vase benutzt werden. Welches Nudelholz kann das?!

Unsere Ausstechförmchen sind auch spurlos verschwunden. (Zieht bloss nie um!) Ich war aber nicht böse, neue Förmchen kaufen zu können: noch nie habe ich Elche gebacken! :-)

Jetzt wird’s unfinnisch: ohne Verzieren macht nämlich die ganze Weihnachtsbäckerei keinen Spass.

Fertig! Njam! :-)


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Bitte?! 3.5°C? Ich seh’ ja wohl nicht recht! Ich will den Schnee behalten!!!

Diese Woche ist sowieso nicht die meine… nach einem erholsamen Wochenende wollte ich mich Montagfrüh wieder voller Tatendrang in die Arbeit stürzen – und musste gleich nach dem Aufstehen feststellen, dass ich wohl lieber wieder ins Bett gehe. Wo ich dann wegen permanenter Kaputtheit auch den ganzen Tag blieb. Gestern schleppte ich mich dann wenigstens zum Finnischkurs, nicht ohne vorher nochmal auf Arbeit den Rechner anzuwerfen, jedoch… der gute alte Sieppo wollte nicht, zumindest nicht in einer Geschwindigkeit, die ich zum Arbeiten für angemessen hielt. Unser Computer-Matti liegt mir ja schon seit dem Frühjahr in den Ohren, dass er meinen Computer endlich updaten will, aber ich, Gewohnheitstier und sowieso bescheiden was die neueste Technik betrifft, hab’ immer gesagt, ja, ja, hat ja noch Zeit… Nun hatte er mich ja schon fast soweit, geködert mit einem eigenen CD-Brenner und sogar der Zusage, mir einen ganz neuen Rechner zu besorgen, einen, der mich nicht mehr den ganzen Tag dermassen anzirpt, dass ich abends mit Kopfschmerzen nach Hause gehe… aber nun hatte Matti wieder keine Zeit, sich drum zu kümmern. Glücklicherweise war er gestern gleich anzutreffen, musterte den Sieppo mit besorgtem Blick und fing an mir zu erklären:“When it is so slow, then probably the hard disk is…“Too full?“, ergänzte ich hoffnungsvoll. „Yeeeeees…(klang nicht sehr überzeugend) or it’s almost broken.Broken? Hilfe, meine Daten! Ist ja nicht so, dass ich Matti auch schon seit drei Wochen bitte, mir einen Ordner für Sicherheitskopien auf Mikaels Computer anzulegen, weil das Brennen hier immer mit ewigem Aufwand verbunden ist und ich es dann doch lieber lasse… *grmpf* Naja, er hat jedenfalls noch alles retten können und berichtete mir fünf Minuten später auch stolz, er hätte JETZT SOFORT einen neuen Computer für mich bestellt, und ich würde ihn diese Woche noch bekommen. Na fein. Nun sitze ich zu Hause, nicht wirklich motiviert zum Arbeiten, immer noch ziemlich müde, draussen ist es noch nicht mal richtig hell, und dazu dieses Matschwetter – ich geh wohl am besten wieder ins Bett!