Suomalainen Päiväkirja

Live aus Turku

Weihnachten deutsch/finnisch

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Weihnachten hier war sooooo schön…! Ich hab’ nicht mal mehr Heimweh nach dem Erzgebirge gehabt, das mir doch sonst immer den ganzen Advent über ein bisschen zusetzt.

Der 24. Dezember fing auch bei uns in Turku an wie es sich gehört:mit Baumputzen. Zwar hat man uns dieses Jahr den Baum fast schon mit Dekoration verkauft, aber wir haben dann doch noch ein bisschen nachgeholfen, noch dazu, wo sich der schöne Schmuck im Zimmer auch nicht so recht halten wollte. ;-)

Um 12 hatten wir unseren ersten Weihnachts”termin”: die Verkündigung des Weihnachtsfriedens. Je weiter wir uns Dom und altem Marktplatz näherten, desto mehr fühlte ich mich an 1.Mai-Demonstrationen in Karl-Marx-Stadt erinnert, so viele Menschen (samt Kindern und Hunden) waren auf dem Weg dort hin. Die Aninkaistenkatu war sogar für Autos gesperrt. Es war aber dann überraschend feierlich. Nachdem die Glocken des Doms zwölf Mal geschlagen hatten, wurde vom Balkon des alten Rathauses der Weihnachtsfrieden verkündet. Und wenn es uns auch ein wenig seltsam vorkam, dass bei einer solchen Gelegenheit die Nationalhymne gesungen wird – die Inbrunst, mit der die Finnen mitsangen, und der kleine Junge neben uns, der sich auf den Schultern seines Vaters auch die Mütze vom Kopf zog, waren doch ergreifend. Das mit dem Weihnachtsfrieden ist im Übrigen durchaus wörtlich zu nehmen: ab mittags sind die Geschäfte geschlossen, und ab 14:00 Uhr bis zum zweiten Weihnachtsfeiertag fahren keine Busse und Bahnen mehr. Selbst unser kleiner Studentendorfkauppa, der doch sonst an jedem Sonn- und Feiertag geöffnet hat, hatte zu Heiligabend und an den Feiertagen jeweils nur ein paar Stunden auf. Und in der ganzen Stadt war es drei Tage lang seltsam still. Das Glockenläuten des Doms und die Verkündigung des Weihnachtsfriedens werden im Radio und Fernsehen landesweit übertragen. Wir haben es aufgenommen und uns abends nochmal angesehen, was wir mittags live nicht sehen konnten hinter den vielen Menschen.

An Heiligabend in die Kirche zu gehen, ist in Finnland eigentlich bis vor kurzem nicht üblich gewesen. Erst seit ein paar Jahren bieten die Kirchen auch Christvespern an Heiligabend an. Auch unsere internationale Gemeinde hatte erst am 25. einen Weihnachtsgottesdienst. Da ich mir aber einen Heiligabend ohne Kirchgang nicht vorstellen konnte, hatten wir die Wahl zwischen einer hochoffiziellen Weihnachtsmesse in finnisch und schwedisch mit dem Erzbischof von Finnland im Dom, und einer kleinen Christvesper auf finnisch in der Katariinankirkko. So sehr ich den Dom liebe und als „meine“ Kirche ansehe, haben wir uns dann doch für den kürzeren Weg und den kürzeren Gottesdienst entschieden. Es war auch bestimmt die schönste Christvesper seit Jahren: sehr kurz und schlicht und doch sehr herzlich. Die Weihnachtsgeschichte auf Finnisch hat mich dann auch seltsam berührt. Weil ich auf einmal wieder so sehr gespürt habe, dass ich jetzt hier zu Hause bin. Und dass die Weihnachtsgeschichte viel mehr ist als diese Phrase, die wir im Deutschen alle schon auswendig kennen:“Es begab sich aber zu der Zeit…“. In die Katariinankirkko zu gehen hatte auch noch den Vorteil, dass uns der Weg über den Katharinenfriedhof führte. Die Finnen bringen nämlich, wie auch zu Allerheiligen, am Heiligabend Kerzen auf die Gräber ihrer Verstorbenen. Der Friedhof war ein einziges Kerzenmeer, und am Mahnmal für die Gefallenen der Kriege hielten Männer mit blau-weisser Schärpe Mahnwache. Sehr feierlich.

Für die Finnen beginnt dann am Abend das grosse Weihnachtsfestessen mit für uns, ähm, eher nicht so leckeren Speisen wie klumpenweise Schinken, Aufläufen aus Leber oder Möhren und dergleichen mehr. *örks* Da blieben wir doch lieber bei unserer traditionell sächsisch/thüringischen Bratwurst mit Kartoffelbrei und Sauerkraut zum Heiligabend. (Dem Lidl sei Dank für die leckere Bratwurst, dem PRISMA für den Import von deutschem Sauerkraut, und meiner Mama dafür, dass sie mir schon als Kind einimpfte, Kartoffelbrei sei einzig und allein mit Milch zuzubereiten und auf keinen Fall, wie immer in den Rezepten angegeben, mit Wasser. ;-) )
Danach gab’s Geschenke. Sooo viele schöne Sachen, unter anderem „Good bye Lenin!“ auf DVD mit finnischen Untertiteln, ein (hoffentlich) einfriersicheres neues Fahrradschloss, und von der weltbesten Freundin ein selbstgemachtes Pfefferkuchenhaus, das ich beim besten Willen nicht essen kann. (Kiitos, Pinni! *umarm*) Und dabei leuchteten der Weihnachtsbaum, der Schwibbogen , Engel und Bergmann , die Pyramide und der Adventsstern um die Wette, also doch ein bisschen Erzgebirge. „Ihr Leitle freit eich alle“ haben wir natürlich auch dazu angehört. ;-)
Danach wurde es aber höchste Zeit, wieder finnischen Bräuchen gerecht zu werden. Natürlich gehört für den Finnen auch ein Saunagang am Heiligabend zu Weihnachten. TYS hatte allen Mietern, die über Weihnachten in Turku bleiben wollten, eine Stunde Sauna kostenlos als Weihnachtsgeschenk angeboten. Also machten wir uns gegen neun ein drittes Mal auf in die Weihnachtsnacht, allerdings nur bis ins Nachbarhaus, in die Sauna. Aaaaah! :-) Ganz spät in der Nacht hab’ ich dann noch das letzte Kapitel von Morgen Findus wird’s was geben vorgelesen bekommen. Natürlich ist der Weihnachtsmann zu ihm gekommen, und Findus war glücklich. Und ich auch. :-)

Am ersten Weihnachtsfeiertag haben wir eigentlich nichts weiter gemacht als lange geschlafen und in Mias Weihnachtsgottesdienst gewesen Dort sind wir sogar noch dazu gekommen, „Stille Nacht“ zu singen. Auf Deutsch natürlich. In unserer internatioanlen Gemeinde darf nämlich bei solchen Anlässen jeder in seiner Muttersprache. :-)
Und abends fing es dann endlich wieder an zu schneien. Die ganze letzte Woche hat es immer schön abwechselnd einen Tag geschneit, einen Tag geregnet, einen Tag geschneit, einen Tag… naja. Heiligabend hätten wir jedenfalls auf der Strasse schlittschuhlaufen können.

Aber heute früh war es auf einmal wieder richtig weiss, und die Sonne schien – der perfekte Tag, um endlich die Eisbadesaison zu eröffnen! :-)


Auf Ruissalo am zweiten Weihnachtsfeiertag mittags um eins. Man beachte den gigantischen ;-) Sonnenstand!

Draussen waren -2°C, das Wasser hatte 1,5°C die Sauna ungefähr 110°C, und es war sooooo schön! Und als wir 2h später wieder heimfuhren, wurde es schon wieder dunkel.

Ooooch, war DAS ein schönes Weihnachten!!!

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