Suomalainen Päiväkirja

Live aus Turku

Am kürzesten Tag

Hinterlasse einen Kommentar

Es will mir keiner glauben, aber: die Dunkelheit macht mir nichts aus.

Im Gegenteil, nach dem langen, hellen Sommer freue ich mich, wenn es abends zum ersten Mal wieder dunkel wird. (Genauso, wie ich mich im Frühling freue, wenn es auf einmal abends wieder ein bisschen später dunkel wird, und dann noch ein bisschen später, und dann plötzlich gar nicht mehr dunkel wird. Wahrscheinlich kann man die beiden Extreme nur in ihren Gegensätzen ertragen. Und schön finden.)

Hier in Turku ist es ja auch gar nicht so ganz extrem. Heute ging die Sonne um dreiviertel zehn auf und wird viertel vier wieder untergehen. Das sind immerhin noch fünfeinhalb Stunden Sonne. Naja, fünfeinhalb Stunden Sonne, die in Augenhöhe über den Horizont zu kriechen scheint. Um elf waren die Schneewolken am Himmel heute immer noch morgenrotrosa, und um zwei leuchteten sie schon wieder golden im „Abend“licht. Wenn Schnee liegt, ist alles gar nicht so schlimm. Dann ist es sowieso viel heller. (Und wir haben ja wieder Schnee! Gestern Abend segelten die ganze Zeit so dicke, weiche Schneeflocken wie aus dem Märchenfilm vom Himmel.) Wenn es dazu noch klar ist, dann wird es auch schon eine Stunde vor Sonnenaufgang hell und erst eine Stunde nach Sonnenuntergang richtig dunkel. Und der Himmel und die Landschaft sind den ganzen Tag in diese „Babyfarben“ – hellblau und zartrosa – getaucht.

Wenn aber kein Schnee liegt und es dick bewölkt ist, dann…! Dann wird es eigentlich den ganzen Tag nicht richtig hell, und um zwei scheint schon wieder die Nacht hereinzubrechen. Aber das macht mir nichts. Ich weiss ja, dass es bald schon wieder – und zwar rasend schnell – heller werden wird. In fünf Monaten schon wird es wieder nicht mehr dunkel werden nachts.

Das einzige, was mich an der Dunkelheit wirklich stört, ist, dass man andauernd müde ist. Als ich vor ein paar Wochen beim Frühstück vorsichtig beim Liebsten anfragte, ob er denn auch immer so müde sei (um auszuschliessen, dass ich an einer besonders heimtückischen Variante der Schlafkrankheit leide), schüttelte er den Kopf:“Nööö!“ Als ich abends aus der Uni kam, erzählte er mir dann allerdings, er hätte sich mittags mal kurz hingelegt und gleich zwei Stunden geschlafen. Ah ja! ;-)

Seitdem nutzen wir, trotz ausreichenden Nachtschlafs, jede sich bietende Gelegenheit, um früh länger zu schlafen oder einen Mittagsschlaf zu machen. Ich bin schon froh, dass wir beide keinen Acht-bis-Sechzehn-Uhr-Bürojob haben, aber manchmal denke ich, finnische Arbeitgeber könnten ihren Angestellten ruhig einen Monat Winterschlafurlaub im Dezember geben. Viel rauskommen wird sowieso nicht dabei, wenn eine ganze Nation kollektiv müde ihrer Arbeit nachgeht.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s